Regierungspartei und Sozialisten verurteilen Enthüllung von Horthy-Büste in Budapest

Die ZEIT berichtet über die Enthüllung einer Büste zur Ehrung des Reichsverwesers und Hitlerverbündeten Miklós Horthy. Die Veranstaltung, die von der rechtsradikalen Oppositionspartei Jobbik und dem ihr nahestehenden reformierten Geistlichen Lóránt Hegedüs jun. ausgerichtet wurde, wurde von Sympathisanten und Gegendemonstranten begleitet.

Sowohl die Regierungspartei Fidesz als auch die Sozialisten kritisierten die Einweihung.

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2013-11/budapest-miklos-horthy-denkmal-ungarn

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44 Kommentare zu “Regierungspartei und Sozialisten verurteilen Enthüllung von Horthy-Büste in Budapest

  1. Immer noch kurzes O und langes Ű: Hegedűs Loránt… 🙂
    Ich kenne jemanden, der heute in der Nähe im Gottesdienst war (nicht in dieser Kirche) und das Spektakel auf dem Heimweg beobachten konnte. Es seien wohl auf beiden Seiten etwa 50 Demonstranten gewesen, die Statue ist meinem Bekannten nicht aufgefallen, dafür jede Menge Jobbikflaggen.
    Zu der Kirche muss man wissen, dass es dort auch bisher eine Horthy-Gedenktafel gab, nur ist das bisher scheinbar niemandem aufgefallen oder war niemandem einen Skandal wert.

  2. Dieser Text widerspricht der hier oft geäußerten Meinung, dass die deutschen Medien jede positive Geste der Regierung verschweigen, denn korrekterweise wurde erwähnt, dass ein Vertreter von Fidesz, in diesem Fall der Bürgermeister des V. Bezirks, also der Innenstadt, Antal Rogán sich gegen diese Aktion von Jobbik und des berüchtigten reformierten Pfarrers Loránt Hegedüs jun. aussprach.

    • „Dieser Text widerspricht der hier oft geäußerten Meinung, dass die deutschen Medien jede positive Geste der Regierung verschweigen“

      Ausnahmen bestätigen die Regel, Herr Pfeifer. Eine diesbezügliche Analyse der deutschsprachigen Presse gibt ein klares, eindeutiges Bild.

      • Fidesz Schuld am Horthy -Kult ?
        Fidesz hat zwar den Rechtsruck genutzt, um die jenigen einzufangen, die von Links nach rechts gewandert sind, jedoch Schuld am Rechtsruck tragen im Wesentlichen Megadeppen wie Gyurcsány und das Gros der MSZP/SZDSZ Politiker, die mit Vetternwirtschaft und Staatsverschuldung den heutigen Zustand in 8 grandiosen Regierungsjahren herbeigeführt haben. Der eigentliche Skandal ist, das diese Leute noch immer von der SPD, der SPÖ,… und dem Großteil der westl. Medien unterstützt werden. Läuterung dieser unglaubwürdigen Poltiker ist kaum in Sicht. Sehen Sie das anders?
        Wer (wirtschaftlich) zufrieden ist, trachtet nicht nach politischen Veränderungen.
        Kann man schon in der Schule lernen, gute(r) Politiklehrer/in vorausgestzt !!

  3. So begrüßenswert der Eifer unseres lieben Herrn Pfeifer diesmal ist, so dümmlich wirkt er, wenn von ihm versucht wird, hier den Eindruck zu erwecken, „dass die deutschen Medien jede positive Geste der Regierung verschweigen.“
    Zählt etwa das Printmedium Die Welt, für das Kálnoky doch sehr ausgewogen über Ungarn berichtet, etwa nicht mehr zu den „deutschen Medien“ ?
    Gar nicht zu reden, von diesem Blog, in dem nicht nur Psychopathen wie Herr Herche sich äußern können.

