56 Kommentare zu “„Brüller des Tages“: Kindernachrichtensendung „Logo“ gibt Ungarn die „rote Karte“

  1. Auf andere einschlagen geht leicht, sieht man ja in der Politik auch in Ungarn gut. Konstruktive Vorschläge hört man dann nicht mehr so oft. Also die Frage, wie würden Sie dieses Thema Kinder politisch korrekt erklären? ________________________________

    • Thomas Szász hat einmal in – zugegeben- ganz anderen Kontext zu einem – zugegeben – ganz anderen Thema folgendes gesagt:
      „Wenn man Menschen aus der sozialen Ordnung ausgrenzen will, muß man dies vor anderen, aber insbesondere vor einem selbst rechtfertigen. Also entwirft man eine rechtfertigende Redewendung. Dies ist der Punkt, um den es bei all den häßlichen psychiatrischen Vokabeln geht: sie sind rechtfertigende Redewendungen, eine etikettierende Verpackung für „Müll“; sie bedeuten „nimm ihn weg“, „schaff ihn mir aus den Augen“, etc. Dies bedeutete das Wort „Jude“ in Nazi-Deutschland, gemeint war keine Person mit einer bestimmten religiösen Überzeugung. Es bedeutete „Ungeziefer“, „vergas es“.

      Es fällt Menschen leicht, auf ANDERE einzuschlagen. Seit Jane Godalls Beobachtungen im Gombe-Nationalpark in Tansania weiß man, dass das kein Alleinstellungsmerkmal der Deutschen ist. Das macht jeder Affe, der sich in der Mehrzahl weiß.

      Ehe sich die Frage, wie würden Sie dieses Phänomen deutschen Kindern politisch korrekt erklären, beantworten lässt, ist festzuhalten:
      In Europa hat das Deutsche Kinderfernsehen die Kompetenzkompetenz und erteilt Platzverweise, wenn Europäer ausgegrenzt werden sollen.

      Übrigens weiß man inzwischen: Affen töten aus Gier nach mehr Land. Die dunkle Seite Öffentlich-Rechtlichen ist der neue Rundfunkbeitrag. Es geht um das Überleben.

      Es wäre politisch korrekt, den deutschen Kindern zu erklären, dass in Europa für alle die gleichen Regeln gelten. Auserwählte halten in Brüssel für 3 Euro 50 Mahlzeit und der Rest Europas ist auf die Brosamen angewiesen, die von des Herrn Tisch fallen.

      Das ist die Regel. Wer dagegen verstößt, gerät ins deutsche Kinderfernsehen, denn das erteilt die Platzverweise.

      Kinder, schafft uns Europas Ungarn aus den Augen!

  2. Pingback: snipsnap

  3. @Marion Krebs, ich, als Mutter von drei Kindern muss täglich erklären. In meinem Sinne versuche ich dies auch politisch korrekt, aber was wir in diesem Beitrag sehen ist nicht nur nicht korrekt, sondern schlicht gelogen.

  4. Also den ersten Logo-Beitrag zu Ungarn fand ich amüsanter. Ist aber auch eine schwierige Materie, die hier den Kids erklärt werden soll.
    Dass die Medien nicht immer frei berichten, trifft freilich in erster Linie für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu. Die privaten können eigentlich weiter machen was sie wollen. Und die Schlammschlacht mit Klubradio hat nunmehr vielleicht auch ein Ende.
    Die Einschränkung der Rechte des Verfassungsgerichts ist schon schwieriger darzustellen. Formal wurden ja zumindest bei der letzten großen Verfassungsänderung keine Kompetenzen beschnitten. Aber wenn man alles Umstrittene einfach in großem Stil in Verfassungsrang erhebt und damit einer Überprüfung durch das Verfassungsgericht entzieht, dann kommt das auch einer Beschneidung von dessen Befugnissen gleich.
    Der Rest ist korrekt dargestellt: „Viele meinen“ in der Tat, dass da was nicht stimmt und deswegen überprüft die EU das jetzt mal. Mal sehen, wie Logo berichtet, wenn die Prüfung vonstatten gegangen ist.
    Und wo, Liliom, wurde jetzt Ihrer Meinung nach gelogen? (Bitte mir diese provokante Frage zu verzeihen. Ich reagiere traditionell allergisch auf den Begriff der Lüge.)

  5. Mit Sicherheit Absicht, böse Absicht, ist dem Kritiker zu unterstellen, der über die Meinungsmache des Deutschen Kinderfernsehens so urteilt:
    Nicht amüsant, aber eigentlich wurde alles korrekt dargestellt.
    Die Botschaft, Ungarn mit Sanktionen belegen oder gar aus der EU rausschmeißen zu müssen, klingt wirklich nicht sehr amüsant. Das schwächt Ungarnfreund mit der Feststellung: „ … ist korrekt dargestellt“ ab.
    Wo wurde gelogen? Der Beitrag des Deutschen Kinderfernsehens über Ungarn ist nicht sachlich, sondern manipulativ. Linke Meinungsmache, Desinformation vom Feinsten.

  6. Ich dachte schon, bei meinen lieben Ungarn steht einer auf der Leitung. Index.hu berichtet aber, das Ferenc Kumin ausgerastet ist, als er von der von Ungarnfreund als korrekte Darstellung dargestellten Kinderhetzsendung des Deutschen Kinderfernsehens gehört hat.

    Um ehrlich zu sein, Jugendfreund Szaniszló hätte man in Bayern schon längst nachgewiesen, dass er seine Frau mit der flachen Hand ( … ) usw. Unter bestimmten Umständen wäre er in Bayern schon längst nach § 63 und § 64 Strafgesetzbuch (StGB) als psychisch kranker oder antiszemét Straftäter entsprechend den Maßregeln der Besserung und Sicherung untergebracht worden.

    Ich weiß nicht, was Ferenc Kumin blüht!

    Er sollte es doch mal mit einer substantiierte Begründung seines Ausrasters beim Deutschen Presserat versuchen.

    (Ausgenommen Gustl Mollath, der seit 8 Jahren in der Geschlossenen sitzt, könnte jeder in Deutschland wissen, was Hans Wollschläger schon immer wusste:

    „Es gibt, so wie die Welt beschaffen ist, weder »Gerechtigkeit« noch einen Anspruch darauf; man kann nur darauf hoffen, stärker zu werden durch das, was einen nicht umbringt…

    [aus einem Brief Hans Wollschlägers vom 22.8.1996]

    Mich hat immer erschreckt, wie leicht man Opfer werden kann, wo Recht gesprochen wird; ich möchte Richter nie sein…

    Woher haben wir eigentlich diesen merkwürdigen Drang, das Gleichgewicht der Dinge, die Große Balance, die Absolute Gerechtigkeit zu wünschen, nachdem sie doch in der anschaubaren Welt gar nicht vorkommt?!

    [aus einem Brief Hans Wollschlägers vom 29.11.2002]

    Ich sammle solche Fälle, um zur gegebenen Zeit vor dem Jüngsten Gericht diverse Nebenklagen zu vertreten, auch wenn ich mir im klaren darüber bin, daß das mir vorschwebende Strafmaß – hundert Jahre Erkenntnispein – nicht viel Aussicht hat, zum Zuge zu kommen, da die (deutsche) Verteidigung es mühelos mit dem Grundsatz Nulla poena sine lege kippen wird. Es könnte freilich auch sein, daß, weil dann ja doch die Ewige Gerechtigkeit das Sagen bekommen dürfte, das Deutsche Recht selber mitsamt seiner Rechtsprechung bereits in den Orkus getan worden ist und somit das Haupthindernis für die Verfolgung von Politgangstern beseitigt … nun, wir werden sehen.

    [Sudelbuch II (Januar 2001 – 4.3.2007), undatiert, vermutlich Ende 2002]“

    Glück auf, Ferenc Kumin!

