32 Kommentare zu “Ferenc Kumin in den Nachrichten: Rechtliche Schritte gegen KiKa werden geprüft

  1. Vielleicht sollte ZDF darauf aufmerksam machen, dass die königl. Medien in Ungarn eine Firma beschäftigten, die Nazifilme dreht, wie ATV und Pusztaranger heute berichten.

  2. Eigentlich bin ich dafür, dass die Regierung mal rechtliche Schritte unternimmt um ein Zeichen zu setzen, denn ein Gericht könnte Lügen zweifelsfrei enttarnen. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob der KiKa das geeignete Beispiel ist, es hätte weitaus bessere gegeben.

  3. Dem ZDF kann solch ein Verfahren kaum schaden. l Gegenteil es würde bestätigen, dass sich Ungarn Richtung Autokratie bewegt.

  4. Seiet gegrüßt! Auch ich will an hiesigen Diskussionen teilnehmen. Zur Klarstellung: Habe nie in Ungarn gelebt, hatte also weder Vorteile noch Nachteile durch irgendeine ungarische Regierung, geschweige denn eine Diskriminierung oder eine Bestrafung erlitten, oder eine Belohnung erhalten. Ich betrachte mich jedoch seit mehr als 50 Jahren als Teil der ungarischen Nation und beherrsche selbstverständlich auch die ungarische Sprache. Mit so einem Hintergrund kann ich mit einer gewissen Distanz die aktuellen politischen Geschehnisse in Ungarn und bezogen auf Ungarn verfolgen und sachlich analysieren. Da ich gerne im Internet recherchiere aber mir auch Sendungen ungarischer TV Kanäle anschaue und diverse Rundfunksendungen anhöre, kann ich mir erlauben, die deutschsprachige Berichterstattung kritisch zu hinterfragen. Zu dem obigen Thema: Ich finde es gut, dass es derzeit geprüft wird, ob es Aussicht auf Erfolg hat, den Wahrheitsgehalt der Ungarn betreffender KiKa-Sendung „Logo“ juristisch überprüfen zu lassen. Deutschland ist ein Rechtsstaat, so dass so eine juristische Auseinandersetzung, auch mit internationalem Charakter, dürfte es möglich sein.

  5. Das Ergebnis eines solchen Prozesses wäre eindeutig: Der Kika-Beitrag ist vollkommen von der Pressefreiheit gedeckt. Die ungarische Regierung würde sich lächerlich machen, wenn sie dagegen einen Verfahren anstrengte. Es sähe ganz so aus, als könne sie es nicht ertragen, einen Spiegel vorgehalten zu bekommen. Haben Sie nicht die allermeisten Reaktionen auf Orbáns Kommentar zu dem Fall gelesen? Tenor war: Klar, getroffene Hunde bellen. Und dass Orbán feststellt, dass die Verantwortlichen für ähnliche Beiträge in Ungarn sofort entlassen würden, das glaubt man ihm sofort!

    Diesen Logobeitrag fand ich übrigens noch viel besser: http://www.tivi.de/tiviVideos/beitrag/7-Tage-R%C3%BCckblick/886446/945122?view=flash

  6. Ich sehe gerade, dass der Link nicht ganz stimmt. Interessenten mögen in der Suchfunktion einfach „Ungarn“ eingeben und dann den Beitrag vom 03.01.2012 anklicken. Einfach herrlich!

  7. Heißt denn Pressefreiheit, dass man einfach alles schreiben kann, was einem einfällt oder gefällt?? Das gehört doch in die Kategorie der Fiktion, ist ein ganz anderes Thema. Besorgt sollte man eher um das Niveau der deutschen Presse sein! Ist denn in Deutschland die Presse ganz frei wie die Märkte und reguliert sich halt selbst oder herrscht Anarchie? Und das alles wird aus Steuergeldern (KIKA) finanziert. Nein, wenn man ehrlich ist, muss man sehen, dass hier Die Journalisten alles andere als frei sind.

    • Der KIKA-Trickfilm soll aus Ungarn stammen. Die Buben (und Dirnen), die ihn 2011 gemacht haben, stammen überwiegend aus Gyurcsánys einstigen Wahlkampfteam. György Szilvásy – der unter Gyurcsány auch für die Geheimdienste zuständig war – hatte einige von ihnen im Büro des ung. Ministerpräsidenten untergebracht.

