Kulturkampf? Wiener Burgtheater sagt „nein“ zu einem Gastspiel in Budapest

Das Wiener Burgtheater hat eine Einladung des Budapester Nationaltheaters, im Frühjahr 2014 im Rahmen eines internationalen Festivals ein Gastspiel zu geben, abgelehnt. In der mit „Wir fahren nicht!“ überschriebenen Pressemitteilung vom 13.09.2013 heißt es:

Das Burgtheater wurde vom Budapester Nationaltheater zu einem Gastspiel anlässlich dessen 1. Internationalen Festivals im Frühjahr 2014 eingeladen. Die Erfahrungen mit Kulturpolitikern der derzeitigen ungarischen Regierung, darunter Minister Zoltán Balog und Attila Vidnyánszky, haben gezeigt, dass diese unsere Begegnungen anschließend oft anders darstellten, als sie sich zugetragen haben. Wir wollen nicht zulassen, dass der gute Ruf des Burgtheaters erneut benützt wird, um den beschädigten Ruf der ungarischen Kulturpolitik zu reparieren. Daher nehmen wir die Einladung nicht an.
Das Burgtheater möchte den Diskurs über die Entwicklung der Kulturpolitik in Ungarn jedoch fortsetzen und eine differenzierte Diskussion ermöglichen. Das geht zur Zeit besser in Wien als in Budapest.
Schon zuvor hatte das Burgtheater ja bereits erwogen, ein Theaterfestival mit aktuellen Aufführungen aus Ungarn zu organisieren sofern die finanziellen Mittel aufgebracht werden können. Bei diesem Festival soll eine unterschiedliche Auswahl ungarischer Inszenierungen gezeigt werden. Sowohl unabhängige Theatergruppen, die sich durch die Kulturpolitik der Regierung geschädigt fühlen, als auch das Budapester Nationaltheater, das nach der neuen Besetzung dem nationalkonservativen Lager zugerechnet werden muss, sollen dort zu sehen sein.“

Der Budapester Regierung wird seit 2010 ein fortdauernden „Kulturkampf“ vorgeworfen mit dem Ziel, die eigene (konservative) Sichtweise in Kunst und Kultur durchzusetzen. Die berechtigte Frage ist, ob die jetzige Reaktion, die das ungarische Nationaltheater und seine Kunstschaffenden quasi unter „Quarantäne“ stellt, geeignet ist, jenen Dialog zu fördern, den man vorgibt, sich zu wünschen. Und mehr noch: Handelt es sich hier nicht ebenfalls um eine Art von Kulturkampf? Das Argument, Begegnungen würden „falsch dargestellt“, ist weder überprüfbar, noch tragfähig, die Verweigerungshaltung im Bezug auf ein Gastspiel zu rechtfertigen. Und die Aussage, der „gute Ruf des Burgtheaters“ könne für ungewünschte politische Kampagnen benützt werden, ist darüber hinaus nicht frei von Überheblichkeit…

Das politische Wien hat – zwei Wochen vor der Wahl in Österreich – ein Zeichen gesetzt. Schließlich ist das Burgtheater als eines von drei Bundestheatern (neben Staatsoper und Volksoper) eine staatliche Einrichtung.

http://www.salzburg.com/nachrichten/welt/kultur/sn/artikel/kein-gastspiel-des-burgtheaters-in-ungarn-74248/

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36 Kommentare zu “Kulturkampf? Wiener Burgtheater sagt „nein“ zu einem Gastspiel in Budapest

      • Na ja, anders als in Ungarn ist das Burgtheater zwar eine „staatliche Einrichtung“, aber eben in seiner Meinungsäußerung autonom. Wie es in einer Demokratie sein sollte. Insofern ist ihre Meinung, das politische Wien habe ein Zeichen gesetzt, nicht ganz zu verstehen. Aber wer weiß, was Sie unter dem Schlagwort „politisches Wien“ verstehen.

