Nézőpont-Institut untersucht die Berichterstattung zum WJC: Kritik an Orbán wird berichtet, die Entschuldigung von Ronald Lauder nicht

Das ungarische Meinungsforschungsinstitut Nézőpont hat eine aktuelle Untersuchung der Presseberichterstattung zum World Jewish Congress in Budapest veröffentlicht.

http://nezopontintezet.hu/aktualis/a-magyarorszagi-zsido-vilagkongresszus-a-vilagsajtoban/

Bemerkenswert: Die Kritik an Viktor Orbáns Rede vor dem WJC (zum Teil beruhend auf einer dilettantischen Übersetzung der öffentlichen Stellen), insbesondere aber die Kritik der WJC-Praesidiums, erfuhr breite Berichterstattung. 42 Presseberichte erschienen, davon 18 in Deutschland.

Die Entschuldigung des WJC-Praesidenten Ronald Lauder, der Orbán ausdrücklich versicherte, er wisse seine klare Distanzierung von Jobbik zu schaetzen, wurde hingegen nur von 7 Presseorganen erwaehnt. Davon eines in Deutschland.

Der volle Bericht ist hier abrufbar.

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12 Kommentare zu “Nézőpont-Institut untersucht die Berichterstattung zum WJC: Kritik an Orbán wird berichtet, die Entschuldigung von Ronald Lauder nicht

  1. HV, danke, dass sie dieses Thema aufgreifen:
    In einem anderen Blog werden die Vorausetzungen fü die Entschuldung anders dargestellt:

    „Well it seems that in the end Lauder DIDN’T actually apologize to Orbán. Here is a transcript of what Lauder actually said, according to WJC spokesman Michael Thaidigsmann:
    This afternoon I had a chance to speak with Ambassador Kovacs, the Hungarian ambassador to Brussels, and with Mr. Megyesy from the Prime Minister’s Office.

    Both pointed out something I did not realize. Because when we spoke on Sunday night I did not realize that the prime minister had something in the paper the day before about Jobbik.
    I’d like at least to read what he said, and this is very important. This was asked by a journalist to him. The question was: Is the “Jobbik” party a danger to Hungarian democracy?

    His answer to it was:
    ‘Yes, it is a real danger, an increasing danger that is rooted in the economic crisis that is seriously affecting the EU. Political trends given by hate, anger and frustration are appearing throughout the world. Europeans have a tendency to look for a scapegoat and this is always a dangerous thing. We in Hungary must be especially careful to act as categorically as possible against this phenomenon. If we want to protect democracy, we must take a firm stand against Jobbik. Jobbik has developed a political ideology that quite obviously violates the human rights of Jews at both an individual and community level.’

    This was I think a strong statement about Jobbik. I apologize to Amb. Tamas Ivan Kovacs for not knowing that beforehand. Unfortunately my Hungarian is quite rusty, so I do not see the article, and I want to put it on the record that the prime minister really did make a strong statement against Jobbik.
    http://www.politics.hu/20130507/the-hungarian-government-really-wants-you-to-know-that-world-jewish-congress-president-ron-lauder-apologized-to-viktor-orban/

    Wer hat wohl recht? Ist die ganze Geschichte ein Fake?
    Wenn MTI Recht hat und Herr Lauder sich tatsächlich bei Orbán entschuldigt hat, dann bleieben doch einige Frage offen!

    Warum hat Herr Orbán am richtigen Ort (=Weltöffentlichleit) zum richtigen zeitpunkt (=wenn die ganze Welt nach Budapest blickt) nicht seine Anti-Jobbik Bemerkungen wiederholt?

    HV, haben sie eine Antwort?