      Pressefreiheit ? Ja, unbedingt!

      Das Bundesnaturschutzgesetz (BNatschG) verbietet es, Maulwürfen (Talpa europaea), die in Europa bis Mittelasien verbreitet sind und die Aufgelockertes aus ihrem unterirdischen Röhrensystem an die Öffentlichkeit befördern (KIKA-Trickfilme z.B.), nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten.

      Übrigens wühlten sich diese dunklen Tierchen schon immer gern bis in Gärten vor, in denen sie kaum vermutet wurden. Man gedenke nur des am 10. April 1995 in Eggersdorf als Günter Bröhl beerdigten Maulwurfs. Bröhl war Jahrgang 1927. Bruno Kreiskys Intimus mit dem dicken Fell und der rüsselförmigen Schnauze ist Jahrgang 1929 und genauso lichtscheu.

      Pressefreiheit für Wühler? Ja, unbedingt. An ihren Hügeln sollt ihr sie erkennen!

  8. Schade eigentlich lieber „Ungarnfreund“, dass Sie und viele andere in Deutschland die Informationen über die Tagespolitik in Ungarn nur aus zweiter Hand und meist noch mit zusätzlichen Kommentaren und/oder durch Schwerpunktsetzung des Berichterstatters beziehen können. Oder irre ich mich?

    Zum Klartext: Die KiKa-Sendung hatte zunächst ein Presseecho in den ungarischen Medien ausgelöst, bevor Ministerpräsident Orbán in einem Interview in der Sendung „180 Minuten“ des Rundfunks „Kossuth“ am 21. März 2013 über aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse befragt wurde. Zum Schluss der Sendung hat ihn der Moderator auch über die in- und ausländischen Reaktionen, sprich Kritik, zu der Novellierung der ungarischen Verfassung vom 13. März 2013 befragt.

    Hier meine Übersetzung diesen Teils der Sendung auf Deutsch:

    Moderator: Wenn ich mich umschaue, wenn man Ausschau hält in Bezug auf das Echo aus dem In- und Ausland, inklusive der Reaktionen der europäischen Parteien, der Botschafter und des deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehens, deutet alles darauf hin, dass hier eine Verteidigungsstrategie erarbeitet werden muss.

    Orbán: „Schauen Sie bitte, mir tun die deutschen Kinder leid. In Ungarn wäre es nicht vorstellbar, dass Lügen und unwahre Tatsachen zu einer Kindersendung gemacht werden. Würde so etwas im ungarischen Fernsehen vorkommen, hier würden innerhalb von einer Minute alle fliegen. Kinder sind nämlich nicht dafür da, damit wir sie jeglicher Gehirnwäsche unterziehen. Meiner Meinung nach sind auch deutsche Kinder nicht dafür da. Sie sind nicht dafür geboren. Meiner Meinung nach darf man mit ihnen so nicht umgehen, das soll aber das Problem der Deutschen sein. Wir müssen jedoch sagen, dass wir natürlich für die Tatsachen, für eine offene, aber europäische Diskussion sind. Mit Freude beteiligen wir uns an der Diskussion, aber die politischen Meinungen ersetzen nicht die Fakten.“

    Moderator: „Von wem nehmen wir Kritik an, von wem nehmen wir Vorschläge an, um die Verfassung zu modifizieren?“