        Daß das Burgtheater den Dialog verweigert, kann ich auch nicht sehen: „Bei diesem Festival soll eine unterschiedliche Auswahl ungarischer Inszenierungen gezeigt werden. Sowohl unabhängige Theatergruppen, die sich durch die Kulturpolitik der Regierung geschädigt fühlen, als auch das Budapester Nationaltheater, das nach der neuen Besetzung dem nationalkonservativen Lager zugerechnet werden muss, sollen dort zu sehen sein.“

        Ebenso nicht ganz klar ist, wieso die Aussage „der gute Ruf des Burgtheaters“ überheblich sein soll. Ich würde mal sagen, daß ist eigentlich unbestritten. Oder haben Sie schon ganz viele schlechte Aufführungen da gesehen? Ich eigentlich nicht. Oder ist das eher ein Fall von „kleiner Hund pinkelt großem Hund ans Bein“?

      • Ich halte das Burgtheater für eine wichtige kulturelle Einrichtung. Seinen guten Ruf, in künstlerischer Hinsicht, stelle ich nicht in Frage. Mir stößt es allerdings auf, wenn das staatliche Burgtheater seinen „guten Ruf“ betont, um eine Aufführung in Budapest abzusagen. Das klingt wie „wir machen mit unserem guten Namen doch keine Werbung für Orbán“, obwohl es eigentlich nicht um Orbán, sondern um ein internationales Kunstfestival geht. Aussagen nach dem Motto „da gehe ich nicht hin, die Finger mache ich mir mit denen nicht schmutzig“ finde ich arrogant. Von wem auch immer sie kommen, egal, wie groß der Hund auch sein mag. Dass sich Wien für den größten Wau Wau hält, ist bekannt: das wissen nicht nur die Tiroler, sondern ganz Mittelosteuropa.

        Dass man Budapest absagt, mit einem Auftritt in Moskau aber kein Problem hat, lässt sich möglicher Weise logisch erklären…mir erschließt sich das aber nicht.

        Meine Hoffnung bleibt, dass das Festival trotzdem gelingt. Denn Kultur lebt von Aufführungen, nicht von hochrangigen Absagen. Da stimmen Sie mir hoffentlich zu.

      • Es mag in Österreich viel Klüngel und Vetternwirtschaft geben, aber diese kleinliche Diskussion hat das Burgtheater spätestens seit Peymann nun wirklich nicht mehr nötig. Dazu funktioniert es auf einem zu hohen Niveau und ist zu offen für die unterschiedlichsten Theateransätze. Gehen Sie doch einfach mal rein, Sie werden sicher nicht enttäuscht.

      • Nochmal: ich zweifle nicht an den Fähigkeiten des Ensembles und denen Hartmanns. Die Äußerung betrachte ich als politisch, zudem recht kleinlich. Aber wir müssen da nicht einer Meinung sein.

      • „Dass sich Wien für den größten Wau Wau hält, ist bekannt: das wissen nicht nur die Tiroler, sondern ganz Mittelosteuropa.“

        bitte zeigen sie doch nicht so offen ihre simplifizierende weltsicht…

  1. Das Budapester Nationaltheater hat mit folgender Mitteilung auf die Absage aus Wien reagiert:

    „A Nemzeti Színház jövő év elejére tervezett nemzetközi fesztiváljára már elfogadta a meghívást a szentpétervári Alekszandrinszkij Színház, melynek igazgatója-művészeti vezetője Valerij Fokin. Ez Oroszország egyik legrégibb és legjelentősebb színháza.
    Itt lesz Budapesten a Moszkvai Művész Színház, melyet Sztanyiszlavszkij alapított, jelenleg Oleg Tabakov az igazgatója. Fesztiválunkon fog szerepelni a Bukaresti Nemzeti Színház, a Varsói Nemzeti Színház, az Újvidéki Nemzeti Színház, a ljubljanai Nemzeti Színáz és az oslói Nemzeti Színház egy-egy előadása is. Egy sor további színházzal állunk tárgyalásban.

    A Nemzeti – szemben a Burgtheater mai közleményében hangsúlyozott „vita“ helyett – az együttműködés, a kulturális párbeszéd szellemében szervezi fesztiválját. Továbbra is fenntartjuk a bécsi Burgtheaternek szóló meghívásunkat. A jövő évre tervezett nemzetközi fesztivál szándéka, hogy erősítse Magyarország jelenlétét a nemzetközi színházi életbe, erre a hazai színházi szakmának égető szüksége van. A Nemzeti meggyőződése, hogy a magyar színházak művészi teljesítménye megállja a helyét nemzetközi összevetésben is.

