Abwandernde Ärzte: Brain Drain in Ungarn und Polen

Das Problem ist unbestreitbar: Medizinisches Fachpersonal aus Ungarn verlässt die Heimat und sucht in anderen Ländern sein Glück. Die populärste Erklärung: Viktor Orbán ist schuld.

Dass diese Abwanderung jedoch nicht allein mit der rechtskonservativen Regierungspolitik zu tun haben muss, sondern auch schnöde wirtschaftliche Motive (und die erst seit kurzem vollständige Arbeitnehmerfreizügigkeit) dahinter stehen könnten, wird in der hiesigen Presse kaum beleuchtet. Etwa, dass ein Arzt in Großbritannien ein Vielfaches verdient wie in Mittelosteuropa. Populärer als diese Sichtweise ist das Bild des Ministerpräsidenten, dessen quasi-faschistische Politik die gut ausgebildeten Absolventen aus dem Land jagt.

Der Tagesspiegel beleuchtet die Abwanderung ungarischer und polnischer Ärzte und Fachkräfte des Gesundheitssystems.

http://www.tagesspiegel.de/politik/polen-und-ungarn-dramatische-abwanderung-von-medizinern/8011382.html

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2 Kommentare zu “Abwandernde Ärzte: Brain Drain in Ungarn und Polen

  1. Vorweg möchte ich HV zu diesem Blog gratulieren und Ihm für seine unermüdliche und qualitativ sehr hochwertige Arbeit meinen Dank aussprechen!

    Das Stichwort lautet neudeutsch „Brain Drain“ und es ist kein neues Phänomen, es wird lediglich nicht sonderlich oft kolportiert. Vielmehr ist immer die rede von Fachkräftemangel, den es zu beseitigen gilt, denn ansonsten gehen der BRD so und so viele MRD € flöten und das kostet dann Prozente beim Wirtschaftswachstum.
    Das Nachsehen (und die Kosten) haben dann die anderen! So what ! Wer ko der ko^^

    Das der Fortzug von gut ausgebildeten Fachpersonal andernorts eine riesige Lücke hinterlässt die man nicht ohne weiteres schließen kann liegt auf der Hand. Daher ist es doch logisch das die Regierung Maßnahmen ergreift um diese Mißstände zu beseitigen (konkret: „Medizin- und andere Studenten, die staatliche Stipendien erhalten, müssen nach Studienabschluss eine gewisse Zeit in Ungarn arbeiten“). Dadurch wird der Versuch unternommen die Ärzte, zumindest eine gewisse Zeit lang, im Land zu halten, ob es dauerhaft gelingen wird wage ich allerdings zu bezweifeln.
    [Allein aus meinem familiären Umfeld verließen erst letztes Jahr zwei frisch ausgebildete Ärzte das Land gen Westen(BRD), beide arbeiteten genau Null Tage als praktizierende Mediziner.]

    Dieses wird nun durch die hiesige Presse aufs schärfste kritisiert. Aber Hallo ! Der böse böse Viktor Orban und sein „faschistoides Regime“ sind schuld daran, dass die Leute das Land verlassen. Wirtschaftliche Belange kommen bei der Wahrheitsfindungen nicht in Betracht.

    Die vollkommene Arbeitnehmerfreizügigkeit die erst kürzlich in Kraft getreten ist wird dabei gerne verschwiegen, denn sie ist wohl zurzeit nicht opportun.

    Zu dem Titulus verlängerte Werkbank kommt anscheinend ein weiterer hinzu: Ersatzteillager.

    Na dann Prost Mahlzeit

    • Durch Festbinden der Akademiker wird das von Grund auf kranke Gesundheitssystem in Ungarn nicht gesünder. Dieses ‚hála pénz‘ (Trinkgeld für Ärzte), wodurch das Kranksein in Ungarn für alle wahnsinnig teuer ist, muss zugunsten einer anständigen Bezahlung der Arbeitskräfte abgeschafft werden.

      Übrigens hörte ich letztens folgenden Gedanken: Ungarn bezieht aus der EU jedes Jahr viel Geld, zuletzt über fünf Mrd. EUR. Das ohne Gegenleistung. Davon etwas in den Hochschulsektor gesteckt und die Abwanderung der Akademiker ist kein Problem mehr.

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