  4. Die Wiener Tageszeitung „Die Presse“ berichtete u.a.
    „…Hunderte Gegendemonstranten mit gelben Sternen versammelten sich gegenüber der Kirche, um gegen das Denkmal zu protestieren. Sie forderten „Nazis raus, es reicht!“ Auf Transparenten waren durchgestrichene Hakenkreuze zu sehen. Aus den Reihen der Horthy-Anhänger wiederum kamen Rufe wie „dreckige Juden“, und es erklangen Hochrufe auf Horthy….“
    http://diepresse.com/home/panorama/welt/1471718/Budapest_HorthyDenkmal-in-Innenstadt-enthuellt

    Interessant ist, dass die reformierte Kirche Ungarns dazu bislang geschwiegen hat.

    • Stimmt doch gar nicht, Herr Pfeifer.
      In der Vergangenheit gab es schon mehrere kircheninterne Versuche, ihn zu massregeln. So wurde zum Beispiel ein Verfahren eröffnet, um ihm das Predigen während seines früheren Parlamentsmandats zu verbieten. Auch gab es m.W. ein Verfahren gegen ihn, als er sich vor einem staatlichen Gericht wegen seiner Aussagen verantworten musste (da er freigesprochen wurde, erübrigte sich auch das kirchliche Verfahren). Zuletzt wurde im Frühjahr diesen Jahres ein Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet (http://www.origo.hu/itthon/20130412-fegyelmi-vizsgalat-ifjabb-hegedus-lorant-ellen.html oder auch http://www.atv.hu/belfold/20130412_fegyelmi_vizsgalat_lelkeszi_hivatalat_is_elvesztheti_hegedus_lorant).

      In der Vergangenheit wurde er aufgrund der Verdienste seines seligen Vaters (der übrigens alles andere als ein Antisemit war) mit Samthandschuhen angefasst. Inzwischen besteht die schwierige Situation, dass der Junior einen ungebrochenen Rückhalt in seiner Gemeinde hat, und die Gemeinde finanziell sehr gut aufgestellt ist, also nicht von Almosen der Reformierten Kirche abhängig ist. Ebenso wie Herr Hegedûs einfach weiterpredigte, obwohl er zugleich Abgeordneter war (was Balogh Zoltán übrigens auch tat), würde er sich auch damit arrangieren, wenn man gegen ihn die härtesten Strafen, die das kirchliche Disziplinarrecht vorsieht, aussprechen würde. Herr Hegedûs würde wohl eine Sekte gründen.

      Ein wenig zum Allgemeinwissen: Die Reformierte Kirche ist weitestgehend eine presbyterianische Kirche, naturgemäss hat die Gemeinde das grösste Mitspracherecht. Die Mittel der oberen Kirchenorganisation sind ziemlich beschränkt, zumindest verglichen mit der Römisch-Katholischen Kirche.

  5. Die Kirche eröffnet wieder ein Disziplinarverfahren gegen ihn, die Höchststrafe wäre der Verlust seines Amtes. Rechtsgrundlage (insb. § 91): http://www.reformatus.hu/data/documents/2013/06/28/A_lelkészek_szolgálatáról_és_jogállásáról_szóló_2013._évi_I._törvény.pdf

    Der Bischof, zu dessen Bezirk die Kirche gehört, wird bei HVG (Link im anderen Comment) wie folgt zitiert:
    „A vizsgálat lefolytatásáig csak megütközésemet tudom kifejezni, hogy egyházunk közfelfogását és korábbi megnyilatkozásait semmibe véve, a keresztyéni közösséget lejáratva a Szabadság téri református templomban provokatív politikai akciót szerveztek, amelynek politikai hasznát máris ki-ki maga láthatja, ám egyházunk tisztességének és a lelkipásztori szolgálat becsületének okozott kára beláthatatlan“

    „Bis zur Durchführung des Verfahrens kann ich nur meine Entsetzung darüber ausdrücken, wie ohne Rücksicht auf die allgemeinen Meinung der Kirchenmitglieder und das Ansehen der Reformierten Kirche in der Kirchgemeinde am Szabadság tér eine provokative politische Aktion veranstaltet wurde, deren politischer Nutzen gegenteilig ist. Es ist ein unabsehbarer Schaden für die Integrität der Kirche und den Ruf des seelsorgerischen Amtes entstanden.“

    (Die Übersetzung ist nicht perfekt, da man „egyházunk közfelfogását“ sowohl als „öffentliche Meinung in der Kirche“ als auch als „öffentliche Meinung über die Kirche“ übersetzen kann. Auch schaffe ich es nicht, die Ironie des „politischen Nutzens, den jeder für sich sehen kann“ zu übersetzen, daher habe ich auf die Ironie verzichtet.)

