MSZP sieht Mobbing-Versuche aus den Reihen der Gyurcsány-Anhänger

Die Ungarische Sozialistische Partei (MSZP) sowie weitere führende Politiker des vor wenigen Tagen geschlossenen Wahlbündnisses zwischen MSZP und Együtt 2014-PM reagieren gereizt auf das Verhalten mutmaßlicher Sympathisanten der Splitterpartei Demokratische Koalition (DK) des ehemaligen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány auf einer gemeinsamen Veranstaltung am 23. Oktober 2013.

Nachdem beim Auftritt führender Politiker der Linksopposition vor der Technischen Universität in Budapest, bei dem unter anderem der MSZP-Vorsitzende Attila Mesterházy, Gordon Bajnai, Ferenc Gyurcsány, Gábor Kuncze und Lajos Bokros zu Wort kamen, während des Auftritts Mesterházys Buh-Rufe und Einwürfe wie „Geh zur Seite! Du stehst im Weg!“, „Verschwinde!“ aus den Reihen der Gyurcsány-Unterstützer erklangen sein sollen, verkündete Mesterházy noch am selben Tage, dass er die Verhandlungen mit der DK über eine Kooperation als beendet betrachte.

Auch das MSZP-Urgestein Tibor Szanyi (der als einer von zwei MSZP-Abgeordneten im Jahre 2010 ein Direktmandat erringen konnte) sah das Stören der gemeinsamen Veranstaltung am 23. Oktober als Ende der Verhandlungen mit der DK. Gyurcsány sei für das Land genauso schädlich wie Viktor Orbán. Szanyi berichtete davon, wie sich DK-Sympathisanten schon weit vor Beginn der Veranstaltung „strategisch gut“ am Podium positioniert haben sollen, um Mesterházy zu stören. Nach dem Ende der Kundgebung habe er DK-Sympathisanten gesehen, die sich zu ihrem „Sieg“ gratuliert haben sollen.

Kritische Stimmen zum Verhalten der Störer kamen u.a. auch von Benedek Jávor (Együtt 2014-PM) und Péter Juhász, einem der Hauptorganisatoren: Auch er hielt das Gebrüll der etwa 200-300 DK-Sympathisanten für inszeniert.

Die DK-Führung hielt sich bedeckt und versuchte, das Geschehene zu bagatellisieren. Man müsse zusammenhalten und dürfe nicht spalten – eine Aussage, die vor dem Hintergrund der Geschehnisse eher befremdlich wirken mag.

Sucht man nach möglichen Motiven für den Vorfall, so fällt ins Auge, dass die DK, die sich in Umfragen überwiegend deutlich unter der 5%-Hürde bewegt und somit der konkreten Gefahr gegenüber sieht, im kommenden Jahr nicht in das Parlament einzuziehen, ums nackte politische Überleben kämpft. Einzige derzeit greifbare Möglichkeit wäre, sich dem Bündnis aus MSZP-Együtt 2014-PM anzuschließen und auf relativ sicheren Wahlkreis- und Listenplätzen eigene Kandidaten in das Parlament zu bringen. Aus diesem Grund kämpft die Gyurcsány-Partei um eine Aufnahme in das Bündnis, stellt aber hohe Forderungen: Die ihr in Sondierungsgesprächen angebotenen Stimmkreise und Listenplätze schienen ihr wegen des dortigen Fidesz-Übergewichts als nicht aussichtsreich genug. Mehrfach versuchte Gyurcsány, das Linksbündnis durch die Ankündigung, eigene Kandidaten in allen Wahlkreisen und eigene Listen aufzustellen, offen zu erpressen: Er weiß, dass die Opposition – wenn überhaupt – nur gebündelt eine Chance zum Wahlsieg haben kann, ein isolierter Wahlkampf würde letztlich das Bündnis schwächen: Denn Stimmen für eine allein kämpfende DK wären voraussichtlich verschenkt und würden somit der Regierungspartei nutzen.