    • Den Ausschnitt, den ich aus Lauders Statement sah, werte ich auch als Entschuldigung. Er sagte, Orbán habe sehr wohl gegen Jobbik Stellung bezogen (anders als Lauder das zuvor gesagt hatte), und er, Lauder, wisse das zu schaetzen („and I appreciate that“). Lauder hat also seinen Irrtum offen eingestanden, eingesehen, dass er Orbán an dieser Stelle Unrecht getan hat. Ich nenne das Entschuldigung. Die Feinheiten mögen Literaturkritiker in Dissertationen behandeln, wenn sie die Zeit dafür haben. Vielleicht will Herr Pfeifer ja noch seine Dissertation schreiben 🙂

      • Lieber HV,
        gibt es eine denn eine Dokumentation der Abschlussrede? Ich habe noch keine gefunden. Vielleicht finden sie eine auf Ungarisch?! Mein Ungarisch ist leider nicht so gut … 😉

        Wenn es tatsächlich eine von MIT forcierte Entschuldigung war, dann hat Herr Lauder vielleicht doch noch seine Absicht erreicht: Herrn Orbán vor der ungarischen Öffentlichkeit zu einem eindeutigen Statement zu veranlassen. Nur so ein Gedanke!? Wäre das Ganze da nicht einfacher gewesen? Aber ich bin kein Politiker!

      • HirTV brachte diese Tage den einen oder anderen Ausschnitt des Statements von Lauder. Aus diesem ergab sich die Anerkennung der klaren Distanzierung von Jobbik. Selbstredend auf englisch.

      • HV Bilden Sie sich nicht so viel ein weil Sie Akademiker sind und versuchen Sie sich nicht über mich lustig zu machen, weil ich keiner bin.
        Ich habe von der Entschuldigung geschrieben.
        Doch die Frage ist schon interessant, weshalb Orbán dies einem israelischen Journalisten gesagt hat und sonst nirgendwo eine ähnliche Ansicht geäußert hat. Haben Sie da eine Vermutung? Könnte es ein Teil seines üblichen Pfauentanzes gewesen sein?

    • Szarvasi, gerade berichtete der ungarische Nachrichtensender HirTV (vorab: gilt als regierungsnah, huhuuu 🙂 ) über den WJC. Teilnehmer wurden befragt, diese zeigten sich recht zufrieden mit der Rede Orbáns. Rabbi Slomo Köves stellte gar in den Raum, die orbánkritische Stellungnahme sei vorab fertiggestellt worden. Jedenfalls zeigten sich die befragten Delegierten unwissend über das Communiqué, das unmittelbar nach der Rede verteilt worden sein soll.

      Mehr am Sonntag, bin im Moment noch in der „Diktatur Ungarn“ unterwegs und zittere vor Angst.

      Vorher las ich „in einem anderen Blog“ von einem Ungarnkenner (ohne ungarische Sprachkenntnisse), der auch schon den Ausnahmezustand heraufbeschworen hatte, es sei ein Geniestreich vom Vorsitzenden der Mazsihisz, Peter Feldmajer, gewesen, den WJC nach Ungarn zu holen und den „megalomanisch“ veranlagten Orbán blosszustellen. Zu dumm, dass Felmájer die Rede Orbáns sehr gelobt hat, nicht wahr?

      Gott schütze uns vor diesen im www herumirrenden Experten. Sie verstehen nicht mehr von Ungarn als Schettino vom Lenken eines Ozeanriesen. Aber ihr Selbstbewusstsein ist unbeschränkt…

  2. Orbán hat wieder einmal geschickt agiert. Er gab ein Interview der hebräischsprachigen israelischen Tageszeitung Yedioth Achronoth, in der er diese Erklärung abgab und die bereits am Freitag, 3.5. dort publiziert wurde
    Am Montag vormittag traf ich beim WJC Kongress den israelischen Journalisten E. Beck, der dieses Interview gemacht hat und ich fragte ihn wieso dieses Interview nicht ins Englische übersetzt wurde. Er staunte auch.
    Die Ursache, warum die meisten Journalisten das nicht publizierten ist ganz einfach, die meisten Journalisten sind schon nach der sehr guten Westerwelle-Rede am Montag in der Früh weggefahren. Ich fuhr Dienstag zurück, doch da war schon mein deutscher Artikel bei der Zeitung, in meinem englischsprachigen Artikel berichtete ich korrekt über die Entschuldigung von Lauder.
    Der antisemitische Diskurs geht trotz „Zero Toleranz“ weiter in fidesznahen Medien wie „Demokrata“. Am 8. Mai hat dort Ádám Pozsonyi wieder – nicht zum erstenmal – gezeigt, wie man „zsidóz“ ohne das Wort Jude zu schreiben. Zsofia Mihancsik hat das dokumentiert
    http://galamus.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=208940

