WJC 2013: Enttäuschung über Orbán-Rede

Die Mehrheit der deutschsprachigen Presse zeôigte sich enttäuscht über die Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán vor dem Plenum des World Jewish Congress. Der Tagungsort Budapest sollte Solidarität mit den jüdischen Ungarn bekunden. Orbán blieb, so die Kritik, in seiner Verurteilung des Antisemitismus allgemein.

http://welt.de/article.do?id=politik%252Fausland%252Farticle115900772%252FOrban-will-Antisemitismus-Sorgen-relativieren

BBC berichtete ebenfalls über die Reaktion auf die Orbán-Rede.

http://m.bbc.co.uk/news/world-europe-22423812

Die österreichische Tageszeitung Die Presse bringt derweil einrn Beitrag,  in dem Budapester Juden die Warnungen vor wachsendem Antisemitismus in Umgarn als übertrieben bezeichnen.

http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1398070/index.do

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25 Kommentare zu “WJC 2013: Enttäuschung über Orbán-Rede

  1. @HV, ihr Kommentar?
    Oder läuft das so wie so oft ab: Kein kritscher Kommentar zur zu den Orbán Verlauftbarungen, und nur zu den ggf. kritischen Stellungnahmungen dazu ?!

    Zitat: „Auf greifbare Maßnahmen, um diese auch international kritisierte Erscheinung in seinem Land einzudämmen, ging Orban nicht ein. Auch die Demonstration der rechtsextremen Parlamentspartei Jobbik (Die Besseren), die am Vortag im Zentrum von Budapest über die Bühne gegangen war, erwähnte Orban in seiner Ansprache beim WJC-Diner nicht.“
    Der Rest ist (unüberhörbares) Schweigen. Auch in diesem Blog …. ?

    Statt dessen gibt es allgemein formulierte Kritik an der Kritik: „Die österreichische Tageszeitung Die Presse bringt derweil einen Beitrag, in dem Budapester Juden die Warnungen vor wachsenfem Antisemitismus als überzogen bezeichnen.“

    Ihre Meinung HV!

    • „Der Rest ist (unüberhörbares) Schweigen. Auch in diesem Blog … ?“

      Szarvasi,
      Wenn ich Sie richtig verstand, dann gehören Sie zu den eifrigen Fernzitterern für Ungarns Demokratieverständnis.

      Was sagen Sie zu den Meinungen unserer jüdischen Mitbürgern, die vor Ort den wahren Alltag erleben, und nicht nur gelegentlich auf Einladungen zu speziellen Veranstaltungen nach Budapest blitzen, oder gar (wie die Mehrheit der deutschen Presse) ihre „Stalinorgeln“ aus dem Ausland auf Ungarn abfeuern.

      Szarvasi,
      düfte man Sie überhaupt bitten, sich auch über eine spärliche, doch zu besonderem Nachdenken motivierenden Bericht der Wiener „Presse“, auch ein Paar Worte zu verlieren:

      „Auf die Frage, ob der Antisemitismus in Ungarn zunehme, hebt der jüdische Maler Mucius verdutzt die Augenbrauen. Nach einigem Nachdenken erzählt er einen Witz. „Kommt ein ausländischer Journalist in ein Dorf, wo ihm zwei Bauern über den Weg laufen. Danach gefragt, ob es in Ungarn Antisemitismus gebe, antworten sie mit Nein, um sofort hinzuzufügen: Aber wenn es Nachfrage danach gibt, dann schon!”

      Für Mucius, der im Budapester Judenviertel zwei Galerien betreibt, verhält es sich heute nicht viel anders. Das ganze „Antisemitismus-Geschwätz” werde von den Medien doch nur hochgeschaukelt, sagt er. Die Geschäftsführerin der ebenfalls im jüdischen Viertel liegenden, koscheren Konditorei Fröhlich, Éva Zádor, sieht die Sache ähnlich. „Antisemitismus? Ach was!” In ihren Augen werde das „in Politik und Medien künstlich geschürt“. Sie habe jedenfalls noch keine antisemitischen Anpöbelungen erlebt.“

      • Hungarianvoice,

        Ronald Lauder, tut und tat auch, wozu er an seinen Posten gewählt worden ist: Sich für sein Volk und dessen berechtigten Interessen einzusetzen!

