Martin Schulz entschuldigt sich nicht, sondern fordert Zeitung zur Richtigstellung auf

Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, hat über seinen Sprecher Forderungen nach einer Entschuldigung gegenüber Ungarn zurückgewiesen. Schulz hatte ausweislich der belgischen Metro-Zeitung behauptet, Ungarn wolle „die Juden erfassen“. Ungarische Politiker der Regierungsparteien, u.a. Außenminister János Martonyi, bezeichneten die Aussage Schulz‘ als empörend und haltlos. Auch der LMP-Vorsitzende reagierte und bezeichnete den Vorwurf des Antisemitismus gegenüber Viktor Orbán als „Lüge“.

Schulz ließ ausrichten, das Blatt habe ihn falsch zitiert. Er habe nicht von Ungarn gesprochen, sondern lediglich auf die Aussage eines Jobbik-Politikers Bezug genommen.

Die ungarischen Sozialisten fanden in den von der Metro-Zeitung abgedruckten Worten Schulz‘ nichts anstößiges: Schulz habe sich lediglich unpräzise ausgedrückt. Forderungen nach der Erfassung der Juden habe es gegeben, Fidesz sei „aber derzeit“ nicht bereit, sie zu erfüllen.

http://mno.hu/hirtvkulfold/schulzek-azt-allitjak-felreertettek-az-ep-kepviselo-kijelenteset-1161741

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22 Kommentare zu “Martin Schulz entschuldigt sich nicht, sondern fordert Zeitung zur Richtigstellung auf

  1. Martin Schulz soll sich also entschuldigen, weil Metro ihn nicht richtig zitiert hat.
    Man kann sich nur wundern.

    • Boris Kálnoky trifft es über Twitter auf den Punkt: „Let’s have the tape!“

      Seit wann glaubt Karl Pfeifer eigentlich, Presseorgane würden falsch zitieren? Sie erinnern sich an den Windmühlenkampf, den Sie hier führten, als es um ein nachweisliches Falschzitat der FAZ oder um das Mediengesetz ging? Da vertraten Sie noch die These, was die FAZ schreibt, sei korrekt…:-)

      • Siehe das Ende von Karinthy Frigyes: Így írtok ti – Az elfogulatlan kritika

  2. Egal wie sich der Herr Schulz ausgedrückt hat, Fakt ist, dass nach der Forderung des Jobbik Vertreters nach der Erfassung der Juden das ungarische Parlament sich NICHT geschlossen von diesem Ansinnen distanziert hat und diesen Vertreter sogar geschlossen zum Rücktritt aufgefordert hätte. Daher muss man davon ausgehen, dass das ungarische Parlament als Ganzes antisemitischen Bewegungen gleichgültig gegenüber steht. Das Parlament die Volksvertretung, ergo, vertritt die Stimme des ungarischen Volkes in seiner Vielfalt. Da liegt der Herr Schulz doch richtig, oder?
    Vor den Judenprogromen wurden antisemitische Losungen gegrölt – von Einigen. Die Anderen waren gleichgültig. Das Ende war der Holocaust. Oder, Ihr Ungarn, hat es den nicht gegeben?

    • „Oder, Ihr Ungarn, hat es den nicht gegeben?“

      Dieser verbale Müll, der eigentlich eine Unterstellung beinhaltet (Holocaustleugnung), macht jede inhaltliche Antwort überflüssig. Toben Sie sich auf den zahlreichen Antifa-Portalen aus, Sie werden genug Gleichgesinnte finden, die Ihnen Beifall klatschen. Und Ihrer wackligen Argumentationskette.

  3. Die überlieferten Worte des Martin Schulz schließen nahtlos an die unerhörten Anschuldigungen von Reinhold Robbe, dem Vorsitzenden der deutsch-israelischen Gesellschaft an, der sich in der „Jüdischen Allgemeine“ zu folgender Aussage verstieg:

    „Der zunehmende staatliche Antisemitismus und die Missachtung von Menschenrechten in Ungarn sind nicht länger hinnehmbar. Nachdem sich mehr und mehr Juden – insbesondere religiöse und akademisch gebildete – in Ungarn von den staatlichen Organen und von rechtsextremen Gruppen bedroht fühlen und das Land verlassen, brauchen wir jetzt deutliche und harte Maßnahmen vonseiten der Europäischen Union und der einzelnen EU-Mitgliedern gegen das Regime von Victor Orbán.“

    Staatlicher Antisemitismus?? Bedrohung durch staatliche Organe??
    Herr Robbe, der auch Mitglied der SPD ist, macht sich lächerlich!

    http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15802

    Ist wohl Zufall, dass Robbe deutliche Worte von Martin Schulz -ebenfalls SPD – forderte. Die dieser nun wohl geliefert hat…

    Nein, wir befinden uns gaaar nicht im Wahlkampf. Nein, das alles sind keine Versuche deutscher Politiker, sich zum „Nulltarif“ auf Kosten eines EU-Mitgliedstaates zu profilieren. Nein, nein.

