Die Welt: Boris Kálnoky zur Portik-Laborc-Affäre

Boris Kálnoky berichtet in der Welt über die Verbindungen von Geheimdienstchef Sándor Laborc zum „Paten“ Tamás Portik und den Treffen im Jahr 2008. Das Ziel: Der Wahlsieg der Sozialisten über Viktor Orbán:

http://www.welt.de/politik/ausland/article115586391/Ungarns-schmutzige-Mafia-Geheimdienst-Connection.html

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31 Kommentare zu “Die Welt: Boris Kálnoky zur Portik-Laborc-Affäre

  1. Hat gedauert. Jetzt geht es.
    Der letzte Satz ist der schönste:
    „Szilvásy, der damalige Geheimdienstminister, versuchte die Angelegenheit im linken Radiosender „Klubradio“ herunter zu spielen – Laborc habe nur seine Aufgabe getan, nach Informationen über korrupte Beamte zu forschen.“

    Schön, dass es klubrádió und die Unterweltler gibt. Besser hätte es Jugendfreund Szilvásy nicht formulieren können: „Laborc habe nur seine Aufgabe getan.“
    Ein Gustostückerl aus dem Gruselkabinett à la Sozialisten!

    • Ich mime für Sie mal wieder den hässlichen, arroganten Deutschen, Herr Herche:

      Sind Ihnen die Unterschiede im Umgang mit beiden Mordserien aufgefallen? Schweigeminute im Bundestag, Bundespräsident lädt Opferfamilien ein, eine parlamentarische Untersuchung des Versagens der Sicherheitsbehörden. Ich meine, damals festgestellt zu haben, dass die NSU-VerbrechenMorde rund 14 Tage Topthema jeder Nachrichtensendung waren.

      Und was war in Ungarn nach den Roma-Morden? Vier Tatverdächtige wurden recht zügig gefasst. Der Prozess dümpelt nun vor sich hin. Und die ungarische Politik hat völlig versagt. Nach Gyöngyöspata hat es nur dazu gereicht, eine parlamentarische Untersuchung mit der Leitfrage einzusetzen, wer hier mit welchen Motiven Ungarn im Ausland angeschwärzt haben soll.

      • @ Ungarnfreund:

        Es gibt – jedenfalls nach dem aktuellen Kenntnisstand – tatsächlich einige wesentliche Unterschied zwischen den Mordserien. Die Taten in Deutschland wurden über einen viel längeren Zeitraum begangen. In Deutschland waren V-Leute des Verfassungsschutzes verwickelt, einer wurde im März wegen des Verdachts, das Trio unterstützt zu haben, festgenommen. Der Thüringische Verfassungsschutz hat versucht, die Aufdeckung seiner Verwicklung zu vertuschen, es wurden Akten vernichtet. Es laufen Disziplinarverfahren gegen Angehörige des Staatsschutzes. Und man hat die Opferfamilien durch haltlose Beschuldigungen gedemütigt. In dieser beispiellosen Kumulation von Pannen und Mitwirkung staatlicher Behörden dürfte auch der Grund liegen, dass sich die deutsche Politik so intensiv mit dem Fall befasste.

        Abgesehen davon, dass sich auch in Ungarn das Gerücht einer Verwicklung des Geheimdienstes hält (auch in Kreisen der Roma), ist das bislang nicht bewiesen. Also, wo bitte sehen Sie hier die Vorbildfunktion Deutschlands? Dass sich die Politik dafür schämt, dass staatliche Behörden bei den Ermittlungen gepfuscht und diese sogar torpediert haben?

        Dass das Verfahren vor sich „hindümpelt“, dürfte in der Verantwortung der unabhängigen ungarischen Justiz liegen. Was hat die Politik damit zu tun?

        Verraten Sie uns, was Ungarn hätte tun sollen, um Ihr Gerechtigkeitsgefühl und Ihren Anspruch an kurze Verfahrensdauern zu erfüllen.

      • Ungarnfreund, Sie übertreffen mich an Zynismus. Ich muss erst mal Luft holen.
        Es geht um die Motive dieser Morde. Und es geht um das Versagen der Geheimdienste.
        Es geht um das WARUM!

        (An der zuvielisatorischen Überlegenheit des Großdeutschen Reiches habe ich als Nachfahre des Oberpostinspektors Max Eduard Arthur Hugo Herche aus Kassel, der rechtzeitig 1932 Aufnahme in die NSDAP fand und des Predigers Georg Hans Wilhelm Herche aus Potsdam, der durch seinen Eintritt in die KPD entnazifiert und seine SED-Mitgliedschaft am 22.02.1949 aufgekündigt hat, nun wirklich niemals Zweifel hegen müssen. Ihr Zinismus kann mich nicht erlösen.)

      • Ungarnfreund, nur um das hier klarzustellen: Gyöngyöspata war eine PR-Aktion, kredenzt sozusagen als Dessert zum Pessach-Oster-Fest 2011. http://einsinchristus.wordpress.com/2011/04/18/pessach-201/
        Gyöngyöspata fällt in die Legislaturperiode Orbáns.