        Dass er diese Aufgabe nur als Ehrenmann,

        also nur als ehrenwerter Mensch, bereit ist wahrzunehmen, wird wohl alle Vertreter der linksradikalen Ideologie des: der Zweck heiligt die moralisch verwerflichste Mittel, vielerorts in Europa zutiefst enttäuschen, und nicht bloss symbolisch das in der Schweiz berühmte „Nucki usehaue“!

      • Danke HV, dass sie sich die Mühe gemacht haben zu antworten.

        »denn Orbán hat, was Lauder offenbar nicht wusste, sehr wohl
        vor einigen Tagen Jobbik als Gefahr für die Demokratie bezeichnet.«

        Nur er hat es am richtigen Ort und zum richtigen Zeitpunkt, nämlich vor der Weltöffentlichkeit während der WJC-Tagungung, nicht nötig gesehen, dies zu wiederholen. Und wenn er jetzt nachschiebt, dass er mal wieder missverstanden worden ist, zeigt, dass er es eben vermieden hat, sich eindeutig zu positionieren. Und das wurde – meiner Meinung nach – zu Recht gesehen und kritisiert!
        http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-05/ungarn-antisemitismus-juedischer-weltkongress-orban

        Dass man es auch besser machen kann, hat die Rede des deutschen Außenministers gezeigt, der die Teilnehmer sehr viel persönlicher ansprach und bei dem man genau verstand, wen er unter „wir“ und „uns“ meinte, während Orbán „wir“ und „uns“ nicht im verbindenden, sondern im trennenden Sinne gewendete (wir = die ungarische Regierung, deren Leistung im Kampf gegen den Antisemitismus betont wurde).

        Und warum muss Orbán immer wieder die Bedeutung des Christentum unterstreichen, der Hinweis auf die gemeinsamen „abendländischen Werte“ hätte es auch getan! Denn er hätte die Nichtchristen miteinbezugen, hätte Distanzen abgebaut und damit die Anwesenden eingeladen eine gemeinsame Brücke für die Zukunft zu errichten – und es wäre der Bedeutung des ungarischen Judentum für die ungarische Kultur auch angemessener gewesen. So wurde die zuerst die unnötigerweise „aus“gegrenzt, die eigendlich „ein“bezogen werden sollten.

        Vielleicht war auch nicht so gemeint, aber die Einleitungssätze, als er davon sprach, dass alle, die an unsere Türe klopfen, ein Recht auf Gastfreundschaft haben, haben völlig unnötigerweise ein Distanz aufgebaut und seinen Worte auf die berühmte Waage legen lassen (Löwenstein: „Ein Boot, zwei Waagen“).
        http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/juedischer-weltkongress-in-ungarn-ein-boot-zwei-waagen-12174510.html

        Denn wer hat an die Tür geklopft? Haben die ausländischen Gäste sich selber nach Budapest eingeladen? Und wie steht es mit den ungarischen Juden? Gäste im eigene Land? Das schafft zusätzliche Irritationen, wo doch die Irridationen abgebaut werden sollten!

        In einem DW-Interview hat heute János Lázár, der Kanzleichef des ungarischen Ministerpräsidenten auf die Reaktionen auf Orbáns Rede in einem Gespräch mit der Deutschen Welle reagiert.

        »Einen Kritikpunkt jedoch, der auch von WJC-Präsident Lauder angesprochen wurde, lässt Orbáns Kanzleichef „als debattenwürdig“ gelten: den, dass im Lehrplan für Ungarns Schulen antisemitische Schriftsteller und Ideologen der Zwischenkriegszeit zur Lektüre empfohlen werden. Diese sollten nicht als „positive Vorbilder“ dargestellt werden, so Lázár, sondern genau als die Antisemiten, die sie gewesen seien.«
        http://www.dw.de/j%C3%BCdischer-weltkongress-entt%C3%A4uscht-von-orb%C3%A1n/a-16794295

        Vielleicht sind das erste Anzeichen für die Einsicht, dass nicht alles gut gelaufen ist in den letzten Tage. Zu wünschen wäre es.

