70 Kommentare zu “„Zeichentrick-Krieg“: HírTV beantwortet Beiträge von KiKa und „ZAPP“

  1. Hi…hi… das ist eigentlich gar nicht schlecht, Denn es zeigt, wie einfach man eine politische Situation überzogen darstellen kann. Bitte sagen Sie der Redaktion, dass sie dies mit deutschen Untertiteln produzieren sollen. Dann könnte man es für den Unterricht verwenden. Erst das ZDF und dann diese Version – ein hervorragendes pädagogisches Material um das Thema „Manipulation“ zu erörtern !

    • Der Unterschied ist, dass die Leute von HirTV ziemlich peinliche Hofberichterstattung machen, während niemand auf die Idee kommen würde, umgekehrt den Machern von Logo eine besondere Nähe zur deutschen Regierung zu unterstellen.

      • Werter Ungarnfreund,
        nennen Sie mir eine einzige Publikation in Ungarn, ein einziges Medium, das nicht SOFORT der einen oder anderen Richtung zugeordnet werden kann. HírTV gehört zur regierungsfreundlichen Presse. „Peinlicher“ als Népszava oder ATV sind die Jungs auch nicht. Die Spaltung und „Linientreue“ ist das Ergebnis der gesellschaftlichen Spaltung. Es nutzt nichts, sich immer nur eine von beiden Seiten herauszupicken und sich darüber auszulassen, sie sei peinlich. Das gilt, wenn Sie so wollen, unter diesem Aspekt für alle miteinander.

        Der deutsche Medienmarkt ist anders. Es gibt diese Spaltung nicht, man kann nicht immer durch einen einzigen Blick sagen, in welchem Lager wer steht. Aber Ihre Bewertung dürfte trotzdem zu kurz greifen. Ich glaube nach wie vor an die Macht einiger weniger Ungarn-Korrespondenten, die die Grundtendenz bestimmen. Diesen Eindruck kann auch Herr Ozsváth nicht zerstreuen, der alle Wiederverwerter, wie etwa KiKa, zu bestens informierten Kennern Ungarns machen möchte. Klar, jeder behauptet, sein Publikum sei das aufgeklärteste…auch ich 🙂

        Tatsache ist: Oftmals fehlt den Journalisten die Zeit oder die Muße, zu recherchieren. Sonst könnten sich Fehler wie die Behauptung, das VerfG dürfe keine Gesetze mehr prüfen, nicht so leicht fortpflanzen.

      • Keine „besondere“, aber ich nehme doch an, eine Nähe. Herr Seibert war ja dann auch plötzlich Sprecher der Regierung.

      • Ja, Sie sagen es: Es wird einfach nicht „unterstellt“! IDabei entsprechen die europäischen Medien einer sich neu entwickelnden „absolutistischen Ideologie“, die sich zur Zeit zu einer handfesten Diktatur mausert. Es geht ja nicht mehr um den Bürgerwillen und auch nicht um das Wohl des Bürgers. Ein Land nach dem anderen fällt, die Menschen verhungern, werden arbeitslos, bringen sich aus Verzweiflung um. Und von nun an gilt auch noch:Widerspruch und Revolte gegen dieses System sind keine Zeichen von Demokratie, sondern von Faschismus.

        Weiter denken die Damen und Herren in den Redaktionen nicht mehr. Ich muss immer wieder darauf zurückkommen: Es erinnert mich einfach an die DDR – die war ja auch „demokratisch“, nicht wahr? Da ging es doch auch immer um den „Imperialismus und Faschismus“ des „Anderen“. Das wiederholt sich hier ,nur etwas unappetitlicher-,denn jetzt werden noch Kinder in den ideologischen Dreck gezogen. Als Pädagogin steht mein Urteil fest: Das ist intellektueller Missbrauch. Die Zeiten der Hitlerjugend sind doch eigentlich schon lange vorbei. Aber offensichtlich scheinen die Redakteure wohl noch in dieser Tradition zu stehen. Ich werde diese beiden Sendungen auf jeden Fall in meinen Unterricht einbauen und auch in meine Elternberatungen. Es reicht. Auschalten und wieder zu sich kommen, heisst die neue Befreiungsdevise.

      • Was Sie zur Färbung der ungarischen Medien sagen, HV, findet meine Zustimmung: der Medienmarkt ist ein Abbild der gespaltenen Gesellschaft. Wer sich eine eigene Meinung bilden will, der sollte am besten täglich Népszabadság und Magyar Nemzet neben einander legen und die Darstellungen vergleichen. Während man früher im Kommunismus „zwischen den Zeilen“ lesen musste, muss man heute quasi „zwischen den Zeitungen“ lesen. Ich kenne kluge Leute in Ungarn, die das genau so machen.

        Zu dem, was (Frau?) Kalman schreibt, kann ich nur sagen: Holla, die Waldfee! Was ist das denn? Globalisierungskritik, Anti-Neoliberalismus, der Speak der Occupy-Bewegung? Ich versteh’s leider nicht ganz. Wollen Sie suggerieren, die Regierung Orbán wolle sich eigentlich nur gegen die weltweite Herrschaft des Kapitals wehren? Haben Sie schon einmal von den Herren Széles, Demján oder Simicska gehört? Auch Fidesz hat „seine“ Oligarchen.

      • Das Lesen zwischen den Zeitungen (bzw. Medien) empfiehlt sich gerade, aber nicht nur im Bezug auf Ungarn. Ich lese MNO, NOL, seltener Hírlap und Népszava, Heti Válasz und 168 óra. Ich gucke die regierungsnahen Sender ebenso wie ATV, und bei Radios höre ich sogar am meisten Klubrádió. Aber nun mal ehrlich: Ist das wirklich so innovativ?
        Auch in Deutschland sollte man unterschiedliche Zeitungen lesen.

    • Hungarianvoice, ich glaube der Vergleich hinkt, wenn Sie auf § 14 StAG hinweisen, wonach ein im Ausland lebender Ausländer die Staatsangehörigkeit erwerben kann, wenn besondere Bindungen zu Deutschland bestehen. Diese Regelung ist nicht mit der auf einen Schlag erfolgten Ausdehnung der ungarischen Staatsangehörigkeit für die ungarische Minderheit in den Nachbarländern Ungarns vergleichbar. Oder denken Sie nicht, dass es einen Aufschrei gäbe, wenn Deutschland per Gesetz z.B. allen in Polen lebenden deutschstämmigen Personen, die nicht nach Deutschland ziehen wollen die deutsche Staatsangehörigkeit antragen würde?

      Ich verkenne nicht die Probleme er ungarische Minderheit in der Slowakei, Rumänien und Serbien, ich denke nur, dass die Vorgehensweise der ungarischen Regierung das Verhältnis zu diesen Nachbarländern verschlechtert. Ich kann mir lebhaft vorstellen, wie in einer umgekehrten Situation die Orbán-Regierung, die so oft die Souveränität Ungarns betont, reagieren würde. Ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis würde viel mehr bringen, aber das ist leider wohl eine Wunschvorstellung.

      • Doch, es würde wohl Irritationen geben. Um es klarzustellen – für die Nichtjuristen – sollte man aber betonen, dass das Gesetz in Ungarn nicht automatisch die Staatsbürgerschaft verleiht, sondern diese auf Antrag eines Berechtigten verliehen wird. Insofern ist 14 StAG zwar strenger in den Voraussetzungen, aber meine Aussage ist korrekt: Das StAG lässt die Einbürgerung für Menschen ohne deutschen Wohnsitz zu.

        Mag man es doch den Betroffenen überlassen, von diesem Recht Gebrauch zu machen oder auch nicht. Serbien und Kroatien ist das ebenso egal wie Österreich und der Ukraine, was man so hört. Rumänien macht dasselbe seit Jahren mit Nicht-EU-Bürgern aus Moldau und schweigt zähneknirschend, obwohl es Bukarest offenkundig nicht gefällt. Einzig die Slowakei opponiert öffentlich, schlicht und einfach weil dort der Assimilationsdruck neben Rumänien am größten ist. Warum eigentlich? Verleiht doch auch Bratislava im Ausland lebenden Antragstellern die eigene Staatsangehörigkeit! Und zwar im Wege einer bemerkenswerten „Einbahnstraßen“-Praxis:

        http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/slowakei-und-ungarn-ilonkas-langer-weg-zurueck-11773230.html

        Ausländer werden zwar mit offenen Armen im eigenen Staatsvolk willkommen geheißen, wollte aber ein Slowake zusätzlich eine ausländische Staatsbürgerschaft erwerben, verlor er bis vor kurzem die slowakische…warum ist das Verständnis für die Slowakei, die diese schizophrene Praxis anwendete, eigentlich so groß? 2012 wollte man dann Doppelstaatigkeit generell zulassen. Mit einer Ausnahme. Raten Sie mal, welche das ist…

        Ich denke, Bratislava hat vor dem Hintergrund des eben gesagten keinen Funken moralische Berechtigung, sich zu empören. Völkerrechtlich ohnehin nicht.