        Die Mordserie gegen die Roma nahm unter Szilvásy ihren Lauf. Die Waffen, mit denen später die feigen Morde begangen wurden, hatten die mutmaßlichen Täter am 7. März 2008 geraubt. „Ausprobiert“ haben sie die Waffen, mit denen später die feigen Morde verübt wurden, am 2. Juni 2008. Erstes Ziel der politisch motivierten Anschläge war das Flüchtlingslager in Debrecen. http://www.jogiforum.hu/hirek/17545
        Der Geheimdienst stellte nach dem Anschlag auf das Flüchtlingslager in Debrecen die Überwachung zumindest eines der mutmaßlichen Täter ein.

        Und darüber soll der bis April 2009 verantwortliche Minister Szilvásy nicht informiert worden sein?

      • HV, ich bin froh, dass die mutmaßlichen Täter relativ schnell geschnappt wurden und kann mir vorstellen wie schwierig jetzt die Beweisaufnahme ist. Allein die Zeugenbefragungen dürften in Anbetracht der Lebensumstände der Menschen und ihres mutmaßlich geringen Bildungsstands äußerst schwierig sein. Einem Eingreifen in die Justiz rede ich keineswegs das Wort.

        Aber von der ungarischen Politik hätte ich mir gewünscht, dass sie parteiübergreifend die Mordserie zum Anlass nimmt, sichtbare Zeichen der Solidarität mit den Opfern zu setzen. Da wurden Menschen umgebracht, auch Kinder, nur weil sie Roma waren. Häuser wurden angebrannt und dann auf die Flüchtenden geschossen. Mehr Niedertracht auf Seiten der Täter ist kaum vorstellbar. Eine Schweigeminute im Parlament, ein Treffen des Präsidenten mit den betroffenen Familien – solche Gesten hätte ich schon für angebracht gehalten.

        „Unter“ welcher Regierung die Taten begangen wurden, Herr Herche, ist für mich erst mal sekundär. Es sei denn, es käme irgendwann raus, dass die offenbar auch in Ungarn zu Tage getretenen anfänglichen Ermittlungspannen mit politischen Entscheidungen in Verbindung stehen. Dann müssen sich die Entscheidungsträger auch dafür verantworten.

      • @Ungarnfreund
        „Dann müssen sich die Entscheidungsträger auch dafür verantworten.“

        Darauf können Sie aber warten!

      • „Ich mime für Sie mal wieder den hässlichen, arroganten Deutschen“

        Ungarnfreund,

        Nicht so bescheiden!
        Sie miemen da gar nichts, Sie rackern sich ab, ihn vollkommen zu verkörpern.

      • „Der Nazi-Terror und die Geheimdienste“

        Lieber Ungarnfreund,
        Dank Peter Herche wissen wir, was Alles im „magazin von und für antifaschistenInnen“ steht, wie:

        „Die staatlichen Repräsentanten zeigten sich nach dem zufälligen Auffliegen des Neonazitrios tief betroffen.“

        http://www.der-rechte-rand.de/?p=697

        Also, in Deutschland konnten Neonazis Jahr und Tag morden, ohne dass man sich auch nur die Mühe genommen hätte, dieses bekannte Morden etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Die weise Strategie des geduldigen Abwartens seitens der Abwehr: „der Krug geht so lange zum Brunnen… „ zeitigte zwar nur „zufällige“, doch immerhin Ergebnisse.

        Das Neonazitrio flog endlich auf. – „ Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erklärte, »der Rechtsterrorismus ist eine Schande für Deutschland« und Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) entschuldigte sich bei den Angehörigen für die falschen Ermittlungen gegen die Opfer.“ Soweit so gut.

        Diese Aussage: „Die staatlichen Repräsentanten zeigten sich nach dem zufälligen Auffliegen des Neonazitrios tief betroffen.“ ist meiner Ansicht nach eo ipso etwas verfänglich.

        Was macht sie eigentlich betroffen? Dass das Trio aufflog? Oder: dass es trotz all seiner Vorsicht „zufällig“ doch noch aufflog? Ich, in Ermangelung bösartiger Absichten, lasse in dieser Frage die Unschuldsvermutung zugunsten Frau Merkel gelten

        Ungarnfreund,
        Die Erfahrung lehrt uns, wäre dies genau in Ungarn geschehen, dann würde diese Nachricht aus Ihrer Feder, der von Szarvasi, Karl Pfeifer oder anderer Ungarnfreunden mit einer „differenzierterer“ Betonung dem nachrichtenhungrigen Publikum aufgetischt.

        Etwa so: „Der Nazi-Terror und die Geheimdienste im Ungarn des Viktor Orbán“
        „Die Regierungspräsentanten der bekanntlich genetisch zigeuner- und judenfeindlichen Ungarn zeigten sich nach dem z u f ä l l i g e n Auffliegen (Also trotz der Geheiminstruktionen massiver staatlicher Begünstigung und geheimdienstlichen Direktiven des antisemitisch rechten Partei Führers und Regierungschefs Viktor Orbán!) des Neonazitrios tief betroffen.

        Der inter-nazionalistische Kommentar dazu:

        Unser ganz spezieller Dank gilt, den von der rechtsradikalen Propaganda bekämpften Mahnern und Beschützern sozliberal-demokratischer ewiger Werte, den Herren Ungarnfreund, Szarvasi and last but not least dem unverwüstlichen, bekannten österreichischen en Patrioten Karl Pfeifer.“

        Ich frage mich schon lange: In was für verkommenen Medienwelt leben wir denn?

