Spiegel: Laut Keno Verseck wirft Ungarns Ministerpräsident Angela Merkel „Nazi-Methoden“ vor

Keno Verseck über den angeblichen Nazi-Vergleich des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-premier-orban-wirft-merkel-nazi-methoden-vor-a-900756.html

Was war geschehen?

Vor einigen Tagen trafen sich zwei im Wahlkampf befindliche deutsche Spitzenpolitiker beim WDR-Europaforum. Die Namen: Angela Merkel, Bundeskanzlerin, und Peer Steinbrück, der Bundeskanzler werden will. Eines der Themen: Ungarn.

Warum denn das? Weil die SPD das mitteleuropäische Land und seinen Ministerpräsidenten als Profilierungs-Vehikel entdeckt hat. Wie schon Martin Schulz (Präsident des EU-Parlaments) und andere Sozialdemokraten beweisen durften, die zu oft mit wenig Landeskunde, aber umso größerer Wortgewalt glänzten.

Steinbrück brachte in der Diskussion das Thema „Ausschluss Ungarns aus der EU“ auf. Merkel reagierte mit den Worten: “Man muss ja nicht immer die Kavallerie schicken”, eine Bezugnahme auf einstige Worte des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück gegenüber dem Ausland, als ihm die dortige Steuerpolitik nicht passte.

„Mutti“, wie Merkel im Inland genannt wird, wollte immerhin diese Kavallerie nicht, stattdessen lieber „Ungarn auf den richtigen Weg bringen“, das gehe nur, wenn Ungarn in der EU sei. Jovial, wahrlich, aber nicht frei von deutscher Arroganz. Würde man wohl auch Frankreich „auf den richtigen Weg bringen“ wollen, wenn dort Dinge geschehen, die zu hinterfragen sind?

Orbán, gewohnt undiplomatisch und ruppig und ebenfalls im Dauerwahlkampf, reagierte auf die wilhelminischen Worte Merkels (und Steinbrücks), indem er darauf verwies, man sollte bitte keine deutsche Kavallerie senden, das habe Deutschland schon einmal getan, und zwar in Form von Panzern. Man kann über den Scherz lachen oder nicht, er war zweifellos eine Reaktion auf die Worte zweier deutscher Politiker, die unter gewissem Profilierungsdruck stehen, und keinerlei inhaltliche Bewertung deutscher Tagespolitik. Also auch keine Spur des Vorwurfs von „Nazi-Methoden“, den Verseck wohl deshalb erwähnt, weil man dadurch die aufgeklärten Und geschichtsbewussten Spiegel-Leser am einfachsten auf die Palme bringen kann („Was?? Dieser Faschist Orbán wagt es, uns Deutsche zu belehren?“).

Orbáns Reaktion auf das Gespräch zweier im Wahlkampf befindlicher bundesdeutscher Politiker mag undiplomatisch gewesen sein. Man sollte aber nicht vergessen, dass einer von ihnen den Ausschluss Ungarns aus der EU ins Spiel brachte, um sich zu profilieren, und die andere sagte, man dürfe „den Einfluss“ auf Ungarn nicht verlieren. Orbán hätte diese Texte ignorieren können, es wäre aber nicht seine Art. Schon gar nicht in Zeiten, in denen aus Deutschland Stimmen erklingen, die seiner Regierung „staatlichen Antisemitismus“ und das „Zählen von Juden“ vorwerfen. Denn der ungarische Premier gewinnt Wahlen eben auch mit dem Argument, Ungarn werde vom Ausland herumgeschubst. Und wird das, dank solcher Äußerungen, weiterhin mit Erfolg tun.

Merkel und Steinbrück haben dem ungarischen Premier, wenn man so will, gerade wieder einen Stimmenzuwachs beschert. Und auch Keno Verseck tut das seine, indem er Beiträge verfasst, die in ungarischen Regierungsmedien genüsslich wiedergekäut werden. Es muss schlimm für die Anti-Orbán-Netzwerke sein, zu sehen, dass die alte Strategie nicht mehr funktioniert. „Die Kavallerie“ müsste sich also strategisch neu aufstellen, hat es aber noch nicht begriffen.

Merkel hat immerhin die Parteifreundschaft mit Fidesz als Rechtfertigung für Wahlkampfhilfe. Welche Steinbrück und Verseck haben, muss mir noch einer erklären. Oder geht es gar nicht um Ungarn, sondern um deutsche Innenpolitik?

5 Kommentare zu “Spiegel: Laut Keno Verseck wirft Ungarns Ministerpräsident Angela Merkel „Nazi-Methoden“ vor

  1. Pingback: Boris Kálnoky über einen Sturm im Wasserglas | Hungarian Voice - Ungarn News Blog

  2. 2013. május 17.
    A Kossuth Rádió 180 perc című műsorában Kiss Gábor István beszélgetett Orbán Viktorral.

    Részlet:

    Kiss Gábor István: – És mit szól ahhoz egyébként, hogy például Németországban is kampánytéma a magyar belpolitikai helyzet? Most legutóbb éppen Angela Merkelt kérdezték arról, hogy lovasságot kell-e küldeni – szó szerint ez volt a kérdés – Magyarország ellen, vagy sem.

