Zwei tätliche Angriffe auf Fidesz-Aktivisten innerhalb von zwei Tagen

Zwei Beispiele für den schlimmen Zustand der politischen Streitkultur in Ungarn ereigneten sich am 5. und 6. April in Budapest. Mehrere Fidesz-Aktivisten wurden beim Sammeln von Unterschriften für weitere Senkungen der Mietnebenkosten („rezsi“) tätlich angegriffen.

Der erste Angriff ereignete sich am Freitag im Budapester Bezirk Rákoskeresztúr. Zwei weibliche Aktivistinnen der Regierungspartei, wurden von einem Mann mittleren Alters unvermittelt angegriffen und mit Fäusten geschlagen. Eine der Frauen erlitt Verletzungen im Gesicht. Die Tatopfer erstatteten Anzeige, der Täter konnte binnen weniger Stunden ermittelt werden.

Der zweite Vorfall ereignete sich heute im Budapester Bezirk Óbuda. Ein männlicher Fidesz-Aktivist wurde von einem unbekannten, etwa 40-jährigen Unbekannten angegriffen, konnte den Angriff jedoch abwehren.

Die Regierungspartei verurteilte die Übergriffe scharf und sah die Ursache der Vorfälle in der „linken Hasskampagne“.

Der MSZP-Vorsitzende Attila Mesterházy verurteilte einerseits die Unterschriftenaktion, zeigte sich aber zugleich erfreut, dass der Täter des gestrigen Angriffs ermittelt worden sei. Mesterházy: „Die MSZP verurteilt weiterhin jede gewaltsame Handlung, die die körperliche Unversehrtheit ungarischer Staatsbürger bedroht, oder andere zu Gewalttaten aufstachelt.“

http://www.magyarhirlap.hu/fideszes-alairasgyujtokre-tamadtak

http://index.hu/belfold/2013/04/06/obudan_is_megvertek_egy_fideszes_alairasgyujtot/

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20 Kommentare zu “Zwei tätliche Angriffe auf Fidesz-Aktivisten innerhalb von zwei Tagen

  1. was wäre, wenn die sog. schläger angeheuert werden, um weiter „gegenstimmung“ machen zu können, dh weiter die fein gepflegten feindbilder zeichnen zu können?

    denkbar, oder?

    • @Kulturkrampf:

      Gegenfrage: Was wäre, wenn die verbalen und tätlichen Angriffe gegenüber Juden, wie es sie in der jüngeren Vergangenheit leider in Ungarn gab, von angeheuerten Provokateuren durchgeführt wurden, um im In- und Ausland Stimmung gegen Ungarns Regierung zu machen?

      Erkennen Sie die Parallele? Alles Verschwörungstheorien. Nur dass Sie es wohl kaum wagen würden, diese Frage in der o.g. Sachverhaltskonstellation zu stellen.

      „Denkbar“ ist vieles. Eine andere Frage ist, ob man immer gleich das schlimmste unterstellt. Ich selbst glaube weder hier noch dort an Provokationen, sondern an Belege der unerträglichen Hasskultur. Und ob die Verschwörungstheorien (die befassen sich auch immer mit „denkbaren“ Sachverhalten…) nun von „kulturkrampf“ oder Jobbik geäußert werden, es bleiben unbelegte Theorien.

      • „…sondern an Belege der unerträglichen Hasskultur. “

        sie können mir glauben, dass ich verzweifelt auf der suche nach erklärungen dafür bin. nur leider bin ich mit meinem begehren, gründe dafür in einer „weit verbreiteten mentalität“ der ungarn, wie in einen anderen beitrag von ihnen angesprochen, noch nicht auf allzu offene ohren gestossen – hier auf ihrem blog…

        kurz: wo liegen die gründe? und wo sind die ungarn, die hier fleissig schreiben, die ungarische schulen, kindergärten etc besucht haben, eine ebensolche ungarische sozialisation „genossen“ haben, die dieses verhalten ermöglicht – aber jedoch zu den evtl entscheidenden fragen keine antworten zu geben vermögen…