Zugleich ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Gyurcsány für den einzigen Politiker hält, der in der Lage ist, Ministerpräsident Viktor Orbán zu besiegen. Dass das Duell der Herausforderer wohl zwischen Attila Mesterházy und dem Ex-Ministerpräsidenten Gordon Bajnai ausgemacht wird, stört Gyurcsány, der sich in seinen Reden zur großen Freude seiner meist etwas betagten Anhänger in aggressiven und pathetischen Angriffen gegen die Regierung geradezu überschlägt, sichtlich.

Das Geschehene zeigt, dass die Linksopposition in Ungarn im wesentlichen vom Willen, Viktor Orbán zu stürzen, zusammengehalten wird. Es klaffen, sobald es um Personalien geht, aber immer wieder erhebliche Risse. Es bleibt abzuwarten, ob es der Opposition gelingt, rechtzeitig vor der Wahl inhaltlich und personell zusammen zu finden. Ob eine Eingliederung der DK das Richtige Mittel ist, die Chancen auf die Ablöse Orbáns zu erhöhen, sei dahingestellt.

http://index.hu/belfold/2013/10/24/te_vagy_az_utban_-_igy_szidtak_mesterhazyt_a_dk-sok/

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5 Kommentare zu “MSZP sieht Mobbing-Versuche aus den Reihen der Gyurcsány-Anhänger

  1. Meiner Meinung nach ist das ganze Kindertheater. Es sind in der linken Opposition nach wie vor dieselben Spitzenpolitiker unterwegs wie vor dem 2/3-Sieg der Fidesz Man hat die Leute nur outgesourcet und so gruppiert, dass jeder linke Wähler eine Partei bekommt, die er ohne weiteres wählen kann, ohne die mitzuwählen, die er nicht leiden kann. Gyurcsány polarisiert nun derart stark, dass sich der Rest augenscheinlich möglichst weit von ihm entfernen möchte um glaubhaft zu bleiben. Damit riskiert man zwar, dass die Stimmen für die DK verloren gehen, vermeidet aber andererseits, dass der Gyurcsány-Faktor dem Rest am Ende vielleicht noch mehr kostet, weil die Wähler fernbleiben. Schafft es die DK dennoch ins Parlament einzuziehen, werden wir gar nicht so schnell gucken können wie die Herren eine Koalition bilden. Zumindestens kann man mit der ganzen Geschichte gut von dem Baja-Skandal ablenken.
    Übrigens: wenn man schon deutsches Demokratieverständnis als Maß an der Politik der Fidesz anlegt, dann könnte man das doch auch gleich bei der linken Opposition tun. Nach dem Wahldebakel der Grünen und der FDP letztens wurden ganz schnell personelle Veränderungen vollzogen. Etwas ganz normales wie ich finde, weil derselbe Politiker selten eine so radikale politische Erneuerung glaubhaft vermitteln kann. In Ungarn ist eben das nicht geschehen: Mesterházy, Gyurcsány und Bajnai – die kennen wir alle schon von vorher (diejenigen, die in Ungarn offen zugeben eine liberale Politik zu verfolgen, schließe ich von diesem Vorwurf aus). Das könnte man auch Orbán vorwerfen, aber der hat keine derartige Watschn vom Wahlvolk bekommen.

    „Zugleich ist es ein offenes Geheimnis, dass sich Gyurcsány für den einzigen Politiker hält, der in der Lage ist, Ministerpräsident Viktor Orbán zu besiegen.“
    Was einmal mehr dessen narzistische Persönlichkeitsstörung belegt.

    „Gyurcsány sei für das Land genauso schädlich wie Viktor Orbán.“
    Dass Gyurcsány schädlich für das Land ist, ist absolut korrekt, aber da ist Szanyi bzw. die MSZP ja ein echter Blitzmerker. Das hätte man auch schon nach dessen Amtszeit feststellen können. Interessant aber, dass Gyurcsány jetzt offenbar in dieselbe Grube gestoßen wird, die er vorher Viktor Orbán mitgegraben hatte: er wird zum Undemokraten degradiert.

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