FAZ: zum Intendantenwechsel am Nationaltheater

Die Schauspielerin Bettina Hoppe stellt in der Frankfurter Allgemeine Zeitung den Intendantenwechsel am Nationaltheater in Budapest aus ihrer Sicht dar.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buehne-und-konzert/intendantenwechsel-in-budapest-mephisto-wird-zum-ungarn-12242568.html

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27 Kommentare zu “FAZ: zum Intendantenwechsel am Nationaltheater

  1. Die Lektüre dieses Artikels wirft für mich ein paar Fragen auf:

    Wieso MUSS Kunst immer eine Auseinandersetzung mit politischen Fragen sein? Und wenn sie es sein muss, wieso ist dann dort nur der „liberale Geist“ erlaubt? Frei nach dem Motto: Wir brauchen keine Opposition, keine andere Sichtweise, wir sind schon Demokraten? Und gilt dann nicht auch gerade für die Kunst in einer Demokratie, dass sie auch andere politische Sichtweisen erträgt? Die Kritik am Verlust Alföldis als herausragenden Künstler für das ungarische Theater kann ich verstehen, seinen Verlust als Akteur für eine bestimmte Politik indes nicht. Wieso lässt man über den neuen Intendanten, so ‚nationalistisch‘ er auch sein mag, nicht vom Volk mit den Füßen abstimmen: Wo kein Publikum, da kein Theater. Das wäre nicht nur liberal, sondern auch demokratisch.

  2. Ich bin mit Ihnen einverstanden, aber in einem Punkt irren Sie sich. Alföldi geht dem ungarischen Publikum nicht verloren, denn er hat schon jetzt zahlreiche Aufträge. Er wird einfach nicht mehr der Direktor des Nationaltheaters sein. Es gibt aber in Ungarn noch mehr Theater und auch mehr Regisseure.

  3. Interessante Fragen, mangalica. Die erste könnte man leicht abgewandelt auch den heutigen Kulturpolitikern in Ungarn stellen: Wieso wollt –Ihr– eigentlich eine politische Kunst? Wenn sie ehrlich wären, müssten nationalkonservative Kulturpolitiker dasselbe antworten wie ihre liberalen Kollegen: Weil wir wollen, dass die Kunst dieselben Werte vertritt, für die wir in der Politik eintreten.

    Die zweite Frage rührt an die Grenzen der Liberalität. Nationalisten sind per definitionem intolerant. Aber gilt das nicht genauso für Liberale? Anders als Libertäre glauben Liberale, dass die Freiheit irgendwo enden muss. Zu viel Toleranz, zu viel Freiheit führt zu ihrer eigenen Abschaffung. Hat man das nicht in Weimar gesehen? In der Auseinandersetzung mit eingefleischten Nationalisten können Liberale also ganz schön intolerant auftreten. Ich denke, das ist die Situation, die wir gerade in Ungarn haben.

    Es ist ein kleines Land mit nur einem wirklichen kulturellen Zentrum, nämlich Budapest. Wer dort regiert, bestimmt über alles, was abhängig von öffentlichen Entscheidungen und Geldern ist. Machtwechsel sind somit immer sehr weitgehend. Das verkennt Liliom meines Erachtens. Im polyzentrischen Deutschland könnte man leicht sagen: Ach, es gibt doch noch mehr Theater und mehr Regisseure. In Ungarn sieht die Situation schon ein bisschen anders aus.

  4. Ich hab geschaut und fände, dass es für die Regierung spräche, wenn sie Alföldi tatsächlich eine weichen Abgang ermöglichte. Allerdings werden Sie zugeben müssen, dass es für einen Künstler sicher einen Unterschied macht, ob er nun ein kleines Studiotheater oder das Nationaltheater leitet.