        Übrigens: ich habe mich nicht aufgeregt. Das Echauffieren überlasse ich anderen – zum Beispiel denen, die glauben sich an mir immer wieder abarbeiten zu müssen und deren verzweifelte Selbstgespräche (IU, PH) ich schon lange nicht mehr lese, geschweige denn erst nehme …

      • Der Hinweis auf den Lehrplan ist interessant. Allein die Tatsache, dass man Nyirö und Wass behandelt, wurde von Anfang an als Rehabilitationsversuch interpretiert. Ich hatte hier schon frühzeitig darauf hingewiesen, dass es vollkommen ok ist, diese Schriftsteller zu behandeln. Abereben kritisch. Lázár vertritt offenbar auch dieseb Standpunkt. Vielleicht war also wieder einmal alles „much ado about nothing“…

      • „Vielleicht war auch nicht so gemeint, aber die Einleitungssätze, als er davon sprach, dass alle, die an unsere Türe klopfen, ein Recht auf Gastfreundschaft haben, haben völlig unnötigerweise ein Distanz aufgebaut“

        Szarvasi, nicht, dass es nicht so gemeint war. Das Bild mit den Gästen, die „an unsere Türe klopfen“ ist in der Rede überhaupt nicht zu finden. Es muss sich um eine Fehlübersetzung handeln. Am Anfang der Rede begrüßt Orbán die Anwesenden. Erst im Allgemeinen, dann begrüßt er die in Ungarn lebenden Teilnehmer, dann die Teilnehmer, die als Gäste nach Budapest gekommen sind. Dabei geht er „mit besonderer Freude“ auf die Gäste ein, die ungarische Wurzeln haben, diese Gäste sind eigentlich nach Hause gekommen. Dann spricht er über Gastrecht, und zwar im Sinne, dass Gastrecht für ihn auch Kritik am Gastland seitens der Gäste beinhaltet. Die Verwendung des Begriffes Gastrecht schafft tatsächlich eine gewisse Distanz, wenn man aber betrachtet, was im Vorfeld des JWC von Lauder Richtung ungarische Regierung verbal geschossen wurde, war das eine sehr diplomatische Wortwahl.

      • @halász

        In der offiziellen englische Übersetzung steht in den Zeile 7 und 8 der Satz:
        „Here, all who knock on our door have a right to hospitality.“
        Und darauf beziehe ich mich.

        Und übrigens auch Herr Löwenstein in seinem FAZ-Artikel, der die Reaktionen seiner Nachbaren vor Ort wiedergibt. Quelle siehe oben.

        http://www.kormany.hu/en/prime-minister-s-office/the-prime-ministers-speeches/speech-by-viktor-orban-at-the-14th-plenary-assembly-of-the-world-jewish-congress

      • Die Bezugnahme auf Übersetzungen ist eben bisweilen kein Garant für korrekte Auslegung. Im Völkerrecht gibt es daher den „authentischen“ Text. Wir hatten schon in der Vergangenheit das Problem, dass Übersetzungen Missverständnisse hervorriefen. Alle krallen sich an einem Nebensatz fest, von dem sich rausstellt, dass er so nie fiel. Orbán kann hier ganz beruhigt sein, kann man ihm doch nur vorwerfen, was er wirklich sagte.

        Ein Grund mehr, dass man Leute zu Korrespondenten macht, die wenigstens ein bisserl ungarisch sprechen…

      • Szarvasi,

        Man glaubt Ihnen sicher gerne, dass auch Sie von Fehlern triefenden Übersetzungen in die Irre geführt worden sind.

        Doch sei es wie auch sein soll, ich hoffe sehr, dass niemend von unseren geschätzten Bekannten auf diesem Blog auch das Geringste damit zu tun gehabt habe, dass man Herrn Lauder solche Ente Ohr flüsterte, wofür er sich übrigens – sehr korrekt – öffentlich entschuldigte.

        Egal wer das von den gutinformierten Informanten mit besten Informationen vor Ort dafür verantwortlich ist, er hat zumindest Herrn Lauder einen Bärendienst erwiesen.

        PS: Ich schliesse eigentlich vollkommen aus, dass Herr Lauder sich das Ganze selbst eingebrockt hätte. Er ist zwar meines Wissen ebenfalls ung. Abstammung, doch er dürfte die ung. Sprache kaum in dem Masse beherrschen, dass er sich im linksliberalen Mediendschungel in Ungarn so einfach zurechtfinden könnte.