    Nemzeti Színház
    kommunikációs osztály“

    Das Nationaltheater betont, das man statt des vom Burgtheater betonten „Diskurses“ das Festival unter dem Vorzeichen der Kooperation und des kulturellen Dialogs organisieren wolle. Man halte die Einladung an das Burgtheater aufrecht.

  2. Schauspiel aus Österreich auf die Volksbühne auch in Magyaristán! Nicht nur in Moskau!
    Die Aufführung des Wiener Burgtheaters mit dem Titel
    „Mit Devisenkrediten die Östliche Nachbarn in die Scheiße stoßen“ würde ich mir ansehen.

  3. Kurze Chronologie zum Thema:

    Februar 2013
    Offener Brief von Matthias Hartmann und sechs anderen Künstlern an Zoltán Balog:
    http://derstandard.at/1358305304583/Offener-Brief-an-ungarischen-Minister

    April 2013
    Der Aufruf „Stiftet Aufruhr!“, mitunterzeichnet von Matthias Hartmann:
    http://www.fr-online.de/meinung/auslese-zu-ungarn-stiftet-aufruhr-,1472602,22263616.html
    Im Aufruf ist die Rede von der systematischen Faschisierung Ungarns, vom Fäulnisherd Europas, die Unterzeichner wollen im Zeichen des Filmtitels ‚Die Wahl der Waffen‘ die bisherigen Mittel der Auseinandersetzung überdenken und zu einer neuen Radikalität finden und Ungarn auf zeitgemäße Weise befreien.

    Juni 2013
    Gespräch zwischen Matthias Hartmann und Zoltán Balog in Budapest. Hartmann berichtet im Spiegel:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311897.html

    • Klar, Balog und der Dialog gehen nicht zusammen. 🙂 Matthias Hartmann hat mit seinem Pamphlet im Spiegel hingegen große Dialogbereitschaft bewiesen, was?

      http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-99311897.html

      Seien wir nachsichtig mit Herrn Hartmann. Der braucht einen der schlimmsten Grabenkrieger im politischen Ungarn, Rudolf Ungváry, um die dortigen Verhältnisse kennen zu lernen. Sozusagen als Schutzschild, das ihn davor bewahrt, sich eine eigene fundierte Meinung zu bilden. Balog ist ein gefährlicher Mann: Denn man wird ihn, wenn man ihn persönlich kennenlernt, nämlich wirklich für sympathisch halten – ich kann das nur bestätigen. Das ist wohl auch der Grund, warum man ihn so sehr bekämpft – Leute wie Kövér oder Semjén demontieren sich ja schließlich selbst, da muss man nur schweigen und zuschauen…

      Hartmann muss verwirrt, geschockt gewesen sein, keinem kunst-, schwulen- und judenfeindlichen Dämon gegenüber zu stehen. Aber Ayatollah Ungváry, dessen Rolle beim ORF-Film „Nationale Träume“ unvergessen ist, hat es gewiss geschafft, das von Standard, Pester Lloyd und Co. eingeimpfte Feindbild zu verteidigen. Hätte Hartmann besser Dalos mitgenommen, der ist wenigstens für Dialog, während Ungváry offen zugibt, mit „denen“ nicht reden zu können. Was wollte er dann bei dem Treffen?

      Wer nicht das Glück hatte, sich einen persönlichen Eindruck über Balog machen zu können, kann es hier in der „light“-Fassung probieren:

      http://www.welt.de/videos/article112248716/Thomas-Schmid-mit-Gyoergy-Dalos-und-Zoltan-Balog.html

      Es ist wirklich Mitleid erregend, was Hartmann tut. Er selbst hat, wie er eingesteht, keinen blassen Schimmer. Umso bewundernswerter ist es, dass er natürlich sofort erkennt, dass Vidnyánszky „Nebelbomben“ warf, die angeblich „keiner späteren Überprüfung standhalten“. Glauben wir ihm das mal, er gehört ja zu den Guten. Und dass Gauck am besten die Auszeichnung an Balog zurückziehen solle, musste auch in den Beitrag – auch dafür genügt sein Wissen über Ungarn 🙂 …

      Vielleicht muss man sich von einer Vorstellung verabschieden: Dass Künstler überlegenes Wissen über Politik und Demokratie haben müssen. Vielleicht sind sie einfach normale Menschen. Manchmal beeinflussbar, manchmal hasserfüllt, engstirnig und manchmal einfach nur dämlich.