    • Das ist sicher richtig. Aber ob man auf Alföldis diesbezügliche Befindlichkeiten Rücksicht nehmen muss? Seine Amtszeit ist nun einmal abgelaufen und man hat sich für jemand anderen entschieden. Ist das schlimm? Vergessen wir jetzt mal den armen Irren Kerényi und seine Sprüche, die selbst bei Konservativen Kopfschütteln hervorriefen. Vidnyánszy hat m.E. eine Chance verdient und sollte nicht vorab wegen seiner mutmaßlich konservativen Einstellung verrissen werden.

      Ich gebe einer meiner Vorrednerinnen Recht: Wenn Vidnyánszky schlechte Arbeit leistet, wird das Publikum ihn abwählen. Mich interessiert die Meinung des Publikums mehr als die von Leuten, die allein die Politik um die Ernennung interessiert und die ein Theater oder eine Oper weder in Ungarn, noch in Österreich oder Deutschland jemals betreten.

      Vielleicht ist es Zeit, die Arroganz abzulegen, die unter progressiven (linken) Künstlern und ihren Fans en vogue zu sein scheint: Sie halten sich für allein würdig, den Kulturbetrieb zu vertreten. Das kann, muss man aber nicht so sehen. Ich glaube, in einem Nationaltheater hat auch das Klassische, Traditionelle Platz. Es müssen ja nicht zwingend Oralsexszenen und Ausstellungen mit „schwulen Aposteln“ sein.

      Und wenn Együtt 2014 wirklich die Wahlen im kommenden Jahr gewinnt, kommt halt wieder ein Progressiver. 🙂

      Ich habe keinerlei Sorge um den gefeierten Alföldi, er wird bei seinen Fähigkeiten und der Presse, die um die Nichtverlängerung seines Vertrages gemacht wurde, sicher nicht lange auf etwas angemessenes warten. Bessere Werbung gibt es nicht.

      • Fagaras, auch 2007 hat „man“ Alföldi durch Ministerbeschluss zum Chef des Nationaltheaters berufen. Und um mich nicht dem Vorwurf auszusetzen, ich hielte die Regierung jeweils für Phantome, sage ich gerne den Namen des Ministers, der Alföldi aufgrund autonomer Entscheidung in die Position beförderte: István Hiller (MSZP). Die damalige Bewertungskommission bestand aus 10 Personen, sieben davon waren Politiker, so weit ich weiß. Hiller sagte, er folge dem Vorschlag der Kommission, treffe jedoch eine eigene Entscheidung.

        Damals krakelte die Rechte, es sei „Schiebung“ (man hatte sich für Alföldi entschieden, obwohl die Bewerbungsunterlagen zweier Bewerber unvollständig waren; diese wurden nachgereicht, die Entscheidung für Alföldi aber stand), heute krakelt die Linke. Ich halte das für Folklore, nicht mehr, nicht weniger. Der einzige Unterschied ist, dass sich für vermeintliche „Schiebungen“ zu Gunsten von Alföldi keiner außerhalb Ungarns interessiert hat. Weder die Autorin des FAZ-Beitrages, noch sonstwer. Und es hat auch keiner außerhalb Ungarns für nötig befunden, Alföldi vorab zum Provinz-Theatermacher zu degradieren, obwohl er auch so hochgeistige Dinge wie „Heti Hetes“ (7 Tage, 7 Köpfe) und RTL Klub auf seiner Vita hatte. Alföldi hat sich künstlerisch bewährt, und wird das weiter tun. Wie ich gerade las, führt er künftig „Dantons Tod“ im Vígszínház auf.

        http://www.delmagyar.hu/belfold_hirek/alfoldi_robert_lett_a_nemzeti_szinhaz_uj_igazgatoja/2041546/

      • Ja, sicher, HV, bei Ihnen ist alles immer das gleiche (ähnlich wie ja auch die Regierung jeweils nur Gesetze erlassen haben will, die angeblich auch sonst in Europa üblich sind). Aber wenn Sie sich die beiden Ernennungsprozesse und den jeweiligen Kontext genauer anschauen, dann werden Sie sehr wohl wesentliche Unterschiede feststellen. Hiller ist übrigens dem Vorschlag der Kommission gefolgt.

