DRadio: György Konrád kritisiert „dünne Demokratie“ in Ungarn

Der Schriftsteller György Konrád im Deutschlandradio ein Interview zur Situation in Ungarn. Konrád bezeichnet Ungarn als „dünne Demokratie“.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/2059897/

Konrád hofft auf einen „Sturz des Regimes“. Allerdings lehnt er es ab, Ungarn aus der EU „auszustoßen“. Er schlägt vor, die Beziehungen zu Politikern „auf null abzukühlen“. Auch von der deutschen Bundeskanzlerin Merkel erhofft sich Konrád strengere Worte. Konrád sieht eine Wende hin zu einer solchen härteren Haltung. Das Volk allerdings solle darunter nicht leiden.

Advertisements

21 Kommentare zu “DRadio: György Konrád kritisiert „dünne Demokratie“ in Ungarn

    • In einer deutschen Zeitung folgendes zu lesen:

      „Denn die von einem „Reichsverweser“ regierte Monarchie, als deren treuer Untertan György Konrád wie die anderen jüdischen Schulkameraden in der kleinen ostungarischen Stadt Berettyóújfalu erzogen wurde, hatte im Juni 1944 sämtliche zur Verfügung stehenden administrativen und logistischen Mittel aufgeboten, den damals Elfjährigen umstandslos zu Tode zu bringen. So, wie ihr dies bei über einer halben Million ungarischen Juden auf schreckliche Weise gelang.“

      grenzt an Geschichtsfälschung.

      Wo ist der Hinweis auf die Besetzung Ungarns durch die deutsche Wehrmacht im März 1944? Wo der Hinweis auf die deutsche Verantwortung? Dass eine deutsche Publikation die deutsche Rolle am Holocaust der ungarischen Juden unter den Tisch fallen lässt, mit keinem Wort erwähnt, ist empörend.

      Ich bin der Meinung, dass die Ungarn sich mit der Rolle ihrer Administration am Holocaust auseinandersetzen müssen. Man kann nicht alles den deutschen Besatzern in die Schuhe schieben, gerade im Hinblick auf die Vorgeschichte. Umgekehrt geht es aber auch nicht. Oder aus deutscher Sicht: Erst Recht nicht!

      • Dass dies unter deutscher Federführung erfolgte, kann bei deutschen Lesern vorausgesetzt werden. Fakt ist, dass dies ohne die umfassende administrative und logistische Anstrengung der Horthy-Regierung niemals gelungen wäre. Verraten wurden die ungarischen Juden durch die ungarischen Behörden, denen sie, vaterlandstreu wie die meisten von ihnen waren, bis zuletzt vertraut hatten.

      • @ Stephen Tree:

        Es geht mir um eine durchorganisierte Kooperation, von der sich keine Seite freizeichnen kann. Ihre Annahme, die Verantwortung der Deutschen könne bei deutschen Lesern vorausgesetzt werden, halte ich gelinde gesagt für naiv. Umfragen hierzulande belegen eine erschreckende Unkenntnis im Bezug auf die Geschichte des 2. Weltkriegs und der Judenverfolgung: http://www.ksta.de/panorama/-holocaust—erschreckende-unkenntnis,15189504,13890430.html

        Vollkommen inakzeptabel und bestürzend ist das, und bestimmt kein Grund, bei deutschen Lesern besondere Kenntnisse vorauszusetzen. Jedenfalls sehe ich das so, lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.

  1. Ja Herr Pfeifer , da hätte ich auch etwas.Ob das auch wie ein Lauffeuer durch die Medien eilt?
    Borkai (FIDESZ) és Neupor (MSZP) közösen tüntet az antiszemita jobbikos képviselő ellen Győrben!!
    Hoppla, na sowas!Sie demonstrieren gegen die Jobbik? und dann auch noch gemeinsam?
    Na, das geht ja nun schon mal überhaupt nicht, das zerstört doch das Weltbild.

  2. @ HV:
    Nein, das Zitat grenzt nicht an Geschichtsfälschung. Du bist eher derjenige, der hier (für mich völlig überraschend!) die Position ungarischer Rechter übernimmt.
    Die Wehrmacht hatte keinen Anteil an den Verabschiedung einer Vielzahl antijüdischer Gesetze, auch keinen Anteil an der Ghettoisierung und der Einwaggonierung der Juden. Die jüdischen Wohnungen und Besitztümer sind von den christlichen Ungarn in Besitz genommen worden und nicht von der Wehrmacht. Usw. usf.
    All dies wurde auch hier schon etliche Male ausdiskutiert und Historiker wie Ungváry (vgl. den Aufsatz „Der Getriebene und der Treiber“ usw., Vágó & Kádár („Hullarablás“) usw. haben die ursprünglich ungarischen Motive der Judenverfolgung analysiert. Molnár Judit die Rolle der ungarischen Gendarmerie dargestellt usw. usf. Das alles ist bekannt und bestätigt das obige Zitat. (Im Übrigen: dass nicht Eichmann mit seinen 150-200 Mann (einnschl. Sekretärinnen und Fahrer) dies alles getan haben, ist wohl auch jedem bekannt).