  7. Stephan Ozsváth vom ARD-Hörfunkstudio Wien berichte von der Ki.Ka-Sendung und den ungarischen Reaktionen
    http://www.tagesschau.de/ausland/ungarnkika100.html

    „Der Ministerpräsident selbst, Viktor Orban, empörte sich: „In Ungarn wäre das nicht möglich, dass in Kinderprogrammen Lügen und unwahre Fakten verbreitet würden. Wenn das im ungarischen Fernsehen geschähe, würden die Verantwortlichen sofort rausfliegen“, polterte Orban. Kinder seien „nicht dazu da, um sie politischer Gehirnwäsche auszusetzen, auch die deutschen Kinder nicht.““

    „Aber die Regierung Orban möchte nicht nur die eigenen Journalisten kontrollieren, auch das Image im Ausland ist ihr wichtig. Die Regierung versucht aktiv Einfluss auch auf die Arbeit von ausländischen Journalisten zu nehmen. Im „Fall Ki.Ka“ beschwerte sich das Außenministerium beim deutschen Botschafter in Budapest.“

    • Bravo Viktor Orbán!
      Dieser Logo-Beitrag, über dessen Stichhaltigkeit man sicher diskutieren könnte, wurde (zumindest außerhalb Ungarn) bisher so gut wie nicht wahrgenommen, und von den Kindern so schnell vergessen, wie der Wetterbericht der letzten Woche. Sein rühmlichstes Ende wäre es gewesen, irgendwo in den Archiven zu verstauben.

      Durch diesen „Staatsakt“ haben ihn heute Millionen von Menschen gesehen.
      Was um Himmelswillen ist der Sinn, und das Ziel der Aussage?
      „…politischer Gehirnwäsche …deutscher Kinder… “
      Was erwartet man als Reaktion auf eine solche Aussage?
      …dass die Verantwortlichen bei KiKa fristlos gekündigt werden, und zukünftige Berichte nicht ohne Zustimmung der ungarischen Medienbehörde gesendet werden?
      (Verzeihung, mein letzter Satz ist zynischer, als ich es üblicherweise schreibe, aber ich nehme es nicht zurück!), denn das, was da von Ihnen losgetreten wurde, ist wirklich der „Knaller der Woche“!

      • Liebe Babel,

        Sie können sich glücklich schätzen, weil Sie von der schmutzigen Logik der Politik offensichtlich nichts verstehen. Ich versuche Ihnen erklären, wie Orban -vermutlich- denkt.
        Es kam in der letzten Tagen erstmals vor, dass Angela Merkel die Politik Orbans öffentlich kritisierte. Das ist selcht: die ungarischen Kleinbürger, die traditionelle Wählerschaft von der ungarisch Rechten, schätzt nämlich die “Deutschen” hoch. Also der Logo Beitrag kommt gerade gelegen: der ist nämlich super peinlich, und damit kann man die ganze deutsche Kritik lächerlich machen. Nach einem ähnlichen Fall hat die oppositionelle HVG Paul Lendvai Orbans nützlichen Idiot genannt. Wie es aussieht, hat Orban einen neuen nützlichen Idiot gefunden.

  8. Es ist noch nicht lange her, da titelte Die Welt: „Öffentlich-rechtliche Arroganz wie beim ZK der SED“

    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article112711404/Oeffentlich-rechtliche-Arroganz-wie-beim-ZK-der-SED.htmlDie

    Kein Wunder, wenn Oszváth sich nicht um den deutschen Pressekodex schert. Wahrhaftigkeit? Fehlanzeige!
    Die Achtung vor der Wahrheit? Doch nicht, wenn es um Ungarn geht.
    Wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit? I wo!

    Ziffer 1 – Wahrhaftigkeit und Achtung der Menschenwürde
    Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse. Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.

    Ziffer 2 – Sorgfalt
    Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfalt. Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben. Ihr Sinn darf durch Bearbeitung, Überschrift oder Bildbeschriftung weder entstellt noch verfälscht werden. Unbestätigte Meldungen, Gerüchte und Vermutungen sind als solche erkennbar zu machen. Symbolfotos müssen als solche kenntlich sein oder erkennbar gemacht werden

    Richtlinie 2.5 – Grafische Darstellungen
    Die Sorgfaltspflicht verlangt, bei grafischen Darstellungen irreführende Verzerrungen
    auszuschließen.

  9. Vom ungarischen Außenministerium gab es sogar eine Presseerklärung zu diesem Logo-Beitrag: http://www.kormany.hu/hu/kulugyminiszterium/hirek/a-kulugyminiszterium-eliteli-a-magyar-kormanyzatot-biralo-nemet-rajzfilmet. Ich meine, da hätte es schon ganz andere Pressebeiträge gegeben, die man hätte kommentieren sollen. Aber diesen hier? Der lässt doch im Grunde alles offen. Viele meinen, die EU überprüft jetzt mal, die EU könnte ggf. dieses oder jenes machen. Ist doch harmlos. Warum erregt gerade dieser Beitrag die Gemüter?

    • Weil man – und da hat die Regierung uneingeschränkt Recht – KINDER (!) einer Gehirnwäsche unterzieht. Das Thema eignet sich nicht, in ein paar Bildchen und Sätzchen „zusammen gefasst“ zu werden.

  10. Gehirnwäsche? Bleiben wir kurz auf dem Teppich, indem wir ein konkretes Beispiel hernehmen. Der Logo-Beitrag behauptet, das manche Radiosender (Mehrzahl) aus politischen Gründe keine Lizenz bekämen. Nun, das ist nicht ganz korrekt. In Wahrheit geht es um genau einen Radiosender, nämlich das Klubradio. Und das hat ja nun nach langem Tauziehen vor Kurzem endlich seine Lizenz bekommen. Dass es politische Gründe für den Eiertanz gab, vermuten viele, richtig beweisen kann es niemand. Die Logo-Behauptung ist also nicht ganz korrekt, aber auch nicht völlig aus der Luft gegriffen. Es wird etwas vereinfacht und zugespitzt. Rechtfertigt das schon den Vorwurf der Lüge? Wenn man die Vorgänge in Ungarn eher kritisch sieht, dann möchte man fast sagen: Getroffene Hunde bellen. Vielleicht regt sich die ungarische Regierung nur deshalb so auf, weil ihr Logo mit simpelsten Mitteln vorhält, wo sie Dreck am Stecken hat, so dass sich sogar Kinder was darunter vorstellen können.

      • Ich weiß, dass Ihnen das Argument vom „wahren Kern“ nicht gefällt. Sie sollten trotzdem versuchen, diese Denkfigur ernst zu nehmen. Sonst hinterlassen Sie den Eindruck, etwas rein waschen zu wollen, was nicht rein ist.

      • Ich verwende das kernige Argument in der Regel dann, wenn Sie etwas vom Tisch wischen wollen, was sich meiner Meinung nach nicht so leicht vom Tisch wischen lässt. Wenn Sie wie Pusztaranger oder Eva Balogh schreiben würden, würde ich vermutlich öfter mal pro-Orbán dagegen halten. Meine von Ihnen wahrgenommene „Einseitigkeit“ ergibt sich aus Ihrer „Einseitigkeit“, wenn Sie so wollen.

      • Ich verstehe. Sie nehmen also immer Gegenpositionen gegen Einseitigkit ein. Das ist schön und löblich. Vielleicht verlinken Sie mal ein paar Kommentare „pro Orbán“, die Sie bei Pusztaranger und Eva Balogh gepostet hatten. Oder dem PL. Denn die schreiben ja, wie sie schreiben.

        Ich konnte leider nichts Kritisches von Ihnen in o.g. Foren finden. Oder streiten Sie etwa nur hier, kämpfen nur gegen die hier angeblich vorherrschende „Einseitigkeit“ an?

