Empfehlung: „Der Mensch ohne Kopf“ – Gedanken zu Ungarn von Réka Kincses

Sehr persönliche Gedanken der in Berlin lebenden Réka Kincses. Es geht um Ungarn. Es geht um die Dinge, die man von Menschen zu hören bekommt, die sich nach der Lektrüre der deutschsprachigen Presse zu Ungarn für informiert genug halten, ihre Meinung zu vertreten.

Es geht aber auch um Selbstzweifel und Fragen.

Lesenswerte Gedanken. Gedanken ohne politisches Kalkül, ohne weltverbesserische Ansprüche, ohne einen Funken Überheblichkeit.

Köszi, Réka!

http://www.hausdrachen.net/2013/05/10/der-mensch-ohne-kopf/

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11 Kommentare zu “Empfehlung: „Der Mensch ohne Kopf“ – Gedanken zu Ungarn von Réka Kincses

  1. Wirklich schwere Verheerungen, die die deutschen Medien (vor allem sie) in den Köpfen der Menschen anrichten. Mein einer Sohn kam jüngst aus Berlin und fragte seine Budapester Freunde, wie schlimm es denn sei, dass Jobbik regiert. Das war das Bild, dass ihm in Deutschland durch oberflächlichen Medienkonsum suggeriert worden war.

    • Niemand anderes als Deutschlandradio (öffentlich-rechtlich) strahlte einen Beitrag von Jochanan Shelliem aus, der eine Regierungsbeteiligung von Jobbik behauptete. Wie gesagt: Öffentlich-rechtlich, zwangsfinanziert, mit Anspruch auf einen Bildungsauftrag…

  2. Mir platzt auch bald der Kragen. Dabei bin ich gar kein Orbán Fan. Ich überlege schon, wie ich mich in Deutschland der zwangsweisen Rundfunkgebüren erwehren kann. Nicht wegen der Kohle, sondern weil mich die primitive Krimikultur von ARD und ZDF anekelt. Die einseitige oder falsche Berichterstattung über Ungarn ist in diese eingebettet. Mit der
    wohlig-schaurigen Gladiatoren-Unterhaltung für die deutsche Volksmasse wird so schnell nicht schluss sein. Blut muß fließen und Orbán soll „Mensch ohne Kopf“ werden. Der einzige Trost bleibt: Die deutsche Presse ist in Bezug auf Ungarn auf dem Niveau eines Zeitungspraktikum bei einer Lokalredaktion der Rheinischen Post hängengeblieben. Selbst „die Zeit“ schreibt fast nur von anderen ab. Orbán wird auf dem Hintergrund dieser „Angriffe“ und Falschmeldungen von außen seine Theorien besser verkaufen können. Kik támadják Magyarországot és miért? Herr Kálnóky, könnten Sie nicht mal ein Buch über Ungarn für das deutsche Krimi-Publikum schreiben. Im Moment sind zwar nur Skandinavien Krimis in Mode,
    aber Gyurcsány und seine Horde würde den Stoff geben für eine tragikomische Postkommunisten-Seifenoper mit viel Lügen und Schleim. Aber vielleicht wäre auch nur ein seriöses Sachbuch angesagt.

  3. Ich fand den Beitrag auch erstaunlich. Auch mich stört es, wenn sich Leute wegen einem oder zwei Zeitungsartikeln einbilden sie wären aufgeklärt und dann Urteile fällen als entsprächen sie der Wahrheit letzter Schluss. Mehrnoch: ich denke das ist genau das was die Leute wollen, nämlich über andere Lästern. Das und das die eigene Geschichte relativieren wollen (weil ja jetzt auch andere genau so dämlich sind, macht das einen selbst weniger dämlich). Und ich denke, dass die Medien das mehr oder weniger wissen und das ausnutzen um höheren Absatz zu erzielen. Damit bauen sie Stereotype auf und spätestens hier betrifft es das ganze Land. Ich sehe die Staatsbürgerschaft als Privileg, aber sie fordert auch, dass man Verantwortung übernimmt und das man sich nötigenfalls für die Gemeinschaft die hinter dem Staat steht, einsetzt. Wenn als hier Vorurteile über den eigenen Staat, die eigene Gesellschaft aufgebaut werden, dann geht das auch jedes Mitglied der Gesellschaft an, also jedem Staatsbürger. Und natürlich kann man sich auch ohne Staatsbürgerschaft mit einer Gesellschaft identifizieren. Und hierin liegt auch die Erklärung dafür, weshalb sich so mancher Ungar auch persönlich durch die Berichterstattung und dem Umgang damit angegriffen fühlt. Denn längst dreht sich die Berichterstattung nicht mehr nur um Kritik an Orbán, stattdessen wird das ganze Land in Sippenhaft genommen.