  2. „Die Nachricht von den schmutzigen Denkweisen ihrer Vergangenheit kommt daher wie ein Nackenschlag für die Sozialisten,“

    Herr Kálnoky, die Nachricht kommt höchstens für die propagandistisch in die Irre geführten westlichen Nachrichtenkonsumenten wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

    Die Denkweise dieser linken Gruppierung war schon von Anbeginn an der absolute ethische Nihilismus, der keine absoluten Werte und Normen des Handelns anerkennt. Erinnern wir uns an das Lieblingsslogan des einst im Westen so gefeierten Gyula Horn über die Handlungsweise der Sozliberalen: „Sie sei zwar unmoralisch, doch entspreche voll dem herrschenden Gesetz!“

    Dieser gewitze Kommunist, liess sich darüber natürlich nicht weiter aus, dass diese Gesetze entweder noch aus der guten alten Bolschi-Zeit vor der Wende stammen, oder mit all den in weiser Voraussicht geplanten Gesetzeslücken von den Sozliberalen mit ihrer 2/3 Mehrheit im Parlament durchgesetzt worden sind. (Viviane Reding kapiert noch immer nicht, wieso die Ungarn ihr die ihnen von fremden Interessen aufgezwungene alte Verfassung mit Freude zu überlassen bereit sind. Dann könnte sie versuchen, diese ihren eigenen Landsleuten schmackhaft zu machen.)

    „…die in den Augen vieler Bürger ohnehin – bis zu ihrer Abwahl 2010 – als die korrupteste politische Clique galten, die das Land jemals hatte.“

    Es ist wirklich bemerkenswert, dass Paul Lendvai sich über die moralische und politische Niedertracht der ung. postkommunistischen Linken nicht nur im Klaren war, sondern diese seine Erkenntnisse in seinen Werken auch für die Ewigkeit fixierte: „In den Jahren zwischen 2002 und 2010 bot das sozialistisch liberale Lager … ja zuweilen ekelerregendes Bild von Filz, Vetternwirtschaft und politischer Verkommenheit.“ (Paul Lendvai)

    Für mich bleibt es trotzdem ein Rätsel, wer zwingt oder motiviert ihn, sich mit solchen Spitzbuben und Spitzbübinnen an einen Tisch zu setzen?

  3. Was für eine Räuberpistole! Wirklich schlimm, dass es solche Typen wie diesen Portik gibt. Trotzdem bin ich nicht davon überzeugt, dass die „Rechte“ in Ungarn sauberer ist. Wer weiß, mit wem sich deren Geheimdienstschefs so treffen und was für Infos sie da über die „Linke“ abgreifen. Ich habe kein Vertrauen zu keinem Geheimdienst — und das liegt in der Natur der Sache: Was die machen, ist nicht transparent, nicht kontrollierbar. Am besten abschaffen. Die Polizei genügt im Inneren völlig. Die darf sowieso immer mehr Dinge tun, die früher nur die Geheimdienste durften.

    • Ungarnfreund,

      Auf eine gewisse Art gereicht es Ihnen zur Ehre, dass Sie bereit sind, für ihre Lieblinge, die ungarischen Postkommunisten auch nach solchen – wie immer selbstverschuldeten! – katastrophalen Schlappen Zeugnisse Ihrer Loyalität zu liefern.

      Wenn ich nicht wüsste, dass diese harten Ex-Kommunisten Alles, was das Adjektiv „christlich“ führt, abgrundtief Verabscheuen, würde ich angesichts dieser Bereitschaft, für Ihr Glauben letzten Endes tapfer auch die letzten Prüfungen auf sich zu nehmen, gewisse Vergliche mit den altchristlichen Martyrern nicht scheuen.

      Sie sind lebendiges Beispiel dafür dass nur Feiglinge das sinkende Schiff sofort verlassen. (Dabei gehe ich aufgrund Ihrer nicht immer völlig abwegigen Beiträgen auf diesem Blog davon aus, dass Sie deshalb noch lange nicht meinen, es sei „Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff“).

      Ich gönne Ihnen – aber auch allen Mitläufern – wirklich, dass es mit Ihrer Hilfe Gyurcsány, Bajnai und Mesterházi gelingt, zu vermeidenden, dass der schlingernde Floss der ung. Linken auf dem nächsten Fels endgültig zerschnellt.

      Sollte dies trotzdem geschehen, ginge die Welt weder für Ungarn, noch für die westlichen, von den Postkommunisten irregeleiteten Linksliberalen unter. Dann würde dieser traditionelle Spitzbubenverein endlich für eine echte sozialdemokratische Partei nicht mehr den Weg versperren, und ihre Namensvetterparteien im Westen nicht auf Schritt und Tritt bis aufs Blut blamieren.

      Abschliessend sei es mir erlaubt, bei dieser mir von Ihnen gebotenen Gelegenheit, auch uns Ungarn etwas Gutes zu wünschen:

      Lieber Gott beschütze uns von unseren Freunden, mit unseren Feinden werden wir schon leicht fertig. Amen!

      • Verzeihen Sie das harsche Wort, Herr Unger, aber Sie erzählen Blödsinn. Ich zeige hier keine Loyalität zu Ihren Lieblingsfeinden. Ich bin vielmehr immer wieder erstaunt darüber, mit welcher Verve, mit welcher Inbrunst sich die politischen Lager in Ungarn gegenseitig hassen.