      • „Insbesondere von einem, der diese “Denkfigur” wundersamer Weise stets zu Lasten einer Seite verwendet.“
        Es ist doch immer wieder schön, dass HV uns mit zupackender Sprache aufklärt, was „einseitig“ ist 😉

        Übrigens hat Herr Ozsváth vom ARD-Hörfunkstudio Wien im deutschen Mainstream (Deutschlandradio und Tagesschau) einen Bericht über Antidemokratisches und antisemitisches Gedankengut an ungarischen Universitäten veröffentlicht:
        „Jobbik punktet mit Antisemitismus bei Studenten“
        http://www.tagesschau.de/ausland/rechtsradikalestudentenungarn100.html

        „Auch die Regierung … verurteilte die Listen. Antal Rogan, Fraktionschef der rechtskonservativen Regierungspartei Fidesz, sagte, er sei damit nicht einverstanden, Listen anzulegen. „Ich finde, dass die Umstände gründlich untersucht werden müssen. Darüber muss die Allgemeinheit informiert werden. Der Vorfall versieht aber auch die Studentenvertretungen mit einem großen Fragezeichen. Wenn sie solche Listen erstellen, gibt es da ein großes Problem.“ Mittlerweile hat die Regierung die rechtsextreme Studentenorganisation HÖK verboten.“

        Ich habe in ihrem Blog einen vergleichbaren Bericht gesucht, aber KEINEN gefunden.
        Auch die Stichwort-Suche war ergebnislos. Warum eigentlich?
        – Vielleicht, weil andere Blogger bzw. Online-Medien bereits darauf aufmerksam gemacht haben?
        – Oder, weil sie mit diesem Thema nicht die linksliberalen (deutschsprachigen) Medien wegen einseitiger Berichterstattung kritisieren können?

      • Lassen Sie mich Ihnen ein wenig schmeicheln, HV. Ich diskutiere lieber bei Ihnen, weil Ihr Blog der für mich interessanteste ist. Pusztaranger schreibt a) zu wenig und b) nur über ganz bestimmte Themenkreise. Frau Balog schreibt viel, aber irgendwie auch immer dasselbe und nicht aus einer deutschen Perspektive. Nur bei Ihnen werden Artikel aus der deutschen Presse, überhaupt das deutsch-ungarische Verhältnis intensiv diskutiert. Da ist mir einfach Jacke näher als Hose.

      • Den PL ließen Sie unter den Tisch fallen. Wie bewerten Sie die dort vertretenen Positionen? Vollkommen einseitig und teilweise unter der Gürtellinie, oder etwa ausgewogen und ganz nach Ihrem Gusto? Wenn ersteres: Haben Sie dort jemals Gegenpositionen eingenommen? Würde mich – und vielleicht auch den einen oder anderen Leser – einfach interessieren, denn Sie heben ja Ihre Funktion eines Korrektivs gegen Einseitigkeit hervor. Nur ein einziger, winziger Kommentar an anderer Stelle würde mir ja schon als Zeichen des guten Anfangs reichen, es müssen ja nicht – wie hier 2012 – derer 630 aus Ihrer Feder sein… 🙂 . Nur Karl Pfeifer war, mit 923 Kommentaren, aktiver (und ebensosehr auf Gegenpositionen in diesem Forum hier fokussiert) – ist vom Ansatz her so a bisserl das selbe Phänomen.

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2012/annual-report/

    • Aus ungarischer Sicht is es nicht verständlich, warum Kinder politisch erzogen werden müssen. Das verbinden wir mit Diktaturen, zB die Kommunisten haben das auch versucht.
      Kinder sind keine mini Erwachsene, die doof sind, daher die Sachen vereinfacht dargestellt werden sollen. KInder haben ihre eigene Welt, wo man durchaus die demokratische Werte vermitteln kann. ZB dass man die Meinung von anderen KInder zuhört, und nicht überschreit, dass man das das Spielzeug von kleineren Kindern nicht wegnimmt, und wenn alle Kinder ein Kind hassen, sollte man sich nicht anschliessen, und auch selbst Hass schwüren. Solche Geschichten wären übrigens auch den ARD und ZDF Redakteuren nicht ganz nutzlos.

      • „warum Kinder politisch erzogen werden müssen“

        Die Sendung versucht nur das, was ich auch versuche, wenn mein Sohn etwas im Radio hört und es nicht versteht. Ich versuche dann vereinfacht, für ein Kind verständlich die Sache noch einmal zu erzählen. Die Logo Redakteure arbeiten aus dem Material, was ihnen die deutschsprachigen Medien über Ungarn bieten. Und wenn man das, was auch die Erwachsenen viel ausführlicher zum Lesen, Hören und Sehen bekommen auf wenige einfache Sätze bringen will, kommt das heraus.

        Ich habe mir überlegt, wie ich die Situation in Ungarn für ein Kleinkind in einigen einfachen Sätzen zusammenfassen könnte und bin zum Ergebnis gekommen, dass es unmöglich ist.

      • @ Halász d. János: Endlich bringt es jemand auf den Punkt. Das Thema eignet sich nicht für eine „kindgerechte“ Zusammenfassung. Es geht zu viel verloren, übrig bleibt eine Karikatur Ungarns. Oder das, was Ungarnfreund als „wahren Kern“ der deutschsprachigen Berichterstattung bezeichnen würde. Mit einem Wort: Propaganda.

        Über die Frage, was man damit erreichen will, gehe ich dabei noch gar nicht ein…

  11. Orbán Viktors Reaktion auf die Kritik an der Pressefreiheit in Ungarn: „Ha ez előfordulna a Magyar Televízióban, itt mindenki repülne egyetlen perc alatt, ugyanis a gyermekek nem arra valók, hogy mindenfajta politikai agymosásnak vessük őket alá“. = Wenn so etwas im ungarischen Fernsehen passieren würde, würden alle innerhalb einer Minute rausfliegen, denn Kinder sind nicht dazu da, sie einer politischen Gehirnwäsche zu unterziehen.

    quod erat demonstrandum…

  12. Eure Sendung für Kleinkinder ist sehr Interessant. Die rote Karte ist eine einfach genial! Gestatten Sie mir bitte meine Damen und Herren in der Radaktion einen Vorschlag zur nächsten Sendung über ungarische Parteien zu machen.

    1 FIDESZ-KDNP ist etwa wie CDU/CSU bei euch in Deutschland.

    2 MSZP ist nicht nicht nicht wie man es in Deutschland denkt, SPD sondern
    MSZP ist gleich, wie die (DDR SED-Nachfolgepartei) Die Linken

    3 Eine Partei wie SPD haben wir nicht. Es ist genauso irreführend MSZP mit SPD gleichzusetzen wie Bayern München mit FGSZ Siófok. Obwohl beide Fußballmannschaften auf grünem Gras und mit rundem Ball spielen, wäre töricht zu glauben, beide spielen in der selben Liga.

    4 Eine Partei wie die Bündnis 90/Die Grünen haben wir nicht

    5 Die Partei SZDSZ hat die Fünf-Prozent-Hürde bei den letzten Wahlen nicht geschafft, SZDSZ war wie die (Liberalen in Deutschland) FDP

    Nun, also liebe Leute in der Sendung an die Arbeit.
    Ich bin auf eure Nächste Sendung für Kinder sehr gespannt.