      • HV, na gut, lassen wir uns darauf ein, dass Ungarn das Recht hat, im Ausland lebenden Personen die Staatsbürgerschaft anzutragen, weil andere das auch so machen (übrigens eine schlechte Begründung). Der Haken an der Geschichte ist aber, dass Ungarn mit diesem Recht auch leben können muss. Und da darf man ein Fragezeichen setzen. Vor allem soll man die Auswirkungen auf die Lebensbedingungen der ungarischen Minderheiten in ihren Heimatorten im Auge behalten.

      • „Der Haken an der Geschichte ist aber, dass Ungarn mit diesem Recht auch leben können muss. Und da darf man ein Fragezeichen setzen.“

        Das verstehe ich nicht ganz. Erkennt Ungarn fremde Staatsangehörigkeiten seiner Nationalitäten nicht an? Wäre mir völlig neu. Vielleicht können Sie mir also erklären, worauf Sie hinauswollen.

      • Aber HV, sind Sie wirklich so naiv, dass es Ihnen verwehrt ist, den Zusammenhang mit der Verhärtung der Positionen des Auslands zu erkennen? Es unwichtig, wer welches Recht hat. Wichtig ist, wie man miteinander umgeht und ob es dem Klügeren gegeben ist, das zu erkennen.

      • Wawranek, Sie haben meine Frage nicht beantwortet. Ich fragte, ob Ungarn irgendwelche Doppelstaatsangehörigkeiten nicht anerkennt. Die Zweifel hatten Sie geäußert, nicht ich.

      • Ich fürchte Ihr Vergleich, expat, hinkt hier. Obwohl das ungarische Staatsbürgerrecht tatsächlich so breitgefasst ist, geht es hier eigentlich nicht um ungarischSTÄMMIGE, sondern um UNGARN, die lediglich im Ausland geboren worden, dort leben und bereits die dortige Staatsbürgerschaft besitzen. Gleichzeitig sind sie aber Teil einer größeren örtlichen ungarischen Gemeinschaft (ich hoffe doch, dass wir hier keine Zahlen erörtern müssen), sprechen nach wie vor Ungarisch als Alltagssprache und identifizieren sich als Ungarn. Sie wären selbst dann Ungarn, wenn Ungarn ihnen nicht die Staatsbürgerschaft anbieten würde. Insofern ändert das an den Fakten nichts, es stellt nur klar. Einen einzigen wesentlichen Unterschied erkenne ich im Vergleich zu vorher: wenn ein Bürger eines Staates im Ausland bedroht wird, dann hat der Staat das Recht und die Pflicht sich für ihn einzusetzen, sich einzumischen. HV kann sicherlich erläutern, ob das auch aus juristischer Sicht so ist, es würde mich wundern wenn nicht. Fragt sich, ob das so auch auf ganze Gemeinschaften übertragbar ist, sprich: wenn die Slowakei beispielsweise ein Amtssprachengesetz verabschiedet, dass Ungarn diskriminiert – immerhin wäre auch jeder einzelne der ungarischen Gemeinschaft betroffen, auch die ungarischen Staatsbürgerschaft. Insofern sind solche Dinge nicht mehr rein „innere Angelegenheiten der Slowakei“ und das ist gut so. Man könnte also sagen, dass Ungarn einen Fuß in die Türe gesetzt hat, die vorher immer vor dessen Nase zugeschlagen wurde wenn es zu häuslicher Gewalt kam. Wenn wir jetzt also mit Polen vergleichen wollen: wo sind denn all die Deutschen?

        Interessant finde ich auch, dass es auch vorher schon Doppelstaatsbürger mit ungarischer Staatsbürgerschaft gab, nämlich zum Beispiel mich. Vor der Wende mussten sich Kinder aus einer gemischten Familie (bessergesagt deren Eltern) zumindest im Osten für eine der beiden Staatsbürgerschaften entscheiden. Ich bekam zunächst die ungarische, ich nehme an, weil ich damit freier hätte reisen können und weil ich wahrscheinlich auch vor der Stasi etwas sicherer gewesen wäre. Jedenfalls war ich nie wirklich „Ossi“ könnte man sagen. Mit der Wende durften Kinder beide Staatsbürgerschaften behalten, mussten sich aber bei Erreichen eines bestimmten Alters (ich glaube 21) für eine entscheiden (um die deutsche zu behalten, hätte ich mich interessanterweise explizit dafür entscheiden müssen). In meinem Falle kam es dazu aber nicht mehr, weil zwischen Deutschland und Ungarn basierend auf Gegenseitigkeit Verträge geschlossen wurden, die die Doppelstaatsbürgerschaft ermöglichten. Insofern hat die ungarishce Regierung aus deutscher Sicht nichts aufregend neues getan, denn Leute wie ich wären auch so schon Doppelstaatsbürger gewesen. Man kann sogar sagen: die neue Regelung beseitigt ein gewisses Maß an Diskriminierung. Abschließend nun noch diese Frage: inwiefern bin ich für Deutschland gefährlich, sodass die Slowakei sich vor Leuten wie mir fürchten müsste? Ich betone: ich habe sogar schon in Staatsdiensten gearbeitet.

        An dieser Stelle möchte ich nochmal hervorheben: das Staatsbürgergesetz, sofern es andere nicht unverhältnismäßig diskriminiert (Gegenbeispiel Slowakei wo der Entzug der Staatsbürgerschaft auch zum Verlust des Arbeitsplatzes – öffentlicher Dienst etc. – führen konnte), ist Angelegenheit des jeweiligen Staates. In diesem Fall ist es nicht am Ausland Ungarn hier Vorschriften zu machen, denn das ist tatsächlich eine innere Angelegenheit. Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, sind Sie, expat, Ungar oder zumindest ungarischer Abstammung, dann haben Sie durchaus eine moralische Legitimation hier zu urteilen. Anders sehe ich die Sache aber, wenn sich außenstehende einmischen wollen. Mir ist aber im Ohr hängen geblieben, wenn ich auch mit Quellen nicht dienen kann, dass die neue Regelung der Staatsbürgerschaft in Ungarn mehrheitsfähig ist. Wenn auch viele mit der alten Regelung zufrieden gewesen wären, stören sie sich auch an der neuen nicht.

      • Paloc, ich habe nichts gegen die doppelte Staatsangehörigkeit als solche, bin selber Doppelstaatler. Ihr Einwand jedoch, dass es nur ungarischen Staatsbürgern erlaubt sein soll, sich zur ungarischen Regelung über die Staatsangehörigkeit zu äußern, verwundert. Sollte nicht jeder – unabhängig von der Staatsangehörigkeit – eine Meinung über die Politik eines Landes haben dürfen?
        Ich teile auch nicht die Ansicht, dass die ungarische Regelung zur Staatsangehörigkeit eine rein innenpolitische Frage ist, die die Nachbarländer nichts angeht. Denn dies wäre nur dann der Fall, wenn die Möglichkeit, die ungarische Staatsbürgerschaft mit Wohnsitz und Geburt im Ausland zu erlangen, nur wenige Einzelfälle betreffen würde. Dies ist aber nicht der Fall. Und so schlecht die Slowakei auch die ungarische Minderheit behandelt, es ist eine zumindest gefühlte Beeinträchtigung deren Souveränität, wenn plötzlich slowakische Staatsangehörige in großer Zahl eine weitere Staatsangehörigkeit erhalten können. Ungarn kann und soll auf diplomatischem Wege die Situation der ungarischen Minderheit in der Slowakei und Rumänien versuchen zu verbessern. Ob die Verleihung der Staatsangehörigkeit dazu beträgt, bezweife ich. Denn um bei Ihrem Beispiel zu bleiben, wenn die Frau (=die ungarische Minderheit) den gewalttätigen Ehemann (=Slowakei) nicht verlässt, sondern bei ihm wohnen bleibt, dann ist es kontraproduktiv, diesen noch zu kränken. Daher ist es auch nicht maßgeblich, ob die Mehrheit der Ungarn dieses Gesetz unterstützt, sondern eher, wie dieses Gesetz die Beziehungen zu den Nachbarländern beeinflusst.
        Ich finde es auch interessant, wie Sie meine Wortwahl (Personen ungarischer Abstammung) moniert haben. Zur Klarstellung: ich habe diesen Ausdruck gewählt, um klarzustellen, dass die Angehörige der ungarischen Minderheit in den Nachbarländern in den meisten Fällen rechtlich eben keine ungarische Staatsangehörige sind/bzw. zum Zeitpunkt des Gesetzes waren. Ansonsten wäre das Gesetz ja auch überflüssig gewesen. Ganz heikel wird das Thema dann, wenn für die Anknüpfung für die Behauptung, sie seien ungarische Staatsangehörige (und nciht nur ethnische Ungarn mit einer anderen Staatsangehörigkeit) auf die Zeit vor 1921 zurückgegriffen wird.