    • „Er gab ein Interview der hebräischsprachigen israelischen Tageszeitung Yedioth Achronoth“

      Herr Pfeifer, was halten Sie von den folgenden Sätzen von Orbán? Den ungarischen Nationalkonservativen wird ja immer wieder völkisches Denken vorgeworfen…

      „we must not forget that there is a large Hungarian community in Israel. In my interpretation, they are part of the Hungarian nation. It is of course their personal choice whether they agree with my or not. I would not like to offend them, but in my opinion we have a Hungarian community in Israel who are Jewish. The bridge is open, and they can come and go as they please.“

      „God created the Hungarian nation to be very diverse and colourful, and the Jews are part of it.“

      Das Interview ist auch ansonsten sehr lesenswert. Schon vor dem JWC war es in den ungarischen Medien in Auszügen erschienen. Seit einigen Tagen ist die englische Überseztung auf der Seite von Ferenc Kumin zu lesen:
      http://ferenckumin.tumblr.com/post/49872244172/israeli-daily-newspaper-yedioth-ahronoth-interviews

      • „we must not forget that there is a large Hungarian community in Israel. In my interpretation, they are part of the Hungarian nation.“

        Halász, das ist eine wichtige Aussage. Denn Orbán wird nachgesagt, nach dem Modell der neuen Verfassung seien die Juden – als (religiöse) Minderheit – nicht Teil der Nation. Neulich las ich diesen Versuch der Gesetzesauslegung beim Pester Lloyd:

        „Zudem würde die Verfassung „echten Schutz, Sicherheit, menschliche Würde“ für „die Juden, die mit uns leben (Anm.: laut der neuen ung. Verfassung sind Minderheiten zwar `staatsbildender Teil` Ungarns nicht aber `Teil der Nation`) und allen anderen Minderheiten“ bieten.“

        http://www.pesterlloyd.net/html/1319redeorbanwjc.html

        Tatsächlich spricht das Grundgesetz aber an den Stellen, die Schicker (leider ohne Erfolg) wiederzugeben versucht, nicht von „Minderheiten“, sondern von „Nationalitäten“ als staatsbildenden Faktoren.

        Schicker kann das eine offenbar nicht vom anderen unterscheiden. Vielleicht könnte ich es auch nicht, wenn ich in der DDR zur Schule gegangen wäre. Nation und Religion waren dort ja vielleicht keine Themen für die vertiefte sachliche Auseinandersetzung.

        Dabei ist es eine lösbare Aufgabe. Zu den gesondert erwähnten Nationalitäten gehören z.B. die in Ungarn lebenden Deutschen oder Slowaken, also nationale, meinethalben auch ethnische, Minderheiten. Religiöse Minderheiten oder auch diejenigen, die nich gläubig sind, sind hingegen Teil der Nation. Das könnte man auch bei dem völlig unverdächtigen Verfassungsexperten Herbert Küpper nachlesen, der ein dickes Buch ganz über das neue Grundgesetz verfasst hat.

        Warum sollte ein Magyare, der zum Buddhismus konvertiert, auch nicht mehr Magyare sein? Das Grundgesetz schließt hier gar niemanden aus religiösen Gründen aus, auch wenn der eine oder andere in seinem Hass auf alles christliche das noch zu gerne herbeiphantasiert.

        Und bevor das wieder kommt: Die Bezugnahme auf die „erhaltende“ Rolle des Christentums iBa die Nation ist rein historischer Natur, und in dieser Form auch korrekt. Jeder, der die überschaubare Fähigkeit besitzt, zum Geschichtsbuch zu greifen, wird das kaum in Zweifel ziehen. Ob man es in eine heutige Präambel schreiben muss, ist eine andere Frage.

        Jede Debatte darüber, ob jüdische Ungarn Teil der Nation sind oder nicht, ist also nach dem Grundgesetz eine Scheingefecht. Zusammengeklaubt zu dem Zweck, ein ungenießbares, breiiges Süppchen zu kochen, und sich dann über dessen faden Geschmack zu beschweren. Bon appetit.

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