        Das man als Postkommunist oder Exkommunist oder sonstwas beschimpft wird, wenn man nur den leisesten Zweifel an den üblichen Dämonisierungen des linken Lagers hegt, bin ich schon gewohnt. Ihre Denke ist mir einfach total fremd, Herr Unger. Ich kann bis heute nicht nachvollziehen,

        – warum man Gyurcsány, Mesterhazy und Bajnai in einen Topf wirft,
        – warum man vor allem die letzteren beiden quasi nachträglich für den Kommunismus verantwortlich machen will, obwohl das schon lebensaltermäßig absurd ist,
        – warum man zwar die Skandale der Mitte-Links-Regierungen genüsslich seziert, aber gleichzeitig so tut, als gäbe es auf der Rechten keine Oligarchen, die auch irgendwie unter dubiosen Umständen reich geworden sind,
        – warum man den ehemaligen Reformkommunisten wie Miklos Nemeth für ihre Rolle beim Systemwechsel keinen Respekt entgegenbringt,
        – warum man nicht erkennt, dass diese Postkommunismus-Debatten zu einem reinen politischen Kampfinstrument verkommen sind, ohne dass es irgend jemandem noch um Wahrheit oder so etwas ginge,
        – warum man nicht begreift, wie hohl und leer diese ewigen Grabenkämpfe auf Ausländer und Jüngere wirken.

        Diese Aufzählung könnte ich spielend fortsetzen. Sie haben vielleicht die Richtung meiner Denke erkannt, auch wenn ich mich keiner Illusion darüber hingebe, dass es gelingen könnte, angesichts des elenden Zustands der politischen Kultur in Ungarn irgendwelche Änderungen zu erreichen oder Leute wie Sie zu so etwas wie einer versöhnlichen Haltung zu bewegen.

        Dann mal zurück zum Ausgangspunkte, der Affäre Portik/Laborc. Solche Tonbänder oder Akten sind natürlich ein Schock für jeden anständigen Bürger. Ich merke allerdings, dass ich ganz anders darauf reagiere als Sie. Für Sie ist mal wieder der Beweis erbracht, dass die Linken mit Gaunern, Mafia, dubiosen Spitzeln unter einer Decke stecken. Aber ich bin nicht von der moralischen Überlegenheit der Rechten in Ungarn überzeugt, wirklich nicht.

      • warum man Gyurcsány, Mesterhazy und Bajnai in einen Topf wirft

        Die drei in einen Topf werfen heißt, sie gleich schlecht beurteilen, ohne die bestehenden Unterschiede zu berücksichtigen.
        Den Vorwurf lasse ich gelten. Er geht aber an der Sache vorbei. Bajnai war nur Konkursverwalter. Der Bankrotteur des ungarischen Postkommunismus ist Gyurcsány selbst. Und Mesterházy arbeitet noch auf seine Niederlage hin.
        Aus welcher Ursuppe die drei auch immer gekrochen sind, das Ei aus dem Mesterházy schlüpfte, hat die alte Natter Ildiko gelegt.
        Man muss Kreationist sein, um an Mesterházy glauben zu können.

        Den Rest seiner Apologetik hätte Ungarnfreund sich wirklich sparen können. Niemand neidet ihm seinen Glauben an die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit seiner Postreformidole.

      • Eine paar Thesen in Form von einfachen Fragen an Herrn Herche: Könnte es nicht sein, dass mehr oder weniger alle Parteien in Ungarn Teil einer „postkommunistischen Konstellation“ sind, der Postkommunismus mitnichten bloß bei MSZP und DK zu verorten ist, mithin auch nicht von FIDESZ/KDNP mit einem Federstrich beendet werden kann, sondern diese Phase erst mit einem noch nicht absehbaren Generationenwechsel beendet werden kann? Ich erwarte aus Erfahrung leider keine konstruktiven Antworten von Ihnen, weil Sie in diesen Fragen äußerst parteilich sind. Aber versuchen kann man’s ja mal.

      • „Könnte es nicht sein, dass mehr oder weniger alle Parteien in Ungarn Teil einer “postkommunistischen Konstellation” sind“ ?

        Ja, dem ist so, wenn Sie unter „Konstellation“ die Gesamtheit und Gruppierung der Faktoren, die für eine Situation oder einen Vorgang bedeutsam sind verstehen.

        Könnte es nicht sein, dass „der Postkommunismus mitnichten bloß bei MSZP und DK zu verorten ist“ ?

        Jein. Die ungarischen Sozialisten sind Rechtsnachfolger der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei. Den Rest können Sie unter den Stichworten Spaltung und Projektion nachlesen.

        Könnte es nicht sein, dass der Postkommunismus „mithin auch nicht von FIDESZ/KDNP mit einem Federstrich beendet werden kann“?

        Dem ist so. Die Lage von FIDESZ/KDNP in der postkommunistischen Konstellation ist prekär. Sie müssen sich da nur einmal die Anhörung des KGB-Diplomierten postkommunistischen Geheimdienstchefs Laborc zu Gemüte führen.

        Könnte es nicht sein, dass diese Phase erst „mit einem noch nicht absehbaren Generationenwechsel beendet werden kann“?