    Was Demokratieverständnis angeht, so denke ich, dass ein Ungar einer Minderheit in den Nachbarländern (wie auch jeder andere Angehörige einer ethnischen Minderheit) davon mehr Ahnung haben dürfte als so mancher verwöhnter Wessi (nicht im Sinne Westdeutscher), der nie eine Diktatur erlebt hat und sich nie wirklich für seine eigenen Rechte hat einsetzen müssen. Auch ich bin in diesem Sinne ein Verwöhnter, nur stelle ich mich nicht hin und halte große Reden über Demokratieverständnis oder die demokratische Entwicklung des Menschen. Insofern dürfte auch eine Réka Kincses, offenbar Tochter des Anwalts von László Tökés, also Elöd Kincses, davon mehr verstehen als so mancher Möchtegern-Musterdemokrat.

  4. Natürlich ist es schön mal was zu lesen, was nicht schwarz-weiß ist, aber… Aber diese Schrift ist doch ein wenig oberflächlich, oder? Mir kommt es so vor, als wäre jemand aus einer eher gut-bürgerlichen Familie aus Siebenbürgen aus irgendeinem, mir unbekanntem, Grund nach Berlin geschickt, versetzt, verweht worden und dort geht sie halt in der doch sehr deutschen und liberalen Künstlerwelt auf. Die Sicht auf Ungarn ist doch ein wenig verzerrt. Die Identität auch…

  5. Aber vielleicht werden die Berichte über Ungarn Nebenwirkung haben:

    Die Österreicher haben mindestestens 90 mal ihre Verfassung geändert und Grundrechte werden in ihr nicht geregelt. Deswegen ist auch österreichische Kritik an der ung. Verfasungsänderung unglaubwürdig, sagt der ehemals Chefredakteur der ,Die Presse.
    (Eddig legalább kilencvenszer módosították, és az alapjogokat sem szabályozza az osztrák alkotmány. A Die Presse volt főszerkesztője szerint épp ezért hiteltelenek a magyar alkotmánymódosítás kapcsán megfogalmazott osztrák kritikák)

    Unter: http://mno.hu/ahirtvhirei/celpontban-az-infomonopolium-es-a-kettos-merce-1160269
    Für die, die ungarisch verstehen und keine Pickel bekommen, wenn sie MNO lesen :
    IM Lendvai und seine Vegangenheit ist auch angesprochen.

    • Ich komme gerade eben aus Ungarn zurück. Und werde in wenigen Wochen selbst wieder Leidtragender einer solchen rechtsstaatswidrigen österreichischen Regelung werden, die vom ÖVerfGH kassiert, dann aber pronto in die Verfassung aufgenommen wurde.

      Der Fahrer meines Autos 🙂 wurde nämlich heute Abend geblitzt. Zwischen Wien und Salzburg, auf der guten alten West-Autobahn. Für die man immer gerne Maut zahlt, einen Cent pro achsgefährdendem Schlagloch etwa…

      Und wenn man mich auf dem Foto nicht erkennt, wird man mich als Halter anschreiben und auffordern, den Fahrer zu benennen. Und wenn ich mich weigere, mich selbst oder meine Angehörigen zu belasten (was in einem Rechtsstaat, sogar in Ungarn, eine Selbstverständlichkeit ist!) und die Auskunft verweigere, bekomme ich als Halter meines Kfz die „Verwaltungsstrafe“. Deutschland hält dieses Gebaren für rechtsstaatswidrig, weshalb diese Art von Geldbußen trotz entsprechender EU-Vollstreckungsvorschriften nicht grenzüberschreitend durchgesetzt werden. Weshalb jeder, der Österreich nicht mehr durchkreuzt oder eben auf die alpenländischen Drohgebärden pfeift, weiter ruhig schlafen kann.

      Und Hannes Swoboda wagt es, zu behaupten, die österreichischen Verfassungsänderungen hätten nie Bürgerrechte beschränkt. Ich denke, der „nemo tenetur se ipsum accusare“ Grundsatz ist sehr bedeutsam. Vielleicht nicht in Ö, wo der olle Swoboda drüber befindet, was Bürgerrechte sind, aber wenigstens in D und in H…aber denken wir uns nix: Für Swoboda gehört auch der Gebrauch der eigenen Sprache nicht zum Grundrechtskatalog, wie er beim slowakischen Sprachengesetz unter Beweis gestellt hatte.

  6. „Es geht aber auch um Selbstzweifel und Fragen.

    Lesenswerte Gedanken. Gedanken ohne politisches Kalkül, ohne weltverbesserische Ansprüche, ohne einen Funken Überheblichkeit.“

    oh wie ich mir wünschen würde, diese worte wären des etwas öfteren auch die geleitenden dieses blogs…

    im falle einmal des gelingens, bereits jetzt ein ebenso herzliches

    Köszönöm szépen, hv!

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