      • Die Hasskultur wächst seit Mitte der 90er, ist multikausal (alte Eliten gegen neue Eliten, Verteilungskämpfe, ideologische Grabenkriege, fehlende Vergangenheitsbewältigung rechts wie links uvam.), keiner einzelnen Richtung zuzuordnen und hat dazu geführt, dass man dem politischen Gegner (die MSZP-Politikerin Ildikó Lendvai sprach einmal in einem Freud’schen Versprecher vom „Feind“) alles Mögliche unterstellt, und irgendwann erreicht, dass die Anhänger den Gegnern auch alles zutrauen. Und dem Gegner nur noch misstrauen, ihm redliche Motive kategorisch absprechen. Das geht sogar so weit, dass Familien durch die Politik gespalten werden…

        Ihre Bemerkung ist ein erschreckendes und zugleich vielsagendes Beispiel des Prinzips „denen ist doch alles zuzutrauen“. Wenn Sie also nach Ursachen fragen, sollten Sie ggf. bei sich selbst suchen. Vielleicht geben Sie den Lesern ja eine brauchbare Antwort, wie es ganz konkret bei Ihnen soweit kommen konnte. Und wir können dann Schlüsse im Bezug auf andere ziehen…denn, wie gesagt, es gibt dieses Problem bei vielen Akteuren, ganz unabhängig von der politischen Position.

      • Aus Wikipedia: „Die Sozialisation (lat. sociare ‚verbinden‘) ist die Anpassung an gesellschaftliche Denk- und Gefühlsmuster durch Internalisation (Verinnerlichung) von sozialen Normen (lies: der ist blöd).“
        Und jetzt mein Zitat wenn Sie so wollen: „Und wer nicht so denkt wie ich, der ist nicht oder nicht ausreichend sozialisiert.“
        Ehrlich gesagt geht mir der Begriff Sozialisation auf den Geist. Irgendwie erinnert er mich an Gleichschaltung. Wenn ich Sie richtig verstehe, erfolgt daraus, dass die Leute die selben Kindergärten und Schulen besucht und weitere soziale Gemeinsamkeiten haben, dass sie sozusagen einen einheitlichen Grad an Zivilisierung erhalten. Bis zu einem gewissen Punkt könnte man da mitgehen: jedoch gibt es imer Leute, die besonders viel oder wenig aus der Kindergarten- oder Schulzeit mitnehmen – Sie können also nicht diejenigen als Bewertungsmaßstab heranziehen, die besonders viel mitgenommen haben. Offenbar schließen Sie nun aus der Tatsache, dass die Täter hier besonders wenig aus dieser Sozialisierung mitgenommen haben, dass alle so wenig davon mitgenommen haben bzw. dass die Sozialisierung selbst mangelhaft ist. Offenbar suchen Sie sogar die Gründe hierfür in der Mentalität der Ungarn (interessant: es hieß hier sonst immer „die Ungarn“ existieren nicht – ein weiterer Beleg dafür, dass alles gedreht wird wie es gerade gebraucht wird und dafür, dass die Grenzen zwischen dem Land und den Ungarn verschwimmen). Wenn das kein völkisches Denken ist, dann weis ich auch nicht. Obwohl „völkisch“ im Sinne der Frau Marsovszky offensichtlich eigentlich nichts negatives ist (auch wenn Frau M. das anders interpretiert). Mehrnoch: treibt man Ihr Spiel weiter, dann bedeutet das, dass die ungarische Sozialisierung der deutschen unterlegen zu sein scheint. Denke ich das jetzt noch ganz zu Ende, dann kommen wir beim Rassismus und Übermenschendenken der reinsten Sorte an…

        Im Übrigen hat HV Ihnen sehr gut auf die Frage nach den Gründen und Ursachen der Hasskultur geantwortet. Überhaupt ist dieses Thema hier im Blog allgegenwärtig. Beispielsweise war dies auch ein wesentlicher Teil der Diskussion mit Herrn Ozsváth vor kurzem.

      • „Im Übrigen hat HV Ihnen sehr gut auf die Frage nach den Gründen und Ursachen der Hasskultur geantwortet. “

        ansichtssache – der offensichtlichen vorliebe die welt auf dualitäten zu reduzieren wurde die antwort in jedem fall gerecht.

        im allg scheint hier ein hang zu bestehen, die dinge zweizuteilen. gut/böse – licht/schatten – wir/ihr – kuruz/labanz – etc.pp

        und da greift die rekursion auf das wachstum in der mitte der 1990er wahrscheinlich deutlich zu kurz….

        Bencsik: „az angyali értékrend jeles képviselője Orbán Viktor“ https://www.youtube.com/watch?v=mQVulRm7v0c

        dies mal ins deutsche zu übersetzen würde sich lohnen.