      • „Bei Ihnen ist alles immer“ und „ähnlich wie ja auch die Regierung“ sind Zeichen, dass Sie ein bestimmtes Bild von mir haben. Das hilft uns hier bei einer sachlichen Auseinandersetzung aber nicht weiter. Meine Meinung habe ich Ihnen gesagt.
        Welche wesentlichen Unterschiede haben Sie denn festgestellt? Haben Sie sich die Ernennung Alföldis genauer angesehen oder setzen Sie diese Unterschiede nur als gegeben voraus?

      • Ich kann leider nur das Bild sehen, daß Sie auf diesem Blog von sich präsentieren. Das habe ich Ihne auch an anderer Stelle schon gesagt.
        Alföldi hat sich nie als schlechter Verlierer (oder schlechter Gewinner) erwiesen, hat immer mit Respekt von Vidnyánszky gesprochen, was man weder von Vidnyánszky (der Alföldi in letzter Zeit regelmäßig angegriffen hat: „Gegen Alföldi“) noch von Alföldis damaligem Mitbewerber Balikó („Ötvenéves evangélikus, adófizető polgárként, háromdiplomás heteroszexuális színházigazgató férfiként pedig úgy ítélem meg, hogy a csalás az bűn.“) behaupten. Die Unregelmäßigenkeiten bei der damaligen Entscheidungsfindung („csalás“) sind m.E. nur von der rechten Presse vorgebracht worden, während diesmal ein Kommissionmitglied selbst (Töröcsik) von „Berufungsfarce“ sprach. Daß in Ungarn das Gesetz so ist, daß der Kultusminister den Intendanten des Nationalstheaters ernennen darf, geht sicher nicht auf Hiller oder Gyurcsány zurück. Trotzdem hat sich Hiller entschieden, eine Berufungskommission einzusetzen und deren Votum dann auch übernommen. Die jetzige Farce können Sie hier detailliert nachlesen:
        http://alfoldiujra.blog.hu/2012/11/25/schmitti_trukkel_tavolitanak_el_alfoldit

      • Alföldi hat sich nie als schlechter Verlierer erwiesen?

        HVG: „Alföldi Róbert szerint szembe vagyunk köpve és hülyének vagyunk nézve. A Nemzeti Színház igazgatója, akit jövőre Vidnyánszky Attila vált ezen a poszton, nem gratulált az új direktornak, és nem is fog, azt pedig nem érti, miért nem mondták meg neki egyenesen, hogy mást szeretnének.“

        HVG: „Nach der Auffassung von Róbert Alföldi hat man uns angespuckt und für dumm verkauft. Der Direktor des Nationaltheaters, den im kommenden Jahr Attila Vidnyánszky auf diesem Posten ablösen wird, hat dem neuen Direktor nicht gratuliert, und wird es auch nicht tun, und zwar deshalb, weil man ihm nicht gesagt habe, dass man einen anderen will.“

        http://hvg.hu/kultura/20121218_Alfoldi_robert_vidnyanszky

      • Aber viel weiter haben Sie nicht gelesen:
        Lehet, hogy ez a kulturáltságomon egy szégyenfolt, de én nem gratuláltam az Attilának …
        A döntésen egyáltalán nem lepődött meg, mert ez egy „teljesen normális, jogszerű helyzet“. Ami kicsit mégis meglepte, az szerinte udvariasság és kulturáltság kérdése. Ahogy fogalmazott: ha két pályázó között döntenek, akkor illik mindkét pályázót meghívni például a sajtótájékoztatóra.
        Die Aussage „szembe vagyunk köpve és hülyének vagyunk nézve“ bezieht sich in keiner Weise auf Vidnyánszky (wie übrigens auch alle anderen Aussagen nicht), sondern auf den Berufungsprozeß.