      Nach der Lektüre des Spiegel-Beitrags – den ich bislang nicht kannte – muss ich der Entscheidung des Burgtheaters zustimmen. Sollen sie besser nicht nach Budapest fahren und lieber von Wien aus Außenpolitik, statt Kunst in Ungarn machen. Wer sich so äußert wie Hartmann, will keinen Dialog, ist also – mit Verlaub – ein Heuchler und bei Elfriede Jelinek besser aufgehoben. Schade um den künstlerischen Aspekt. Aber um den geht es hier ja nicht.

      Die Kunst wird nun u.a. von den Nationaltheatern St. Petersburg, Bukarest (Bravo!), Warschau, Ljubljana und Oslo vertreten.

      Der seinerzeit auch von Hartmann mitunterzeichnete, unterirdisch dämliche Aufruf „Stiftet Aufruhr!“ hat eine angemessene Antwort János Székys hervorgebracht. Diese, von mir übersetzte, Antwort, wurde bei nachtkritik.de von einem der Unterzeichner, Frank-Patrick Steckel, erwähnt. Lesenswert sind auch die Kommentare.

      http://www.nachtkritik.de/index.php?option=com_content&view=article&id=7935:stiftet-aufruhr-frank-patrick-steckel-ueber-seine-gruende-den-ungarn-aufruf-zu-unterschreiben&catid=101:debatte&Itemid=84

    • Es gibt ne Menge (un)erfreuliches im Burgtheater.
      ttp://www.welt.de/kultur/buehne-konzert/article125656354/Die-Schadenfreude-der-vielen-Hartmann-Hasser.html
      Hochmut kommt vor dem Fall?aber er wird sicher weich fallen ..wenn überhaupt.

  4. „Das Burgtheater möchte den Diskurs über die Entwicklung der Kulturpolitik in Ungarn jedoch fortsetzen und eine differenzierte Diskussion ermöglichen. Das geht zur Zeit besser in Wien als in Budapest.“

    Aha, „Das“ geht zurzeit besser in Wien …

    Kommt für Hartmann je eine Zeit, in der „das“ auch in Budapest vorstellbar ist? Er will den Diskurs fortsetzen, will aber nicht nach Budapest reisen… pfff. Als ob er die Weisheit mit Löffeln gefressen hätte. Hartmann, der Unfehlbare.

    Diese Pressemitteilung des Wiener Burgtheaters ist genauso überheblich formuliert wie der dümmliche Aufruf „Stiftet Aufruhr.“

    Man muss sich nur die Namen der Initiatoren und Unterzeichneten dort ansehen und man weiß, was man für Reaktionen erwarten kann.

    Einen schönen Tag wünscht PR

  5. man hat es ja nicht zufällig ein paar jahre seite an seite „ausgehalten“.

    ich muss aber gestehen, dass ich österreich- oder deutschland-bashing – und was sonst noch gerne zur ablenkung genommen wird – in einem ungarn-blog für nicht angebracht halte.

    • allerwertester palóc, wenn sie kritik als bashing missverstehen wollen, haben sie offensichtlich noch ein persönliches problem mit ungarn. darüber liesse sich aber wiederum vortrefflich diskutieren…

      • Es geht über bloße Kritik hinaus wenn Orbán mit Hitler / Fidesz mit den Nazis verglichen wird. Es ist auch keine Kritik wenn suggeriert wird Fidesz und Jobbik wären eigentlich dasselbe oder zumindest in einer Koalition. Es hat auch nichts damit zu tun, wenn Ungarn unterstellt wird es habe den Axtmörder freigelassen (es hat ihn lediglich überstellt). Und besonders auch Ihre pauschalen Vorwürfe an Ungarn bezüglich Selbstmitleid etc. haben nichts mit Kritik zu tun sondern zeigen letztlich nur Ihre eigenen rassistisch motivierten Vorurteile Ungarn gegenüber. Verglichen damit fällt das Deutschland- und Österreichbashing hier (so es das hier überhaupt gibt) milde aus.