      • Ich habe nicht gesagt, dass Leute ohne ungarische Staatsbürgerschaft über die Staatsbürgerschaft Ungarns keine Meinung haben dürfen. Eine Meinung darf jeder haben, aber wirklich angehen tut es niemanden außer die Ungarn, deswegen hat auch bitte schön niemand Vorhaltungen zu machen. Außerdem habe ich den Kreis derjenigen, die bei diesem Thema wirklich was zu melden haben, nicht nur auf Personen mit ungarischer Staatsbürgerschaft eingeschränkt, sondern auch die Personen eingeschlossen die ungarischer Abstammung sind – nicht zuletzt, weil diese durch die Änderungen betroffen sind.

        Ich moniere auch nicht Ihre Wortwahl also solche, ich stelle nur den Unterschied zwischen Deutschland und Polen einerseits und Ungarn und die Slowakei andererseits heraus: In Polen geht es nur um Menschen, die deutscher Abstammung deutsch sind. Deren Zahl ist gering und mir wäre nicht bekannt, dass es dort noch soetwas wie eine deutsche Gemeinschaft gäbe. Die einzige vergleichbar Region wäre eventuell noch Südtirol, wobei sich dort die Frage stellt, ob es sich um Österreicher oder Deutsche oder beides handelt. Aber Südtirol geht den Deutschen, ich muss es leider so sagen, am Hintern vorbei. Jedenfalls reden wir im Falle Polens größtenteils tatsächlich nur noch von deutschstämmigen, nicht von Deutschen, während es in der Slowakei um Ungarn geht, unabhängig von deren Staatsangehörigkeit.

        Und um bei unserem Bild zu bleiben: wären Sie die geprügelte Ehefrau, würden Sie lieber aus der gemeinsamen Wohnung fliehen oder hätten Sie lieber, dass Ihr Bruder oder von mir aus die Polizei Ihrem Mann klar macht mit welchen Konsequenzen er zu rechnen hat wenn er sich an Ihnen vergehen würde?

      • @expat: volle Unterstützung Ihres Beitrages. Für die Beziehungen Ungarns zu seinen Nachbarn ist es sehr zweitrangig, welche Rechte man in Ungarn meint, ausüben zu müssen. Es kommt darauf an, wie die Nachbarn dieses mit ziemlichem Tamtam kommunizierte für große Mengen von Menschen gedachte Staatsbürgerschaftsgesetz empfinden, besonders, wenn man dann noch durchschimmern läßt, dass diese Gebiete mit den Minderheiten 1000 Jahre lang zu Ungarn gehört haben und dass dort eigentlich immer noch Ungarn ist.

      • @wrawanek: Sie interpretieren etwas in das Staatsbürgerschaftsgesetz hinein was nicht da ist. Kein Mensch hat vor Siebenbürgen oder die Südslowakei zurückzufordern. Es geht lediglich darum, den Ungarn dort möglichst die selben Lebensbedingungen zu verschaffen wie in Ungarn. Sie sollen in Frieden leben dürfen und zwar als Ungarn und sie sollen sich sicher sein können, dass ihr Land sie nicht vergisst sondern ihnen hilft. Die Slowakei andererseits wurde in Trianon bereits bevorzugt, es ist eine Frage der Fairness jetzt Zugeständnisse an die Ungarn zu machen.

        Geschichte ruhen lassen und Frieden schließen sind bloß leere Worte solange die Bedingungen dafür nicht geschaffen sind. Frieden kann man schließen, wenn ein Status Quo geschaffen ist mit dem beide Seiten leben können. Im Moment ist es sogar so, dass die Nachteile eines solchen Aufsichberuhenlassens allein auf ungarischer Seite sind – Sie müssen schon träumen wenn Sie glauben, dass Ungarn dass akzeptieren könnte, das würden Sie auch nicht. Das würde aber bedeuten, dass der Fortbestand der ungarischen Gemeinschaften gesichert ist und das ist er nicht, wie man an Amtssprachengesetz, Flaggenkrieg und Co. sehen kann. Um auf das Thema Autonomie zurückzukommen: das ist durchaus ein Mittel die ungarischen Gemeinschaften zu erhalten. Ob es angebracht ist oder nicht, hängt von den Umständen ab. Beispielsweise können Sie nicht ernsthaft behaupten Autonomie wäre unangebracht nur weil es im Burgenland unangebracht ist. Im Burgenland beträgt der ANteil der Ungarn an der Gesamtbevölkerung 2,4% (laut ungarischer Wiki), im Széklerland bilden sie aber die Mehrheit und deswegen ist Autonomie dort auch völlig legitim. Vergessen wir auch nicht: auch in Südtirol haben die Deutschen / Österreicher Autonomie erhalten, weshalb also sollten sich die Ungarn mit weniger zufrieden geben? Vielleicht weil sie nur Osteuropäer sind? Aufsichberuhenlassen ist schön und gut, aber nicht um jeden Preis.

      • Paloc, um noch einmal den Vergleich mit der häuslichen Gewalt zu bemühen: der geprügelten Ehefrau hilft es meist herzlich wenig, wenn ab und zu die Polizei vorbeikommt und den Ehemann ermahnt. Denn wenn die Polizei (=der ungarische Staat) nicht gleich einzieht, dann bliebt sie am Ende des Tages wieder mit dem Mann allein. D.h. wenn die in der Slowakei usw. lebenden Ungarn auf Dauer dort leben wollen, dann nützt ihnen das Säbelrasseln nichts. Wie die Slowakei zur Paartherapie und damit zur ernsthaften Änderung bereit ist, ist die wichtigere Frage.
        Mein Vergleich mit Polen hinkt natürlich wegen der viel geringeren Zahl der dort lebenden Deutschstämmigen, aber die historische Sensibilität des Problems wäre ähnlich. Es reicht schon zu sehen, wie heikel Äußerungen vom Bund der Vertriebenen in Deutschland sein können. Sie sagen zum Einen, keiner hat in Ungarn vor, die Gebiete zurückzufordern, aber zum Anderen kommt das Wort Trianon dann doch vor. Und Leute mit Großungarn-Stickern auf ihren Autos gibt es in Ungarn auch.
        Mir fällt auch auf, dass Orbán bei diesem Thema plötzlich darauf besteht, dass Rechte von Minderheiten respektiert werden, während er sonst wenig von Toleranz hält. Schließlich – und das meine ich jetzt nicht ernst, sondern verwende die eigene Rhetorik der Orbán Regierung gegen sie selbst – ist die slowakische Regierung von der Mehrheit der Bevölkerung dort gewählt und warum sollten sie sich von Budapest vorschreiben lassen, wie sie zu regieren haben. Klingt gar nicht gut, oder?

      • @expat: Inwiefern hält die Fidesz nichts von Toleranz? Die Sorben haben vor nicht allzu langer Zeit Ungarn als Vorbild für den Umgang mit Minderheiten benutzt und seitdem hat sich an der Situation der Minderheiten auch nichts verschlechtert.

        Bezüglich Trianon bemühe ich hier Sólyom: „Nem lehet mindenkitől elvárni, hogy igazságosnak tekintse a trianoni békét, mert nem volt az. Tudomásul vettük, és nem akarunk változtatni rajta.“ (Man kann nicht von jedem erwarten, dass er den Friedensvertrag von Trianon für gerecht hält, weil er das nicht war. Wir haben ihn zur Kenntnis genommen und wir wollen an ihm auch nichts mehr verändern.) Trianon hat sich in das (kollektive) Gedächtnis der Leute eingebrannt undniemand kann erwarten, dass man sich als Ungar über Trianon freut. Ferner ist es an der Zeit, nach fast einem Jahrhundert, einen Ausgleich für die Auslandsungarn zu schaffen. Gerade die Slowaken, die selbst einst unter Assimilationsdruck standen, müssten das eigentlich verstehen können. Was nun die Grenzen und das geflügelte Wort Trianon anbelangt, sie sind Symbole nichts weiter. Sie stehen für den Widerstand gegen die derzeitige Situation und sie sollen Solidarität mit den Auslandsungarn zeigen. Die Mehrheit derer, die sie verwenden, werden sie aber nicht dazu benutzen um Gebietsansprüche klarzustellen.

        Um auf das Bild der häuslichen Gewalt noch einmal zurückzukommen: ich meinte mit „Polizei“ nicht Ungarn, sondern eine dritte neutrale Partei die die Situation überwacht und die Ordnung wahrt. Das könnte z.B. die EU sein und hier kommen wir auch wieder näher aufeinander zu: denn zur Paartherapie braucht es auch einen Psychologen. Aber die werten Herren wollen ja nicht von ihrem hohen Ross steigen, sondern sagen lieber „stellt euch nicht so an.“

        Das Problem ist genau das, dass sich außer Ungarn kein Schwein – europäische Werte hin oder her – für die Situation der Auslandsungarn interessiert. Slowaken, Serben und Rumänen werden ihren Kurs nicht von sich aus ändern. Dazu hatten sie schon Zeit genug (immerhin 20 Jahre), insofern stellt sich die Frage woher ein plötzlicher Sinneswandel dort kommen soll. Also braucht Ungarn nicht den Bittsteller zu spielen, weil es völlig aussichtslos wäre. Es bleibt nur die Radikalisierung um hier und da ein Zeichen zu setzen und zu zeigen: wir sind noch da und könnten auch anders. Dazu dient beispielsweise der Flaggenkrieg. Wir sind bereits bei den ersten Stufen des passiven Widerstandes angekommen. Wenn sich nichts ändern, geht die Radikalisierung weiter – bis es knallt. Die Geschichte lehrt leider: das ist eigentlich immer die einzige Methode die funktioniert. So war es 1848/49, so war es 56 und so war es in Südtirol. Das würde nämlich den Westen dazu zwingen sich einzumischen, dann hätten die Ungarn ein Druckmittel und die Nachbarn die nötige Motivation.

