Boris Kálnoky über einen Sturm im Wasserglas

Boris Kálnoky befasst sich in der WELT mit der – insbesondere von Spiegel-Online-Autor Keno Verseck erhobenen – Behauptung, der ungarische Ministerpräsident habe Kanzlerin Angela Merkel „Nazi-Methoden“ vorgeworfen. Ein Sturm im Wasserglas, wie Kálnoky resümiert.

Anders als Verseck stellt Kálnoky in seiner Analyse auf Fakten ab und stellt fest, die Worte Orbáns, man möge „keine Kavallerie senden“, hätten sich nicht an Merkel, sondern an den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück gerichtet, der diese Worte einst als Finanzminister geprägt hat. Und mehr noch: Dass der Vorwurf, Orbán habe Merkel „Nazi-Methoden“ unterstellt, durch Fakten nicht zu untermauern ist.

http://www.welt.de/politik/ausland/article116345279/Viktor-Orban-verbittet-sich-deutsche-Einmischung.html

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38 Kommentare zu “Boris Kálnoky über einen Sturm im Wasserglas

  1. Der deutsche Aussenminister sieht es anders

    „Die Deutschen haben schon einmal Panzer geschickt“: Ungarns umstrittener Premier sorgt mit seinem Nazi-Vergleich für große Verärgerung. Außenminister Westerwelle kritisiert Viktor Orbán und spricht von einer Entgleisung.

    Budapest/Belgrad – Die Äußerung des ungarischen Regierungchef Viktor Orbán sorgt in Deutschland für heftige Reaktionen. Der umstrittene Premier hatte die Politik Angela Merkels gegenüber Ungarn mit der von Hitler angeordneten Besetzung des Landes 1944 durch deutsche Truppen verglichen. Auch Guido Westerwelle ist über die Anspielung alles andere als begeistert. Der Bundesaußenminister kritisierte Orbáns Erklärung scharf.

    „Das ist eine bedauerliche Entgleisung, die wir klar zurückweisen“, erklärte der FDP-Politiker am Montag am Rande eines Besuchs in der serbischen Hauptstadt Belgrad.

    Mehr dazu auf Spiegel

      • HV ja auch Westerwelle begeht den Fehler HV nicht als zuverlässige Quelle für Nachrichten aus Ungarn zu betrachten. (Ironie!)

      • Westerwelle ist momentan auf Landnahme auf dem Balkan. Er weiß es wohl noch nicht. Aber Stephan Löwenstein hat es auf den Punkt gebracht: http://www.faz.net/

        Mitnichten würde Orbán „sachliche Kritik an seiner Regierung ernst nehmen“
        Löwenstein weiter, „Die „momentanen Streitigkeiten“ zwischen Brüssel und Ungarn seien nicht auf tatsächliche demokratiepolitische Bedenken zurückzuführen, sondern bloß auf das Lobbying internationaler Konzerne, denen seine Regierung mit Steuern und Regulierungen wehgetan habe.“

        Wer da keinen Drehwurm kriegt! Ich meine, wer von der Sachlichkeit der Argumente gegen Ungarn keinen Drehwurm kriegt, der hat schon einen.

  2. Focus online teilt auch nicht die Meinung von Boris Kálnoky und von HV
    International Orban brüskiert Deutschland mit Nazi-Vergleich
    Montag, 20.05.2013, 13:59

  3. Aus die Verhunzung meines Namens reagierten Sie nicht. Wollen Sie den deutschsprachigen Lesern zeigen wie Andersdenkende vom vorgeblich konservativen Lager in Ungarn behandelt werden? Oder posten Sie gelegentlich als P.H.?

      • Herr Pfeifer, ist das jetzt ein antimagyarischer Code? Nein, ehrlich: ich find Ihren Kommentar hart an der Grenze zum Antimagyarismus. Sie müssen den Turul nicht mögen, aber für manche – auch nicht-Nazis – ist er nun mal Teil der nationalen Symbolik. Den Bundesadler nennt hier auch niemand Krähe.

    • In welches Lager gehöre ich?

      Ihre Wertungen in Ehren, Herr Pfeifer, aber versuchen Sie sich doch einfach nur mal frei zu machen, von dem Wahn, es gäbe eine Verschwörung gegen die fortschrittlichen Kräfte, die sich für Demokratie und Menschenrechte in Ungarn einsetzen!