    • Mich regt es langsam maßlos auf, dass sich seltsame, wahrscheinlich vom Wind verwehte Personen, wie z.B. ein Reinhold Robbe für die ungarischen „Juden“ einsetzen. Wer ist eigentlich Reinhold Robbe? (Es tut mir leid, mir ist halt wichtig, WER das sagt, was er sagt, denn in Kenntnis der Person kann ich vielleicht den Inhalt besser nachvollziehen.) Nein, nicht alle Juden fühlen sich verfolgt und die das nicht tun werden überhört. Reinhold Robbe setzt sich für die Juden (oder auch nicht Juden) ein, die sich während des kommunistischen/sozialistischen Systems ein Privileg, des öfteren mit ähnlich schmutzigen Methoden wie in anderen Diktaturen, ergattert haben und diese jetzt in Gefahr sehen. Das hat gar nichts mit Judentum zu tun. Ich habe Reinhold Robbe geschrieben und um Korrektur gebeten, denn ich bin das Kind eines Juden, der Holocaust-Opfer war. Sein Bericht fand ich unerhört, aber er fand mein Schreiben einfach nicht beachtenswert. So viel über die Sensibilität des Reinhold Robbe.

  4. Herr HV in letzter Zeit bezeichnen Sie gerne andere als Lügner, ohne die bestimmten Passagen explizit aufzuführen.

    „Auch der LMP-Vorsitzende reagierte und bezeichnete den Vorwurf des Antisemitismus gegenüber Viktor Orbán als “Lüge”.“

    Dies möchte ich in diesem Fall nachholen, da ja bei Ihnen immer nur die Anderen lügen. Schiffer said: „that Schulz had confused an earlier scandalous comment by a lawmaker of the radical nationalist Jobbik party with Hungary as a whole.“, he lied, konnte ich als Wort nicht entdecken, oder ist das auch eine Lüge?

    • Ein einziger Klick auf den Link am Ende des Beitrags beantwortet Ihre Frage. Sehen Sie sich das Video an, dort kommt Schiffer ab ca. 2:00 min. zu Wort. Er sagt:

      „Ide keverni az antiszemitizmus vádját, az egyszerüen hazugság.“

      „Hier den Vorwurf des Antisemitismus zu erheben, ist schlicht und einfach eine Lüge.“

      Anders als Sie habe ich übrigens die Quelle verlinkt.

    • Mit der Lüge ist das so eine Sache. Z.B. kennt Don K. den kugelfuhr nicht.
      Aber es gibt ja die von Prof. Dr. Peter Stiegnitz begründete Lehre von der Lüge,
      die MENTIOLOGIE.
      Siehe auch:
      http://www.erdeijanos.com/PL_2009_14_epaper.pdf
      http://www.kas.de/wf/doc/kas_11916-1522-1-30.pdf?080415125214
      Im Impressum auf Seite 6 lesen wir, wer im Büro in Wien arbeitete.
      Ersterer hat den Professor offenbar nicht richtig verstanden, aber lügen kann er wie gedruckt.

  5. Martin Schulz soll gegenüber dem einstigen Zentralorgan der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP) über die Hassfigur der

    o Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken / Nordische Grüne Linken
    o Fraktion der Grünen / Europäische Freie Allianz (GRÜNE/EFA)
    o Fraktion der Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE)
    o Fraktion der Progressiven Allianz der Sozialisten & Demokraten im Europäischen Parlament (S&D)

    erklärt haben: „Viktor Orbán ist ein talentierter Politiker, der die besondere Fähigkeit besitzt, Dinge um sich herum aufzublasen, wenn er unangenehmen Fragen ausweichen will. […] Ich erkenne Obáns Fähigkeiten als Politiker und Parteivorsitzender an, aber von Zeit zu Zeit müsste er sich wie ein Staatsmann verhalten.“

    Der Aufstieg des Schulabbrechers und Ex-Bürgermeisters von Würselen zum Vizevorsitzenden der Sozialistischen Internationale ist bis auf die großen deutschen Staatsmänner Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Erich Honecker und Joseph Martin Fischer, die allesamt unter Beweis gestellt haben, dass „vom Bildungswesen nicht erreichte Personen“ wahre staatsmännische Größe auch ohne Reifezeugnis zeigen können, beispiellos.

