Prozess um Morde an ungarischen Roma: Urteil am 6. August

Der mehrjährige Strafprozess um die rassistisch motivierten Morde an sechs ungarischen Roma steht vor dem Abschluss. Nachdem den Angeklagten heute das letzte Wort gewährt wurde, hat das Gericht – nach zehn Minuten Hauptverhandlung – Termin zur Urteilsverkündung auf den 6. August 2013 bestimmt.

http://index.hu/belfold/2013/07/24/romagyilkossag-per_jon_az_itelethirdetes/

Das Urteil wird bereits seit Monaten mit Spannung erwartet. Nachdem die maximale Dauer von Untersuchungshaft in Ungarn auf vier Jahre begrenzt ist und das Gericht im Juni angekündigt hatte, erneut in die Beweisaufnahme eintreten zu wollen, war befürchtet worden, dass die Angeklagten auf freien Fuß kommen könnten.

https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/06/05/prozess-um-mordanschlage-auf-roma-wiedereroffnung-der-beweisaufnahme-gefahr-der-aussetzung-der-untersuchungshaft-steigt/

Ein Gerichtssprecher ließ kürzlich verlautbaren, diese Gefahr sehe er nur, wenn das Gericht durch „eine Atombombe zerstört werde„.

Nach beispiellosen Pannen bei den polizeilichen Ermittlungen gegen die vier Angeklagten, die bis an den Versuch der Vertuschung heranreichten, sowie dem Verdacht einer Verwicklung der Geheimdienste in die 2008-2009 verübte Mordserie stand das Gericht seit Anbeginn des Verfahrens unter enormem öffentlichen Druck. Insbesondere die ausländische Presse bemängelte mangelndes Interesse und dass es das Gericht sich auf eine „technizistische Prozessführung“ beschränkt und es versäumt habe, eine politische Aufarbeitung zu betreiben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-politik-zeigt-kein-interesse-an-prozess-gegen-roma-moerder-a-912370.html

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7 Kommentare zu “Prozess um Morde an ungarischen Roma: Urteil am 6. August

  1. Zoltán Balog hat nach der heutigen Urteilsverkündung kritisiert, dass die ganze Wahrheit nicht ans Licht gekommen ist. Dagegen nimmt Ágnes Vadai den ungarischen Geheimdienst in Schutz und lenkt ab. Sie würde keinen Bericht kennen, wonach die damalige sozialistische Regierung in Sachen Roma-Mordserie Informationen zurückgehalten hätte.

    Die Sozialisten fassen die Gelegenheit beim Schopf und greifen Orbán und Áder an.

    http://index.hu/belfold/2013/08/06/ciganygyilkossagok_itelet/
    http://index.hu/belfold/2013/08/06/balog_nem_sikerult_a_teljes_igazsagot_feltarni/

    • Die Beteiligung des Geheimdienstes ist bis heute Thema. Und zwar nicht nur bei Fidesz, sondern auch bei der Minderheit. Niemand anderes als Viktória Mohácsi berichtete Rolf Bauerdick darüber, dass eine Verwicklung in Betracht komme. Wenn man sich überlegt, dass jedenfalls einer der Täter unter Observation des Geheimdienstes stand und kurz vor Beginn der Mordserie diese Beobachtung eingestellt wurde, so kann man an Zufälle glauben – oder eben nicht.

      Dass Vadai, die seinerzeit schon im Geheimdienstausschuss saß, hier zu vernebeln sucht, wundert keinen. Sie ist ein Gyurcsány-Günstling der ersten Stunde und steht in Nibelungentreue zu ihm.

      • Ehe jetzt wieder jemand mit dem Totschlagargument Verschwörungstheorie kommt, verweise ich auf die kürzlich auf 3Sat zu diesem Thema ausgestrahlte Sendung.

        Ich stehe dazu, es ist nicht nur mein Bauchgefühl. Die Roma-Mordserie trägt die Handschrift des ung. Geheimdienstes und – das wird nicht einmal Pfeifer abstreiten wollen, denn so blöd ist er nun wieder auch nicht. Und im ung. Geheimdienst tummeln sich wie in der rechten Szene noch immer Leute aus der „guten alten Zeit“, die miteindander vernetzt sind. Ganz zu schweigen von György Szilvásy, dem Kontakte zur organisierten Kriminalität nachgewiesen wurden.

    • Eigentlich könnte man lachen, wenn es nicht so trauig wäre.Ich bin immer wieder erstaunt, wie elegant man die Überleitung von den Morden 2008/2009 zu Orban hinbekommt.
      Kein Wort darüber, dass man unter allen vorherigen „demokratischen“ Regierungen es nicht hinbekommen hat, die Leute zu verurteilen.
      Besonders nett fand ich dann noch den Verweis auf die Dorfschulen (zum Artikel von 2012) die man natürlich aus lauter Bosheit geschlossen hat.Ist immer gut, wenn man mal wieder die ollen Kamellen in Erinnerung bringt.Aber klar doch es rechnet sich , wenn 3 Kinder pro Jahrgang eine Klasse füllen!!

  2. Interessant, die Süddeutsche:
    Autor wird nicht genannt.
    Ausser:
    „…Mit Material von dpa und AFP

    Quelle und Bearbeiter: Süddeutsche.de/mane/mcs/bavo“.

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