  2. https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/04/06/zwei-tatliche-angriffe-auf-fidesz-aktivisten-innerhalb-von-zwei-tagen/#comment-13175

    Tja, kultur.krampf
    eigentlich hat das HV ja schon im Prinzip beantwortet,.Ich kann aber nicht abstreiten, dass mir genau Ihr Gedanke kam
    und zwar hier

    http://www.tagesschau.de/ausland/rechtsradikalestudentenungarn100.html

    *……Solche Aufkleber klebten kürzlich überall am Lehrstuhl für Philologie an der Eötvös-Loránt-Universität in Budapest.*
    Ich bedaure direkt, das damals nicht geschrieben zu haben.
    Allerdings nur aus einem Grund:
    auf die Reaktionen darauf !!! (die ich mir allerdings genaustens vorstellen kann.)
    Eigentlich bringt es Frau Kalman voll auf den Punkt.
    Übrigens: Welches Verhalten?
    Kommt wohl darauf an, was man hören will.

  3. 1) Die Formulieren brachte mich etwas zum Schmunzeln: “ Ein männlicher Fidesz-Aktivist wurde von einem unbekannten […] Unbekannten angegriffen, …“ 😉
    2) Erstaunlich, wie die Kollegen Pfeifer und Kulturkampf hier ablenken und verharmlosen…
    3) Ich dachte eine Unterschriftenaktion wäre in einer Demokratie nichts ungewöhnliches. Inwiefern ist soetwas verurteilenswürdig? Gefährdet es etwa die öffentliche Sicherheit oder noch schlimmer: die Demokratie? Oder gab’s tatsächlich noch seltsame Umstände an den Aktionen?

    • Nicht explizit, aber ich finde es schon komisch, dass Sie hier aus freiem Himmel völlig ohne Zusammenhang vom Holocaust anfangen. HV berichtet über solche Themen, Sie hätten Gelegenheit gehabt, sich an passender Stelle mitzuteilen (anders als ich seinerzeit). Wenn Sie hier zusammenhanglos vom Holocaust – so schlimm er auch gewesen ist – anfangen, dann klingt es so als würden Sie sagen wollen, dass die paar Ungarn die da verdroschen wurden sich mal nicht so haben sollen, wo doch überall Antisemitismus ist.

      Möglicherweise hatten Sie wieder nur keine Zeit einen passenden Thread hier zu suchen, dann hätten Sie Ihren Beitrag aber wenigstens mit einem Sätzchen als Offtopic markieren können und nicht als Antwort auf den Beitrag eines anderen Posters.

  4. Palóc, Kálmán hat über den Haß geschrieben und dazu hat meine Frage gepaßt.
    Ich war empört über diese Provokation dieser nazionalen Motorradfahrer und deswegen schrieb ich darüber. Und HV hat das mit Recht empört.
    Keinesfalls heiße ich Gewaltanwendung – anstatt politischer Diskussion – gut. D.h. ich mache da keinen Unterschied. Sie werden nirgendwo in meinen Artikeln eine Rechtfertigung von Gewalt oder Befürwortung von Gewalt anstatt politischer Auseinandersetzung finden.
    Aber ob Sie es glauben oder nicht. Posten tue ich nebenbei und habe gerade einen Artikel über ein ganz anderes Thema geschrieben.

  5. Lasset uns auf das Buch der Bücher zurückgreifen: Im Alten Testament, Hosea, Kapitel 8, Vers 7 steht nicht umsonst: „Denn sie säen Wind und werden Sturm ernten.“

    Letztlich wird der Sturm die wahren Übeltäter beseitigen, dann heisst es „Bye, bye, Fidesz.“

    • naja, die betreffenden damen u herren werden jedoch allem momentanen anschein nach weder gänzlich noch friedlich von der bühne ziehen, oder?

      ein interessanter einblick in die innereien der partei bot sich kürzlich hier: A Húzós vendége Selmeczi Gabriella, a Fidesz szóvivője:

  6. Diese Angriffe denke ich..waren die Anfang gerade..mit Sicherheit wird es noch welche geben.

    Und warum?..

    Weil der Fidesz von die einfache Ungarische Staatsbürger ..Tiere macht..Böse Tiere..Die jetzt schon rot sehen und wo nach eine Zeit nicht mehr zu Stoppen oder Kontrollieren werden können.

    Was soll man dazu noch sagen..??

    Blödheit gehört bestraft? oder Selbst Schuld?..

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