        Mein Erstberuf ist Elektromonteur. Ich vermute, Sie haben keine Ahnung von Dreiphasendrehstrom. Glauben Sie mir das ausnahmsweise mal. Ihre Wirklichkeitsferne könnte nicht einmal ein Wasserrad in Gang setzen.
        Mein Lesetipp: Moser, Tilmann: Über das Auftauchen von NS-Zeit, Stalinismus und Krieg in der Therapie. In: Schmidt-Lellek, Christoph/Heimansberg, Barbara (Hg.): Macht und Machtmissbrauch in der Psychotherapie, S. 83-98.

        Sie „erwarten aus Erfahrung keine konstruktiven Antworten von“ mir, weil ich in diesen Fragen äußerst „parteilich“ bin.

        Das ist richtig. Für den Fall, dass Sie die Bedeutung des Wortes „parteilich“ nicht kennen, schreibe ich Ihnen die hier mal auf:

        1. eine Partei (1, 2, 4) betreffend: -e Interessen, Grundsätze

        2. a) (kommunist.) bewusst od. unbewusst die Interessen einer bestimmten Klasse vertretend: -es Handeln; jede Wissenschaft ist p.; b) (ehem. DDR) die Partei der Arbeiterklasse u. des Sozialismus entschieden vertretend u. danach handelnd.
        (c) Dudenverlag

        Da mich mit der ungarischen Partei FIDESZ nichts weiter verbindet, außer dass ich von einem Fidesz-Gründungsmitglied 1992 vor dem 2. Krankenhaus in Szeged, Stadtteil Rókus beklaut wurde als ich meine Schwägerin kurz auf der Geburtsstation besuchte und der heutige FIDESZ-Parlamentsabgeordnete mich wegen seines Diebstahls bis heute nicht um Verzeihung gebeten hat, verbindet mich wenig bis gar nichts mit dieser Partei.
        Ich verfolge andere Interessen und habe meine eigenen Grundsätze.
        Die Bedeutung Nr. 1 fällt von daher weg.

        Durch die Bedeutungen 2.a) und 2. b) erklärt sich Ihre Wortwahl besser. Sie sollten sich trotz Ihres zarten Alters langsam mal mit Ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen.
        Mir hat das sehr geholfen.
        Und wenn Sie dabei erste Fortschritte gemacht haben, sollten wir uns austauschen.
        Egal, für wie beschränkt, bekloppt oder verbohrt Sie mich halten. Persönlich habe ich nichts gegen Sie. Ich kenne ja nicht einmal Ihren Namen.

      • Meine Familiengeschichte kenne ich ganz gut, auch wenn es darüber kein Buch gibt. Sie ist ein Abbild des 20. Jahrhunderts. Zu meinen Vorfahren zählten z. B. zwei kleine Nazis, die unter den Sowjets mit mehrjähriger Lagerhaft bestraft worden sind – in einem Fall mit Todesfolge. Flucht, Vertreibung und in einem Fall Wiedersehen zweier Geschwister nach fast 70 Jahren, in denen man einander für tot gehalten hat, gehören auch dazu.

        Es gibt in meiner Verwandtschaft nicht zuletzt ehemalige SED-Mitglieder, ob nun aus früher Überzeugung wegen proletarischer Herkunft und Kontrastprogramm zum Nazismus oder – eine Generation später – aus Opportunismus. Dann gab es die Wende, die ich als Kind erlebte, ohne viel zu verstehen, während meine Mutter in Oppositionsgruppen persönliche Risiken einging, um heute wieder ziemlich unpolitisch zu sein. Bei der Stasi gewesen zu sein, hat bislang keiner meiner Verwandten zugegeben. Akten sind von einigen beantragt, aber nicht gefunden worden.

  4. Ungarnfreund, das klingt aber sehr befremdlich von ihnen. „Kann sein dass links Schlimmes geschah, aber rechts ist es sicher nicht anders, obwohl nichts davon zu hören ist, aber ganz bestimmt ist es so.“

    Ist es nicht. Der eigentliche Erkenntniswert dieser Geschichte liegt darin, dass diese Haltung – Geheimdienst und Verbrecher verbünden sich gegen den politischen Gegner – ein geistiges Erbe der kommunistischen Machttechnik darstellt. Ungarns Bürgerliche wissen, dass dieses geistige Erbe diesen Charakter hat, weshalb sie sich weigern, Ungarns Sozialisten als westliche Sozialdemokraten zu sehen. Damit haben sie recht. Im Westen freilich kann man das nicht nachvollziehen – und Sie auch nicht – weil die kulturelle Ferne von diesen Denkmustern zu groß ist.

      • „Ich fand die Reaktion von Ungarnfreund auch b e m e r k e n s w e r t“ leider nur in ihrer vollen Schönheit, also im d o p p e l t e n Sinne.

        Deshalb meine nolens volens Anerkennung: „Dabei gehe ich aufgrund Ihrer nicht immer ‚völlig abwegigen Beiträgen‘ auf diesem Blog davon aus….“

        Meine ablehnende Haltung seines Wirkens für Ungarn betrifft seine Hauptstossrichtung.