        Der Vollständigkeit halber noch eines: Hungarian Voice ist nicht nur ein Blog über die ungarische Tagespolitik, sondern eben auch über die Berichterstattung darüber in deutschsprachigen Medien, vgl. About-Seite:
        „- deutschsprachige Presseartikel kritisch hinterfragen und im Rahmen einer „Presseschau“ kommentieren,
        – Berichte über Geschehnisse in Ungarn einstellen, auch solche, die auf dem Weg nach Deutschland oder Österreich „verloren gehen“,“
        Insofern müsste es wohl zulässig sein, hier auch die Verhältnisse in Deutschland gegenüberzustellen. Ganz zu schweigen davon, dass hier nur einer zu entscheiden hat was in diesen Blog gehört oder nicht – und das ist HV.

      • Vergeuden Sie nicht Ihre Zeit, Palóc. Lassen Sie die Krampfe weiter ihre Klimmzüge machen. Es sind wieder Troll-Wochen. Wer von Kritik spricht, aber statt Inhalten nur pseudo-psychologische Wortfetzen, persönliche Angriffe und gegen eine ganze Bevölkerung gerichtete Stereotypen zu bieten hat, macht sich lächerlich. Wen juckt es?

      • „…gegen eine ganze Bevölkerung gerichtete Stereotypen…“

        hv, sie sind mir deswegen so unsympatisch, weil sie ihre leser gerne mit fehl- u falschinformationen füttern.

        das ist dann doch nur stimmungsmache eines frustrierten konservativen…

      • Stimmungsmache ist ein großes Wort, gerade wenn es aus Ihrer Feder stammt.

        Wer in Ihren verächtlichen, inhaltlich blutleeren Kommentaren das Wort „Ungarn“ an der einen oder anderen Stelle durch „Juden“ oder „Ausländer“ ersetzen und sich entsprechend äußern würde, müsste sich zu Recht den Vorwurf des latenten Rassismus oder Antisemitismus gefallen lassen. Und zwar deshalb, weil er – wie Sie es regelmäßig tun – einer Gruppe von Menschen Charaktereigenschaften kollektiv zuschreibt.

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/03/15/bundestag-aktuelle-stunde-zur-verfassungsreform-mit-einem-bemerkenswerten-eingestandnis/#comment-12611

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/05/27/lgbt-rechte-ungarn-im-grunen-bereich/#comment-14292

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2013/07/03/presseberichte-zur-abstimmung-des-eu-parlaments-uber-den-tavares-bericht/#comment-14880

        Vielleicht sind Sie mit Ihrem Windmühlenkampf gegen die „frustrierten konservativen“ aber so sehr beschäftigt, dass Sie Ihre eigenen, reichlich vorhandenen, Vorurteile ausblenden.

      • „…einer Gruppe von Menschen Charaktereigenschaften kollektiv zuschreibt….“

        hv, nun denn. schreiten wir erneut zur tat.

        wie würden sie den aktuellen seelen- u geisteszustand jenes teiles der bevölkerung, der mit fidesz u/o jobbik sympatisiert, beschreiben? falls sie möchten, dürfen sie gerne zwischen genannten parteien unterscheiden.

        machen wie also verbesserungsvorschläge.

        schauen sie sich dazu auch http://gulaschkessel.wordpress.com/ an.

      • Bleiben wir lieber bei den Ihnen augenscheinlich unsypathischen, weil „jammernden“ und angeblich nur auf äußere Feinde blickenden Ungarn. Das war schließlich Ihre mehrfach wiederholte These.

        Sieht man sich die Wahlumfragen an, so erscheint mir die politische Situation wie folgt: Ein Großteil der Wähler ist mit der Politik der Regierung nicht zufrieden (bis zuletzt hoher Anteil an Nichtwählern und Personen, die sagen: „die Dinge laufen in eine falsche Richtung“), sieht aber in der Linksopposition keine Alternative. Und das mangels greifbarer Inhalte. Der Analyst Gábor Török hat das meines Erachtens ganz gut zum Ausdruck gebracht: Orbán abzulehnen, ist noch kein Programm. Ich denke, diese Einsicht ist korrekt und in ihrer Konsequenz bedauerlich, macht „die Ungarn“ aber gewiss nicht zu weinerlichen Verschwörungstheoretikern. Sie sagt im Gegenteil nicht das Geringste über den Geistes- und Seelenzustand aus, sondern über den Zustand der politischen Akteure; und es spricht Bände über den Geisteszustand dessen, der fortwährend solche Allgemeinplätze von sich gibt, die Umfragen inhaltlich auf das Gesamtergebnis reduziert, deren Inhalt aber nicht zur Kenntnis nehmen will.