      • @Palóc: Fragen Sie sich doch mal, ob irgendwelche Handlungen von ungarischer Seite die WK1-Siegermächte dazu bewogen haben könnten, Ungarn in Trianon so gnadenlos zu behandeln. Dann bekämen Sie den Schlüssel zu der heutigen Situation in die Hand.

      • wrawanek: Mich würde Ihre eigene Antwort auch interessieren. Ich gestehe zwar ein, dass Ungarn Schuld auf sich geladen hat als es die aggressive Assimilationspolitik in der ungarischen Reichshälfte verfolgte, aber ich glaube nicht, dass das besonderen Einfluss auf Trianon hatte. Wenn Sie sagen wollen Ungarn wäre am 1. Weltkrieg der Hauptschuldige gewesen, dann würde ich das glatt als Geschichtsfälschung bezeichnen. Letztlich waren alle Großmächte mitverantwortlich. Deutschland hatte etwas größeren Anteil dank der unklugen Außenpolitik einschließlich Blankovollmacht. Österreich-Ungarn begann den Krieg. Mir ist bewusst, dass man in Österreich teilweise Tisza die Schuld in die Schuhe schieben möchte, nur der war usprünglich gegen den Krieg und musste erst überredet werden. Ferner entschied der Kaiser, nicht Tisza. Drittens war Tisza nur ein Ungar. Selbst wenn er Hauptschuldiger gewesen wäre, wäre es immernoch ein Verbrechen ganz Ungarn dafür zur Rechenschaft zu ziehen. Ungarn selbst hätte andere Interessen gehabt als den Krieg. Schritt 1 wäre erstmal die eigene Unabhängigkeit gewesen, den zweiten vor den ersten zu tun wäre unlogisch gewesen. Das soll nicht heißen, dass man in Ungarn den Krieg nicht gewollt hätte, aber den wollte man überall in Europa.

        Warum man Ungarn so hart rangenommen hat? Ungarnfreund meinte, das wäre auch aus strategischen Gründen (Grenzen die man im Kriegsfall halten kann etc.) geschehen. Dem mag so sein und man kann nicht abstreiten, dass die große Entente den Rumänen bestimmte Gebiete versprach wenn diese in den Krieg eintreten würden und man den Krieg gewinnen würde. Dieses Versprechen wollte man offensichtlich einhalten. Ansonsten und vorallem lautete die Devise: nimm was du kriegen kannst, zumindest indem Rahem in dem Ungarn den Frieden noch unterschreiben kann. So viel ich weis, ging das Burgenland auf österreichisches Betreiben verloren – Freunde auf die man sich verlassen kann halt.

      • Habe ein altes deutsches Schulbuch aus der Zeit um 1900. Da steht sinngemäß drin: „Die Ungarn verfolgen eine starke Magyarisierungspolitik“. Das soll nicht bedeuten, dass Ungarn sich tatsächlich so verhalten hat. Es bedeutet aber, dass die ungarische Politik von außen so empfunden wurde.

      • Na ist ja herzallerliebst. Zwar ist die Aussage korrekt, aber ist das wirklich eine Rechtfertigung dafür wie weit man in Trianon gegangen ist? Ist das eine faire Strafe? Und selbst wenn, ist es richtig deswegen Jahrzehnte andauernde Spannungen zu verursachen? Ich meine, wir wissen dass es so gekommen ist, das ist Fakt. Denken Sie also nicht, dass man mit dieser Strafe wie Sie sagen – ich bezweifle nach wie vor, dass es um Strafe gegangen sein soll – nicht eher noch mehr Leid verursacht hat? Halten Sie Trianon, so wie es umgesetzt wurde, für richtig oder gerechtfertigt?

        Nebenbei noch: glauben Sie Österreich habe sich besser verhalten? Ich denke die Minderheiten waren im österreichischen Landesteil nicht besser dran, wie auch die Ungarn bis zum Ausgleich nicht. Fragt sich auch, ob die Ethnien im Burgenland immer schon so verteilt waren.

      • @Paloc: Mit der fehlenden Toleranz bei Fidesz meinte ich dies nicht bezogen auf den umgang mit nationaler Minderheiten in Ungarn, sondern bezogen auf Andersdenkende die „2/3 rechtfertigt alles“ Rhetorik. Also noch einmal die Frage: Warum soll sich die Slowakei so verhalten, wie Fidesz (oder auch Ungarn) es gern hätte? Orbán will sich seine Werte auch nicht aus Brüssel vorschreiben lassen, Ungarn soll doch keine Kolonie werden. So wo ist eigentlich die Rechtfertigung, von der Slowakei etwas zu verlangen? Vielleicht findet die Mehrheit der Slowaken ja auch die Politik ihrer Regierung toll, sie haben sie ja schließlich gewählt. „Kettös mérce“?

      • Ich glaube, Ungarn hat trotz „2/3 rechtfertigt alles“ immer noch eine vorbildliche Nationalitätenpolitik, oder nicht? Was genau meinen Sie, was Ungarn von der Slowakei verlangt?

      • „Trianon hat sich in das (kollektive) Gedächtnis der Leute eingebrannt undniemand kann erwarten, dass man sich als Ungar über Trianon freut. “

        sorry palóc, aber das ist eine nullnummer. ungeeignet als maßstab. auch vllt aus dem grund, dass es zum glück (us-amerikanische hilfe!) nahezu unerheblich war/ist, dass sicherlich auch in deutschland sich der ein oder andere nicht über den ausgang des zweiten weltkriegs gefreut hat.

        also: freude hin oder her – hier geht es doch auch um die demokratische entwicklung des menschen und damit einhergehend um die unumwundene anerkennung von unangenehmem.

      • Zitat Palóc: „….aber ist das wirklich eine Rechtfertigung dafür wie weit man in Trianon gegangen ist? Ist das eine faire Strafe?…“ Die Siegermächte haben damals Ihre Frage bejaht. Ungarn hat leider keine andere Wahl, als das zu akzeptieren. Und es hat die Pflicht, alles zu vermeiden, was wieder zu solchen (Fehl-?)Einschätzungen der ungarischen Politik führen könnte. Dieses Passgesetz ist da ein unglaublicher Fehlgriff mit entsprechendem Echo. Fidesz kan das Echo aber gut gebrauchen, weil man aus diesem Echo sehr schön eine Bedrohung des Ungartums basteln kann. Bekanntlich eint nichts mehr als ein gemeinsamer Feind, auch wenn der ein bisschen künstlich aufgebaut wird.

        Österreich: Haben Sie sich schon mal die Landkarte vor St. Germain angesehen und die danach? Burgenland: Das Burgenland ging niemandem verloren. Es existiert noch und wird heute von Wien aus verwaltet. Na, und? Wenn Sie als Ungar dort leben wollen, dann gehen Sie doch hin. Wer hindert Sie und wo ist da ein Problem?

      • HV, ich fürchte, dass mein Vergleich immer noch nicht richtig verstanden worden ist. Ich will nichts zur Nationalitätenpolitik von Ungarn sagen oder die Slowakei verteidigen, sondern versuche aufzuzeigen, dass Fidesz nur dann meint, eine Regierungsmehrheit solle ihre Politik ungehindert von Kritik aus dem Ausland verfolgen können, wenn es um ihre eigene geht. Daher also nochmals die Frage an Sie: sehen Sie keinen Widerspruch darin, wenn Orban gegen „die in Brüssel“ wettert und meint, das Ausland soll die Ungarn machen lassen, sie haben ihre Regierung ja gewählt usw. und zugleich der Slowakei für deren Politik kritisiert? Orban hat ein bestimmtes Verständnis der Demokratie, die nicht jeder in Europa teilt. Er verbietet sich jede Kritik daran als Einmischung. Die Slowakei hat eine Nationalitätenpolitik, die ebenfalls kritikwürdig ist. Plötzlich findet Orban Einmischung gut.

        Zur Klarstellung: Ich finde, dass sowohl Orbán als auch die Slowakei kritisiert werden sollen. Und ich befürworte die Nationalitätenpolitik der Slowakei nicht. Ich finde aber Orban scheinheilig.

        Und noch etwas anderes: http://www.verfassungsblog.de/de/ungarn-was-tun-claudio-franzius/#.UWM6fxlurQM

        Ungarn erlangt (unerwünschte) Berühmtheit und wird Gegenstand europarechtlicher Überlegungen. Das Land schreibt Geschichte, nur um welchen Preis?

      • Ich sehe natürlich Widersprüche, insbesondere zwischen der Kommunikation nach „innen“ und „außen“ sind deutliche Unterschiede spürbar.