    • Bislang ist, wenn ich das richtig mitgeschnitten habe, noch lange kein überzeugender Beleg dafür aufgetaucht, dass dieser Gauner Portik dem früheren Geheimdienstchef Laborc wirklich irgend welches Material zur Diskreditierung der Rechten geliefert hat, dass da Deals mit Wissen oder gar auf Geheiß der damaligen Regierung gemacht wurden. So ordne ich das vorerst als typisch ungarische Räuberpistole ein, die jetzt nach Kräften für den aufziehenden Wahlkampf instrumentalisiert wird. Und ja: Ich bin recht sicher, wenn es doch mal wieder einen Regierungswechsel geben sollte, wird man früher oder später ähnlich halbseidene Storys über die Rechten ausgraben. Und dann werden die genauso instrumentalisiert.

  5. „Denn wenn Fidesz und Viktor Orbán an die Macht kämen, so fürchtete er, dann sei er erledigt. Das stimmte auch: Er sitzt gegenwärtig im Gefängnis und die Anklage wirft ihm vor einen Mord in Auftrag gegeben zu haben.“

    herr kálnoky, diese aussage in ihrem text kann doch erst die von ihnen erhoffte wirkung haben, sobald sich der verdacht bestätigt und er verurteilt wird. solange darf er doch als noch nicht verurteilt und ergo auch noch nicht erledigt gelten, oder?

    kurz: ich verstehe nicht, was sie mit dieser aussage bezwecken möchten. vorwürfe und anklagen an sich haben noch keine ausreichenden verurteilungscharakter, oder?

    allerdings möchte ich doch zugeben, dass ich vermute, dass sie fidesz und orbán hier gerne als ordnungsinstanz präsentieren möchten…

  6. @Ungarnfreund das dauert diesmal aber wirklich lange bei Ihnen. Portiks gibt es überall. Der Punkt hier ist Laborc – dass Portik am Ende aus Überlebensinstinkt ihm nicht die erbetenen schmutzigen Tricks gegen Orbán lieferte, lag bestimmt nicht am Geheimdienstchef, der nach Rücksprache mit seinem Minister solche Infos bestellt hatte. Das ist es, was die politische Qualität der Sache ausmacht. Es ist kommunistische Machttechnik, für die Sie im bürgerlichen Lager – meiner Ansicht nach – nicht ohne Weiteres Nachahmer finden werden.

    • Die Reaktionen zu diesem Thema sind bei dem einen oder anderen durchaus vielsagend.

      Halten wir doch einmal fest: Der Inhalt der Gespräche ist derzeit nur durch ein Protokoll bewiesen. Nicht durch das Band selbst. Fest steht aber, dass sich Laborc mehrfach mit einem Kriminellen getroffen hat. Einem Kriminellen, der den Machtwechsel 2010 fürchtete. Ex-Minister Szilvásy sagte, Laborc habe nur seine Pflicht getan. Für mich ist das, was bislang auf dem Tisch liegt, empörend genug. Weil es eine bestimmte Denke beweist, die -so Kálnoky zu Recht – aus der tiefsten Zeit des Kommunismus stammt.

      Pfeifer, Szarvasi und Ungarnfreund sehen das anders.

      1. Karl Pfeifer beschränkt sich auf einen hämischen Kommentar, dass man Gyurcsány und Bajnai wohl auf für den Vorfall in Izsák zur Verantwortung ziehen wolle. Inhaltlich schweigt er sich, der ja immerzu betont, auch die Vorgängerregierung kritisiert zu haben, raus.
      2. Szarvasi erkennt einen Zusammenhang zwischen der Veröffentlichung und dem (noch gar nicht eingeleiteten) Monitoringverfahren gegen Ungarn. Sieht „gezinkte Karten“. Sonst kein Wort. Verschwörungen gibt es also, wenn, bei den Rechten. Sonst sind es haltlose Theorien.
      3. Ungarnfreund bezeichnet die Veröffentlichung umgehend als „Räuberpistole“, was ein Synonym für „Lüge“ ist. er hat offenbar bessere Quellen als Kálnoky, Index, MNO und der Nationale Sicherheitsausschuss. Und für den Fall, dass es doch stimmt, so sehe es bei Fidesz wohl auch nicht anders aus.

      Also: Entweder gelogen oder aber „was soll’s“. Alle drei befinden sich in diesem Punkt zu 100% auf DK-Linie. Mesterházy von der MSZP hingegen findet das, was Laborc da trieb, schockierend.

      • Ach, Ungarn. Ach, HV. Wie kommen Sie darauf, ich würde Herrn Kálnoky unterstellen, die Unwahrheit zu schreiben?

        Mit „Räuberpistole“ meinte ich, dass wir mal wieder eine ziemlich verrückte Story auf dem Tisch haben, die irgendwie typisch ist für dieses „postkommunistische“ Land, die — um da keine Zweifel aufkommen zu lassen — auch von mir als sehr bedenklich eingestuft wird, die aber auch wunderbar parteipolitisch ausschlachtbar ist.

        Die Reaktionen von Ihnen und den Herren Unger und Herche finde ich ebenfalls „vielsagend“. Für Sie liegt mal wieder ein Beweis auf dem Tisch, dass die auf der linken Seite wirklich komplett moralisch abgewirtschaftet haben und zwar alle. Ich glaube, wie gesagt, nicht an die moralische Überlegenheit der ungarischen Rechten, sondern bin im Gegenteil überzeugt davon, dass die in ihrem abgrundtiefen Hass auf alles Linke ebenfalls keine Skrupel kennen dürften.