      • Szarvasi, aufgrund der englischen Übersetzung haben Sie und Herr Löwenstein Recht mit Ihrer Interpretation. Es handelt sich hier aber tatsächlich um dicke Übersetzungsfehler. Die Sätze „Köszöntöm a hazai zsidó közösség képviselőit! Tisztelettel köszöntöm a hazánkba érkezett vendégeket!“ wurden einfach als „I greet the representatives of the Jewish community, and a warm welcome to our guests in our country.“ übersetzt. Im ungarischen Text werden in einem Satz die Mitglieder der ungarischen jüdischen Gemeinde in einem zweiten Satz diejenigen begrüßt, die als Gäste nach Ungarn gekommen sind. Aus dem englischen Text geht diese separate Begrüßung nicht hervor. Durch diese Falschübersetzung bekommen die nachfolgenden Sätze in der englischen Übersetzung eine andere Bedeutung, als im ungarischen Original. Im ungarischen Originaltext wirkt der Bezug auf das Gastrecht natürlich, es verstärkt Orbáns Einladung an die Gäste, Dinge zu kritisieren, die ihnen in Ungarn nicht gefallen. Im englischen Text wirken die Sätze, in denen Gäste angesprochen werden befremdlich, das wird durch die unpassende Übersetzung eines weiteres Satzes noch verstärkt: „Nálunk a vendégjog minden betérőt megillet“ heißt in der englischen Übersetzung „Here, all who knock on our door have a right to hospitality.“ Eine sinngemäße Übersetzung würde lauten: „jeder, der zu uns kommt, hat das Gastrecht.“

        Laut Nachrichten vom JWC waren die einheimischen Zuhörer mit der Rede zufrieden, die ausländischen Gäste aber eher nicht. Wurde diese englische Übersetzung an die Delegierten verteilt? Wäre interessant zu wissen…

      • @halász

        Merkwürdig, der selbe Wortlaut befindet sich auch auf der offiziellen Homepage des ungarischen Ministerpräsidenten:
        http://www.orbanviktor.hu/in_english_article/speech_by_viktor_orban_at_the_14th_plenary_assembly_of_the_world_jewish_congress

        Der Ministerpräsident verbreitet damit über die Homepage »Kormany.hu« und über seine eigene Homepage »orbanviktor.hu« eine Übersetzung, die seine Rede teilweise nicht korrekt wiedergibt! Und weder Ihm noch seinen Beratern fällt das auf? Wie gut, dass es HV gibt 😉

        Dann kann wohl der Artikel von Herrn Bencsik in der BZ mit dem Titel: „Ungarn in der Muttersprachen-Falle“ zum Thema Regierungskommunikation neugeschrieben werden!
        http://www.budapester.hu/2012/02/gastkommentar-12/

        Und dann soll es auch noch eine Simultanübersetzung gegeben haben, denn die meisten Gäste tragen einen Kopfhörer während der Rede von Herrn Orbán, was auf Veranstaltungen dieser Art üblich ist.

      • Sie können selbstgefaellig grinsen, so viel Sie wollen. Und sich immun zeigen gegenüber den Feststellungen von Haláaz, dem inhaltlich voll und ganz zuzustimmen ist. Beurteilen können Sie es offenbar nicht. Also lernen Sie ungarisch, und sprechen Sie dann über Übersetzungen.

    • @Haláz, @HV

      Nachtrag:
      1. Auch in dem englischsprachigen Webblog von Ferenc Kumin, dem Vize-Staatssekretärs für Kommunikation wird die selbe englische Übersetzung wiedergegeben:
      http://ferenckumin.tumblr.com/post/49758100381/speech-by-viktor-orban-at-the-world-jewish-congress
      2. Auf der Webseite des Jüdischen Weltkongresses wird die Orbán-Rede von einer Frau mit deutlich ungarischen Akzent ins Englisch übersetzt! Auch hier wird wird der Satz wortwörtlich wiedergegeben!
      http://www.worldjewishcongress.org/en/video/412/keynote_address_14th_wjc_plenary_assembly_h_e_mr_viktor_orb_n_prime_minister_of_hungary

      Vielleicht hätte Herr Orbán die Rede besser auf englisch gehalten, so wie übrigens auch der deutsche Außenminister Westerwelle, dann hätten wir einen “authentischen” Text und ein Teil der Irridationen wäre gegenstandslos 😉

      • Lieber Szarvasi, Sie sollen nicht ahnungslos ins Bett gehen. Ich übersetze die Passage und bitte diejenigen, die die Gabe besitzen, ungarisch zu lesen, anstatt sich wie die drei Aeffchen auf Übersetzungen zu versteifen, deren Richtigkeit sie nicht beurteilen können, um ihren Kommentar. Ganz nach dem Motto: „Glauben“ ist für die Kirche.