        Die von Ihnen aufgeworfenen Widerspruch sehe ich hingegen nicht in der selben Form wie Sie. Orbán „wettert“ gegen Brüssel dann, wenn er sich oder Ungarn ungerecht behandelt fühlt. Und mitunter habe ich Verständnis für seine Verärgerung. Natürlich steckt hinter seinen Auftritten auch ein großes Maß machtpolitischen Kalküls.

        Wenn aber eine Nichtjuristin wie unsere Justizkommissarin Reding, die – ohne einen Hauch demokratische Legitimation zu haben – von einer „nuklearen Option“ gegen Ungarn spricht (also Art. 7 EUV), so kann sich das ein gewählter Ministerpräsident nicht gefallen lassen, jedenfalls dann nicht, wenn Rechtsverletzungen (die Art. 7 EUV rechtfertigen) noch gar nicht belegt sind. Und über die entscheidet immer noch ein Gericht, nicht eine zu Justizkommissar-Ehren gekommene Journalistin wie Reding. Die Kommission soll die Verträge hüten, wie es ihr das EU-Recht vorschreibt. Wir beide wissen, dass vor dem Ergebnis eine Prüfung steht. Und da höre ich aktuell von Reding herzlich wenig. Noch. Der Bericht von Redings Mitarbeitern zum Zustand der Justiz in Ungarn war ja so schlecht nicht. Ihre politischen Statements malten hingegen den Teufel an die Wand. Das ist auch nicht frei von Widersprüchen…

        Ein Ministerpräsident sollte, schon weil er einen Amtseid geleistet hat, seine Stimme erheben, wenn Finanzhilfen, die Ungarn zustehen, mit Fragen des Mediengesetzes oder der Verfassung verknüpft werden. Diese, überspitzt gesagt, versuchte Erpressung mag Orbánkritikern gefallen („Dem zeigen wir´s!“), aber es hat mit Rechtsstaatlichkeit, die geradez gebetsmühlenartig angemahnt wird, nichts zu tun. Wie kann sich ein Graf Lambsdorff hinstellen und Art. 7 EUV einfordern mit dem Argument, das Verfassungsgericht in Ungarn dürfe fortan „keine Gesetze mehr nhaltlich prüfen“? Sind wir wirklich diesen Leuten ausgeliefert? Leuten, die keine Ahnung haben, wovon sie eigentlich sprechen?

        Orbán, hat, und das bitte ich Sie nicht unter den Tisch fallen zu lassen, oft genug betont, er sei offen für Kritik. Ungarn hat das Mediengesetz nachgebessert. Ungarn wird (da bin ich mir sicher) die Stipendienregelungen ändern. Und es gibt weitere Beispiele. Bei aller durchwachsener Bilanz, dass Orbán sich jegliche Kritik verbiete, ist ein Mythos.

        Es ist also nicht ganz richtig, wenn Sie sagen, Orbán vertrete einen Standpunkt „lassen sie uns machen“. Er lässt zwar gerne die Muskeln spielen, aber am Ende rudert er doch zurück. Und Kritik lehnt er nicht generell als „Einmischung“ ab. Orbán wirkt sicher rabaukenhaft, aber am Ende ist er zu sehr Machtpolitiker, um nicht zu wissen, wo seine Grenzen sind.

        Warum sollte er nicht das Recht haben, anderen Mitgliedstaaten gegenüber seine Positionen zu äußern?

        Was die Slowakei angeht, ist Orbáns Fehler woanders: Er weigert sich, die Partei Híd-Most zu unterstützen. Und missachtet damit das Votum der Wähler, nur um seine Schwesterpartei zu stützen.

      • @wrawanek: bezüglich des Burgenlandes, so meinte ich die Abtretung des Gebietes als solche. Auf die hat auch Österreich hingewirkt und dort passt Ihre Vorstellung von der Betsrafung nicht, denn Österreich war auch nicht unschuldiger als Ungarn. Ferner: natürlich kann ein Gebiet für ein Land verloren gehen, nämlich wenn das Gebiet abgetreten werden muss und die eigene Bevölkerung dort dahinschrumpft bis es sie nicht mehr gibt. Das muss auf das Burgenland nicht zutreffen. Ich kenne keine Bevölkerungsstatistiken aus der Zeit des 1. Weltkrieges, deswegen kann ich hier kein Urteil abgeben. Jedoch habe ich gelesen, dass der Anschluss an Österreich in der Bevölkerung nicht unumstritten war.

        @Kulturkampf: Lassen Sie doch bitta mal das naive Gewäsch von der Entwicklung der Menschen, okay? Hier geht es um unmittelbare Probleme die die Leute vor Ort haben. Glauben Sie mir, Sie wären auch nicht froh darüber wenn Sie Ihrer ethnischen Zugehörigkeit wegen diskriminiert werden würden, wenn Sie mit Anfeindungen Ihrer Nationalität wegen rechnen müssen (bis hin zur körperlichen Gewalt). Ihnen würde sicherlich auch nicht gefallen, wenn Sie auf dem Boden auf dem Sie und Ihre Vorfahren geboren wurden Ihre eigene Sprache nicht mehr lernen dürfen. Entweder das oder Sie sind es schlichtweg nicht wert, dass man sich mit Ihnen auseinandersetzt, weil Sie von den grundlegendsten Dingen keine Vorstellung haben sondern vielmehr in Ihrer kindlich-naiven Traumwelt leben. Und nein, ich sehe keinen Grund dafür mich über Trianon freuen zu müssen – o0b Ihnen das passt oder nicht – das hat jedoch nichts mit akzeptieren zu tun. Aber Ihre Einstellung ist die typisch deutsche: die Ungarn sollen sich mal nicht so haben, sondern einfach die Klappe halten. Damit Probleme zu tabuisieren / bagatellisieren / totzureden ösen Sie diese aber nicht. Insofern bringt Ihre Einstellung keine wie auch immer geartete Entwicklung voran. Abschließend: ich glaube nicht, dass man die Situation in Deutschland die durch den 2. Weltkrieg geschaffen wurde, so ohne weiteres mit der Ungarns nach Trianon vergleichen kann. Es gibt keine nennensweiten Minderheiten mehr in den Nachbarländern die gefährdet wären. Der Osten geriet unter sowjetische Oberherrschaft. Das zu korrigieren lag vielen Deutschen am Herzen, genause wie vielen Ungarn die ungarischen Minderheiten in den Nachbarländern wichtig sind. Den Deutschen gelang diese Korrektur, sowie der Bevölkerung Südtirols, insofern hat Deutschland mit keinen Folgen des Friedensschlusses nach dem 2. WK zu kämpfen. Und hier liegt der wesentliche Unterschied: die Ungarn spüren die Folgen nach wie vor.

        @expat: Bezüglich der 2/3-Mehrheit: so funktioniert Demokratie nun mal, die Minderheit muss sich der Mehrheit beugen und nicht andersherum. Nur weil die Opposition unfähig ist eine 2/3 Mehrheit zu verhindern, müssen keine Ausnahmeregeln eingeführt werden. Die MSZP würde das auch nicht tun.
        Auch bezüglich der Einmischung Ungarns in vermeindlich slowakische Angelegenheiten können Sie keine funktionierende Analogie bieten. Es ist Tatsache, dass Ungarn Grund genug hat sich einzumischen, denn es geht um den Umgang mit der ungarischen Minderheit. Denen gegenüber hat man eine moralische Verpflichtung – Staatsbürgerschaft hin oder her. Die Staatsbürgerschaft verleiht dem nur eine offizielle Form, denn damit hat Ungarn jedes Recht sich einzumischen, denn es geht um die eigenen Staatsbürger. Wie gesagt: es hat sich nur die Form geändert. Schließlich: in Trianon wurden schwerwiegende Fehler gemacht. Meinem Verständnis nach korrigiert man Fehler, man schweigt sie nicht tot. Auch das berechtigt Ungarn zur Einmischung. Welches Recht hat Brüssel sich in Ungarn einzumischen solange die Demokratie nicht gefährdet ist?
        Warum die Slowakei auf Ungarn zu gehen sollte? Weil es eine Frage des Anstandes wäre hinsichtlich vergangener Fehlentscheidungen und weil es sonst noch schlimmer für alle Beteiligten wird. Und aus den selben Gründen aus denen Italien einen Schritt auf die Südtiroler zu ging. Gegenfrage: welchen Grund hätte die Slowakei das zu tun wenn Ungarn kuschen würde? Gar keinen…
        Und nochmal: inwiefern ist die doppelte Staatsbürgerschaft für die Slowakei gefährlich? Inwiefern schadet es sie? Ansonsten verstehe ich nicht, wieso Sie sie hier in Schutz nehmen.