    Sollten Sie weitere Fragen (zur ungarischen Parteien) haben, so stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

    Hochachtungsvoll:
    ein-(sehr)kleiner-mann

    • Hallo, kleiner Mann. Irgendwie finde ich Ihre Vergleiche nicht ganz passend. So nationalistisch wie Fidesz ist bei uns nämlich nicht mal die CSU; die ist sozusagen eher „regionalistisch“. Die einzige Gemeinsamkeit von MSZP und Linkspartei ist, dass sie in gewisser Weise aus ehemaligen kommunistischen Parteien hervorgegangen sind. Ich sage übrigens bewusst „in gewisser Weise“, weil gefühlte 99% der ehemaligen Mitglieder von SED und MSZMP heute parteilos sind. Ideologisch haben MSZP und Linke wenig gemeinsam. LMP und B90/Grüne sind gemeinsam bei den Europäischen Grünen organisiert; zumindest ein bisschen sind die also schon vergleichbar. Der Vergleich von SZDSZ und FDP erscheint mir hingegen aufgrund völlig anderer Geschichte nicht so sinnvoll. Wahrscheinlich ist in Ihrem Universum auch jeder Fidesz-Kritiker aus Deutschland automatisch ein MSZP-Freund. Aber da, kleiner Mann, liegen Sie falsch. Bei uns gibt es einfach weniger Polarisierung, weniger Hass und mehr Gemeinsamkeiten.

      • Hallo, Ungarnfreund. Ich finde ihre Ergänzungen ganz passend. So sollte man miteinander über anderen reden wie Sie es tun. Ja, Sie haben Recht, Vergleiche passen nicht ganz, aber was ich sagen wollte ist, dass man ohne gewisse Kenntnisse nur falsche Fragen stellen und falsche Antworten bekommen kann. Deshalb ist es wichtig Argumentieren. Wir sehen die gleiche Medaille, Sie die eine Seite, ich die andere Seite. Ich gebe zu, die Deutschen sind nicht so polarisiert wie wir, aber die (Ost)Deutschen müssten und müssen nicht allein die SED Vergangenheit aufarbeiten, denn der große Bruder BRD ist da. Dagegen wir sind allein, und müssen unsere Probleme alleine lösen. Seit mehr als zwanzig Jahren haben wir keine Lösung für unsere Probleme gefunden und vielleicht deshalb sind wir „anders“ und ungeduldig. Vielleicht deshalb fällt uns auf, wenn so eine Sendung gesendet wird. Vielleicht deshalb sind unsere Antworten auf so eine Sendung „übertrieben“. Ich muss mich für ihre Antwort bedanken, denn sie ist korrekt und nicht beleidigend formuliert. Als, Danke dafür.

      • Lieber kleiner Mann,

        wenn man nur Ostdeutschland mit Ungarn vergleicht, stellt man beunruhigende Gemeinsamkeiten fest: vor allem der Rechtsextremismus ist in den neuen Bundesländern deutlich erfolgreicher als im Westen, fast so wie man es auch in Ungarn beobachten kann. Ich fände es dahe gut, wenn es mehr fachlichen Austausch zwischen deutschen und ungarischen Innenpolitikern zu der Frage gebe, wie man den Rechtsextremismus wirksam bekämpft. Voraussetzung für den Erfolg wäre, dass beide Seiten feststellen: Ja, wir haben da ein Problem und wir wollen voneinander lernen, wie man am besten mit dem Problem umgeht. So könnte man auch dem Vorwurf vorbeugen, die arroganten Deutschen wollten den Ungarn Lektionen erteilen.

        Was ich wohl nie so richtig verstehen werde, ist die ungarische Postkommunismusdebatte. Es war eine kleine Gruppe von Reformern um Miklos Németh innerhalb der kommunistischen Partei, die die Selbst-Abwicklung des Kommunismus in Ungarn bewerkstelligt hat. Dazu war in der SED niemand fähig. Eine Gemeinsamkeit liegt wiederum darin, dass sowohl die SED als auch die MSZMP nicht einfach in ihren Nachfolgeparteien aufgegangen sind. Nur ein Bruchteil der früheren Genossen hat jeweils unter neuem Parteinamen weitergemacht. Echte alte Apparatschiks haben heute weder in der MSZP noch in der Linken mehr etwas zu sagen. In beiden Parteien ist der Generationswechsel an der Spitze nahezu abgeschlossen. Was die Bereicherung nach der Wende und das Oligarchentum angeht, so hat Fidesz meines Erachtens auch keine reine Weste. Auch gibt es bei Fidesz prominente Politiker mit einer MSZMP-Vergangenheit.

        Kurz: Ich empfinde die Postkommunismusdebatte in Ungarn als seltsam anachronistisch oder vorgeschoben. Meine Hoffnung ist, dass im Umfeld von LMP, Dialog, Milla etc. allmählich eine neue Politikergeneration heranwächst, die von den alten Schlammschlachten nichts mehr wissen will.

  13. Ich für meinen Teil bin auch begeistert von der Sendung.
    Zeigt es mir doch, die Zukunft Deutschlands ist gesichert.Es wachsen Millionen von Einstein´s heran.Herrlich, wenn Kinder ab 6 sich für die ung.Journalisten die in Ungarn “nicht immer frei berichten”können und für Radiostationen, die keine Erlaubnis zum Senden bekommen interessieren.
    Gedanken mach ich mir jetzt allerdigs um meinen Enkelsohn, (der im Mittel der Zielgruppe liegt)
    Er muss wohl total daneben sein, denn ich befürchte er weiß nicht mal so genau was ein Gericht ist (Ich befürcht er siedelt das in der Kategorie essbar an 😉 )
    Irgendwie fiel mir dann spontan noch ein Spruchband über einer Kinderkrippe (0-3 Jahre ) ein .
    Alle Kinder der Welt sind unser Freunde aber besonders die Kinder der Sowjetunion!!
    Man kann nicht früh genug anfangen, das „Richtige“ den Kindern einzutrichtern.

    @ ein-(sehr)kleiner-mann
    evtl häte man noch (quasi zwecks Verwendung für die nächste LOGO-Politik-Aufklärungssendung erwähnen sollen :
    Die Piratenpartei — jetzt auch in Ungarn „Együtt 2140 “ 😉

  14. Pingback: ZDF schlägt zurück: Nach den Kindern die Online-Community | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

  15. Liebes ZDF,

    wie wäre es denn mal mit einer Kindersendung darüber, wie die EU nach 2005 die Verfassungsabstimmung in Frankreich klammheimlich einfach annulierte. Wäre doch auch ein Beitrag zur Demokratieerziehung von 6 Jährigen. Natürlich haben die auch schon das Abstraktionsvermögen, … hüstel, hüstel … um all das zu verstehen!

  16. Pingback: Paul Lendvai spricht im Kurier über “Gulasch-Orbánismus mit nationalistischer Sauce” | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

  17. Pingback: “Zeichentrick-Krieg”: HírTV beantwortet Beiträge von KiKa und “ZAPP” | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

  18. Sehr geehrter Herr Herche,

    danke, dass Sie mir den Pressekodex nahelegen. Aus Ihren Ausführungen entnehme ich jedoch, („grafische Darstellungen“) dass Sie meinen Bericht nicht aufmerksam gelesen/gehört haben. Sie sitzen offenbar dem gleichen Missverständnis auf, dem auch die regierungsnahe ungarische Presse unterliegt, dass ich nämlich der Autor des Kika-Beitrages wäre.

    Ich habe über die Aufregung in Ungarn über den Kika-Beitrag berichtet und den Kika-Beitrag zitiert – und im folgenden Text ergänzt: Durch die Information über die mittlerweile erfolgte Erteilung der dauerhaften Frequenz an Klubradio durch Medienbehörde. Und die erfolgten Entlassungen (Hunderte) im öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Ungarn. Die hat es de facto gegeben, ich kenne Betroffene persönlich, es sind also keine Meinungen, sondern Fakten.

    Dass die ungarische Regierung versucht, Einfluss auf unsere Arbeit als Auslandskorrespondenten zu nehmen – das lässt sich anhand von Beispielen belegen. Einige davon habe ich zitiert. Ich empfehle Ihnen hierzu das Interview des ORF-Korrespondenten Ernst Gelegs im „Standard“ dazu:
    http://derstandard.at/1361240851977/Treue-Diener-der-Regierung
    Dort erfahren Sie einiges über die Bedingungen unserer Arbeit.