    Orban: „Schauen Sie bitte, wir hören jeden an, denn die Diskussionen sind dafür da, um Argumente zu sammeln. Schauen wir mal welche Meinungen als Ergebnis dieser Diskussion zusammenkommen. Was ich dazu sagen kann, ist, dass wir die ungarische Souveränität nicht aufgeben werden. Ich habe offen auch bei dem Gipfeltreffen der Ministerpräsidenten (in Brüssel) gesagt, dass ich sie (die Tatsache) nicht annehmen kann, meine Eistellung zählt aber hier nicht, vielmehr nimmt sie Ungarn nicht an, – es gibt keinen Menschen in Ungarn, der sie annehmen würde, dass man darüber seit einem Monat im Parlament debattiert, fünfzig fernseh-, rundfunk- und wissenschaftliche Diskussionssendungen und Konferenzen dazu veranstaltet werden, und ich dann einen Tag vor der Abstimmung im Parlament, einen Anruf aus Brüssel erhalte, nicht wichtig wie die Person heißt, oder vom jemanden anderem aus der Hauptstadt eines großen europäischen Landes, und man sagt mir, ich soll den Gesetzgebungsprozess stoppen, und das ungarische Parlament soll nicht abstimmen. Das ist nicht mehr eine Frage der Diskussion, das ist eine Frage der nationalen Souveränität. Dazu hat keiner das Recht, und solange wir an der Regierung sind, solange ich der Ministerpräsident bin, wird so etwas nicht passieren.“

    Wer die ganze Sendung (im Ungarisch) anhören will, findet sie unter:

    http://www.mr1-kossuth.hu/hirek/radio-100723/180-perc-elozetes-interju-orban-viktorral-130321.html

    Und eine des ungarischen Presseechos findet man unter:
    http://www.origo.hu/nagyvilag/20130321-rajzfilmben-biralja-orbant-a-nemet-kozteve.html

    • Werter „Bácskai fickó“,

      danke dafür, dass Sie mir erklärt haben, warum Sie glauben, dass ich in dieser Sache auf dem Schlauch stehe, und auch für den Interview-Auszug in deutscher Übersetzung. Das ermöglicht mir, Ihnen zu erklären, warum meiner Meinung nach Sie auf dem Schlauch stehen. Es geht genau um diese Passage hier:

      „In Ungarn wäre es nicht vorstellbar, dass Lügen und unwahre Tatsachen zu einer Kindersendung gemacht werden. Würde so etwas im ungarischen Fernsehen vorkommen, hier würden innerhalb von einer Minute alle fliegen.“

      Normale deutsche Mediennutzer sagen dazu: Da hat sich Orbán ein schönes Eigentor geschossen. Er spricht natürlich von „Lügen und unwahren Tatsachen“ wie viele Politiker, über die die Medien ihrer Meinung nach nicht „ausgewogen“ berichten. Dabei gefällt ihm bloß nicht, dass hier seine Regierung kritisiert wird. Und dass regierungskritische Stimmen in den öffentlich-rechtlichen Medien in Ungarn keinen leichten Stand haben, dass ihnen Entlassung droht — das, lieber Batschka-Bursche, glaubt ihm der normale deutsche Mediennutzer sofort. Schauen Sie nur den von HV verlinkten 3-Sat-Beitrag an; da wird wieder so ein Entlassener präsentiert.

      Sie können das alles natürlich einen Zirkelschluss nennen, wenn Sie wollen. Aber so fielen nun einmal die meisten Reaktionen in Deutschland auf Orbáns Kritik an dem Kika-Beitrag aus. Die Orbán-Kritiker verstummten nicht erfurchtsvoll und gestanden reumütig Irrtümer ein, sondern sie sagten sich im Gegenteil: Quod erat demonstrandum! Mein Anliegen war erst einmal, auf diesen Umstand hinzuweisen.

      Nachdem wir nun beide hoffentlich nicht mehr auf dem Schlauch stehen, könnten wir uns z. B. darüber unterhalten, wie es zu diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt. Wieso redet Orbán von Lügen, seine Kritiker aber von Gängelei der Medien? Meine Antwort lautet wie so oft in den Debatten um „Ungarn“ bzw. die Regierung Orbán: Die Wahrheit liegt in der Mitte. Weder sind die Behauptungen, dass regierungskritischen Journalisten das Wasser abgegraben wird, einfach falsch oder gar bewusst erlogen. Noch haben wir es einfach mit „Zensur“ zu tun. Die Mechanismen sind subtiler.

      Wenn ich Zeit finde, werde ich noch die einzelnen Behauptungen im Kika-Beitrag kommentieren. Dann haben wir eine Diskussionsgrundlage, die über bloße Rechthaberei hinausgeht.

      • Eine Anti-Terror-Einheit gegen friedliche Demonstranten in Ungarn?