        Es ergeben sich mir hier 3 Fragen die mir unter den Nägeln brennen, und zwar eine an expat und zwei an die gesamte Runde.
        1) In der ganzen Zeit in der ich hier schon auf HV poste und auch sonst, habe ich nie ein Argument oder eine Begründung dafür gehört weshalb sich die Situation verbessern sollte wenn Ungarn wie in dern vergangenen 20 Jahren weiter auf Verhandlungen setzt (=kuschen würde). Ich meine, wieso hat das bisher noch keine signifikanten Verbesserungen gebracht? 20 Jahre wären genug Zeit. Was soll sich also plötzlich ändern dass den Slowaken die Augen öffnen würde? Ein Wunder? Ich möchte auch betonen: die Ungarn dort werden immer weniger, man hat nicht unbegrenzt Zeit. Insofern finde ich es unsinnig das Herangehen Ungarns zu kritisieren wenn man selbst keine Alternativen bieten kann.
        2) Die meisten fordern einsetig Verständnis für die Nachbarländer, aber keins für Ungarn. Ungarn soll bitteschön die Gusche halten, die anderen dürfen die Sau rauslassen. Woher kommt das? Es ist doch offensichtlich, dass Ungarn durch die aktuelle Situation benachteiligt wird, sich in der schwächeren Position befindet und dass Ungarn in den Nachbarländern diskriminiert werden. Woher kommt also dieses Verständnis für die Nachbarn?
        3) An expat. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich will nicht jemandem zum Ausländer machen, weil er meine Ansichten nicht teilt. Aber ich versteh’s nicht. Sie sagten Sie würden dasselbe Privileg genießen wie ich. Ich heme an auch Sie leben nicht in Ungarn, und anhand dessen was Sie sagten vermute ich, dass Sie auch in keinem Nachbarland Ungarns leben in denen historisch begründete ungarische Minderheiten leben. Insofern sind Sie also sozusagen selbst Schuld, dass Sie nicht mehr in Ungarn leben (so wie ich) und haben trotzdem Ihre doppelte Staatsbürgerschaft behalten. Denen, die praktisch nichts dafür können, dass die jetzt im Ausland leben, wollen Sie dieses Privileg nicht anbieten. Wie begründen Sie das? Wäre es nicht konsequent und ehrlicher wenn Sie dann auf Ihr Privileg auch verzichten würden? Wie gesagt: von mir aus können Sie die doppelte Staatsbürgerschaft auch gern behalten, aber es passt mir nicht zusammen, dass Sie sich selbst dieses Privileg erhalten, aber es anderen nicht zugestehen möchten.

      • okay palóc, habe verstanden.

        sie leben den ungarischen traum und die rede über demokratische entwicklung ist naives gewäsch.

        ich denke, dann sind wir jetzt durch. alles gute ihnen…

      • @Palóc: Zur Beantwortung Ihrer Frage: ich habe mehrmals in meinen Beiträgen betont, dass ich weder die Slowakei unterstütze/entschuldige noch irgendein Problem mit der doppelten Staatsbürgerschaft als solche habe. Ich halte es politisch für unklug, wie Fidesz gehandelt hat und bin der Meinung, dass das nicht im besten Interesse der Minderheit in der Slowakei ist. Das könne Sie gern in diesem thread nachlesen.

        Zur 2/3 Mehrheit unterscheidet sich unser Verständnis von Demokratie: die uneingeschränkte ungezügelte Herrschaft der Mehrheit über eine Minderheit ist für mich nicht mit meinem Verständnis einer aufgeklärten Gesellschaft vereinbar. Eine Regierung, die ohne jegliche Schranken ihren Willen durchsetzt, mag zwar demokratisch legitimiert sein, aber das allein überzeugt mich nicht.

        Zu Ihrer Bemerkung dazu, dass es in Ungarn nichts zu kritisieren gäbe – erlauben Sie mir nur einen Punkt hervorzuheben: Es gibt eine Institution, die geleitet wird von einer von der Regierung ernannten Person und diese Person kann Gerichtsverfahren mit der Begründung, dass das Gericht überlastet ist, einem anderen Gericht zuweisen. Das ist keine unabhängige Justiz mehr.

        @ HV: Wo Sie einen lernfähigen und einsichtsfähigen Orbán sehen, sehe ich einen klugen und gewievten Taktierer, der ständig die Grenzen austestet, wie weit er bei der Umgestaltung des Landes nach seiner Vorstellung gehen kann und wenn der Aufschrei zu groß ist, rudert er teilweise zurück. Nicht selten ist der Schaden dann schon getan, wie z.B. bei der Zwangspensionierung der Richter. Die Positionen waren weg, die Wiedereinstellung, soweit es überhaupt erfolgt ist, war nicht in die früheren Stellen.

        Was den Bericht von Frau Reding zur Situation der Justiz in den Mitgliedstaaten angeht, ich habe ihn mir durchgelesen und das Thema der Untersuchung waren lediglich statistische Fragen (Verfahrensdauer usw.). Wenn Sie Ihr also vorwerfen, dass der Bericht nicht ihre Kritik an der Justiz untermauert, bedienen Sie sich einer Argumentation, die ich bei Fidesz oft beobachte. Ja, es ist richtig, der Bericht sagt dazu nichts, wie unabhängig die Justiz in Ungarn ist. ABER: Er tut es deswegen nicht, weil er nicht zu diesem Thema erstellt worden ist. Ob und wie gut Frau Reding über die ungarischen Zustände informiert ist, will ich nicht diskutieren, weil ich es nicht weiß. Ich sitze nicht in ihrem Stab. Ich zweifele aber auchstark am Fidesz-Mythos, wonach das ganze Ausland (Angela Merkel, Barroso und viele mehr) zu doof sind, sich über Ungarn zu informieren, und zu naiv sind, und alles glauben, was Ihnen die linksliberale Weltverschwörung einflüstert , sich nicht selbst ihre Meinung bilden können und alle die kein Ungarisch sprechen das Ganze sowieso nicht verstehen können.

      • Wer redet denn nun schon wieder von Weltverschwörung außer Ihnen? Ich kann dieses Totschlagargument nicht mehr hören. Immer, wenn man die Sachlichkeit und die Fachkunde in Zweifel zieht, kommt früher oder später dieser Unsinn.

        Werden wir doch mal konkret: Ist es denn eine an den Haaren herbeigezogene, unbeweisbare Verschwörungstheorie, wenn ich sage, dass Graf Lambsdorff (FDP), einer der schärfsten Kritiker Orbáns im EU-Parlament, bei WDR2 Aussagen zur neuen Verfassung getätigt hat, die schlicht sachlich falsch sind? Liegt das daran, dass er sich mit dem Gesetzestext befasst hat, oder könnte das Gegenteil der Fall sein? Da hilft vieles Lamentieren nicht, er redete einfach Unsinn, als er behauptete, der gravierendste Punkt in der 4. Verfassungsnovelle sei der, dass das VerfG keine Gesetze mehr auf Verfassungskonformität hin prüfen dürfe. Es ist schön, dass dann wieder von alpha bis omega erklärt wird, was alles in der Novelle bedenklich ist. Es bleibt ein Irrtum Lambsdorff.

        Und vor dem Hintergrund der Falschvorstellungen führender Politiker möchte ich schon wissen, auf welcher Grundlage Entscheidungen über die Sperrung von Fonds und die Einleitung des Art. 7 Verfahrens gefasst werden.

      • „…wenn ich sage, dass Graf Lambsdorff (FDP), einer der schärfsten Kritiker Orbáns im EU-Parlament, bei WDR2 Aussagen zur neuen Verfassung getätigt hat, die schlicht sachlich falsch sind?“

        ich schlage ihnen vor, sich direkt an herrn lambsdorf zu wenden und uns dann ggf über den austausch hier zu informieren. oder sie schicken ihm direkt einen link zu diesem blog und bitten ihn um teilnahme.

      • werter hv, ihre repliken verlieren an niveau.

        nur ungeduld oder unzufriedenheit, dass die performanz ihres orbáns nicht ihren wünschen entspricht?

      • Sehen Sie, Palóc, Sie sind mit Ihrer Rechthaberei einer der Gründe dafür, dass die Beziehungen zu den Nachbarländern so sind, wie sie sind. Sie bewegen sich in einem Teufelskreis. Können Sie sich darauf einlassen, dass es besser wäre, aus diesem herauszukommen?

        Bitte beachten Sie, dass ich bisher weder die slowakische noch die rumänische Politik in Schutz genommen habe.

      • werter hv, fällt ihnen auf, dass sie und einige ihrer „genossen“ gerne mit persönlichen diffamierungen arbeiten? und täuscht mich evtl. mein eindruck, dass dieses verhalten eher auf konservativer seite anzutreffen ist? vllt in dem sinn, in dem ihr sehr bewusst gewählter interviewpartner herr spengler von reaktiv sprach(im gegensatz zu proaktiv, wie ein joghurt)?

        seien sie hier der profipsychologe, es ist ihr blog und sie haben einen hohen anspruch, wie ich meine…

      • @wrawanek: tut mir leid, aber ich deute es als Ihre Resignation, dass Sie mir Rechthaberei vorwerfen, schließlich habe ich immernoch keine Antwort auf meine Fragen und 1) und 2) erhalten. Und ich weis auch immernoch nicht, inwiefern die doppelte Staatsbürgerschaft eine Gefahr für die Slowakei darstellen soll. Solange Sie nicht in der Lage sind, mir in diesen Dingen eine Antwort zu geben, erübrigen sich weitere Diskussionen tatsächlich. Wenn man jedoch keine Argumente für seine Position hat, dann sollte man eventuell nicht so reden als würde man von Fakten sprechen.