      Apropos, wer ist eigentlich P.H.? Ich signiere meine Beiträge immer mit Peter Herche, damit Sie vorgewarnt sind.

    • Ich schätze Ihre Beiträge Herr Pfeiffer und auch Ihre Standhaftigkeit hier.

      Was SPON oder Focus anbelangt bin ich jedoch ausgesprochen kritisch und versuche immer noch andere Informationsquellen zu bekommen.

      • Herr Richter! Pfeifen mit Doppel-F gibt es doch nur in ‚gepfiffen‘.

        Ich seh das so: Steinbrück hat im ersten Zug Attacke auf Merkel gepfiffen. Die hat den Spieß einfach umgedreht und Steinbrücks Kavallerie ins Gefecht gerufen. Orbán machte sich darüber lustig und löste den Furor Teutonicus aus.

        Florian Gathmann hat das schön zusammengefasst:

        „Westerwelle reagiert empört, SPD und Grüne fordern klare Worte der Kanzlerin gegenüber Budapest.“

        Vereint gegen Orbán? Merkel steht im Schach!
        http://www.spiegel.de/politik/deutschland/deutsche-reaktionen-auf-nazi-vergleich-von-ungarns-premier-orban-a-900831.html

        Off-Topic: Warum Herr Karl Pfeifer es für eine Verhunzung seines Namens hält, wenn ihm ein Affix zugesetzt wird, kann ich mir nicht erklären. So ein Diminutivaffix dient doch nur der grammatischen Verkleinerung. Seine Tapferkeit vor dem Feind wird doch nicht durch einen Suffix geschmälert. Und überhaupt, die Affigierung ist nur eine von mehreren möglichen Verkleinerungsformen. Der Diminutiv kann auch durch Weglassung ausgedrückt werden. Weil das so ist, müsste sich die Stimme Ungarns ja ständig von KP herabgesetzt fühlen. Hungarian Voice, warum lassen Sie sich eigentlich von allen diminuieren?

      • Martin Schulz, der vor einigen Tagen mit der Behauptung „Ungarn will die Juden zählen“ zitiert wurde, erklärt heute, dass Merkel ihre Bemerkung von der „Kavallerie“ ironisch gemeint habe. Aber Orbán habe das nicht verstanden.

        Aha, wir brauchen Herrn Schulz also nicht nur, um uns Ironie zu erklären, sondern auch, um uns den Beweis zu liefern, dass Orbán Ironie nicht kapiere.

        Oder ist es vielleicht Schulz, der Ironie nicht versteht, weil er sie außerhalb Deutschlands für nicht existent erachtet? Ich komme aus dem Grinsen nicht mehr raus. 🙂

        Was bleibt, wenn der Rauch verzogen sein wird? Ein plumper Versuch der SPD, Merkel vorzuführen. Und weil der verpufft ist, spielt man sich als Verteidiger der deutschen Ehre auf. Der Wahlkampf kann interessant werden.

    • Herr Pfeifer, Sie sind nicht Andersdenkend, jedenfall nicht im deutschsprachigen Raum. Andersdenkend sind die, deren Meinung nicht der der Mehrheit entspricht. Sie aber sind Teil derjenigen, die in Deutschland die Meinung vorgeben.

    • Mehr als peinlich.
      Weil Deutsche Panzer in Afghanistan eingesetzt werden.

      und auf dem Balkan rollen

      und einem Spiegel-Bericht zufolge unter Verweis auf die strikte Geheimhaltung auch 200 neue Panzer des Typs »2A7+«, einer aufgerüsteten Variante des »Leopard 2«nach Saudi-Arabien geliefert werden?

      Ich fand Westerwelle schon immer toll. Aber es wird immer toller.

      • Offenbar sind Sie kein Mitglied der FDP, Herr Herche. Dort findet man Westerwelle nämlich nicht mehr so toll wie früher. Aber vielleicht steigt seine Popularität ja durch die prompte Verteidigung der deutschen Ehre wieder. Nachdem sich Graf Lambsdorff schon sehr fachkundig zur Verfassungsreform geäußert hatte, fährt Westerwelle jetzt das „Projekt 18“ über die Zurechtweisung Orbáns bis September sicher heim.