        Lieber „Ungarnfreund“, danke für die Rückmeldung.

        Ich überlege gerade, ob wir vielleicht Verständnis haben können für den KiKa-Logo-Beitrag. Denn, auch die Redaktion, bzw. der/die Beitragsschreiber ihre Informationen unter anderem von der dpa (Deutsche Presse-Agentur) beziehen. Im Impressum heiß es:

        Die auf http://www.tivi.de veröffentlichten Seiten werden vom ZDF erstellt und beinhalten ganz oder teilweise Material aus folgenden Quellen: ZDF, dpa, AP, Reuters, KNA, epd, SID, EUMETSAT und anderen.

        Bei meiner Recherche hierzu ist beispielsweise Folgendes aufgefallen:

        Zum Thema „Novellierung der ungarischen Verfassung“ meldet dpa am 11.03.2013 unter anderem:

        „Die Verfassungsänderungen hatten schon im Vorfeld wegen ihrer möglicherweise demokratieschädigenden Stoßrichtung in Ungarn für Proteste und Besorgnis im Ausland gesorgt. Eine Anti-Terror-Einheit nahm Montagmittag etwa 20 Schüler fest, die mit einer Sitzblockade einen Zugang zum Parlament blockiert hatten.“

        Diese dpa-Meldung wurde wörtlich von vielen Online-Redaktionen und Tag später auch von den meisten Printmedien in Deutschland übernommen. Nur einige Beispiele:

        stern.de:

        http://www.stern.de/politik/ausland/ungarns-parlament-beschliesst-aenderung-der-verfassung-1982301.html

        t-online.de:

        http://www.t-online.de/nachrichten/ausland/id_62518848/ungarns-parlament-beschliesst-aenderung-der-verfassung.html

        handelsblatt.com:

        http://www.handelsblatt.com/politik/international/justiz-entmachtet-eu-veraergert-ueber-ungarns-verfassungsaenderung/7911856.html

        wiwo.de (WirtschaftsWoche):

        http://www.wiwo.de/politik/europa/parlament-stimmt-zu-eu-kritisiert-ungarische-verfassungsaenderung-/7909274.html

        focus.de setzt sogar Akzente und erwähnt „die Anti-Terror-Einheit“ im Teasertext und mach daraus eine fettgedruckte Überschrift:

        http://www.focus.de/politik/ausland/umstrittene-gesetzesaenderung-regierung-entmachtet-ungarns-verfassungsgericht_aid_937528.html

        Dem Verfassungsgericht in Ungarn droht die Entmachtung: Die rechtskonservative Regierung hat tiefgreifende Änderungen am Grundgesetz verabschiedet. In Budapest gab es Proteste gegen die Reform: Die Anti-Terror-Einheit rückte sogar gegen Schüler aus.

        Anti-Terror-Einheit nimmt 20 Schüler fest

        Die Verfassungsänderungen hatten schon zuvor wegen ihrer möglicherweise demokratieschädigenden Stoßrichtung in Ungarn für Proteste und Besorgnis im Ausland gesorgt. Eine Anti-Terror-Einheit nahm Montagmittag etwa 20 Schüler fest, die mit einer Sitzblockade einen Zugang zum Parlament blockiert hatten.

        Im Klartext: In der Regel sieht eine Anti-Terror-Einheit etwa so aus:

        bzw. die Meldung zu dem Foto zu einem Anti-Terror-Einsatz in Frankreich:

        http://www.news.de/politik/855291200/zahlreiche-islamisten-in-frankreich-festgenommen/1/

        Und so sahen die ungarischen Polizisten (Ordnungshüter) beim Abtragen der Mittelschüler nach der Sitzblockade aus:

        http://hvg.hu/itthon/20130311_Blokad_ala_vontak_tiltakozok_a_Parlament

        Im Übrigen gab es sie 8 und nicht 20. Und die ungarischen Medien haben übereinstimmend etwa so berichtet:

        „Schüler haben die südliche Zufahrt zum Parlament an dem Kossuth-Platz blockiert. Es gibt dort acht Protestierenden, die von sich behaupten, Mittelschüler zu sein, und halten eine Parole in der Hand mit der Aufschrift: „Das Vaterland gibt es nur dort, wo es auch das Recht gibt.“ Sie haben sich vor der Schranke der Zufahrt hingesetzt, die Polizisten fingen an, mit der Feststellung iherer Personalien und nahmen sie dann zur Polizeiwache mit.“ (Zitat aus dem hvg-Beitrag, Quelle siehe oben)

        Oder an einer anderen Stelle:

        „Die Jugendliche, die den Fahrzeug-Verkehr blockierten, wurden, nachdem von Ihnen die Personalien festgestellt wurden, (von der Polizei) aufgefordert, den Ort zu verlassen. Nachdem sie dieser Aufforderung keine Folge leisteten, wurden sie abgeführt. Mehrere von ihnen mussten in einer Sitzposition zu den Polizeiwagen getragen werden. Ein bei dem südlichen Zufahrt demonstrierende Mittelschüler hielt aus dem Polizeifahrzeug eine Parole hoch mit der Aufschrift: „Verratet nicht die Zukunft“.

        http://www.stop.hu/belfold/rendorok-viszik-el-a-diakokat-a-parlamenttol/1129585/

        Soviel zur objektiven und unparteiischen Berichterstattung über die Geschehnisse in Ungarn, was man hierzulande von einer Presseagentur durchaus erwarten kann.

      • Und noch etwas, lieber „Ungarnfreund“, es wäre wirklich interessant, heraus zu finden, „wie es zu diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt“

      • Orbán scheint es aber nicht in erster Linie um die Lügen zu gehen – denn davon hat er schon genug erlebt, dass er eigentlich dran gewöhnt sein müsste – sonder darum, wem diese serviert werden: nämlich den Kindern. Mit Verlaub: Kinder so zu politischen Zwecken zu missbrauchen erinnert mich an H- und FDJ. Noch leicht zu manipulierenden Kindern Unwahrheiten einzureden überschreitet auch meiner Meinung nach eine Grenze und auch ich sehe hier Handlungsbedarf. Denn wenn das erste Kind mit dem Finger auf mich zeigt, weil es den Unwahrheiten glaubt und zwischen den Ungarn und dem Land nicht unterscheiden kann, dann werde ich mich definitiv in Deutschland gemoppt, wenn nicht diskriminiert fühlen.

      • Werter „Bácskai fickó“,

        weder Kika noch ich haben etwas über Antiterroreinheiten gesagt. Es wäre schön, wenn wir uns nicht in Allgemeinplätze flüchten, sondern endlich mal konkret über den Inhalt des Kika-Beitrags diskutieren könnten. Bislang hat das kaum einer von denen, die hier mitdiskutieren getan. HV spricht von bloßen Meinungen, Liliom von Lügen und Sie wollen mir anscheinend zeigen, dass Kika gar nicht objektiv sein kann, weil die Logo-Redaktion die dpa als eine ihrer Quellen nennt. Ist es nicht Zeit, mal in medias res zu gehen und zum konkreten Inhalt des Beitrags Stellung zu nehmen? Ich mache mal den Aufschlag und kommentiere im Folgenden ein paar Behauptungen der Logo-Redaktion.

        Logo: Orban und seine Fidesz-Partei wurden demokratisch gewählt. Mein Kommentar: Es ist zwar banal, aber darauf muss gelegentlich aufmerksam gemacht werden. Orban hat einen Wählerauftrag.

        Logo: Viele meinen, dass die Regierung Orban immer wieder Dinge getan hat, die in der EU so nicht erlaubt sind. Mein Kommentar: Ja, dieser Meinung sind in der Tat viele Beobachter. Dabei geht es nicht nur um die Buchstaben des Europarechts, sondern auch um die Grundwerte, also sozusagen den „Geist der Gesetze“.

        Logo: Journalisten können in Ungarn nicht immer frei berichten. Mein Kommentar: Mit der Einschränkung „nicht immer“ ist das wohl leider korrekt, wobei in erster Linie der öffentlich-rechtliche Rundfunk betroffen ist. Der ist klar pro-Orban ausgerichtet. Das geben sogar Gesprächspartner zu, die der Regierung eher nahe stehen. Für die Gesamtheit der ungarischen Presse gilt die Logo-Aussage jedoch nicht.