        „Guten Abend. Lassen Sie mich Sie ganz herzlich in Budapest willkommen heissen. Shalom. Es ist mir eine Ehre, Sie im Namen Ungarns und der Ungarn hier, in Budapest, zu begrüssen. Ich begrüsse die Vertreter der ungarischen jüdischen Gemeinden. Ich begrüsse auch die zu uns gekommenen Gaeste. Mit besonderer Freude und in grosser Freundschaft begrüsse ich diejenigen, die eigentlich nach Hause gekehrt sind, weil ihre familiaeren Wurzeln bei uns liegen. In Ungarn haben das Gastgewerbe und die Gastfreundschaft eine grosse Tradition. Bei uns steht das Gastrechte jedem zu, der zu uns kommt.“

        „Good evening. May I just welcome you whole heartedly here in Budapest. Shalom. Örömmel köszöntöm Önöket Magyarország és a magyar emberek nevében itt, Budapesten! Köszöntöm a hazai zsidó közösség képviselőit! Tisztelettel köszöntöm a hazánkba érkezett vendégeket! Különös örömmel és barátsággal köszöntöm azokat, akik tulajdonképpen hazajöttek, mert itt vannak a családi gyökereik. Magyarországon mély hagyománya van a vendéglátásnak és a vendégek tiszteletének. Nálunk a vendégjog minden betérőt megillet.“

        Es folgt eine Aussage, der zufolge das Gastrecht auch das Recht beinhaltet, zu kritisieren, wenn einem etwas nicht gefaellt.

        Es ist schon bemerkenswert. Seit 2010 schafft es die Regierung nicht, das internationale Publikum mit korrekten Übersetzungen zu bedienen. Und dank der Sprachbarriere und den Amateuren im Apparat kommt immer dasselbe bei raus. Irrtümer. Oder wie Szarvasi sagt „Irridationen“.

      • Danke lieber HV für die Übersetzung!

        Ihrer Bemerkung:
        »Es ist schon bemerkenswert. Seit 2010 schafft es die Regierung nicht, das internationale Publikum mit korrekten Übersetzungen zu bedienen. Und dank der Sprachbarriere und den Amateuren im Apparat kommt immer dasselbe bei raus. Irrtümer. Oder wie Szarvasi sagt “Irridationen”.«
        kann ich ohne Einschränkung zustimmen.

        Um es noch einmal deutlich zu sagen: Mir ging es darum anzudeuten, dass der Aufbau der Rede ungeschickt war, weil Herr Orbán nicht versucht hat die Zuhörer mitzunehmen, indem er die vorhandenen Gemeinsamkeiten betont, sondern stattdessen unnötig kühle Distanzen aufgebaut war. So gewinnt man nicht die Herzen der Zuhörer. Dass es auch anders gehen kann, hat Herr Westerwelle bewiesen.

        Es gäbe auch noch andere Dinge in der Rede, die man diskutieren sollte: Z.B.: die Bemerkungen zu dem Gegensatzpaar „gut“ und „böse“ und der damit verknüpften Verbindung mit dem Phänomen des Antisemitismus. Auch die Verbindung Talmud mit dem Vermächtnis des Staatsgründers, König Stephan des Heiligen, wirkt auf mich nicht sehr gelungen.

        Übrigens, das Wort „Irridationen“ benütze ich, weil ich den Aspekt der Bewertung im Sinne von Schuldzuweisung bewusst vermeiden will, also eher Unstimmigkeiten und Verärgerungen, die durch unklare (und angeschickte) Wortwahl entstanden sind. Ich bin kein Jurist, sondern Pädagoge.

        Ergänzung: Meinen Smilie haben sie nicht richtig interpretiert. Er war nicht ironisch, sondern zustimmend gemeint. Denn ich lese gerne ihren Blog, auch wenn ich oft mit ihren „Gedanken“ nicht übereinstimme!

        Ich bin zwar schon zu Bett gegangen, bevor ich ihre Sätze lesen konnte, aber trotzdem ein herzliches Köszönöm szépen!