    • @ galut:

      Eine Sekunde bitte, Du liest in meine Worte Aussagen hinein, die ich weder getätigt, noch gemeint habe.

      Fakt ist: Die Deportation der ungarischen Juden wäre ohne die willfährige Hilfe ungarischer Behörden, ob Gendarmerie, MÁV oder anderen, nicht möglich gewesen. Und wie ich doch ausdrücklich schrieb, muss sich Ungarn mit seiner Rolle auseinandersetzen.

      Warum übernehme ich die Rolle ungarischer Rechter? Bestreite ich die Rolle Ungarns? Nein. Weil ich es in einer DEUTSCHEN Publikation für befremdlich bis inakzeptabel halte, wenn man behauptet, der Reichsverweser hätte deportieren lassen, ohne die Deutschen mit einem Wort zu erwähnen? Ich bitte Dich…

      Im Tagesspiegel liest es sich ja gerade so, als hätte Ungarn gänzlich unabhängig von der deutschen Besetzung deportieren lassen. Und ganz so war es nicht. Es gab eben, trotz Judengesetzen, in Ungarn die vollkommen widersprüchliche Situation, dass Juden relativ lange nicht deportiert wurden, aber nach Beginn der Deportationen so schnell abtransportiert und ermordet wurden, wie nirgendwo anders. Ich fühle mich mit dieser Analyse in bester Gesellschaft mit Krisztián Ungváry. Von dem wirst Du keine Aussage finden, in der er die Verantwortung der Deutschen negiert. Aber ich kann ihn Ende April gerne persönlich fragen.

      Die „Rolle“ ungarischer Rechter, die Du mir zuteilst, ist die, jede ungarische Mitverantwortung zu bestreiten. So etwas wirst Du weder in meiner hiesigen Aussage, noch sonst in diesem Blog von mir finden.

      Sowohl Deutsche als auch Ungarn sollten die teuflische Kooperation erkennen, die es damals zwischen unseren beiden Ländern gab. Was nicht geht, ist, dass man, im Stile zweier Angeklagter in einem Strafprozess, die Schuld allein dem anderen zuschiebt. Als Deutscher halte ich das für zutiefst unanständig.

      Vielleicht eine Klarstellung: Ich spreche, wenn ich von der deutschen Verantwortung spreche, von MITverantwortung, nicht von ALLEINverantwortung. Vielleicht lag hierin das Missverständnis?

  3. HV,

    ich habe nicht sagen wollen, du seiest ein oder wie ein Rechter, nur, dass du eine deren Positionen übernimmst. Deine zwei Fragen erinnerten mich an die klassische Ablenkung von der eigenen Mittäterschaft.

    Ansonsten, da wir beide ihn schätzen, zitiere ich aus dem Nachwort aus dem oben erwähnten Aufsatz Ungvárys: „Bei genauer Betrachtung zeigt sich, dass der ungarische Staat im Vollzug antisemitischer Maßnahmen sogar noch konsequenter und radikaler vorging als das Dritte Reich. Nicht zu bestreiten ist, dass erst die deutsche Besatzung die Deportationen in Ungarn ermöglichte. Zuvor waren sie bestimmt nicht deshalb unterblieben, weil etwa die ungarische Bevölkerung solche Maßnahmen weniger toleriert hätte als die Bewohner des dritten Reichs.“
    Ich denke, hierauf können wir uns einigen, oder?

    Grüß ihn von mir. Er hat mehrere meiner (auch zum Holocaust einschlägige) Publikationen.

    • @Galut:
      Darauf können wir uns uneingeschränkt einigen. Und das ist auch der Grund, warum ich den Ansatz des Tagesspiegel-Beitrages ebenso falsch finde wie die Schönfärberei ungarischer Rechter.

      Ich werde ihn von „galut“ grüßen 🙂

  4. Tue das. 😉
    Er wird gucken.
    Aber Einiges habe ich hier über mich ja schon erwähnt. Wenn du noch was im Gedächtnis hast, kannst es zum Gruß hinzufügen. Den Rest reimt er sich zusammen. Oder auch nicht… egal…

  5. https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/04/02/dradio-gyorgy-konrad-kritisiert-dunne-demokratie-in-ungarn/#comment-13081

    Verraten wurden die ungarischen Juden durch die ungarischen Behörden, denen sie, vaterlandstreu wie die meisten von ihnen waren, bis zuletzt vertraut hatten.