        Logo: Regierungskritische Radiostationen bekommen keine Lizenzen. Mir sind nur die Probleme von Klubradio bekannt. Insofern ist der Plural in der Logo-Behauptung irreführend. Auch hat Klubradio nach mehreren Gerichtsverfahren inzwischen eine dauerhafte Lizenz bekommen.

        Logo: Die Regierungsmehrheit habe beschlossen, dass das Verfassungsgericht weniger Rechte haben soll. Mein Kommentar: Formal wurden bei der letzten Verfassungsänderungen keine Kompetenzen gestrichen. De facto wurde der Einflussbereich des Verfassungsgerichts durch eine exzessive Festschreibung bestimmter politischer Wertentscheidungen in der Verfassung jedoch erneut eingeschränkt.

        Logo: Es sieht also ganz so aus, halte sich die Regierung Orban nicht an die Spielregeln der EU. Mein Kommentar: Ja, ganz so sieht es aus. Ob konkrete Verstöße vorliegen, wird derzeit erneut von der Kommission geprüft. Die Regierung Orban nutzt ihre Macht exzessiv, um ihr eigenes Weltbild mit Hilfe von Kardinalgesetzen und Verfassungsänderungen de facto irreversibel einzubetonieren. Ich würde soweit gehen zu sagen, dass hiervon eine Gefahr für die Demokratie in Ungarn ausgeht. Politische Entscheidungen , die auch nach einem Regierungswechsel de facto nicht mehr revidierbar sind, untergraben das Demokratieprinzip. Sehr fraglich ist jedoch, ob die EU diese Problematik mit einfachen Vertragsverletzungsverfahren aufzuarbeiten in der Lage sein wird.

        Fazit: Logo spitzt zu und vereinfacht, damit Kinder die Nachricht verstehen. An einigen Stellen hätte man sicherlich noch korrekter berichten können, ohne das kindgerechte Format aufgeben zu müssen, z. B. hinsichtlich der Causa Klubradio. Ich halte es aber für stark übertrieben, den Vorwurf der Lüge zu bemühen.

      • Werter Ungarnfreund,

        „Dabei geht es nicht nur um die Buchstaben des Europarechts, sondern auch um die Grundwerte, also sozusagen den “Geist der Gesetze”.“

        Wer definiert, was der Geist der Gesetze ist? Steckt dahinter eine rechtliche oder politisch-ideologische Bewertung? Ich höre das in der letzten Zeit nicht zum ersten Mal. Mich interessieren – offen gesagt – Rechtsverstöße. Wäre der „Geist der Gesetze“ so etwas wie „Moral“, so wäre das wohl nicht justiziabel. Jedenfalls so lange nicht, wie sich die EU keine Mechanismen gibt, gegen solche Verstöße gegen den Geist der Gesetze zu ahnden. Und damit haben wir das Problem, wer hierüber entscheiden soll (Richter, Politiker?) noch gar nicht gelöst.

    • Ja, die Presse kostet das genüsslich aus. Wen wundert es, da sprechen wir nicht mehr über die teilweise haarsträubenden Fehler, die die Medien seit 2010 in Sachen Ungarn produziert haben.

      Zu einem solchen Verfahren wird es m.E. nicht kommen. Man kommuniziert für das Inland. Und wie man sieht, schadet das Auftreten Orbáns ihm nicht mal ansatzweise. Der NDR und KiKa leisten so am Ende sogar noch Wahlkampfhilfe für Fidesz. Und das, liebe Redaktionen, ist wirklich zum Totlachen 🙂

      Die Frage, ob ein Land Gegendarstellungsansprüche bei tatsächlichen Fehlern (nicht: diskussionswürdigen Werturteilen) durchsetzen kann, ist juristisch aber durchaus interessant.

      • Oh, und noch was: Dass Fidesz neue Medienberater braucht, ist nun wahrlich nichts neues. Das predigen Kenner des Landes seit Mitte der 90er…die Partei steht sich aber wohl selbst im Weg.