    Herr Szarvasi hat offenbar meine Berichte genauer analysiert und kommt zu dem Schluss, dass ich ausgewogen berichte. Er konnte das mit Zitaten belegen. Und hat seinen Kommentar in einer zivilisierten Form vorgetragen. Das freut mich – unabhängig von seiner Einschätzung. Denn die meiste Post, die ich bekomme, entspricht leider nicht dem Ideal „ungarischer Höflichkeit“.

    Es sind wüste Beschimpfungen – ziemlich vulgär, „Vaterlandsverräter“ ist stilistisch noch einer der feineren Ausdrücke. Wenn einem inhaltlich nichts einfällt, dann kommt halt das. Komischerweise kommen diese E-Mails in Wellen, immer dann, wenn der Regierung irgendetwas nicht passt an meiner Berichterstattung. Muss ich das auffällig finden ? Oder sind das spontane Äußerungen ? Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien, aber es ist doch auffällig.

    Vielleicht noch dies als persönliche Anmerkung: Wieso wird eigentlich kritische Berichterstattung über die Politik der aktuellen ungarischen Regierung so gern als „gegen Ungarn“ gerichtet verstanden ? Das ist ja eine sehr billige Art, sich aus der Affäre zu ziehen. Dann muss man als Regierung, das, was man tut, ja nicht mehr erklären. Anti-Ungarn, fertig.
    Nur, weil ich einen ungarischen Vater habe, muss ich ja meinen Verstand nicht an der Garderobe abgeben, oder ?

    Wieso kommt immer wieder der Vorwurf: Warum schreibst Du denn dann nicht auch über die Sozialisten, einer sprach sogar von „Gräueltaten“ ? Darauf gibt es eine klare Antwort: Weil sie gerade nicht in Regierungsverantwortung sind, politisch kaum noch eine Rolle spielen und ich erst seit 2012 ARD-Korrespondent bin. So einfach ist das.

    Die Ausgewogenheit, die die ungarische Regierung gerne reklamiert, legt sie selbst leider nicht an den Tag. Nicht einmal die Faktentreue, die Ministerpräsident Orbán gerne hätte. Dazu eine kleine Anekdote am Rande:

    Herr Ferenc Kumin, bei der ungarischen Regierung zuständig für die Beziehungen zur ausländischen Presse, fand es bisher nicht nötig, mit mir persönlich einmal Kontakt aufzunehmen – und hat im vergangenen Herbst in der Sendung „Rájátszás“ stattdessen gleich ziemlichen Unsinn erzählt – freihändig und bar jeder wahrhaftigen Information. Dass WDR 5 „nur von einer Handvoll Altlinken gehört wird, kaum messbare Hörerschaft“. Mit einem Telefonat hätte man erfragen können, dass es 600.000 Hörer sind. Dass ich „ein altbekannter Linksradikaler“ bin, hat er dann auch noch einfließen lassen. Ich frage mich: Wieso kennt mich Herr Kumin mehr als ich selbst ? Denn dass ich ein „Linksradikaler“ bin, war mir bislang völlig unbekannt. Es grenzt an ein Wunder, dass Herr Kumin ohne direkten Kontakt zu solch „brillanten“ Urteilen fähig ist…..

    Aber ganz offensichtlich geht es hier nicht darum, Fakten sprechen zu lassen, sondern Berichterstattung und Berichterstatter zu diskreditieren. Sprich: Propaganda zu verbreiten, die sich eben nicht auf Fakten stützt, sondern auf (politische) Meinungen.

    Soviel dazu.

    Und noch dies als Wunsch an „Hungarian Voice“. Wir Korrespondenten zeichnen unsere Beiträge immerhin mit Namen. Ich stehe zu meinen Berichten und bürge dafür mit meinem Namen. Soviel Courage würde ich mir auch vom Betreiber des „Hungarian Voice“-Blogs mal wünschen.

    Schönen Gruß

    Stephan Ozsváth, ARD-Korrespondent

    • Danke für Ihren interessanten Kommentar. Die Sendung mit Kumin werde ich mir so bald wie möglich ansehen. Was Ihren Wunsch angeht, habe ich dafür großes Verständnis. Ich bitte Sie aber, meine Entscheidung zu respektieren. So wie die Anonymität eines anderen Blogs akzeptiert wird, der von Ihrer Kollegin Hilde Stadler sogar in die ARD Tagesthemen gebracht wurde.

      • Sehr geehrte/r Betreiber/in von Hungarian Voice,

        als jemand, der jahrelang in der rechtsextremen Szene recherchiert hat, habe ich vollstes Verständnis für Anonymität. „Wir kriegen Dich“ und ähnliches bekomme ich auch öfter zu lesen (Post aus Ungarn). Dass Rechtsextreme solche Drohungen durchaus ernst meinen (s. NSU), rechtfertigt Anonymität. Insofern verstehe ich auch, dass der oder die Macher von „Pusztaranger“, auf den/die sie hier anspielen, lieber unerkannt bleibt.

        Aber Hungarian Voice ?

        Und damit Sie nicht so lange nach dem Auftritt von Herrn Kumin suchen müssen, hier gleich der Link:

        http://mno.hu/rajatszas/velemenyes-1111862

        Der in meinem Kommentar geäußerte Vorwurf, wundersame Geldvermehrung in Fidesz-Kreisen seit Amtsantritt 2010 – wurde – wie Sie hören können – nicht dementiert. Im Gegenteil. Vieles ist nachzulesen. Und ein ehemaliger Staatssekretär (József Àngyán, Fidesz) trat ja auch im vergangenen Jahr zurück, weil er – wie er sinngemäß sagte – keine „grüne Mafia“ via Bodenreform alimentieren wollte. Dass der Mann auch nicht für das Wahlgesetz stimmte, trug ihm eine Parteistrafe ein. Seitdem wird er geschnitten. Ich ziehe meinen Hut, offenbar hat der Mann ein Rückgrat, unabhängig von politischen Ansichten oder Parteizugehörigkeit.

        Schönen Gruß

        Stephan Ozsváth

      • Ich fand Ángyáns Protest gegen die Bodenpolitik des Fidesz richtig. Sonst bin ich etwas vorsichtig. Dass Sie „den Hut“ vor dem Mann ziehen, verwundert mich etwas, weil Sie sonst kritisch gegenüber nationalistischen Positionen sind. Wussten Sie, dass Ángyán gerade stark in Richtung Jobbik abdriftet, entsprechende Vorträge hält und sich in der Jobbik-Zeitung „Barikád“ als „nemzeti radikális“, also nationalradikal, geoutet hat?

        Regierungskritiker haben offenbar einen Bonus. Da werden die fragwürdigen Seiten toleriert.

      • Sehr geehrter Herr Ozsváth,

        ich habe mir die Sendung nun angesehen, danke für den Hinweis. http://mno.hu/rajatszas/velemenyes-1111862

        Zunächst sollte man erwähnen, dass Kumin zu der WDR5-Sendung, in der Sie Viktor Orbán und seine Regierung als „Räuberbande“ bezeichnet hatten, Stellung genommen hatte. Vielleicht kann man ja beginnen mit der Aussage: Wie es in den Wald hineinruft, so kommt es wieder heraus?