        Zu wünschen wär’s ihm, ich fand ihn zwar nie toll, aber immer lustig. Gerade beim politischen Aschermittwoch.

  4. Wenn man die Artikel und Leserkommentare in der deutschen Presse über Orbáns Reaktion liest, fällt auf, dass ziemlich alle davon ausgehen, dass in Ungarn das Kavallerie-Zitat von Steinbrück bekannt ist. Ich halte das eher für unwahrscheinlich und kann mir sehr gut vorstellen, dass das Kavallerie-Zitat sogar für Orbán und seine Berater unbekannt war. Ohne diese Vorkenntnisse ist die ironische Bemerkung von Merkel nicht zu verstehen. Wenn die Vorgeschichte nicht bekannt ist, dann wirkt es wirklich seltsam, dass die deutsche Kanzlerin über den Einsatz oder Nichteinsatz von Kavallerie sinniert, „um Ungarn auf den richtigen Weg zu bringen”. Die Bemerkung über den Einsatz der Kavallerie hat im Falle von Ungarn im Gegensatz zur Schweiz tatsächlich eine historisch bedingte Brisanz. Orbáns Antwort ist die Anspielung auf diese Brisanz.

    • Wie auch immer es zu Orbáns Bemerkungen kam, eines ist sicher: ein wichtiges Anliegen der Anti-Orbán Propagandisten ist, zwischen die christdemokratischen Parteien in Westeuropa und Fidesz einen Keil zu treiben. Die Chance, die die Kavallerie-Geschichte liefert, wird maximal ausgenutzt, nun wird zum Großangriff geblasen. Die deutschen Medien machen grob fahrlässig oder vorsätzlich mit. Ausnahmen sind ein ausgezeichneter Artikel in der FAZ („Schon wieder die Kavallerie“) und „Sturm im Wasserglas“ in der Welt.

    • Sprechen wir doch einfach mal Klartext. Orbán ist schon seit Jahren Zielscheibe einer nicht enden wollenden Medienkampagne. Keinem der Akteure geht es um die „Wahrheit“. Die Ziele der Schmutzkampagne gegen Orbán, die sich zusehends zu einer politischen Hetzkampagne gegen Ungarn ausweitet, sind nicht mehr nur Rufschädigung und Verleumdung eines Politikers, sondern die Durchsetzung von Strafmaßnahmen gegen ein ganzes Land, durch die von Außen der politische Umbruch erzwungen werden soll. Durch die Lancierung falscher oder verfälschter Informationen wird die öffentliche Meinung auf diesen politischen Umsturz in Ungarn vorbereitet.
      Die abgetakelten und vom ungarischen Volk 2010 abgewählten Reformkommunisten und Möchtegern-Liberalen setzen die Massenmedien dafür als Werkzeug ein.
      Es gilt, die Netzwerke der Strohmänner und ihrer Hintermänner aufzudecken.

      Sicherlich wirkt es cool, auf Drohungen mit Ironie zu antworten.
      Aber sie bringen das Fass zum Überlaufen.

      • Genau so ist es!!!!! Wir müssen zumindest unter unseren bekannten und freunden die WAHRHEIT verbreiten und die Lügner enttarnen!! In der Geschickte wurde HINTERHER so oft gesagt worden „wir haben es nicht gewußt“ „wir haben es nicht ernst genommen“

  5. Ich als Deutscher, der sich im Moment gerade mal wieder in Ungarn aufhält, meint nur noch:
    Müssten die Deutschen unter von MSZP gemachten Verhältnissen leben, würden in D schon wieder die Nazi-Stiefel marschieren. Steinbrück in die Tonne der SPD Geschichte!
    Wählt Links – dann kommt Rechts.

    • Lieber Herr Herche, keine Aufforderung, sondern manchmal, wie im Fall von Ungarn, die Ironie der Geschichte.
      Glauben Sie, dass Jobbik ohne die MSZP-SZDSZ Jahre und deren Beinahe-Staatsbankrott so stark geworden wäre?

      • Sehr geehrtes Eichhörnchen!
        Ich weiß nicht, was es ohne die in Sozialisten umgetauften und vom Westen zu Liberalen hochgejubelten Kommunisten heute in Ungarn gäbe.

