Zwischenwahl in Szigetszentmiklós: Oppositionskandidat gewinnt haushoch

Bei der Zwischenwahl zum Stadtrat im Wahlkreis Nr. 8 von Szigetszentmiklós konnte Sándor Ladányi, der gemeinsame Kandidat von MSZP, DK und Együtt 2014, einen deutlichen Sieg erringen. Wegen des Todes des Abgeordneten György Kécza (Fidesz/KDNP) war der Sitz neu zu vergeben.

Ladányi errang 52,03%, die zweitplatzierte Kandidatin der Regierungsparteien Fidesz/KDNP nur 29,13% der Stimmen. Jobbik und LMP kamen auf knapp 5% bzw. 3,77% der Stimmen.

Die Wahlbeteiligung lag bei verschwindend geringen 31%, weshalb die Aussagekraft des Ergebnisses, wie auch Index.hu anmerkt, begrenzt ist. Hinzu kommt, dass es sich um eine Kommunalwahl handelt. Gerade die Anhänger der Regierungspartei dürften keine besondere Motivation zur Stimmabgabe gehabt haben, da Fidesz/KDNP über eine solide Mehrheit im Gemeinderat verfügt.. Hingegen dürften die Anhänger der Opposition vom Willen mitbestimmt gewesen sein, ein Zeichen gegen die Regierung zu setzen. Hinzu kommt, dass der Oppositionskandidat Ladányi bereits 2002 und 2006 das Mandat gewann (2010 unterlag er um 28 Stimmen) und damit als bekannter und beliebter Kandidat Vorteile gegenüber der Fidesz-Kandidatin gehabt haben könnte.

Die DK teilte mit, Ladányi habe „die Fideszkandidatin kaputtgeschlagen“. Dieses Wahlergebnis sei der Beweis dafür, dass Orbán abgewählt werden könne, wenn ein „echtes“ Dreier-Oppositionsbündnis zustande komme. DK kritisiert die bislang getroffene Kooperationsvereinbarung zwischen Együtt 2014 und der MSZP als unzureichend. Auch die MSZP äußerte sich dahingehend, dass Fidesz/KDNP 2014 zu schlagen sei.

http://index.hu/belfold/2013/09/01/elesben_tesztelik_az_ellenzeki_osszefogast/

Fidesznahe Politologen betonten in den vergangenen Tagen (unabhängig von der Zwischenwahl in Szigetszentmiklós) der Zusammenschluss von MSZP und Együtt 2014 müsse unbedingt ernst genommen werden. Dabei ist weniger die (messbare) Stammwählerschaft als die potenzielle Anziehungskraft auf das große Lager der Nichtwähler die für die Regierungsparteien bestehende Unbekannte.

Ernst Gelegs versüßt den literarischen Herbst mit „Schöne Grüße aus dem Orbán-Land“

Der Herbst ist da. Und damit die Zeit, den Kamin anzuschüren und zu einem Glas Rotwein und einer passenden Lektüre zu greifen. Pünktlich bringt der in Budapest ansässige ORF-Osteuropakorrespondent Ernst Gelegs das Werk „Schöne Grüße aus dem Orbán-Land. Die rechte Revolution in Ungarn“ auf den Markt und verarbeitet – gemeinsam mit Roland Adrowitzer – seine Wut auf und die (im ORF vorherrschende) ablehnende Haltung gegenüber der ungarischen Regierung. Ungarnthemen haben schließlich Konjunktur, 2014 ist Wahljahr und das Weihnachtsgeschäft muss man auch mitnehmen.

http://www.amazon.de/Schöne-Grüße-aus-dem-Orbán-Land/dp/3222134146

Nach ORF-Meinungsmacher Paul Lendvai („Mein verspieltes Land“), Gregor Mayer und Bernhard Odehnal („Aufmarsch – Die rechte Gefahr aus Osteuropa“) sind Gelegs und Adrowitzer nun ganz offiziell in die Reihe jener (natürlich!) höchst objektiven Journalisten aufgestiegen, die ihren Lesern Ratschläge geben, wie man die von ihnen in ihrem Hauptberuf herbeigeschriebene „rechte Gefahr“ in und aus Ungarn bekämpft. Nachdem die Physik am perpetuum mobile gescheitert ist, konnte wenigstens die schreibende Zunft es umsetzen. Der Rat ist immer derselbe: Das Ausland muss Druck auf Ungarn ausüben. Warum? Lesen Sie das Buch. Oder die Artikel. Oder schauen Sie ORF. Ob auch Stephan Ozsváth, der uns wahre Horrorgeschichten über seine Erfahrungen mit Regierungsvertretern berichtete, bald mit einem Schmöker debütiert? Sie erfahren es natürlich hier, wenn es soweit ist.

Das Buch wird voraussichtlich zuerst auf den Schreibtischen der Fidesz-Wahlkämpfer landen. Nichts eignet sich schließlich besser, die Popularität der ungarischen Regierungspartei zu steigern, als Beiträge der o.g. Expertenriege. Die letzten Jahre sollten das eigentlich hinreichend bewiesen haben. Doch möglicher Weise ist es gekränkte Journalistenehre, die darauf fußt, dass die ungarische Regierung bis heute stümperhaft im Umgang mit Korrespondenten ist und sich feindselige Kritiker lieber auf Distanz hält, als sie durch Offenheit zu überzeugen. Oder der schnöde Mammon drängt die Einsicht, dass man mit seinen Beiträgen genau das Gegenteil von dem bewirken kann, als man vorgibt, in den Hintergrund.

Man kann dem ungarischen Regierungskritiker János Széky nur erneut Beifall klatschen. Die Aussage, die er als Antwort auf die Worte ausländischer Intellektueller („Stiftet Aufruhr“) und ihrer – auch vom ORF geschürter – Ungarn-Hysterie fand, konnte trefflicher nicht sein: „Schert Euch doch zum Teufel!