        Die Wiedergabe der jüngsten Ipsos-Umfrage, aus der sich dieser desolate und selbst verschuldete Zustand der Linksopposition erschließt, wurde übrigens durch Sie wie folgt kommentiert:

        https://hungarianvoice.wordpress.com/2014/02/16/ipsos-zahl-der-nichtwahler-sinkt-regierungslager-weiter-im-vorteil/#comment-16690

        Die Wahrheit tut also offenbar wirklich weh. Nur nicht mit Inhalten befassen…

        Natürlich gibt es ein eingefleischtes Fidesz-Lager, das Orbán bedingungslos folgt (spiegelbildlich zu den Gyurcsány-Bewunderern, die zahlenmäßig zwar nicht so ins Gewicht fallen, ideologisch aber die andere Seite der Medaille sind). Die jeweilige Größe kann ich Ihnen nicht sagen. Und ich würde mich wundern, wenn Sie dazu fähig wären. Nur eines: Orbán hat 2002 schon einmal den Fehler gemacht, seine Anhängerschaft maßlos zu überschätzen. Vielleicht wiederholen Sie seinen damaligen Fehler jetzt.

        Der Vorsprung von Fidesz ist m.E. weniger ein Ergebnis der dortigen Stärke, sondern des desolaten Zustands der selbst ernannten „demokratischen“ Opposition. Daran hat sich seit 2010 nichts wesentliches verändert. Wen wundert es? TGM brachte es bei „Havas a Pályán“ bei ATV auf den Punkt: es wäre schön, wenn z.B. Gyurcsány als Oppositionspolitiker 50 Tage vor der Wahl über etwas anderes reden würde als über sich und Orbán.

        Was Jobbik angeht: Der hohe Anteil jugendlicher Jobbik-Wähler ist m.E. mit klassischem Anti-Establishment-Denken zu erklären. Man ist gegen das „Althergebrachte“, und dazu gehört neben MSZP auch Fidesz. 68er, nur im Hinblick auf die jüngere Historie eben andersrum. Hinzu kommen Wähler, die unter der fehlenden öffentlichen Sicherheit auf dem Land leiden und solche, die sich als Systemverlierer sehen (von denen gibt es in Ostdeutschland auch welche, auch wenn Sie Vergleiche ablehnen). Wählerstromuntersuchungen zufolge konnte Jobbik gerade in Nordostungarn kräftig aus dem Lager der MSZP schöpfen. Der wirklich rechtsradikale Kern dürfte (glaube und hoffe ich) in der Minderheit sein.

        Bei dem Punkt „Anti-Establishment“ habe ich, was selten genug vorkommt, übrigens eine Philosophin namens Ágnes Heller auf meiner Seite. Die sagte in Wien (Karl Pfeifer war Zeuge) kürzlich sinngemäß das, was ich hier seit Jahren vertrete. Selbst sie bezweifelt, dass man alle Jobbik-Wähler als überzeugte Vertreter der von der Partei vertretenen rechtsradikalen Positionen ansehen dürfe. Viele dürften durch das Kreuz für Jobbik ihrem Protest und ihrer Unzufriedenheit Ausdruck verleihen, aber mit ihrem Alltag zu sehr beschäftigt sein, um sich ständig dem Lieblingsthema der Orbán-Kritiker, irgend welchen Horthy- und Wass-Statuen, zu widmen. Die betrachte ich übrigens erst dann als realen Beweis eines im Mainstream um sich greifenden Revisionismus, wenn statt (maximal) ein paar hundert Neonazis und Horthy-Fans mal 10.000 Leute bei solchen Veranstaltungen aufmarschieren.

        Ganz konkret: Wie viele Ungarn wollen denn aus der EU austreten? Dieser größte inhaltliche Wahlwerbespruch Jobbiks hat in der Bevölkerung faktisch keinen Rückhalt. Übrigens erst Recht nicht bei Fidesz.