        Ich sehe Ungarn seit 1978 mit offenen Augen.

        Und ich höre, was die Leute sagen.

        László Kasza z.B. hat neulich auf dem Fernsehsender atv gesagt, Haraszti wäre auf dem KPI Parteitag in Florenz gewesen. 1969!

        Damit hat er meine Neugier geweckt. Ich wusste nämlich gar nicht, dass die Italienische Kommunistische Partei 1969 in Florenz für Haraszti einen geheimen Parteitag gehalten hat.
        Kasza behauptet sogar, dass Enrico Berlinguer 1969 schon an der Spitze der Italienischen Kommunisten stand. Generalsekretär wurde er doch erst später“

        Egal, wie es war, interessant ist nur, was die Eichhörnchen heute so alles erzählen.
        Den Rest kann sich jeder zusammenreimen. Wenn er es kann.

        Weil, ich zitiere der der Einfachheit halber Herrn Kálnoky:
        „ Öffentlichkeit war geschaffen worden, man musste gesehen werden, durch ständiges Wiederholen und auch Marktmacht war die Lüge wahr geworden“.
        Wer genau hinsieht und hinhört, der lernt schnell die Lüge von der Wahrheit zu trennen.

        Preisfrage: Wann und wo erklärte Miklós Haraszti:
        „aki 56-ról beszél, az nem szól hitelesen, ha nem azt mondja, hogy Magyarországon forradalom volt.”

  6. Na, ich als belämmerter Sachse, denk mir mal ganz unschuldig:Orban hat das sicher scherzhaft gemeint.
    denn wenn man dem Stern glauben darf, ist ja der Genosse Steinbrück auch ein kleiner Scherzkeks
    „Im Steuerstreit mit der Schweiz hatte er 2009 im Scherz damit gedroht, die Kavallerie gegen das Alpenland in Stellung zu bringen…“
    So, so im Scherz.
    Kommt eben doch wohl immer darauf an wer sich äußert.

  7. Wie wäre es, wenn wir mal nachlesen, was zumindest die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel beim WDR-Europaforum „Deutschland für Europa – Europa stark machen“ in Bezug auf Ungarn und Ministerpräsident Orbán tatsächlich gesagt hat:

    Der Auszug bezieht sich auf die Aussagen zum Thema Ungarn:

    Schönenborn: Auf das Wachstum wollen wir gleich zu sprechen kommen. Ich will noch einmal die politische Linie weiter verfolgen. Die Basis von allem ist ein gemeinsames Verständnis von Werten, von Grundregeln. In Ungarn gibt es, was die Unabhängigkeit der Justiz angeht, Entwicklungen, die sehr ernsthafte Bedenken auslösen. Was ist die Antwort an die ungarische Regierung?

    BK’in Merkel: Die Antwort ist – die hat die Europäische Kommission auch schon in aller Klarheit gegeben, und darin unterstütze ich José Manuel Barroso und die Kommission auch -, dass dort, wo die Gesetze oder Verfassungsänderungen nicht in Einklang mit den europäischen Verträgen stehen, eben auch Veränderungen vorgenommen werden müssen. Ich habe mit meinem Kollegen Viktor Orbán des Öfteren darüber gesprochen. Er hat mir immer wieder versichert, dass die europäische Kritik ernst genommen wird, und darauf werden wir achten, auch innerhalb unserer Parteienfamilie.

    Deppendorf: Herr Steinbrück hat heute Morgen hier gesagt, im Zweifel müsste man dann, wenn nichts geschieht, Ungarn ausschließen. Teilen Sie diese Meinung auch?

    BK’in Merkel: Nun muss man ja nicht immer gleich die Kavallerie schicken, könnte ich sagen. Ich würde also erst einmal sagen: Im Zweifel muss man erst einmal miteinander reden und die Gesetze in Ungarn ändern. Ungarn hat uns im Zusammenhang mit der deutschen Einheit sehr geholfen. Das werden wir den Ungarn nie vergessen. Auf der anderen Seite gibt es keinen Vorwand. Wenn man Zweifel hat, ob dort vielleicht antisemitische Tendenzen oder anderes Raum greifen, dann muss man das offene Wort wählen, und das sind wir auch untereinander gewohnt. Aber ich glaube, dass wir alles tun müssen, um unsere ungarischen Freunde auf einen richtigen Weg zu bringen und nicht davon auszugehen, dass wir sie ausschließen. Dann hätten wir ja gar keinen Einfluss mehr auf sie.