        Werden wir konkret: Es mag höchst bedenkliche Kontinuitäten zwischen der früheren kommunistischen Stasi und den heutigen Diensten in Ungarn geben. Warum geht man das nicht mal systematisch an? Weil man auch bei Fidesz-KDNP Angst vor dem hat, was da alles ans Licht kommen könnte. Da kommen solche Storys wie die hier diskutierte gerade Recht. Damit lässt sich wunderbar ablenken.

        Leider wurden in Ungarn die entsprechenden Behörden 1989/1990 nicht von Bürgerrechtlern besetzt. Fidesz/KDNP hat in meine Augen seine Glaubwürdigkeit in Sachen Aufarbeitung verspielt, als sie 2012 gegen eine LMP-Initiative zum transparten Umgang mit den Stasi-Akten gestimmt hat, ohne eigene Pläne vorzulegen. Bemerkenswerterweise haben neben LMP, Jobbik und MSZP (!!!) nur einige wenige Aufrechte von der Regierungsbank, z. B. Zoltán Balog, für die Offenlegung votiert.

        Meine Schlussfolgerung aus der Portik-Laborc-Affäre (im Lichte des Umgangs mit den Stasiakten) ist mithin eine ganz andere als Ihre: Ich fühle mich primär bestärkt in einer skeptischen Haltung gegenüber Inlandsgeheimdiensten im Allgemeinen. Im Schutz des Verdeckten blühen Inkompetenz, Ränkespiele und Unverantwortlichkeit.

        Also wer braucht diese Einrichtungen noch neben einer Polizei, die — Stichwort: Großer Lauschangriff — ohnehin immer und mehr geheimdienstliche Kompetenzen erhält? Die Frage stelle ich hier unabhängig von den in Ungarn im Vordergrund stehenden parteipolitischen Ränkespielen, derer ich wirklich ungemein überdrüssig bin.

      • Wie ich darauf komme? Indem ich Ihre Zeilen lese. „Räuberpistole“ ist das Synonym für Ammenmärchen, Seemannsgarn, Jägerlatein, Märchen, oder eben Lüge und Unwahrheit.

        http://synonyme.woxikon.de/synonyme/räuberpistole.php

        Einen Beleg dafür, dass wegen dieser Story alle auf der Linken moralisch abgewirtschaftet hätten, werden Sie in meinen Aussagen übrigens ebensowenig finden wie die Auffassung, die Rechte sei moralisch überlegen.

        Mich wundert es nur, dass sich Geheimdienstchefs mit Großkriminellen treffen.

        http://tablet.mno.hu/?block=mno_video_popup&param=media_id=71040

      • @Ungarnfreund
        Ungarnfreund, könnte es nicht sein, dass Sie sich über die „vielsagenden“ Reaktionen anderer schon deshalb erhaben fühlen, weil sie Ihren eigenen Vorurteilen nicht entsprechen?

        Es braucht keiner Beweise dafür, „dass die auf der linken Seite wirklich komplett moralisch abgewirtschaftet haben und zwar alle“.

        Verstehen Sie es bitte nicht als Affront gegen Sie: Infantilität oder Senilität sind keine Argumente.

        Nur wer sich der Wirklichkeit völlig verschlossen hat, wird hinter linker gesellschaftlicher Praxis ein als verbindlich akzeptiertes ethisch-sittliches Normensystem als Grundlage linken Handelns erkennen können.

        Wir hatten an der Uni das Fach Ethik. Ich lernte vor dreißig Jahren, dass Lukacs Adorno im Wesentlichen antizipierte, indem er Moral im herkömmlichen Sinne ablehnte und durch ästhetische Erkenntnis ersetzte. In der ‚Dialektik der Aufklärung‘ heißt es, dass es „kein rationales Argument gegen den Mord gibt.“

        Linke Praxis kennt Moral nur als Keule. Paradebeispiele dafür sind Cohn-Bendit und Joschka Fischer.
        Gyurcsány & Freunde kommen auch ohne Lukács, Horkheimer und Adorno zurecht. Szilvásy ist der Amoralität wie aus dem Gesicht geschnitten.

        Ungarnfreund, wenn Sie mir Hass auf Linke unterstellen, irren Sie sich. Ich lasse mich von Linken und Nazis einfach nur nicht faszinieren. Ich empfinde für Linke und Nazis nicht einmal Verachtung. Ich habe für solche nur Worte übrig.

  7. Ungarnfreund

    Wer mit den gesamteuropäischen Verhältnisse einigermassen im Klaren ist, dem muss schon längst aufgefallen sein, dass ein durchschnittlich gebildeter Ungar über die Westeuropäer und auch ihre westeuropäische Geschichte recht gut Bescheid weiss. Handkehrum, die Mehrheit der Westeuropäer mit höchster Schulbildung hat kaum eine annähernd richtige Ahnung über Gesamt-Europa, geschweige denn über Ungarn und die Ungarn.

    Die politische und kulturgeschichtliche Überheblichkeit des Westens – der in den letzten 400 Jahren wirtschaftlich und in den letzten 200 auch technisch vorübergehend der sog. „Rest der Welt“ überlegen wurde – scheint vor allem etlichen, ihren weitestgehend durch mediale Interessengruppen motivierten Politikern, den nüchternen Verstand geraubt zu haben.