    • Das sehe ich anders. Ich erkläre das mal an diesem Bild hier:

      Das Bild zeigt eine Sau, die unter Aufsicht von Ferenc Gyurcsány – links im Bild – gerade geschlachtet wird.
      Mit welchen Methoden und unter welchen Bedingungen Tiere geschlachtet werden dürfen, ist in der EU VERORDNUNG (EG) Nr. 1099/2009 DES RATES vom 24. September 2009 über den Schutz von Tieren zum Zeitpunkt der Tötung geregelt.
      Generell gilt auch für die Schlachtung von Schweinen für den privaten Eigenverbrauch:

      „Bei der Tötung und damit zusammenhängenden Tätigkeiten werden die Tiere von jedem vermeidbarem Schmerz, Stress und Leiden verschont.“

      Das Bild beweist erstens, dass die Demokratische Opposition Ungarns zum bloßen Vergnügen Tiere tötet.
      Das Bild beweist zweitens, dass sich die Demokratische Opposition Ungarns einen Dreck um EU-Verordnungen oder gar die Idee eines besseren Europas schert.

      Was das mit dem Deutschen Kinderfernsehen zu tun hat? Denk nach!

      Das große Saustechen sollte das Vergnügen von Saukerlen bleiben. Das machen die doch auch ohne jede Begeisterung der deutschen Kinder für die Verständigung zwischen den Völkern.

  9. Ja, ich denke auch, dass die Äußerungen von Orbán im Kossuth Radio fürs Inland bestimmt waren. Sie passen auch zur „Freiheitskampfrhetorik“. Es wäre aber wirklich ein interressanter Prozess, ich wünschte, es gäbe eine umfassende Beweisaufnahme zu den im KiKa-Bericht angesprochenen Themen;-)

    Was die Popularität von Fidesz angeht: es ist ein Armutszeugnis der Opposition, dass sie es nicht schaffen, eine echte Alternative zu bieten. Ehrlich gesagt, wüsste ich auch nicht, wem ich bei den nächsten Wahlen meine Stimme geben würde.

    • Und da beginnt das Problem: Der KiKa bezieht sich auf die „Meinung vieler“, was nichts anderes ist als eine Wiedergabe fremder Ansichten. „Some people say…“. Die Redaktion hatte, wenn man so will, nicht den Mumm, selbst Position zu beziehen und sich festzulegen. Das ist in etwa der Grundtenor der Presse, die meistens den Satz „Kritiker sagen“, „Kritiker befürchten“ voranstellen. Sind Sie als Jurist der Meinung, dass man in einem deutschen Gerichtssaal über Meinungen Beweis erheben würde? Wäre mir auch nach einem Jahrzehnt Anwaltstätigkeit gänzlich neu, Kollege 🙂 …

      Und das ist meine Kritik. KiKa präsentiert den Kleinsten MEINUNGEN, und keine Tatsachen. Hoffentlich kann ein 6-jähriger das unterscheiden. Sonst wäre der Begriff Gehirnwäsche angebracht.

      • Auch Meinungen können auf der Grundlage von Tatsachen gebildet werden, die Grenzen sind fließend. Und die ungarische Regierung sagt ja, dass es falsche Tatsachen sind, die dort präsentiert worden sind, oder wollte Orbán sagen, dass die Behauptung, es gäbe keine Pressefreiheit eine falsche Meinung ist? Wenn das so ist, dann will er Meinungen verbieten?

      • Ich glaube kaum, dass jemand Meinungen verbieten will bzw. kann. Fakt ist, dass niemand über „Meinungen“ Beweis erheben kann. Werturteile sind, in den Grenzen der Beleidigung, frei. Wie Sie als Jurist wisse: Einem Tatsachenbeweis nicht zugänglich. Der Beitrag ist formuliert, als gebe er die Meinung „vieler“ wieder. da kommt man nicht ran. Umgekehrt darf ich auch sagen: Das ist billige Gehirnwäsche und Stimmungsmache. Wer will mir diese Meinung verbieten? 🙂

  10. NDR hat über die Reaktion von Orbán berichtet. Laut diesem Bericht bestätigt Orbán voll den Inhalt des Kikafilms über Ungarn. Man kann nur hoffen, dass die Filmemacher geklagt werden. Vielleicht werden Sie dazu verurteilt, nach Budapest zu fahren und ein Seminar der königl. TV-Anstalten zu besuchen, wo man zeigt, wie laut V.O. & Co „ausgewogene Berichterstattung“ ausschaut. (Ironie!)