    Aber ich bin jetzt auf Ihre Zitation angewiesen. Nachher hat er es gar nicht gesagt!

    Deppendorf: Nein, er hat es gesagt. Man merkt die Vorsicht!

    BK’in Merkel: Das geht dann so: Merkel sagt zu, und – – –

    Schönenborn: Genau so arbeiten wir hier!

    Ein weiterer Auszug, wo es auch um das Thema Ungarn geht:

    BK’in Merkel: … Wir sagen immer: Die Nationalstaaten sind die Herren der Verträge oder die Damen der Verträge – das ist egal. Der Staat ist eben der Herr.

    Wenn man sich zur repräsentativen Demokratie bekennt, werden die Kompetenzen durch die demokratisch gewählten Institutionen übertragen. In dem Moment, wo ich der Europäischen Kommission zum Beispiel die Vollmacht gemäß dem Motto gebe „Du hast die Kompetenz, für mich Freihandelsabkommen zu verhandeln“ – das muss ich dann immer noch national ratifizieren -, habe ich natürlich meine Kompetenz ein Stück abgegeben. Dann ist aber wieder das Europäische Parlament der demokratische Kontrolleur, und da sitzen ja auch wieder Österreicher drin. Das heißt, wenn man sich dann nicht ausreichend beachtet fühlt, bekennt man sich im Grunde nicht zu Europa.

    Schönenborn: Im Grunde ist der Rat also ohnmächtig.

    BK’in Merkel: Der Rat ist nicht ohnmächtig. Ich bitte Sie! Aber der Rat ist verpflichtet, so wie ich in der Bundesregierung verpflichtet bin, immer wieder die Zustimmung aller nationalen Parlamente zu bekommen. In manchen Ländern ist es sogar so, dass jedes Mal noch die Zustimmung durch ein Referendum eingeholt werden muss. Das hat ja jedes Land für sich extra geregelt. Der Rat muss seine Arbeit machen. Er hat zum Beispiel ein Budget für die nächsten sechs Jahre vorgeschlagen. Dann muss er in das Parlament gehen und mit dem Parlament gemeinsam eine Lösung finden. Vorher muss ich natürlich von meinem Finanzminister, von der Bundesregierung, von meinem Haushaltsausschuss überhaupt die Erlaubnis haben, einen solchen Haushalt abzuschließen. Das heißt, wir leben doch nicht im luftleeren Raum. Insofern ist der Rat ein Organ, Kompromisse zu finden. Dazu sind wir verpflichtet.

    Vielleicht darf ich an der Stelle auch noch einmal sagen: Wir haben uns fast 24 Stunden gestritten, ob wir in den sogenannten „payments“, also in den Zahlungsverpflichtungen, zwischen 2014 und 2020 907 oder 914 Milliarden Euro ausgeben. 24 Stunden! Aber wir streiten uns so gut wie nie darüber, ob wir demokratisch sind, ob wir Reisefreiheit wollen, ob wir Religionsfreiheit, Pressefreiheit wollen. All diese Dinge stehen überhaupt nicht zur Debatte. Im Falle von Ungarn wird darüber gestritten, und dann gibt es klare Regeln. Das ist doch auch toll in Europa. Wo finden Sie denn 500 Millionen Leute auf der Welt, die sich um diese Fragen nicht mehr zu streiten brauchen? Ich finde, da können wir uns auch einmal um sieben Milliarden Euro eine Nacht um die Ohren schlagen.

    Deppendorf: Herzlichen Dank, Frau Bundeskanzlerin, für das Gespräch.

    Die komplette Diskussion ist nachzulesen unter:

    http://www.bundesregierung.de/Content/DE/Mitschrift/Pressekonferenzen/2013/05/2013-05-16-wdr-forum-diskussion-merkel.html;jsessionid=86F3C434C3D0D03C83345F3F0ED10E34.s1t2

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