    Die katastrophalen Folgen dieses „Verblendetseins“ ist, nebst den deprimierenden Ergebnissen zweier Weltkriege, die aktuell herrschende und kaum mehr beherrschbare Wirtschaftskrise in Europa. Zu allem übel scheint die politische Führung der EU voll dabei zu sein, durch ihre laufenden Fehleinschätzungen und teils kopflose, ad hoc Reaktionen noch viel Schlimmeres, eine verheerende Gesellschaftskrise innerhalb der EU heraufzubeschwören. (Das brisante Nord-Süd-Problem; viel weniger Ost-West!).

    Stur ideologisch gepolte EU-Politiker werden trotz ihres Sendungsbewusstseins Europa nicht „erlösen“ können. Dafür, d.h. dass ihr „Wissen“ und veraltetes Instrumentarium meistens versagt, liefern die politischen Gremien der EU tagtäglich abschreckende Beispiele.

    Dass die Zugkomposition der EU auf falscher Schiene sich befindet (oder nur könnte?), daran ist kaum allein die zum Teil völlig ungeeignete Besatzung schuld. Bei nüchtern denkenden Europäern keimt sich mittlerweile der Verdacht, ob nach einigen Jahrzehnten gewisser unbestreitbarer Erfolge womöglich langsam das System selbst versagt?

    Nun, ob unseren „demokratischen“ Freunde in der EU gefällt oder nicht, Ungarn kann sich (eigentlich längst) nicht mehr leisten, sich mit dem „mainstream“ in die endgültige Katastrophe treiben zu lassen. Dazu sind die Ungarn auch zu sehr Individualisten ohne nennenswerten Herdentrieb.

    Für uns Ungarn war in 2010 die Situation schlicht und einfach unerträglich, und wir hatten – wie schon 1956 – einfach, doch endgültig, g e n u g.

    Genug auch von den uns wesensfremden Ideologien, die wir jahrzehntelang unter brutalster Zwang haben erdulden müssen. Genug von den Visagen der Statthaltern fremder Interessen von den Grossvätern über die Kinder bis zu den Enkeln, die für uns nicht bloss als Abkömmlinge, sondern –auch wegen ihren eigenen Untaten für Land und Leute – keine anständigen Politiker, sondern nur unerträgliche Reizobjekte sind.

    Ich weiss wohl, dass auch die von den „Siegermächten“ zum Bolschewikenfrass hingeschmissene Ostdeutschen (obwohl ihrer ehemaligen westlichen Landsleuten weder im Denken, Begabung oder Fleiss jemals auch im Geringsten unterlegen), änlich wie wir Ungarn von Mächtigeren vergewaltigt, und zu Bettlern gemacht wurden. Doch sie wurden schliesslich erlöst!

    Und wer kennt es nicht: „Ende gut, Alles gut!“

    Es ist aber eine ganz andere Frage, welches Volk im felix Westen (die ex-BRD inbegriffen) trotz solchem positivem Ausgang vor Augen, freiwillig bereit wäre, etwa ein halbes Jahrhundert (also jahrzehntelang auch für ihre Kinder und Enkelkinder ohne Hoffnung auf eine bessere Zukunft) durch die Hölle zu gehen, alles zu erdulden?

    Den Ungarn stand für ihre „Erlösung“ allerdings keine mittlerweile wirtschaftliche Supermacht – wie unseren einst ostdeutschen Schicksalsgenossen West-Deutschland – ein West-Ungarn zur Verfügung.

    Sei es wie es sein soll, ist es denn von unseren demokratischen Miteuropäern wirklich zuviel verlangt, zu akzeptieren, wenn wir Ungarn nach superdemokratischen Wahlen, mit Fidesz und nicht wie einige wenige in Ungarn mit der echt ung. postkommunistischer MSzP; mit Orbán und nicht mit Gyurcsány oder Bajnai oder mit anderen manchen Allerliebsten, endlich mit den Trümmern der Vergangenheit aufräumen, und unser Glück in die eigene Hände nehmen wollen?

    Wieso sollte es demokratisch sein, um der Krise Herr zu werden, uns Ungarn (besonders nach den etlichen, offensichtlich recht fruchtlosen „mainstream“-Versuchen unserer EU-Führern) zu verbieten, für die Lösung des Problems, unseren individuellen Weg zu suchen, und dazu auch unseren individuellen europäischen Beitrag zu leisten?

    Wieso gönnen uns bürokratische Eurokraten nicht, unseren eigenen mittelosost-europäischen Verstand zur Problemlösung zu Hilfe holen (und als ungarischen Beitrag unseren Partnern in Europa auch zur Verfügung stellen), wenn sie sich schon ums Hundsverrecken nur dann in der Lage sehen, uns dabei etwas helfen zu können, wenn wir uns ihnen „hirnfrittiert“ hündisch unterwerfen?

    Was hat doch der sehr menschlich fühlender, deshalb letztendlich ideologisch völlig ungeeigneter SU-Führer Gorbatschow gesagt? „Wer zu spät kommt, den straft die Geschichte.“ Ein wirklich mahnendes Memento!

    Es gibt mittlerweile EU-Länder, die ja nicht zu spät kommen möchten, und sich offensichtlich
    nicht zu gut sind, den ach soooo bösen Ungarn – zwar ohne grosse Reklame und Aufsehen, beinahe auf etwas heimlich schlaumeierische Art – auf einigen Gebieten bereits lernbegierig zu folgen.

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