      • Warum unterstellen Sie, ich hätte nicht weitergelesen? Und warum gratuliert Alföldi Vidnyánszky nicht, nur weil er das Verfahren beanstandet? Sie biegen sich etwas zurecht…Alföldi war ein schlechter Verlierer. Passt nicht in Ihre Präsentation, aber wat solls? 🙂

      • Es ist halt wieder eine liberale Bastion, die da mit Alföldi fällt, vielleicht eine der letzten in Budapest. Wenn das in Berlin geschähe, könnte man sagen: Ach, was soll’s, es gibt auch schöne Theater in München oder Hamburg. Hier liegt der Fall aber anders, weil Ungarn nur ein echtes kulturelles Zentrum hat: seine Hauptstadt.

        Gespalten wie die ungarische Gesellschaft ist, kann es die eine Hälfte nur schwer ertragen, im öffentlichen Leben derart umfassend marginalisiert zu werden. Man kann nicht mal mehr sagen: Die Politik geht mir auf den Geist, ich geh ins Theater. Denn da geht die Politik weiter. Darin besteht das Grundübel in Ungarn: Überall haben die Parteien ihren Finger drauf und jeder Bereich kann zur Kampfarena werden.

        Nur wenn man auf der Seite der jetzigen Regierung steht, kann man sagen: Alles nicht so schlimm, geht alles demokratisch zu, bei den nächsten Wahlen kann’s wieder anders aussehen, lassen wir die Leute mit den Füßen abstimmen. Wenn man der Regierung eher fern steht, wird man diese Einfärbung des ganzen Landes in Orange einfach nur furchtbar finden.

        Und richtig schwer haben es Leute wie meiner einer: Ich finde die Regierung Mist, bin aber auch nicht unbedingt für ultra-avangardistisches Theater, sondern finde klassische Inszenierungen ganz angenehm. Solche verspricht eher Vidnyánszky als Alföldi. V. steht aber für ein System, das mir nicht gefällt. Ein echtes Dilemma, in das man nur in Ungarn geraten kann!

      • Ihre inneren Konflikte teile ich sogar zum Teil, Ungarnfreund. Aber zu Ihrer trefflichen Aussage

        „Gespalten wie die ungarische Gesellschaft ist, kann es die eine Hälfte nur schwer ertragen, im öffentlichen Leben derart umfassend marginalisiert zu werden. Man kann nicht mal mehr sagen: Die Politik geht mir auf den Geist, ich geh ins Theater. Denn da geht die Politik weiter. Darin besteht das Grundübel in Ungarn: Überall haben die Parteien ihren Finger drauf und jeder Bereich kann zur Kampfarena werden.“

        kann ich nur sagen: Es war seit 1994 nie anders. Ob Fagaras das glaubt oder nicht, ob es ihm/ihr gefällt oder nicht, ist ohne die geringste Relevanz. Den Zirkus erleben wir heute wie gestern, wir werden ihn auch morgen und übermorgen noch erleben.

      • @HV
        Ich unterstelle nicht, Sie selbst beweisen es mit Ihrer Aussage. In keiner der Aussagen dieses Interviews äußert sich Alföldy herablassend oder abschätzig über Vidnyánszky, und auch sonst nicht, siehe etwa den zitierten FAZ-Artikel:
        „Alföldi sagt, es schmerze ihn, dass Vidnyánszky, den er als Theatermann schätzt, mittlerweile jede Kunst als feindlich empfindet, die sich nicht dem ungarischen Nationalgefühl verschreibt. Vidnyánszky stamme aus einem Gebiet des ehemaligen Großungarn, das jetzt zur Ukraine gehört. Als Zugehöriger einer ungarischen Minderheit habe er dort viele Anfeindungen erlebt, was ihn aber offenbar nicht dazu bewogen habe, für Minderheiten sich einzusetzen, sondern dazu, das Ungarische stärken zu wollen.“
        Umgekehrt kann man das weder von Balikó noch von Alföldy behaupten, leider.

  5. mit den Füssen abstimmen: dem stimme ich zu. Doch leider ist der Grossteil der Kulturausgaben staatlich finaziert. So hat das nicht viel Wirkung. Man müsste die 1-Prozent-Regelung ausbauen bis zur vollständigen Finanzierung des Kultur- Religions- und Erziehungsbetriebes durch mündige Bürger. Wieviel Bürokratie könnte abgebaut werden!