    Sicher?Nur durch die ungarischen Behörden?
    Na, dann empfehle ich gern nochmal Allen das Buch von Ungarn nach Auschwitz
    mit dem Hinweis auf die Rolle die Rudolf Kastner dabei spielte.
    (als pdf im Internet/ der Link war mir zu lang bzw. es ist mir nicht gelungen in sinnvoll zu verkürzen)

  6. an Stephen Tree | 2. April 2013 um 17:40

    Horthy Regierung:)

    Also Horthy war Staatspräsident, hatte genau so wenig eine Regierung wie Hindenburg. Der letzte, von ihm ernannte Ministerpräsident, Miklós Kállai, musste nach dem Putsch in März 1944 fliehen, am Ende landete er in Dachau. Aber nicht nur der Ministerpräsident, sondern viele Schlüsselfiguren in der Administration wurden ausgetauscht: die Nazis arbeiteten nach einem Drehbuch, das schon an Ende 1942 fertig war.

    Schuldfragen der ungarischen Gesellschaft sind berechtigt. Aber da müssen wir selbst durch, diese auf Halbwissen basierten Zurufe von Außen helfen wenig.

  7. Eine Anmerkung zum Radio- interview:
    Zitat aus dem Radio-Interview:
    „Aber das ist eine dünne Demokratie, die es hier noch gibt, nur ein Sender, ein Radiosender und eine Fernsehanstalt. Und die sind auch in Schwierigkeiten, gehen sie vorwärts, und alles, was öffentlich-rechtlich, das heißt staatlich ist, ist Regierungspropaganda.“
    Hat diese Aussage irgendjemand verstanden? Falls es sich bei den genannten Sendern um nicht-öffentlich-rechtliche Anstalten handeln sollte, kann schon die Zahl nicht stimmen!

  8. HV macht es einem Journalisten, der über G. Konrád schreibt zum Vorwurf nicht erwähnt zu haben, was die an Politik interessierten Leser des Tagesspiegel wissen, dass die Massendeportation der ungarischen Staatsbürger im Frühjahr 1944 erst nach der deutschen Besatzung Ungarns begann.
    Dieser Artikel war keine historische Abhandlung. Es ging um G. Konrád. Und es war die von Miklós Horthy eingesetzte ungarische Regierung in erster Linie für diesen Massenmord verantwortlich. Was immer man über mainstream Medien in Deutschland meint, sie versuchen nicht den Holocaust zu leugnen oder zu verniedlichen, wie das in Ungarn – nicht nur von Jobbik – versucht wird.
    Und wenn schon die deutsche Besatzung erwähnt wird, dann muss ja auch erwähnt werden, dass Ungarn drei Jahre vor der Deportation nach Auschwitz-Birkenau, also ganz ohne deutsche Besatzung im Sommer 1941 ca 18.000 Menschen nach Kamenets-Podolsk deportierte und die ungarische Armee in und rund um Novisad (Ujvidék) im Jänner 1942 einen Pogrom beging. Und weil wir doch die Geschichte nicht damit beginnen lassen können, muss man auch die von Horthy begrüssten und gewünschten Juden diskriminierende Gesetze erwähnen, die mit den Boden dafür bereitet haben, dass für die ungarische Regierung im Frühjahr nichts dringender schien, als mehr als eine halbe Million seiner Staatsbürger in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zu deportieren.

  9. Dünne Argumentation und dumme Medien
    Die Wähler haben die MSZP-SZDSZ Jahre in Erinnerung und sie fragen sich, wieso diesen Idioten von MSZP und SZDSZ, die der Fidesz-Regierung einen verschuldeten Saustall hinterlassen haben, damals nicht die rote Karte von der EU und ihren Institutionen gezeigt wurde. War der 2006 Quasi-Wahlbetrug nix, SZDSZ-Konrád, IM Lendvai, Tante Jelinek ? Jetzt reicht’s aber. Herr György Konrád, sie sind ein Verführer! Leute, die nicht ungarisch verstehen, fallen auf Ihre einseitigen Darstellungen herein. Das Volk der Ahnungslosen sollte unter ihrer Verdrehung nicht leiden! Ich werde mich demnächst an Tante Merkel wenden und sie vor der SZDSZ-Schwatzbude warnen. In einem Interview in der RP haben sie auf die Frage geantwortet, warum die Regierung so viel Unterstützung bekommt gesagt: der sozial-liberale Herausforderer sei 2006 konfus gewesen und Fidesz habe einen agressiven Wahlkampf geführt. Die ganze Geschichte haben sie verschwiegen. Einen Fuß auf ungarischen Boden sollten sie jedenfalls nicht wieder setzten, bevor sie sich an ihre eigene dicke SZDSZ-MSZP Nase gepackt haben.In Ungarn jedenfalls bewirken ihre Worte eine Unterstützung der selbsherrlichen Orbán-Regierung. Besser sind Sie nicht. Bestenfalls haben sie als SZDSZ-Politiker den MSZP Orden verdient.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s