    Ich bin leider nicht so optimistisch, was das Ergebnis des Verfahrens angeht. Auch ein staatliches Gericht würde ihn nicht verurteilen, auch nicht in Deutschland. In Deutschland musste Herr Mahler schon vor Gericht den Hitlergruss zeigen, um seine Anwaltszulassung zu verlieren und konnte sich im Vorfeld einiges erlauben. Herr Hegedûs ist nicht so ein Prolet und die hohen kirchlichen Disziplinarstrafen (wenn man so will, Berufsverbot) sind wirklich dazu da, die Ärgsten zu bestrafen. Sollte er beispielsweise von der Kanzel zu einem Pogrom aufrufen, wäre der Fall klar. So aber, dass er nur eine Büste eines umstrittenen (aber nicht einhellig verurteilten) Politikers vor seiner Kirche einweiht und einige seiner Anhänger (nicht er selber) über die Stränge schlagen, lässt sich nicht so viel machen. Man sollte dafür beten, dass er zu Sinnen kommt (oder wirklich seine eigene Kirche aufmacht).

  6. Ich hätte da zunächst eine Verständnisfrage: Im Eingangsbereich dieser Kirche standen meiner Erinnerung nach schon immer irgendwelche fragwürdigen Büsten herum. Ich meine, dass eine davon sogar Horthy zeigte. Hat man jetzt eine zweite Horty-Büste an derselben Stelle enthüllt oder die alte an einer zentralere Stelle gerückt?

    Gemeindeautonomie bei den Kalvinisten hin oder her, ich begreife einfach nicht, wie ein solcher Mensch wie Hegedüs weiter Pfarrer sein kann.

      • Danke für den Link.
        Ich verstehe aber nicht, warum Lendvai den Artikel mit der unredlichen Aussage über „600-700“ Gegendemonstranten kaputtmacht. Es waren vielleicht so viel, wenn man die Gemeindemitglieder dazuzählt. Ein (gegenüber der Gemeinde negativ voreingenommener) Augenzeuge zählte 60 Wohlstandskinder, die gegen die Statue demonstrierten. Auch die Fotos von HVG (http://hvg.hu/nagyitas/20131103_Sarga_csillag_es_Horthy_szobor_a_Szabadsa) zeugen nicht von so vielen Demonstranten.
        Wahrscheinlich ist es ein ungarischer Reflex, dass man bei der quantitativen Angabe von Demonstranten stets lügen muss. Dabei könnte man ja gerade herausstreichen, dass in Ungarn kaum mehr als 60 Personen gewillt seien, gegen die Rehabilitierung von Horthy zu demonstrieren. Thema: Politikverdrossenheit, Ignoranz und Zustimmung.