        Weiterhin überzeugen mich auch die Beteuerungen hier nicht, dass man die Slowakei oder Rumänen nicht in Schutz nehmen würde. Ich habe bisher nur Vorwürfe gegenüber Ungarn wegen der doppelten Staatsbürgerschaft gehört, jedoch null Verständnis für das eigentliche Anliegen der Ungarn. Null. Nichteinmal den Versuch. Und dann beruht die Kritik gegen die soppelte Staatsbürgergerschaft offensichtlich auch noch darauf, dass Orbán sie ermöglicht hat, nicht auf inhaltlichen Beweggründen. Anders kann ich die fehlenden Antworten nicht verstehen. Welche Ziele Orbán verfolgt hat, sei mal dahingestellt. Aber es ist Fakt, dass es auf der ungarischen Seite signifikante Unterstützung für die doppelte Staatsbürgerschaft gibt. Davon zeugt auch, dass es durch Leute in den Nachbarländern gibt, die die ungarische Staatsbürgerschaft annehmen. Es handelt sich also nicht um eine bloße Stenkerei von Seiten Orbáns.

      • @palóc, stelle fest, dass wir über völlig verschiedene Dinge reden. Sie reden dauernd über vermeintliche Rechte und ich rede darüber, wie diese Rechte im Ausland wirken. Und natürlich wirkt es in Ungarn auch, wenn z.B. die Grenzen von Landkreisen verändert werden oder wenn der Arzt mit seinem Patienten nur noch in Landessprachre reden soll. Das alles ist die sichere Grundlage dafür, dass sich beide in diesem Teufelskreis von ständigen Gegenreaktionen bewegen.

        Immerhin waren Sie bereit, das Zitat aus meinem alten Schulbuch als begründet zu bezeichnen. Da haben wir beide doch einen Anknüpfungspunkt. Die Furcht vor der Magyarisierung steckt in den Slowaken und Rumänen immer noch drin. Und dass es seit der Wende keine besseren Beziehungen zwischen der Slowakei und Ungarn gab, kann ich durch ein winziges, aber wichtiges Zeichen widerlegen. Ich erinnere mich an eine Podiumsdiskussion etwa aus dem Jahre 1994 in Budapest, an der eine ungarische und eine slowakische Regierungsdelegation teilnahmen. Ich fiel fast vom Stuhl vor Überraschung, als die Mitglieder der slowakischen Delegation die Diskussion in astreinem Ungarisch führten. Damals nahm ich das als guten, hoffnungsvollen Anfang. Ob es sowas heute auch noch gibt, dass slowakische Regierungsvertreter in Ungarn offiziell und vor Publikum ungarisch reden?

        Mein Appell an Sie ist, den Ausgang aus dem Teufelskreis zu suchen. — Die Wand besteht im Einfordern von vermeintlichen oder tatsächlichen Rechten.

        Mit diesem Appell an Sie schließe ich die Diskussion von meiner Seite.

      • @wrawanek: Meinen Sie also, dass die Ungarn auf Ihre Rechte verzichten sollten, damit sie den Slowaken und Rumänen genehm sind? Diese Rechte stehen den Ungarn nun mal zu, weil sie in ausreichender Zahl vertreten und eine historische Minderheit (keine zugewanderte) sind. Anders ausgdrückt leben diese Menschen in Ihrer Heimat, nicht im Ausland, und dort sollten sie über entsprechende Rechte verfügen. Wenn Sie erwarten, dass die Ungarn diese Rechte aufgeben, weil sie den Slowaken und Rumänen nur einfach nicht gefallen, dann liegen Sie nun mal falsch. Insofern arbeiten Sie sich an der falschen Stelle ab: es ist falsch zu fordern, dass die Leute auf ihre Rechte verzichten sollen, vielmehr sollten Sie versuchen Einsicht auf der Gegenseite zu erreichen, dass diese Ansprüche gerechtfertigt sind. Die richtige Taktik wäre es also, an die Slowakei und die Rumänen zu appellieren diese Rechte zu akzeptieren, weil es der historischen Fairness entspräche, einen Status Quo schaffen würde mit dem beide Seiten leben könnten und damit zur Befriedung der Region führen würde. Was glauben Sie, welchem Staat die Ungarn loyaler gegenüber stünden: dem, der sie schätzt und ihnen entgegen kommt oder dem der sie verachtet und diskriminiert? Ich denke die Wahrheit liegt auf der Hand. Und da spielt es dann auch keine Rolle mehr, ob diese Ungarn dann nebenbei auch ungarische Staatsbürger sind.

        An Ihrer Ansicht, die Slowaken hätten noch Angst vor Magyarisierung, zweifele ich, denn dazu besteht kein Grund. Dazu wäre Ungarn oder die ungarische Minderheit nicht in der Lage. Das Gegenteil ist vielmehr der Fall und das ist genau das Problem.

        Was Ihre Anekdote angeht, die ist hübsch. Sind Sie sich sicher, dass es sich nicht um in der Slowakei lebende Ungarn waren? Nicht, dass ich es nicht zu schätzen wüsste wenn es doch Slowaken waren. Jedoch gab und gibt es dieser Zeichen viel zu wenige. Auch unter MSZP war das nicht anders als die ungarische Seite zurückhaltender nicht sein konnte.

  2. Ich finde diesen Beitrag nicht schlecht, weil er klar satirisch in Anspielung auf die Beiträge in ZAPP und im KiKa gemeint ist, das heißt also nicht ganz ernst bzw. überspitzt gemeint ist. Im Gegensatz zu den Beiträgen die dieser parodiert…

    • Ich finde den Beitrag grottenschlecht bis -doof.
      Weil es sich bei dem KIKA-Filmchen, das m. W. schon 2011 in Ungarn produziert worden ist, nicht um Nachrichten und auch nicht um Meinung handelt, sondern um Gewissheiten, die das Deutsche Volk über sich erlangt hat. Wir sind Demokratie, wir sind Rechtsstaat, wir sind Europa und morgen die ganze Welt!
      Faschismus, das ist immer die Freiheit der Anderen.
      Selber Schuld, Ungarn!

  3. Da gibt es aber einen großen Unterschied. Die NPD ist nicht verboten, aber nicht im Bundestag vertreten und Angela Merkel erfüllt nicht die Wünsche der NPD. Während in Ungarn Jobbik im Parlament vertreten ist und die ungarische Regierung – nur um den Wind aus den Segeln von Jobbik zu nehmen – einige der Wünsche dieser neopfeilkreuzlerischen Partei, wie z.B. Trianongedenktag, Turulmythologie und Nyiröapologie erfüllt.

    • So richtig passt Ihr Beitrag zwar nicht hierher, aber ich antworte Ihnen trotzdem. Wenn es Dinge gibt, die schlicht richtig sind, dann bestünde die theorethische Möglichkeit, dass auch Jobbik sie unterstützt. Würde es dadurch falsch werden, dass auch andere Parteien die selben Dinge unterstützen? Am Trianongedenktag beispielsweise ist absolut nichts faschistisches oder rechtsradikales. Man muss den Tag nicht mögen oder unterstützen, aber Fakt bleibt, dass die Folgen von Trianon weiterhin offene Wunden zur Folge haben. Ich sage hier ganz klar: Ungarn ist hier der einzige Partner, der daran interessiert ist diese Wunden zu schließen, weil die anderen lieber wegsehen oder sie wegdiskutieren wollen. Ich unterstütze den Tag insofern, als dass er das Elend Trianon und die Heilung dessen Wunden weiterhin anmahnt, statt sie eitern zu lassen. Auf keinen Fall sehe ich hier einen Grund Fidesz und Jobbik auf eine Stufe zu stellen, noch zu unterstellen, dass Fidesz hier lediglich Jobbik-Wähler abwerben will, denn auch viele Fidesz-Wähler dürften den Tag unterstützen. Mehrnoch: würde die Jobbik diese Anliegen ihrer eigenen Wähler enttäuschen, könnten sich diese Jobbik zuwenden – wollen Sie das oder ist ihnen das einerlei? Ich hoffe doch nicht. Weiterhin wäre ich nicht überrascht wenn sich Jobbik auch hier und da mit MSZP überschneidet. Und sicherlich finden auch in Deutschland andere Parteien ein paar Dinge ganz toll, die auch die NPD mag.