        Nun zu Ihrer „Anekdote“, wie Sie die Schilderung nannten:

        „Herr Ferenc Kumin, bei der ungarischen Regierung zuständig für die Beziehungen zur ausländischen Presse, fand es bisher nicht nötig, mit mir persönlich einmal Kontakt aufzunehmen – und hat im vergangenen Herbst in der Sendung “Rájátszás” stattdessen gleich ziemlichen Unsinn erzählt – freihändig und bar jeder wahrhaftigen Information. Dass WDR 5 “nur von einer Handvoll Altlinken gehört wird, kaum messbare Hörerschaft”. Mit einem Telefonat hätte man erfragen können, dass es 600.000 Hörer sind. Dass ich “ein altbekannter Linksradikaler” bin, hat er dann auch noch einfließen lassen. Ich frage mich: Wieso kennt mich Herr Kumin mehr als ich selbst ? Denn dass ich ein “Linksradikaler” bin, war mir bislang völlig unbekannt. Es grenzt an ein Wunder, dass Herr Kumin ohne direkten Kontakt zu solch “brillanten” Urteilen fähig ist…..“

        Dass sich Kumin nicht bei Ihnen gemeldet hat, ist ein schwerer Fehler. Diese Tatsache beweist, dass die ungarische Regierung bis heute nicht in der Lage zu sein scheint, professionelle Pressearbeit zu leisten. Das kann man wirklich nicht Ihnen, sondern nur der Regierung und seit 2012 auch Kumin persönlich zum Vorwurf machen. Das fördert natürlich Missverständnisse. Aber mal ehrlich: Glauben Sie, der Beitrag von Oktober 2012 war geeignet, das Eis zu brechen? Ich glaube kaum, kann natürlich auch sein, dass sie das gar nicht wollen. Und wie Kumin lieber ÜBER die anderen reden als MIT ihnen.

        Ebenso abwegig sind die Aussagen Kumins, die Reichweite von WDR5 betreffend. Er versucht, den Sender zu marginalisieren. So funktioniert das aber nicht. Ebenso gehe ich selbstverständlich davon aus, dass Sie (anders als Kumin meint) ungarisch sprechen, anders wäre es wohl schwer, den Rájátszás-Beitrag zu verstehen und uns dessen Inhalt wieder zu geben…

        Aber Herr Ozsváth, Hand aufs Herz: Wann bitte hat er in dem Interview gesagt, Sie seien „ein altbekannter Linksradikaler“? Er bezeichnete sie am Beginn als bekanntermaßen kritisch, im weiteren Verlauf des Interviews dann als links stehend (baloldali kötödésü), zudem als linken Aktivisten (baloldali aktivista) – ca. 9:00 min. Helfen Sie mir, wo bezeichnete er Sie als linksradikal? Da Sie Palóc auf die journalistische Pflicht hinwiesen, wahrheitsgemäß zu berichten, frage ich hier ganz konkret nach.

        Ja, Kumin sieht sie – richtig oder nicht – als „Linken“. Dass die Bezeichnung „links“ ein Schimpfwort für jemanden ist, der ausschließlich der linken Opposition nahestehende Gruppen und Aktivisten auf seiner Journalisten-Webseite bewirbt, verwundert mich allerdings. Ist ja jedermanns gutes Recht, links zu sein, aber warum deuten Sie dies als Vorwurf des Linksradikalismus?

        In einer Sache hatte Kumin seinerzeit vollkommen Recht: Rechtliche Schritte gegen Ihren „Betyár“Beitrag wären sinnlos gewesen. Wie auch gegen die Kindersendung Logo! und ZAPP heute. Das muss man als Regierung abkönnen.

    • Ich kann mir vorstellen warum HV seine wahre Identität vielleicht nicht offenlegen möchte. Ich musste mir in meinem „realen“ Leben auch schon Bemerkungen über die ungarische Regierung anhören. Ich vermied es bisher darauf einzugehen, weil das Freundschaften und Arbeitsatmosphäre gefährden könnte, denn die mediale Dauerbeschallung und die dort immer mehr verschwimmenden Grenzen zwischen „den Ungarn“ und dem Land kotzt (sorry) mich mittlerweile so sehr an, dass ich mein ungarisches Temperament vielleicht nicht mehr kontrollieren könnte. Mittlerweile schweige auch ich lieber über meine ungarische Nationalität um dem Problem möglichst weit aus dem Weg zu gehen – und das ist nun mal kein Effekt ihrer Berichterstattung auf dem die deutschen Medien stolz sein können. Außerdem würde es für mich kaum was zur Sache tun wenn ich HVs Namen wüsste, ich kenn‘ ihn ja eh nicht.

      Und warum die bösartigen Zuschriften immer genau dann zunehmen wenn der Regierung etwas an ihrer Berichterstattung stört liegt vielleicht auch daran, dass sie dann einen besonderen Grund dazu hatte sich daran zu stören. Und was sie stört, stört dann vielleicht auch andere.

      Das Thema wie sich die deutschsprachigen Korrespondenten in Ungarn behandelt fühlen war hier bereits Thema. Die Moral der Geschichte war: „wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“.

      Letzter Punkt: um so mehr Sie sich auf die Fidesz und auf Herrn Orbán einschießen und ihn in die rechte Ecke stellen, um so mehr Konservative fühlen sich auf den Schlipps getreten. Und um so mehr Konservative sich auf den Schlips getreten fühlen, um so mehr könnten sich durch das Ausland bedroht fühlen. Und um so mehr das tun, um so mehr Zulauf hat die Jobbik. Die Art der Berichterstattung fördert also nicht nur die ungarischen Grabenkämpfe, sondern ist eher noch kontraproduktiv als alles andere. Dass die Verantwortlichen bei den deutschen Medien das nicht einsehen, lässt zwei Schlüsse zu: a) sie sind zu blöd oder b) ihre wahren Interessen liegen woanders (Absatz!). Das heißt nicht, dass Sie nicht kritisieren dürfen wo es angebracht ist, aber Sie sollten sich in der Art und Weise mäßigen. Dass jetzt schon Kindern sozusagen in die Schlacht geführt werden überschreitet definitiv eine Grenze.

      • Anmerkung (kann gerne an den vorhergehenden Beitrag ergänzt werden): Sie hätten auch jetzt noch genug Grund die Opposition zu kritisieren, denn in einer normalen Demokratie würden sich die von Fidesz enttäuschten Wähler wieder der Opposition zu wenden, stattdessen vergrößert sich das Lager der politikverdrossenen. Woran mag das wohl liegen?

    • Warum schreibst Du denn dann nicht auch über die Sozialisten? Darauf gibt es eine klare Antwort: Weil sie gerade nicht in Regierungsverantwortung sind, politisch kaum noch eine Rolle spielen und ich erst seit 2012 ARD-Korrespondent bin.

      Da steh ich jetzt auf dem Schlauch (ich bin halt vom Dorf)
      weil die Sozis nun gerademal nicht in der Regierungsverantwortung sind, da sind sie es nicht „Wert“ darüber zu berichten und dürfen jedweden Schwachsinn von sich geben ohne dass sich auch nur einer dafür interessiert?
      oder wäre es dann schwieriger beim derzeitigen Trend den Artikel in einer „demokratischen“ Zeitung /Fernsehstation unterzubringen?

      * „Juden, die Universität gehört uns, nicht euch!“ Solche Aufkleber klebten kürzlich überall am Lehrstuhl für Philologie an der Eötvös-Loránt-Universität in Budapest. *
      Überall?
      Meine Güte das müssen ja tausende von Aufklebern gewesen sein ..oder doch eher 2?
      Aber ganz offensichtlich geht es hier nicht darum, Fakten sprechen zu lassen, sondern ein Land zu diskreditieren??

    • Hallöchen Herr Ozsváth** nach Südosteuropa, liebe Grüße aus Regensburg.
      Wir hatten über Ostern Wetter und am Karsamstag kam in den Nachrichten der ARD, dass die Tulpen auf Mainau in voller Pracht stehen. Alles ist hier sehr ausgewogen.