  2. Hier einige Primärquellen zum Thema, die lesenswerter sind als die Sekundärqellen der Tagespresse:

    Hier kann man die Rede Orbans als offizielle Übersetzung auf englisch nachlesen:
    http://www.kormany.hu/en/prime-minister-s-office/the-prime-ministers-speeches/speech-by-viktor-orban-at-the-14th-plenary-assembly-of-the-world-jewish-congress

    Hier die Stellungnahme des Jüdischen Weltkongresses:
    http://www.worldjewishcongress.org/en/news/13469/wjc_reaction_orb_n_speech_did_not_confront_true_nature_of_problem_in_hungary?print=true

    Mein Eindruck: Die deutschsprachige Presse gibt im wesentlichen die Antwort des JWC wieder. Dass man das Thema auch anders angehen kann, zeigt die Rede des deutschen Außenministers Guido Westerwelle:
    http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2013/130506-BM_WJC_Budapest.html

    • „Primärquellen zum Thema“

      Geschätzter Szarvasi,

      Was jedoch jetzt speziell die 14. Vollversammlung des World Jewish Congresses in Budapest betrifft, so möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache aus der allerprimärsten Quelle lenken: Viktor Orbáns kurze würdevolle, doch äusserst Inhaltsvolle Begrüssungsrede ist von den ehrwürdigen Delegierten aus der ganzen Welt mit (anerkennendem) Applaus quittiert worden ist.

    • „The Great Synagogue on Dohány Street is one of the most beautiful and impressive monuments of Jewish Heritage in Europe.“

      Herr Westerwelle,
      Dürfte sich bei seinem Besuch in Ungarn über manches gewaltig wundern.

      Zum Beispiel darüber, dass obwohl in Deutschland schönste Synagogen staatlich gelenkter Brandstiftung zum Opfer fielen, doch die schönste der Welt stand auch vor der Nazizeit nicht in Deutschland, sondern in der Haupstadt der Magyaren.

      Hoffentlich hatte er bei diesem Anlass auch Gelegenheit, sein – durch die deutsche Presse etwas eingeengtes und verzerrtes – Ungarnbild nicht bloss in Bezug auf die ungarische Hauptstadt geringfügig zu erweitern.

  3. „ … mert vétkesek közt cinkos aki néma.“

    Warum lässt sich nicht jeder vor den Mainstream-Karren spannen?

    Ich meine, wenn Herr Pfeifer suggeriert, Orbán hätte die Partei Jobbik gegründet, kann man dem doch einfach nur zustimmen. Man liest doch die Zeitung.

    Oder wenn Ungarnfreund wieder mal mit seinen sinnentstellenden Darstellungen des politischen Zeitgeschehens punktet, indem er die Unterschiede zwischen Schwarz und Weiß, zwischen Ungarn und Deutschland, zwischen dem Bösen und der besten aller möglichen, der demokratisch-rechtsstaatlich verfassten deutschen Welt so grau herausarbeitet, dass das Grauen, das mich überfällt, wenn sie wieder aus fremdenfeindlich-rassistischen Motiven morden lassen, überschwappt, denn aus dem Grauen heraus man die düstere Ahnung bekommt, weil die Verwicklungen des sozialistischen Geheimdienstes unter Gyurcsánys Geheimdienstminister Szilvásy klein- und die Verwicklungen deutscher Geheimdienste schöngeredet werden.
    Warum Ungarnfreund nicht einfach rechtgeben? Was stört am Trugbild vom Rechtsstaat, solange sich im Wahlkampf Geheimdienste vor den Karren spannen lassen.

    Oder wenn Stephan Löwenstein in der FAZ feststellt: „Die Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Orbán auf dem Jüdischen Weltkongress wird von westlicher Seite abgelehnt (… ).
    Dem ist doch so. Warum dann die ablehnende Kritik der westlichen Seite kritisieren?
    Ist es nicht Konsens, worüber weltweit berichtet wird?
    Orbán, das sind Gewissheiten. Er lässt in Ungarn Statuen für den
    „Reichsverweser“
    Horthy aufstellen.
    Ist der nicht schuldig an dem Völkermord an Abermillionen Juden?
    Hat Horthy am 12.12.1941 Obama den Krieg erklärt? Orbán führt diesen Krieg weiter!

    Oh, oh! Ist Kritik an Orbán denn nicht berechtigt?