    • Lieber Herr Wirth, ich bezweifle, dass man den „amerikanischen“ Ansatz in Europa durchsetzen könnte. Die private Erziehungsförderung ist – man nehme das Beispiel Privat-Eliteschulen – in den USA aufgrund langer Tradition gewachsen. Ich habe Zweifel, ob das in Europa funktionieren würde.

      Ich bin Befürworter eines finanziell gut ausgestatteten staatlichen Schulsystems, weil ich es für eine öffentliche Aufgabe halte, den Kindern möglichst gleiche Chancen zu geben. Ich selbst bin ein Nutznießer dieses staatlichen Systems. Leider sind wir trotz allem von gleichen Bldungschancen weit entfernt. Durch eine Aufteilung in dahinsiechende staatliche Schulen vs. „Ivy-League-Schmucks“ wird sich die Situation kaum verbessern.

      Auch im Kulturbereich befürchte ich, dass kleine (progressive) Theater mit zahlenmäßig zu vernachlässigenden Publikumszahlen schnell zugrunde gehen würden. Geld wäre wohl am ehesten für den Mainstream übrig, für große Theater und Musikhäuser. Ich denke, dem Kulturbetrieb ginge da einiges verloren, d.h. eine staatliche Förderung hat ihren Sinn.

      Die Frage: „Was tun, wenn der Staat kein Geld hat?“, kann ich leider auch nicht abschließend und befriedigend beantworten…:-(

      • Ich bin ein Fan von der Einprozentregelung, die Ungarn wohl den meisten Staaten dieser Welt voraus hat an liberaler Gesinnung. Oder wo gibt es das sonst noch? Mit einem Prozent der Steuer sagt der Steuerzahler, was er unterstützen will. Nur könnte man das ausbauen, jedes Jahr ein zusätzliches Prozent, das dann der Staat nicht mehr verteilt im Kulturbereich. Wer sonst, wenn nicht die einzelnen Menschen, soll bestimmen, welche Kultur gemacht wird? Die Meinung ist nicht, dass das Kulturleben von Mäzenen abhängig wird. Der Betrag für die Kultur darf in der Höhe bleiben, nur soll nicht der Staat bestimmen, wer die Gelder bekommen soll, sondern die Steuerzahler. Mann muss das nicht von heute auf morgen ändern, jährlich ein Prozent mehr in die Verantwortung der Bürger übergeben ist ein Weg, auf dem sich das Kulturleben langsam umstellen kann.

  6. „weil Ungarn nur ein echtes kulturelles Zentrum hat: seine Hauptstadt.“
    Womit mal wieder bewiesen wäre:Budapest ist der Nabel der Welt.
    Oder macht man deswegen so ein Theater ums Theater,
    weil Alföldi, Alföldi ist und nicht (z.B.) Korcsmáros György ?

    • So viel Theater ums ungarische Theater wird gemacht, weil alles Orange wird im jetzigen Ungarn: Parlament, Regierung, Präsident, Nationalbank, Spitzen der Judikative — bis hin zu Unis, Staatsmedien, Kunstakademie und Theatern. 2/3-Mehrheit und Zentralstaatlichkeit bewirken, dass die andere Seite sich kaum noch zu Hause fühlt in diesem Ungarn. Ich mag HV gern Recht geben, dass es nach anderen Regierungswechseln ähnlich war. Was das Land mal bräuchte, wäre eine Politik nach Willy Brandts Devise: „Versöhnen statt Spalten!“

  7. Wir haben Fidesz und MSZP, die sich –überspitzt formuliert– gegenseitig gern als Rechtsextreme und Altkommunisten verunglimpfen. Diese beiden Seiten werden wohl so schnell nicht zusammenkommen. Ich setze deshalb auf den Generationswechsel, der in den etablierten Parteien, aber auch außerhalb stattfindet.

