Széklerland: Über 100.000 Teilnehmer demonstrieren für territoriale Autonomie

Am Wochenende nahmen mehr als 100.000 Menschen an einer Massendemonstration im mehrheitlich ungarisch besiedelten Széklerland in Rumänien teil, um territoriale Autonomie zu fordern. Zwischen den Orten Brassó und Bakó wurde eine 53 Kilometer lange Menschenkette gebildet.

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Weitere Bilder: http://galeria.index.hu/belfold/2013/10/27/szekelyek_nagy_menetelese/

Anlass der Veranstaltung waren aktuelle Pläne der rumänischen Regierung einer Gebietsreform, die zur Folge hätte, dass mehrheitlich (zum Teil bis zu 75%) von der Minderheit besiedelte Gebiete anderen Verwaltungsbezirken zugeschlagen werden. Kritiker befürchten einen Anstieg des Assimilierungsdrucks, den Verlust kultureller Autonomie und die Beschränkung von Minderheitenrechten. Veranstaltet wurde die Großdemo von der Partei RMDSZ, der sich weitere Gruppen anschlossen. In seltener Einigkeit unterstützten sowohl die ungarische Regierungspartei Fidesz, die Sozialisten (MSZP), die grün-alternative LMP sowie Együtt 2014-PM die Aktion.

http://index.hu/belfold/2013/10/27/szegyellem_hogy_a_multban_volt_kozom_bajnaihoz/

http://itthon.transindex.ro/?hir=34507

Parallelveranstaltungen fanden in mehreren ungarischen Städten statt. In Budapest nahmen auch die „national eingestellten Motorradfahrer“, eine rechtsradikale Vereinigung, an der Veranstaltung teil.

Zwischenzeitlich wurden durch den sozialdemokratischen rumänischen Parlamentsabgeordneten Bogdan Diaconu Strafanzeigen bei der Obersten Staatsanwaltschaft gegen die Organisatoren eingereicht. Der für snti-ungarische Auffassungen bekannte Parlamentarier sieht die verfassungsmäßige Ordnung verletzt und den Tatbestand der Aufstachelung zur Diskriminierung erfüllt. Die rumänische Sozialdemokratie treibt die besagte Gebietsreform mit Nachdruck voran.

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4 Kommentare zu “Széklerland: Über 100.000 Teilnehmer demonstrieren für territoriale Autonomie

    • 1. Auch Deutschland entschied sich bei der NUTS zur Beibehaltung der Bundesländer statt künstlicher neuer Regionen. Das ist legitim, nicht skandalös. Ich habe im Rahmen meines Studiums eine Arbeit über die Regionalisierung geschrieben, kenne mich also minimal aus. Die Hauptmotivation bei der Regionalisierung ist, dass zusammenwächst, was zusammengehört. Daher wurde auch die Schaffung grenzüberschreitender Regionen (Europaregionen) gefördert, in der Hoffnung, dass aus diesen zunächst inoffiziellen Regionen mit der Zeit neue Verwaltungsregionen entstehen würden. Leider sind den Organen der EU, die sich mit der Regionalisierung beschäftigen, ein wenig die Hände gebunden, da eine Art napoleonische Aufoktroyierung von Verwaltungsregionen zu Recht als schwerwiegender Eingriff in die Souveränität der Einzelstaaten gilt. Daher begnügt man sich jetzt noch mit Regionen, welche statistische und fördermitteltechnische Zwecke erfüllen.
      2. Die Schaffung ökonomisch ausbalancierter Regionen ist zwar wünschenswert, aber bei weitem nicht so grundlegend, wie es Frau Balogh impliziert. Davon abgesehen ist es falsch, dass die Kreise des Szeklerlandes die unterentwickeltsten und ärmsten Regionen Rumäniens seien. Wenn man das BIP pro Kopf in Betracht zieht, liegen die drei im Artikel genannten Kreise zwar knapp unter dem nationalen Durchschnitt, aber immer noch im Mittelfeld. Die Durchschnittslöhne sind in Hargita und Kovászna mit am höchsten. Jemand, der so etwas behauptet, kennt Rumänien nicht. Das Gefälle fällt einem extrem auf, wenn man beispielsweise vom Szeklerland Richtung Moldau fährt. Ganz zu schweigen den Regionen im Süden der Walachei. Brassó ist übrigens nicht die zweitentwickeltste Region, sondern Temes. Ich gebe aber zu, dass auch Brassó gut unterwegs ist.
      3. Ich fand nicht, dass dem Szeklermarsch so viel mediale Aufmerksamkeit vergönnt war. Die rumänischen Medien schwiegen die Demonstration mehr oder weniger tot, im Westen hat man fast nichts gehört.
      4. Es gibt sehr konkrete Pläne zur Ausgestaltung der Autonomie. Die Szekler beschäftigen sich seit zwanzig Jahren mit nichts anderem (was ich wiederum auch kontraproduktiv finde). Die Autonomie ist eine gute Sache, weil sie die Siebenbürger Ungarn mit Rumänien versöhnen würde. Ich zumindest wäre besänftigt. Für mich war jeder aus Wahlkampftaktik geäusserte, halbwegs ungarnfreundliche Satz von Basescu Balsam für die Seele. Ich finde empfinde es als grosses Privileg meiner Cousins und Cousinen, dass sie in ihrem Heimatland zweisprachig aufwachsen können: Ich habe den Eindruck, dass Ungarn aus Siebenbürgen Fremdsprachen grundsätzlich einfacher und besser lernen, als die Ungarn aus Ungarn. Rumänien hat einen Meereszugang, über 20 Mio. Einwohner, Möglichkeiten, Möglichkeiten, Möglichkeiten… Ich verstehe aber meine Verwandten, wenn es sie nervt, dass es immer noch eine Ungarnfrage in Rumänien gibt. Gebt den Szeklern ihre Autonomie, dann können alle zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen.
      5. Nicht direkt zum Artikel: Ara-Kovács lebt, wie mir Wikipedia sagt, seit 1983 in Ungarn. Seit 1983 hat sich viel verändert. Davon abgesehen gibt es gewisse lokalpatriotische Gegensätze zwischen Szeklern und Leuten aus dem Partium. Seine Herkunft ist daher kein Argument für die Authentizität von Ara-Kovács‘ Äusserungen.

  1. Na, wer wird sich schon für die Autonomie der Szekler in Rumänien interessieren, noch dazu wenn „In seltener Einigkeit ….. sowohl die ungarische Regierungspartei Fidesz, die Sozialisten (MSZP), die grün-alternative LMP sowie Együtt 2014-PM die Aktion.unterstützten.“
    Die Presse weltweit hat doch soeben ihr neues Lieblingsthema gefunden. Da lässt sich ne Menge daraus machen und zwar die „Ungarische Morgenröte“
    Na, dann
    Gute Nacht.

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