  11. Evtl sollte sich KiKa mal mit EU-Recht auseinandersetzen.
    Ist doch ein KINDERkanal.
    So nach dem Motto:
    Liebe Kinder, das hier ist ein alkoholisierter Fahrer aus Irland.
    der fährt zwar ab und zu mal welche über Haufen, aber macht nix, der darf weiter fröhlich durch die Gegend brausen, da die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission und Kommissarin für das Ressort Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft findet, die ungarrische Gerichtsbarkeit ist nämlich NICHT unabängig….usw.
    Ja das finde ich persönlich ja mal sehr interessant.
    Als Tobin verurteilt wurde (zu lächerlichen 3 Jahren ) , da war die magyar bíróságok schon nicht mehr független?
    Ich vermisse hier im Namen der Gerechtigkeit Petitionen an die EU.

  12. Komisch, nicht nur Ungarn reagieren mit Unverständnis auf die Hetze gegen ihr Land und ihren Ministerpräsidenten. Auch Deutsche reagieren mit Fassungslosigkeit auf Deutschen-Hass im Ausland.
    Online Focus berichtet: http://www.focus.de/politik/deutschland/bundeskanzlerin-mit-hitler-baertchen-deutschen-hass-im-ausland-macht-buerger-fassungslos_aid_950743.html

    Mein Vorschlag, man sollte Merkel im ungarischen Fernsehen nur noch mit Hitlerbärtchen zeigen. Wo doch in Ungarn sowieso nur noch Nazis rumlaufen. Merkel mit Schnurrbart, das gäbe echt einen Popularitätszuwachs für Deutschland in Ungarn! Und wäre auch durch die Pressefreiheit abgedeckt!

  13. Lieber „Ungarnfreund“

    Ich habe Sie in meinem letzten Beitrag deshalb persönlich angesprochen, weil ich gerne mit Menschen rede und weil Sie mir auch vorgeschlagen haben, Zitat: „könnten wir uns z. B. darüber unterhalten, wie es zu diesen unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt“. Mit meiner Recherche zum Thema „Eine Anti-Terror-Einheit gegen friedliche Demonstranten in Ungarn?“ wollte ich versuchen, meine Sicht dessen zu artikulieren, warum zu unterschiedlichen Wahrnehmungen kommt, bzw. dass es zu einem gefestigten, unreflektierten Wahrnehmung der einzelnen Redaktionen der Medien und somit auch in der deutschsprachigen Öffentlichkeit kommen muss. Des weiteren, wollte ich mit den Rechercheergebnissen über die dpa-Berichterstattung eben plausibel und für jeden nachvollziehbar machen, wozu tendenziöse und unwahre Berichterstattung führt, wobei sich dpa und eben ihr Budapester Korrespondent, (wenn jemanden hier interessiert, kann ich gerne auch seinen Namen nennen, derzeit ist jedoch für mich ohne Bedeutung), der Leserschaft in Deutschland als „freie, unabhängige, unparteiische“ Pressemelder aus dem Ausland verkaufen wollen.

    Das sollte auch eine Antwort meinerseits auf Ihre Feststellung: „Aber so fielen nun einmal die meisten Reaktionen in Deutschland auf Orbáns Kritik an dem KiKa-Beitrag aus.“, sein. Zu dem Bericht des ARD-Korrespondenten Herrn Stephan Ozsváth auf die Reaktionen auf den KiKa-Beitag aus Ungarn, will ich mich an einer anderen Stelle (hv-Beitrag) äußern.

    Im übrigen Danke für die Aufforderung, mit zu diskutieren über den Inhalt der KiKa-Logo-Sendung. Ich sehe derzeit aber dafür keinen Bedarf. Ich denke, ich gehöre nicht mehr zu der Zielgruppe der Sendung.

  14. Im Klartext: Mit „Zielgruppe der Sendung“ will ich sagen: da ich keine Kinderschuhe mehr trage, fühle ich mich nicht angesprochen und auch nicht beeinflussbar.

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