    Oder im Sinne von Ágnes Heller: Orbán ist von der Gesinnung her die vollständige Vernichtung der Juden zuzutrauen!
    Oder löge Ferenc Gyurcsány nicht, wenn er einem Diktator charakterlich das absprechen würde.

    Orbán etwas nachzusagen, kann doch nur die Wahrheit sein.
    Denn alle Zeitungen schreiben, innigst verbindet ihn Freundschaft mit Hassrednern, das Vorverständnis inklusive:

    „So wurde erst vor einer Woche Ferenc Orosz, Vorsitzender der Wallenberg-Gesellschaft, beim Zuschauen eines Fußballspiels von „Sieg Heil“-brüllenden Männern blutig geschlagen; ein antisemitischer Moderator erhielt eine staatliche Auszeichnung (die später als „Versehen“ wieder zurückgezogen wurde); eine offen antisemitische rechtsextreme Partei, Jobbik („die Besseren“), sitzt mit 17 Prozent im Parlament; im Land werden Statuen für den „Reichsverweser“ Miklos Horthy errichtet, unter dessen Regime in den zwanziger und dreißiger Jahren die ersten Anti-Juden-Gesetze Europas erlassen wurden …“

    Orbáns innigster Freund ist der Hassredner Zsolt Bayer. Der Text immer derselbe.
    Der eine ist der Kopf und der andere die Bauchstimme der Partei. Menschenverachtung inklusive.

    Was mich daran stört?

    Stephan Löwenstein hätte die Anklage des Präsidenten des WJC, Ronald S. Lauder zumindest in einem Punkt konterkarieren dürfen:

    Weil Ferenc Orosz, der Vorsitzende der Wallenberg-Gesellschaft, der „erst vor einer Woche beim Zuschauen eines Fußballspiels von „Sieg Heil“-brüllenden Männern blutig geschlagen“ wurde, auch der Partei FIDESZ angehört.
    http://www.kormany.hu/hu/emberi-eroforrasok-miniszteriuma/hirek/balog-zoltan-kozlemenye-orosz-ferenc-bantalmazasa-kapcsan.

    Nein, ich verlange von Deutscher Berichterstattung keine Objektivität.

    Ich wünsche mir nur etwas mehr Objektivität von deutschen Berichterstattern. Ich erwarte keine Objektivität, nicht vom Völkischen Beobachter und nicht vom Neuen Deutschland.

    Ich stelle hier auch keine Nazi-Vergleiche an. Ich übe nur Kritik an der Kritik, weil mir Propaganda sauer aufstößt.
    http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/juedischer-weltkongress-in-ungarn-ein-boot-zwei-waagen-12174510.html

    „ … mert vétkesek közt cinkos aki néma.“

  4. „Dass man es auch besser machen kann, hat die Rede des deutschen Außenministers gezeigt“

    Szarvasi,
    Da muss ich Ihnen wohl Recht geben. Die Rede des deutschen Aussenministers Westerwelle dürfte viel eher den Geschmack ung. linksliberalen Kreisen getroffen haben. Trotzdem muss ich befürchten, dass die „Enttäuschung“ egeitlich grössere Kreise wirft, als Sie es selbst meinen.

    Es ist verständlich, dass besonders für postkommunistischen Veteranen in Ermangelung nenenswerter Unterstützung bei den ung. Wählern alles, was Ihnen als Munition gegen Ungarn und Orbán dienen kann, höchst willkommen sein muss, auch wenn diese erst einmal, damit sie einigermassen taugen, ihres ursprügnlichen Sinnes beraubt, also umfunktioniert werden müssen.

    Solche Leute müssen allerdings mit gewisser Enttäuschung zur Kenntniss genommen haben, dass Herrn Westerwelle vor Ort (trotz seines auch in seinem gelegentlich beinahe biblischen Zornes; siehe sein Bild-Inerview zu Hause in den heimischen Gefildern) nicht im Traum einfiel, die von diesem Verein bevorzugte epithetin ornans (schmückende Beiworte, die früher auch in Deutschland bloss in Vorstadspelunken Gang und Gebe waren) für die Qualifizierung Viktor Orbáns zu verwenden.

    Ich denke, gestandene Partisane werden auch diesen Schlag und furchtbare Enttäuschung, über die ihrer Ansicht nach verpasste einmalige Gelegenheit verkraften und überleben.

    PS: Wenn Sie mal Herrn Karl Pfeifer begegnen, vermitteln Sie bitte mes salutation amicales.

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