    Orbán: Küldtek már…

    Kiss Gábor István: Bocsánat… és baloldali politikusok ugyanezt kérdezték.

    Orbán: – Bocsánat… csakhogy tisztázzuk a dolgot: a németek küldtek már lovasságot Magyarországra. Tankok formájában jöttek. Ne küldjenek, az a kérésünk. Nem volt jó ötlet, nem vált be.

    Die Übersetzung:

    17. Mai 2013
    In der Sendung des Rádió Kossuth, 180 Minuten, sprach István Kiss Gábor mit Viktor Orbán:

    Ein Auszug:

    Kiss Gábor: „Und was sagen Sie im Übrigen dazu, dass beispielsweise in Deutschland die ungarische Innenpolitik zum Wahlkampfthema wurde? Neulich wurde gerade Angela Merkel darüber gefragt, ob man eine Kavallerie gegen Ungarn – schicken soll oder nicht – die Frage war wörtlich diese.

    Orbán: Sie haben bereits geschickt…

    Kiss Gábor: Verzeihung…, auch linksorientierte Politiker haben das Gleiche gefragt.

    Orbán: „Verzeihung, nur das wir das klar stellen: die Deutschen haben bereits Kavallerie nach Ungarn geschickt. Diese kamen in der Form von Panzern. Unsere Bitte ist es, keine zu schicken. Es war (schon damals) keine gute Idee, es hat sich nicht bewährt.“

    Das ganze Interview ist nachzulesen (in Ungarisch) unter:

    http://orbanviktor.hu/interju/beremeles_a_haziorvosoknak_es_a_tanaroknak

    und die Audioaufzeichnung nachzuhören (ebenfalls in Ungarisch) – eingebettet unter:

    http://orbanviktor.hu/cikk/beremeles_a_haziorvosoknak_es_a_tanaroknak

    oder die ganze Sendung unter:

    http://hangtar.radio.hu/kossuth#!#2013-05-17

    Ich denke, erst wenn man das gelesen und gehört hat, verlieren alle in Deutsch verfassten geschriebenen, gesagten Medienaussagen, die übertriebenen Schlagzeilen in den Zeitungen, ihren Wahrheitsgehalt. Allerdings wundert mich, dass auch das politische Deutschland auf die Berichterstattung (beispielsweise von dpa-Korrespondenten Gregor Mayer, oder des ARD-Korrespondenten Stephan Ozsváth) immer wieder herein fällt, ohne die tatsächlichen Aussagen, in diesem Fall von Ministerpräsident Viktor Orbán, zumindest durch diplomatische Kanäle (wofür haben wir denn Auslandsvertretungen beispielsweise in Budapest?) zu verifizieren. Und warum wird die ausgewogene Berichterstattung von Boris Kálnoky oder die äußerst präzise Meldungen von Stephan Löwenstein auch von deutschen Politikern einfach ignoriert? Ministerpräsident Orbán hat im Übrigen in der besagten Sendung auch auf wichtige ungarischen innenpolitischen Fakten und Entwicklungen hingewiesen, die sowohl die europäischen als auch die deutschen Politiker mit Sicherheit interessieren könnten, darüber hat jedoch kaum einer der Korrespondenten berichtet. Schade eigentlich…

  3. Orbán nem nácizta le Merkelt / Orbán bezeichnete Merkel nicht als Nazist

    „Prőhle Gergely, a Külügyminisztérium helyettes államtitkára szerint téves a Spiegel Online azon állítása, amely szerint a magyar kormányfő náci módszereket tulajdonított volna a német kancellárnak. Több jobb- és baloldali politikus is kritizálta hétfőn Orbán Viktort a pénzteki német tankos kijelentése miatt. A magyar helyettes államtitkár szerint szó sincs arról, hogy Orbán náci módszerekkel vádolta volna Angela Merkelt.“

    Auf Deutsch:

    „Nach Auffassung von Gergely Pröhle, stellvertretendem Staatssekretär im Außenministerium ist die Behauptung von Spiegel Online falsch, wonach der ungarische Regierungschef Nazimethoden der deutschen Kanzlerin beigemessen hätte. Mehrere rechts- und linksorientierte Politiker kritisierten am Montag Viktor Orbán wegen seiner Äußerung vom Freitag im Hinblick auf deutsche Panzer. Nach der Auffassung des ungarischen stellvertretenden Staatssekretärs ist überhaupt nicht die Rede davon, dass Orbán Angela Merkel mit nazistischen Methoden beschuldigt hätte.“

    Der komplette Artikel und die Quelle unter:
    http://www.origo.hu/itthon/20130520-orban-viktor-nem-nacizta-le-angela-merkelt.html

    Steht nicht schon in der Bibel geschrieben: ‚Wer Ohren hat, höre‘ ?!

  4. Auch schlimm: Mütter müssen sich jetzt Merkel-Vergleiche anhören („Mutti“)! 😉

    Ernsthaft: Die Sächsische Zeitung hat heute den Artikel des Herrn Mayer veröffentlicht – und der Osten (na zumindest dessen kulturelles Zentrum Sachsen ;)) verdummt weiter.

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