    (Gottseidank komme ich bei Schulz auch ohne Dritte-Reich-Relativierung aus. Er hat das Broichweidener Heilig-Geist-Gymnasium nach neun Jahren ohne Angabe von Gründen und ohne Abitur verlassen. Die beiden lassen sich wirklich nicht vergleichen.)

    Große Staatsmänner – große Vorbilder!

    Der Potentat hier war mit Stöckelschuhen noch größer.

    Bis die Arabellion ausbrach.

    Ich will nicht boshaft sein, Martins Vize fand heute in Strasbourg beschwichtigende Worte: Nach dem EU-Austritt Großbritanniens wird es Europa noch genauso geben, wie die Britischen Inseln, wenn Schottland seine Unabhängigkeit wiedererlangt.*

    Das lässt auf einen europäischen Frühling hoffen.

    Ohne IKEA-Parlament und ohne den röhrenden Elch Martin.

    *Rainer Wieland habe ich heute so missverstanden.

  6. Sehr geehrter Herr Kalnoky,
    Sie brauchen sich nicht die Mühe zu machen das ganze Tape anzuhören. hier der Stein des Anstoßes, so to speak, bzw. Die Passage aus einem Redeteil in dem Herr Schulz seine Sorge über eine zunehmende Anzahl von antisemitischen Äußerungen in der EU zum Ausdruck brachte: „in Ungarn forderte der (stellv) Chef einer Partei, die im Parlament vertreten ist, man müsse Abgeordnete, die Ungarn und Juden zugleich sind auflisten“. Daraus machte die belgische Gratiszeitung Métro “ La Hongrie veut compter les Juifs“ also Ungarn will Juden zählen. Nicht gerade sorgfältiger Journalismus, aber das kommt ja nicht nur bei Gratiszeitungen vor.
    Ich überlasse es Ihrem Urteilsvermögen wer sich hier für was zu entschuldigen hat…
    Im Übrigen wird Herr Schulz keine Mühen scheuen auch in der Zukunft gegen antisemitische Vorfälle egal wo sie auftreten, anzugehen

    MFG Armin Machmer
    (Sprecher Martin Schulz)

  7. …“in Ungarn forderte der (stellv) Chef einer Partei, die im Parlament vertreten ist, man müsse Abgeordnete, die Ungarn und Juden zugleich sind auflisten”. ..
    Ich meine vor einiger Zeit gelesen zu haben, dass es wegen eventueller Loyalitäts- oder Interessenkonflikte um eine Auflistung von Abgeordneten mit ungarischer und israelischer Doppelstaatsbürgerschaft ging.
    Leider finde ich die Quelle nicht mehr.

    • Das ist richtig. So eine Initiative gab’s im ungarischen Parlament schon mal von rechtsaußen. Es haben zwar nicht alle Abgeordnete mitgemacht, aber doch einige, und peinlicherweise kam raus, dass es wohl keinen einzigen ungarisch-israelischen Doppelbürger im Parlament gibt (wäre auch erstaunlich), dafür aber einige ungarisch-rumänische. Aber die sind natürlich alle automatisch auf Seite der Guten – obwohl Rumänien doch bei Jobbik fast genauso beliebt ist wie Israel… Ach, lassen wir das, der Schwachsinn ist offensichtlich.

  8. Ein sehenswertes Gespräch mit András Schiffer (Parteichef der ungarischen Grünen LMP und scharfer Kritiker der Orbán-Regierung)

    Zwischen 5:40-10:10 spricht er über die gegen die Regierung in der ausländischen Presse erhobenen Antisemitismus-Vorwürfe. Er schließt mit den Sätzen:
    „A tűzzel játszik az, aki ezeket az indulatokat gerjeszti, mert az itt élő, ennek a 10 millió embernek a társadalmi békéjét bontja meg. Tehát azok, akik kívülről, ennek az országnak a történelmét, történelmi traumáit nem ismerve sommás véleményeket alkotnak, azok ennek az országnak a társadalmi együttélésével játszanak.”
    Sinngemäß: ungerechtfertigte Antisemitismus-Vorwürfe sind ein Spiel mit dem Feuer, sind Gefahr für den gesellschaftlichen Frieden im Land.

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