      On topic und heedless of the consequences:

      Ich höre Ihre** Berichte über Ungarn gerne. Toll, dass die ARD jetzt auf NLP** und Sie auf Gehirnwäsche setzen. Normative Imperative für Journalisten sind eh Schnee von gestern. Communalism, Universalism, Disinterestedness, Originality und Scepticism, das sind doch alles Kriterien aus dem vergangenen Jahrhundert. Die lassen es einem heute doch nur noch sauer aufstoßen* **.

      Wissen Sie, ich finde es einfach grandios. Während sich ganz Deutschland am Karsamstag den Arsch abgefroren hat, blühten im Ersten schon die Pfingstrosen.

      Was für Ungarn natürlich nicht gilt. Ich habe mir das Orbán-Interview angehört und auch Ihren** Beitrag, natürlich. Das* kann man doch niemandem mehr zumuten!

      http://www.mr1-kossuth.hu/hirek/radio-100723/180-perc-elozetes-interju-orban-viktorral-130321.html

      Einfach toll, was Sie** mit Ihrem Konzept für Kommunikation und Veränderung in Südosteuropa aus dem 28-minütigen Orbán-Interview herausgeholt haben.

      Gehirnwäsche*. Gehirnwäsche*. … *

      Ich kann Ihren** Orbán auch nicht leiden. Was für eine Regierung ist das, die im Radio mit dem Wetter hadert und sich gegen Verleumdungen stemmt? Ungarn braucht ein anderes Klima, das Land ihm gewogene Nachbarn. Mit Orbán ist das nicht zu schaffen. Die Journaille erwartet von ihm, dass er den Neonazis den Weg bahnt. Was aber tut er? Er flegelt sich vor das Mikrofon und erklärt im Kossuth Radio seine Verfehlungen. Er sagt doch wortwörtlich: „Jóbb kéz felé nyúló utcát …“ statt „von rechts“ etc. Sie** sprechen Ungarisch, Herr Ozsváth**. Sie** haben „öregedő baloldaliak“ mit „Altlinke“ übersetzt, haben aus „aktivisták“ „Linksextreme“ werden lassen. Das ist genial, Herr Ozsváth**!

      „Jóbb kéz felé nyúló utcát …“, hat Orbán gesagt.

      Diese Nachricht hätten Sie** Dem Deutschen Volke besser nicht vorenthalten:
      Mein Vorschlag: Leisten Sie Wiedergutmachung. Wählen Sie für Ihre nächsten Berichte diese Schlagzeilen hier:

      UNGARN – Rechtsextreme ziehen durch die Straßen! oder besser noch:

      ORBÁN reicht JOBBIK die Hand!

      Legen Sie NLP* auf und setzen Sie weiter auf

      GEHIRNWÄSCHE!

      Auch wenn Orbán sich gegen die Indoktrination von Kindern verwehrt! Wer kauft ihm das noch ab? György Konrád vielleicht? Jagt ihn der Wahnsinn?

      Auch wenn Orbán seinen Wählern Wasser, elektrisches Licht und im Winter eine warme Stube verspricht ? Will er den totalen Staat? Oder wollt Ihr E.ON, Panrusgáz und Rendite?

      Orbán wirft Deutschland Gehirnwäsche vor? Recht hat er! Oder ist er nur naiv?

      http://www.folter-abschaffen.de/

      Liebe Grüße aus Regensburg, Herr ARD-KORRESPONDENT**. Was die Nachrichten der ARD, die Tulpen auf Mainau und die Gehirnwäsche angeht, da setze ich auf die Zapper, die Grazer und die Switcher.

      Off topic und heedless of the consequences:

      Wer sich die Zeit nimmt, findet das, was er braucht, von ganz alleine. Und für den Rest gibt es Neuroleptika auf Rezept und NLP* aus den Nachrichten der ARD.

      http://www.ardmediathek.de/swr-fernsehen/fahr-mal-hin/fruehlingssuechtig-auf-der-mainau-das-jahr-erwacht?documentId=13909646

      http://monalisa.zdf.de/ZDF/zdfportal/programdata/2eacdf52-b3a1-376d-8934-ec71b18c7187/20141353

      Worterklärung
      *NLP -NaziLangspielPlatte
      **ARD-Korrespondent – NLP-Trainer

    • Bitte erlauben Sie mir einen Nachtrag, Herr Ozsváth. Sie schreiben:

      „Wieso kommt immer wieder der Vorwurf: Warum schreibst Du denn dann nicht auch über die Sozialisten, einer sprach sogar von “Gräueltaten” ? Darauf gibt es eine klare Antwort: Weil sie gerade nicht in Regierungsverantwortung sind, politisch kaum noch eine Rolle spielen und ich erst seit 2012 ARD-Korrespondent bin. So einfach ist das.“

      Ich bin etwas verwundert. Sowohl in einem aktuellen Interview für den SWR wird betont, dass Sie schon seit 7 Jahren über Ungarn berichten.

      http://www.ardmediathek.de/swr1/swr1-weitwinkel?documentId=14015480

      Auch auf Ihrer Webseite sind Berichte verlinkt, die bis in das Jahr 2006 zurückgehen. Es hätte also durchaus Möglichkeiten gegeben, über den Weg zu berichten, den das Land vor 2010 gemacht hat. Über die Ursachen also, die Orbán so stark gemacht haben…

  19. Sehr geehrte/r Herr/Frau Palóc,

    mit Verlaub: ich stelle Viktor Orbán nicht in die rechte Ecke. Er selbst stellt sich da hin. Mit Reden und Nicht-Handeln. Ein echter Konservativer ist in der Regel auch wertkonservativ und hat einen klaren Kompass für Anstand. Dass die antisemitischen und antiziganistischen Tiraden eines Zsolt Bayer nicht parteiintern sanktioniert werden, ist für mich schlicht unverständlich. Dass sich Viktor Orbán mehrere Tage Zeit lässt, um die Forderung des Jobbik-Abgeordneten Márton Gyöngyösi nach „Judenlisten“ blöd zu finden, und erst nach massiver innerungarischer und internationaler Kritik, finde ich – gelinde gesagt – schade. Die einzige Erklärung, die ich dafür habe: Bayer gibt den „bad guy“, und Außenminister Mártonyi den „good guy“. Beide haben ihre Funktionen in der politischen Kommunikation. Bayer soll die Radikalen einfangen, Mártonyi das böse Ausland beruhigen.

    Dass meine Berichterstattung und die meiner Kollegen die Ungarn in die Arme der Jobbik treiben sollen, das ist eine abenteuerliche Argumentation. Ausserdem teile ich Ihre Ansicht nicht. Bislang ist es ja eher so, dass die Regierung Orbán die Kritik aus dem Ausland eher dazu nutzt, die eigenen Reihen fest zu schließen. Damit spielt er ja auf der ungarischen Klaviatur des ewigen „Opfermythos“: Das böse Ausland. Finstere Mächte bedrohen uns. Oder Wollen Sie sagen: Macht Fidesz keinen Strich durch die Rechnung, die Wähler ganz rechts will doch Fidesz ?

    Im übrigen sind die Verantwortlichen bei deutschen Medien weder blöd noch ferngesteuert (oder verfolgen dubiose Ziele, die Sie suggerieren). Was schlagen Sie vor ? Nicht berichten ? Nur noch gefällig berichten, damit der ungarische Wähler, das scheue Reh, keine Angst bekommt?

    Tut mir leid. Für die Wählerwanderungen in Ungarn fühle ich mich ganz bestimmt nicht verantwortlich. Nur soviel dazu: Dass die Opposition wenig zu bieten hat, zerstritten ist, Gyurcsány und Sozialisten nicht besonders beliebt (wegen Korruption in den eigenen Reihen), liegt in der Verantwortung ungarischer Politiker. Wo ungarische Wähler ihr Kreuzchen machen, in der Verantwortung der ungarischen Wähler . Und die werden wählen, was und wen sie für richtig halten. Für das ungarische Polit-Personal sind wir Berichterstatter nun wirklich nicht zuständig.