        Zusammenfassend: Vielleicht sind die ungarischen Wähler ja um ein vielfaches pragmatischer, als Ihre Vorstellungskraft hergibt, und entscheiden sich aus nachvollziehbaren Gründen für Fidesz. Der Argumentationsansatz, dort sei man beschränkt, mag dem Ego der Orbán-Kritiker schmeicheln, viel Substanz sehe ich aber nicht. Und ich bleibe dabei: Das, was Sie hier über die jammernden Ungarn kollektiv – und gerade nicht auf die Regierung oder auf das Fidesz-Lager bezogen – nicht nur einmal äußerten, kann man getrost als vorurteilsbehaftet, wenn nicht gar (aus deutscher Perspektive) als ausländerfeindlich bezeichnen.

      • Vielleicht noch ein Nachtrag zum Thema „Seelen- und Geisteszustand“:

        Was sagt es wohl über den Geisteszustand des Orbán-Kritikers György Bolgár aus, wenn er sich im ATV-Újságíróklub vom 17.02.2914 hinsetzt und im Gespräch über Orbáns „évértékelö beszéd“ (der Amerikaner spricht von „Rede zur Lage der Nation“) darüber schwadroniert, es seien lauter gut gekleidete junge Menschen im Publikum gewesen. Die hätten sogar weiße Hemden, Krawatten und – jetzt kommt es! – SAKKOS getragen. Das war für Gyuri Bolgár der klare Beweis dafür, dass man sie a) dorthin gesetzt hatte und b) sogar die Losung ausgegeben hatte, wie sie gekleidet sein müssen. Bolgár hielt das für „elképesztö“. Denn dass ein junger Mensch in den 20ern oder frühen 30ern eigenständig bei einer Veranstaltung mit dem „Führer“ (man könnte auch Ministerpräsident sagen) ein Sakko anziehe, sei fernab der Realität.

        http://www.atv.hu/videok/video-20140218-ujsagiroklub-2014-02-17-1-resz

        Ein intellektueller Hochgenuss. Ab 5:50 min.

        Es gehört wohl zur chronischen Erkrankung manch eines Anhängers der Opposition, dass er glaubt, nur Linke und Liberale seien zu eigenständigem Denken fähig. Oder hätten Überzeugungen und Benehmen. Das geht sogar bis zur Kleiderordnung, selbst die entwickelt sich nur im Verordnungswege.

        Wenn Andersdenkende zu ihrer Meinung stehen, werden in der Spitze gar düstere Motive vermutet, oder gar in den Raum gestellt, man sei ein Profiteur des „Orbán-Systems“.

      • @HV: Selbst wenn jemand den Austritt Ungarns aus der EU für einen interessanten Gedanken hält, ist er nicht zwangsläufig rechtsradikal oder wählt Jobbik. Angesichts dessen, dass die EU sich regelrecht weigert sich mit der Angelegenheit der Ungarn in der Slowakei zu befassen, denen die slowakische Staatsbürgerschaft entzogen wurde, noch sich in irgendeiner Form zu den Autonomieforderungen der Székler positioniert, sehe ich persönlich meiner Erwartungen an den Beitritt Ungarns zur EU als nicht erfüllt an. Es stößt mir regelrecht bitter auf wenn die EU von europäischen Werten schwadroniert, beispielsweise wenn es um die Ukraine geht. Dazu kommt, dass sich die wirtschaftliche Situation meiner Angehörigen in Ungarn seit dem EU-Beitritt auch nicht gerade verbessert hat (starker Konkurrenzdruck durch billig eingeführte Konukurrenzprodukte durch Wegfall von Zöllen, zunehmendes Dumping seitens der Großabnehmer…), dann zweifle ich schon stark am Sinn der Mitgliedschaft. Ein Austritt wäre wohl noch verfrüht, aber vielleicht sollte man mal laut darüber nachdenken, damit man in Brüssel versteht: auch außerhalb der EU gibt es Leben. Ich glaube auch nicht, dass das im Sinne derer wäre, die den Rauswurf Ungarns hin und wieder fordern. Egal wie klein Ungarn ist, ein solcher Austritt – besonders wenn der Austretende europäische Werte nicht erfüllt sieht – wäre ein riesen Imageschaden und dem Euro täte es sicherlich auch nicht gut.

        Deswegen würde ich aber im Leben nicht Jobbik wählen.

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