Geschmacklosigkeit des Jahres: Motorradclub plant Gegenveranstaltung zur Holocaust-Gedenkveranstaltung „Marsch des Lebens“ – unter dem Motto „Gib Gas“

Der zweifelhafte „erste Platz“ für die Geschmacklosigkeit des Jahres geht an heuer an eine rechtsradikale Motorradvereinigung. Sie hat für den 21. April, dem Tag des jährlich stattfindenden „Marsch des Lebens“ (élet menete) zum Andenken an die Opfer des Holocaust, dem auch etwa 500.000 ungarische Juden zum Opfer fielen, eine Gegenveranstaltung geplant.

Ihr Motto: „Gib Gas!“

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Die Veranstalter, die ihrem Aufmarsch den Untertitel „Finger weg von unserer Heimat und unserem Haus“ gegeben haben, teilten mit, jeder könne das Motto so verstehen, wie er wolle. Der Titel sei zwar doppeldeutig, es herrsche jedoch Meinungsfreiheit.

Es stockt einem der Atem. Von den Behörden muss erwartet werden dass sie die Gesetze anwenden und versuchen, diese ungeheuerliche Provokation zu unterbinden. Es wäre ein guter Moment, zu beweisen, dass die jüngste Grundgesetzänderung, die die Beschränkung der Meinungsfreiheit zulässt, wenn ihre Ausübung zur Beleidigung z.B. religiöser Gruppen dient, ihren Sinn hatte. Tatsächlich beleidigt diese Gegenveranstaltung nicht nur das Andenken der Holocaustopfer, sondern das ganze Land.

Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass die „Idee“ von der deutschen NPD abgekupfert sein dürfte. Deren Vorsitzender, Udo Voigt, ließ sich ebenfalls mit dem Slogan „Gas geben“ auf einem Wahlkampfplakat ablichten. Die deutschen Gerichte gestatteten seinerzeit diese ungeheuerliche Provokation und untersagten es einem Berliner Bezirk, die Plakate zu entfernen. Deutschland ist somit in dieser Frage kein Vorbild.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/npd-wahlkampf-gas-geben-slogan-empoert-berliner-politiker-a-779022.html

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wahlkampf-in-berlin-gericht-erlaubt-gas-geben-plakate-der-npd-a-784972.html

Nachtrag:

Wie ATV.hu soeben mitteilt, hat der Fidesz-Fraktionsvorsitzende Antal Rogán die Provokation der Motorradgruppe als „geschmacklos“ kritisiert. Weitere Kritik kam von MAZSIHISZ und SZEMA, die beide forderten, behördlich gegen das Motorradtreffen vorzugehen.

http://atv.hu/belfold/20130407_a_fidesz_frakcio_elitelte_az_adj_gazt_motoros_felvonulast

Nachtrag vom 08.04.2013:

Schnelle Reaktion von Regierungsseite: Das Innenministerium hat angekündigt, die Polizei werde das Treffenmit allen zur Verfügung stehenden Mitteln unterbinden.

http://www.hirado.hu/Hirek/2013/04/08/16/BM_a_rend_rseg_tiltani_fogja_az_Adj_gazt_.aspx

Ministerpräsident Viktor Orbán meldete sich – wie er sagte „wegen der Bedeutung der Angelegenheit“ – persönlich im Parlament zu Wort und sagte, die Veranstaltung sei nicht nur Geschmacklos, sondern beeinträchtige auch die verfassungsmäßige Minderheitenrechte.