      Abschließend möchte ich auch Sie darauf hinweisen auf was ich schon Herrn Oszváth hinwies:
      „Um so mehr Sie sich auf die Fidesz und auf Herrn Orbán einschießen und ihn in die rechte Ecke stellen, um so mehr Konservative fühlen sich auf den Schlipps getreten. Und um so mehr Konservative sich auf den Schlips getreten fühlen, um so mehr könnten sich durch das Ausland bedroht fühlen. Und um so mehr das tun, um so mehr Zulauf hat die Jobbik. Die Art der Berichterstattung fördert also nicht nur die ungarischen Grabenkämpfe, sondern ist eher noch kontraproduktiv als alles andere. Dass die Verantwortlichen bei den deutschen Medien das nicht einsehen, lässt zwei Schlüsse zu: a) sie sind zu blöd oder b) ihre wahren Interessen liegen woanders (Absatz!). Das heißt nicht, dass Sie nicht kritisieren dürfen wo es angebracht ist, aber Sie sollten sich in der Art und Weise mäßigen. Dass jetzt schon Kindern sozusagen in die Schlacht geführt werden überschreitet definitiv eine Grenze.“

      • Zitat: „Am Trianongedenktag beispielsweise ist absolut nichts faschistisches oder rechtsradikales.“

        Das kann man so oder so sehen. Ich vermisse Bemühungen, die in der Zeit der heute herrschenden Freizügigkeit zeigen, wie die Verbindungen zu den Gebieten mit ungarischen Minderheiten über bestehende Grenzen hinweg im Sinne der Heilung alter Wunden entwickelbar sind, ohne dass sich Rumänen oder Slowaken bedroht fühlen. Die wehren sich logischerweise, wenn sie den Verdacht bekommen, ‚die‘ Ungarn wollten ihnen was wegnehmen. Die Kunst besteht darin, das Mögliche und nicht das Wünschenswerte zu tun. Ein Trianongedenktag und die damit verbundene – von mir so empfundene – Kriegsrethorik sind einfach kontraproduktiv.

      • Wrawanek:
        „Die wehren sich logischerweise, wenn sie den Verdacht bekommen, ‘die’ Ungarn wollten ihnen was wegnehmen.“

        Mein Eindruck ist, dass die Ungarn den Slowaken und den Rumänen nur eins wegnehmen wollen: die Freiheit, den Assimilationsdruck (Sprachgesetze, Gebietsreforme, usw.) auf die ungarische Minderheit nach belieben, nach innenpolitischem Bedarf hochschrauben zu können. Das Mittel wäre die Autonomie. Von der von ihnen empfundenen Kriegsrethorik habe ich bis jetzt nichts mitbekommen.

      • Es geht auch ohne Autonomie. Oder sollen/müssen die Ungarn im Burgenland auch autonom werden? Nein? Was ist dann das Geheimnis, warum es dort auch ohne geht?

      • wawranek, stellen Sie diese Frage ernsthaft?

        Es dürfte auf der Hand liegen, dass Österreich vorbildlich mit den Minderheiten, u.a. Magyaren, Slowenen und anderen, umgeht. Mir ist z.B. kein österreichisches Sprachengesetz bekannt, oder eine Praxis der Entziehung der Staatsangehörigkeit, wenn man die ungarische annimmt. Autonomie ist dann besonders attraktiv, wenn die bestehende Administration die Rechte der nationalen Minderheiten nicht ausreichend berücksichtigt. Dann löst man die Themen, z.B. mehrsprachigen Unterricht, eben selbst.

        Das Beispiel Österreich ist ein gutes Indiz dafür, wie falsch diejenigen liegen, die Ungarn zum Störenfried revisionistischer Prägung machen wollen. Denn mit Österreich gibt es keine Reibereien im Bezug auf die Minderheiten. Wäre Ungarn so, wie man es zum Teil karikiert, würden auch Gebietsansprüche an Österreich gestellt.

        Mir ist davon aber nichts bekannt.

      • HV, wichtig wäre die Erkenntnis, dass Ungarn und seine Nachbarländer sich in einem Teufelskreis bewegen. Der durchaus streitige Hinweis, dass die Anderen angefangen haben (Natürlich! Was denn sonst?) passt immer und befeuert diesen. Kluge ungarische Politik würde sich um das Machbare im Umgang mit den Nachbarländern kümmern und sowas wie diese unsägliche, mehr innenpolitisch gemeinte Passverteilung unterlassen.

        Zur Illustration: Wir Deutsche haben doch auch unsere Minderheiten im Ausland, die durch den Versailler Vertrag zustandekamen. Stellen Sie sich mal die Verwicklungen mit der belgischen Regierung vor, wenn Deutschland auf die Idee käme, den Deutschen in Eupen und Malmedy Deutsche Pässe auszustellen.

      • wawranek, wer „angefangen“ hat, ist schwer zu beantworten. Ich habe da auch keine Festlegung getroffen, sondern nannte konkrete Beispiele, die den Unterschied zu Österreich darstellen.

        Der ewige Vergleich mit Deutschland hilft nicht weiter, die deutschen Minderheiten haben eine andere Situation. Das war allerdings nicht immer so (gen Osten), und da gab es ja auch im deutschen Staatsangehörigkeitsrecht die Aussiedler. Es steht jedem Land zu, die Voraussetzungen für die Vergabe der Staatsbürgerschaft autonom festzulegen. Und warum soll jemand, der als Ungar geboren ist und nun in Israel lebt, nicht das Recht bekommen, wieder ungarischer Staatsbürger zu werden? Sogar der gegen das „völkische“ Ungarn zu Feld ziehende Herr Pfeifer könnte das, könnte auch er.

        Es geht nicht nur um die umliegenden Länder.

      • „Wäre Ungarn so, wie man es zum Teil karikiert, würden auch Gebietsansprüche an Österreich gestellt.“

        oder radfahrerprinzip: nach oben puckeln, nach unten treten…

      • HV, Der klitzekleine Unterschied bestand/besteht darin, dass der die Staatsbürgerschaft bekommt, der herkommt und nicht der, der im Ausland wohnt.

        An der Stelle, an der Sie von Ungarn reden, rede ich von der ungarischen Regierung – ein wesentlicher Unterschied. Bei der Regierung vermisse ich den politischen Ansatz, den Teufelskreis im Umgang mit den Nachbarländern zu verlassen und auf eine bedingungsfreie Politik der Aussöhnung zu setzen. Das hat die historisch erzverfeindeten Länder Frankreich und Deutschland hervorragend zueinander gebracht. Nochmal: Diese Passgeschichte als Beispiel ist kontraproduktiv und hat einen ausschließlich innenpolitischen Bezug. Ich kann den Ärger der Slowaken und der Rumänen nachempfinden.

      • Wussten Sie, dass das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht bis heute die Möglichkeit der Verleihung auch an Personen mit ausländischem Wohnsitz vorsieht? Unter strengeren Voraussetzungen wie Ungarn das heute tut, aber es gibt diese Möglichkeit.

        Haben Sie denn konkrete Vorschläge, was man seitens der Regierung besser machen könnte?

        Ferner würde mich interessieren, wie Sie die Politik Ungarns im Bezug auf die dort ansässigen Nationalitäten beurteilen. Auch und gerade nach dem neuen Grundgesetz.

      • Im Moment erscheint es mir als Außenstehendem so, dass dieses auf Wählerstimmen zielende, gebetsmühlenartige Wiederholen des Wortes Trianon eher Salz in die Wunden reibt, als diese zu schließen. Wie wäre es denn, wenn man sich mal damit beschäftigen würde, welche Aktionen von ungarischer Seite dazu geführt haben, dass das Ausland in Trianon zu der Meinung kam, man müsse Ungarn massiv bestrafen? Wohl gemerkt es geht nicht darum, die ungarische Politik wirklich getan hat, sondern nur darum, warum und wie das vom Ausland so empfunden wurde. Ein Verzicht auf den Trianon-Gedenktag könnte da der kleinste mögliche Schritt sein.

  4. @Kalman

    Liebe Frau Kálmán.

    ich sehe, dass wir in Ihrer Person mit einer wirklichen Kennerin der Verhältnisse nicht nur in Ungarn, sondern auch in Europa und weltweit zu tun haben. Danke für Ihre aufschlussreiche Beiträge.

    Sie schreiben an einer Stelle:
    „Ich werde diese beiden Sendungen auf jeden Fall in meinen Unterricht einbauen und auch in meine Elternberatungen.“ Das finde ich gut. Schade nur, dass Sie an einem Pariser Gymnasium und nicht auch in Deutschland unterrichten. Vielleicht könnten Sie auch meine Recherche „Eine Anti-Terror-Einheit gegen friedliche Demonstranten in Ungarn?“, geschrieben am 29. März 2013 um 18:24 im unten stehenden Kommentar, verwenden. Danke im Voraus:

    https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/03/28/ferenc-kumin-in-den-nachrichten-rechtliche-schritte-gegen-kika-werden-gepruft/

    • Eins steht fest, Herr Herche. Der NDR kann diese Hin- und Her- Spielchen dank der Beitrags-Zwangsfinanzierung länger durchhalten. Das Finanzierungsmodell dürfte insoweit durchaus Ähnlichkeit mit Nord-Korea haben. 🙂

  5. Hier hat unsere König* wieder mal bewiesen wie Tief er noch immer senken kann.. :/
    In die Deutsche Fernsehen haben die wenigstens nicht gelogen..
    Ist schon mal doch auch was..oder?

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