    Unser Auftrag ist: Wahrheitsgemäß berichten. In diesem Sinne.

    Schönen Gruß

    Stephan Ozsváth

    • Wahrheitsgemäß berichten ist ja gerade das Problem: gerade das tun viele deutsche Medien nicht mehr. Sie verdrehen und sie Lügen (Freilassung des Axtmörders durch Ungarn etc.). Aber selbst Selbstkritik liegt den deutschsprachigen Medien nicht, wie Sie hier bewiesen haben. Kein Wort von Ihnen darüber, dass die deutschsprachigen Medien regelmäßig schlampen, schuld ist nur Fidesz selbst. Und wo die Opposition Fehler macht, da ist die ungarische Politik Schuld – das erfordert keine Einmischung, das geht Sie ja plötzlich nichts an. Blöd nur, dass sich in Ungarn auch in ihrem Sinne nichts verbessern wird, wenn die Leute gar keine Ahnung mehr haben wen sie noch wählen sollen. So feuern Sie nur das Bild vom bösen Ausland an, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Und wer vertritt die „Opfer“? Na raten Sie mal. Was denken Sie eigentlich was passieren soll wenn Fidesz bei den nächsten Wahlen die absolute Mehrheit verpasst? Soll die MSZP oder die LMP mit Fidesz koalieren? Wie wollen Sie das dem Wahlvolk plausibel machen wo doch die Fidesz die bösen Nazis sind? Verliert dann nicht die ganze ungarische Politik an Glaubwürdigkeit? Und wenn sich MSZP und LMP weigern, was dann? Ich glaube nicht, dass Fidesz mit Jobbik koalieren würde wollen. Also eine regierungsunfähige Minderheitsregierung? Und selbst wenn Fidesz mit Jobbik koaliert, könnte nicht gerade das zum GAU führen? Wie gesagt: in einer normalen Demokratie würde jetzt die Opposition erstarken und selbst eine absolute Mehrheit schaffen oder eine große Koalition bilden, aber in Ungarn? Mit dem Finger immer nur auf Fidesz zeigen, aber andererseits keine Lösungen anbieten, weil es Sie ja nichts angeht was mit der Opposition ist, ist nicht nur feige, sondern auch kurzsichtig. Im Moment kann ich ehrlich gesagt nicht mal erkennen, welche Strategie Sie verfolgen bzw. Sie Ungarn vorschlagen wollen. Darüberhinaus pflegen Sie das Image des Westens als weltfremden Klugscheißer. Alles in einem verschlimmern Sie die Situation. Sie sollten lieber darauf setzen die Fidesz zu klareren Standpunkten hinsichtlich der Jobbik zu bewegen, aber auch die demokratischen Parteien zu einen statt sie zu trennen. Sie wissen ja: streiten sich zwei, freut sich der dritte.

      Und ja, mir ist lieber die Fidesz schnappt der Jobbik ein paar Wähler weg und führt sie zurück zur Herde (z.B. via Trianon-Gedenktag), als dass das Lager der Jobbik größer wird. Ihnen sollte das auch lieber sein, sonst muss ich an Ihrer Vernunft zweifeln.

      Sie liefern übrigens selbst ein gutes Beispiel zum Thema maßvolles Kritisieren: wenn sich Orbán nicht schneller als innerhalb von 2 Tagen klar gegen Jobbik positionieren kann, dann dürfen Sie das gerne kritisieren (mir persönlich ist das noch schnell genug), aber ich sehe darin keine Rechtfertigung Fidesz zur Nazipartei zu machen. Und wieder: so machen Sie sich nur selbst lächerlich und fördern die Grabenkämpfe. Ja, indiesem Punkt spielt der Westen derzeit eine sehr negative Rolle.

      Grüße vom Herrn Palóc

    • „Nicht berichten ? Nur noch gefällig berichten, damit der ungarische Wähler, das scheue Reh, keine Angst bekommt? „

      Herr Ozsváth,
      neben nicht berichten, gefällig berichten und die Regierung bekämpfen gibt es noch eine weitere Option. Mir persönlich wäre diese Option am liebsten: objektiv und unparteiisch berichten. Meine Sorge in Zusammenhang mit den Ereignissen in Ungarn gilt nicht nur dem Land Ungarn, sondern auch der deutschen Presse. Der Fall Ungarn hat gezeigt, wie verwundbar die Medien auch in Deutschland sind.

  20. Lieber Herr Osvath,

    Willkommen in diesem offenen Diskussionsforum. Es ist einer der wenigen Orte, wo man von verschiedenen Seiten des Spektrums über Ungarn diskutieren kann, ohne sofort als Faschist, Nationalist, Jude oder Vaterlandsverräter fertiggemacht zu werden.

    Ich habe bislang keinen Ihrer Beiträge gelesen/gehört und will mich daher nur zu den Dingen äußern, die Sie hier aufwerfen. Der erste: Die inkriminierte Anonymität von HV. Ich höre diesen „Vorwurf“ in letzter Zeit vermehrt. Ich werte es als Zeichen des wachsenden Einflusses dieses Blogs und seiner kaum angreifbaren Integrität.

    Wir werden als Korrespondenten gut dafür bezahlt, wahrheitsgemäß, differenziert, objektiv und ohne Schaum vor dem Mund zu berichten. Dabei sind wir zuweilen Angriffen von interessierter Seite ausgesetzt, haben aber im Notfall unsere Verlage im Rücken.

    Blogger wie HV oder auch die ebenfalls anonyme Pusztaranger arbeiten unentgeltlich, im Fall von HV zuweilen besser als die bezahlten Profis, und insofern sie Wirkung haben, sind sie ähnlichen Rufmord-Reaktionen ausgesetzt wie wir, nur eben ohne dafür das Geld oder den Schutz zu bekommen, den wir geniessen. Ich habe insofern Verständnis für die Anonymität, wenngleich HV mir persönlich bekannt ist und ich an dieser Stelle für seine völlige politische Ungebundenheit bürgen möchte.

    Zweitens: Wenn es zutrifft, dass Sie Fidesz als Räuberbande titulierten, dann geht das ein wenig über das hinaus, was uns in Sachen journalistischer Ethik beigebracht wurde. Wer so formuliert, und dann Respekt verlangt, verlangt zuviel.

    Unabhängig davon gibt es natürlich Vetternwirtschaft bei Fidesz, obwohl man dort noch sehr weit davon entfernt ist, den früheren absoluten Meistern in Sachen Selbstbereicherung bei MSZP/SZDSZ das Wasser reichen zu können. Es ist ein kleines Land, jeder kennt jeden, Seilschaften bestimmen das Geschehen, und insofern ist Korruption/Selbstbereicherung fast automatisch allgegenwärtig. Gerade deswegen ist der Abbau von Checks and Balances unter Fidesz ein echtes Problem – Korruption zerstört Staaten, und dass Fidesz noch lange nicht so korrupt ist wie ihre Vorgänger, liegt vermutlich nur daran, dass sie noch nicht so lange am Zug sind. Die Sache bedarf unabhängiger Kontrolle, und die gibt es immer weniger.

    Beste Grüße, Ihr
    Boris Kálnoky

  21. Pingback: DW fragt: ” Wie frei ist die Presse in Ungarn?” | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

  22. Zitat aus der heutigen Ausgabe meiner Liebligssendung im deutschen Fernsehen:
    „Vidám és tárgyi történetek ma Ströbler úrral és a tűzhöz kapcsolódó trükkel, egy igen különleges kartondobozzal, a traktorról szóló álommal és persze az egérrel és az elefánttal.”
    Die Übersetzung ist zwar etwas hölzern, aber immerhin: das war Ungarisch 🙂
    http://www.wdrmaus.de/aktuelle-sendung/index.php5

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