    • Das ist alles richtig, nur fehlt ein wichtiger Aspekt: Die Politik wird so lange bleiben, wie sie ist, wie die „megélhetési politikusok“ das Bild bestimmen. Ein Teil der Heftigkeit der Auseinandersetzung hat ihren Grund in den Fleischtöpfen, um die gekämpft wird. Wenn jemand heute mit 25 Jahren in die Politik geht, ohne jede Berufserfahrung, d.h. seine Dienstherren nur durch „Loyalität“ überzeugen kann (nehmen wir als beliebiges Beispiel Péter Szíjjártó), dann nutzt er ggf. die Politik als Weg, um wohlhabend zu werden. Er kämpft wie ein Berserker, bloß um nicht vom Trog weggezogen zu werden. Denn eine Rückkehr in den angestammten Beruf ist nicht möglich. Jeder Machtwechsel bedeutet Entziehung der Lebensgrundlage. Viele der heutigen Politiker gehören zu dieser bemitleidenswerten Kategorie. Auch das Großmaul Lázár, der sich als Berufspolitiker einen Audi S8 gönnte und sagte, wer nichts habe, sei auch nichts wert.

      Ach, und was den Generationswechsel außerhalb der Politik angeht, könnten ja die Teilnehmer des Treffens bei Tivadar Farkasházy beginnen. Der Blog 444.hu brachte es auf den Punkt, was der Beobachter dort zu sehen bekam. Mumien, deren Zeit abgelaufen ist:

      „Ich nenne jetzt mal nicht alle Namen, denn es war wirklich fast jeder anwesend, der einem einfällt, wenn man die Begriffe „links“, „liberal“ oder das negativ besetzte „linksliberal“ hört. All jene Gesichter, über die es seit einiger Zeit nur noch üblich ist, zu lachen, und zwar ganz egal, was Fidesz anstellt. Die Betroffenen wissen das auch, und es tut ihnen sichtlich weh.

      Das ist natürlich verständlich. diese Menschen haben es erlebt, wie es ist, wichtig zu sein, bzw. haben sie es geschafft, sehr vielen gegenüber den Eindruck zu erwecken, als wären sie von Bedeutung. Heute sind sie es nicht mehr, teilweise wegen ihrer eigenen Fehler und Missetaten, zu einem anderen Teil deshalb, weil eine andere Elite entstanden ist, die von ihnen gelernt hat (…).“

      Ob Konrád, Lendvai und Heller wissen, dass sie in Ungarn kaum einer mehr ernst nimmt, und deshalb ihr Lied im Ausland singen, weil dort allein bei Nennung ihres Namens die „Intellektuellen“ vor Ehrfurcht erstarren?

      Darien, die Freundin von Bud Fox, sagte in „Wall Street“: „Es ist viel schlimmer, wenn man Geld hatte und es verlor, als nie welches besessen zu haben.“

      Na, offenbar geht es genauso, wenn man mal Macht, Einfluss und Ansehen hatte. Die drei genannten Personen unterscheiden sich nicht im geringsten von den heutigen politischen Akteuren. Sie sollten ein positives Zeichen setzen und den Generationswechsel vormachen.

  8. Nun wer Sehnsucht nach Alföldi hat, der darf sich auf die Socken machen und nach Niederbayern begeben.Dort wird er in der nächste Saison im Theater an der Rott Anton Tschechows „Möwe“ inszenieren.
    Zitat
    „Trotz des unbestrittenen Erfolgs bei Publikum und Kritik wurde sein Vertrag von der rechts-konservativen Regierung nicht verlängert.“

    Fand ich richtig hübsch, diese Bemerkung, vorallem in dem Zusammenhang, wenn man sich mal die Mühe macht einige Themen die das Theater an der Rott betreffen zu lesen.

    http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_rottal_inn/eggenfelden/842700_Von-Budapest-nach-Eggenfelden-Alfoeldis-bitterer-Abschied.html#1496550884

  9. Es ist doch gut, wenn er bereits viele Aufträge hat. Da wird sich das ungarische Publikum freuen. Wenn er seine Arbeit gut gemacht hat, verstehe ich die ganze Aufregung nicht.

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