      • Gerade lese in der (öffentlichen) Facebook-Gruppe „Aufmarsch – die rechte Gefahr aus Osteuropa“ von dpa-Korrespondent Gregor Mayer und Tagesanzeiger-Mitarbeiter Bernhard Odehnal eine Anmerkung von Mayer, der den Fidesz-Fraktionschef Antal Rogán als „Pharisäer“ bezeichnet, weil (und jetzt bitte festhalten!) er die Aufstellung der Büste nicht verhindert hat, aber hätte verhindern können, weil es sich um eine „bauliche Änderung“ handele, die „in jedem normalen Land“ von der Baubehörde genehmigt hätte werden müsse und damit Rogán (der auch Bürgermeister des V. Budapester Bezirks – Innenstadt – ist) „unterstellt“ sei. Gregor Mayer, der nunmehr zum Experten im ungarischen öffentlichen Baurecht geworden zu sein scheint, meint, es handele sich deshalb um eine bauliche Änderung, weil die Büste von außen zu sehen sei und damit das Bild des Szabadság tér verändere. Einen solchen – mit Verlaub – an den Haaren herbeigezogenen Unsinn habe ich seit langem nicht mehr gelesen. Fakt bleibt: 1. Rogán hat die Aufstellung der Büste verurteilt, und – was die gesamte deutschsprachige Presse unter den Tisch fallen ließ – betont, er habe immer auf dem Standpunkt gestanden, dass Horthy keine Denkmäler verdiene, ebensowenig wie János Kádár. http://www.hirado.hu/Hirek/2013/11/04/13/Rogan_Horthynak_nem_jar_szobor_.aspx 2. Die Büste stand bislang – neben der von Albert Wass und Dezsö Szabó (@ Joe DiMaggio: Ich weiß, mit langem „ö“ :-)…) im Vorraum der Kirche, wenn auch nur aus Gips und nicht an ganz so prominenter Stelle. Was offenbar keinen gesteigerten Aufruhr verursachte (daher auch Rogáns Einschätzung, die jetzige Aktion sei eine Provokation). 3. Die Büste steht unstreitig auf Privatgrund, nämlich dem der „Kirche der Heimkehr“ des Nazi-Pfaffen Loránt Hegedűs. Dass man sie von außen sieht, macht ihre Errichtung in einem „normalen Land“ noch lange nicht zur baulichen Änderung. Mit dieser Argumentation wäre die Errichtung z.B. des Wallenberg-Denkmals in der Budapester Hauptsynagoge (ein stilisierter Baum aus Metall) genehmigungspflichtig gewesen – es ist von der Straße aus sichtbar. Ich glaube kaum, dass man ein solches Baurecht will. Offenbar hat man aber diesmal nichts griffigeres, um es Fidesz und Rogán zum Vorwurf zu machen. Also zieht man sich auf phantasievolle Konstruktionen zurück. Ich halte das für unseriös. Der Belastungseifer manch eines Beobachters ist offenbar so groß, dass eine Argumentation auf Grundlage von Fakten nicht mehr möglich ist.

  7. Einige Links aus den Reihen der reformierten Kirche.

    http://www.reformatus.hu/mutat/8842/

    „… a keresztyéni közösséget lejáratva a Szabadság téri református templomban provokatív politikai akciót szerveztek, amelynek politikai hasznát máris ki-ki maga láthatja, ám egyházunk tisztességének és a lelkipásztori szolgálat becsületének okozott kára beláthatatlan.“- Dr. Szabó István püspök nyilatkozata. http://www.parokia.hu/hir/mutat/5037/

    http://mandiner.blog.hu/2013/11/05/horthy_oroksege_nem_lehet_bronzba_onteni

    „Mert azt a feladatot kaptam, hogy mindenkinek hirdessem Krisztus evangéliumát, balosnak és jobbosnak, libsinek és szittyának, magyarnak, jásznak, kunnak, székelynek és zsidónak, romának, románnak, bárkinek, aki odajön. És erre jön egy hangos performansz én meg jópár kilométerrel távolabb is söpörhetem a törmelékeket. Vajon a Szabadság térre ezek után mindenki oda mer menni? Szívesen látják?“

    http://reposzt.hu/blog/bella-p%C3%A9ter/2013-11-05/egy-meg-nem-%C3%ADrt-poszt-szabads%C3%A1g-t%C3%A9ri-templomban-t%C3%B6rt%C3%A9nt-szoboravat%C3%A1sr%C3%B3l

    http://www.peticiok.com/reformatus_lelkeszek_tiltakozasa

  8. Irgendwie ist mein Geschichtsbild jetzt ins Wanken gekommen. Der Grund dafür ist, dass ich mich schon seit Tagen frage: Ist Horthy jetzt seit 2010 eine „schlimmere“ Person als vorher?
    Ich denke da ganz speziell an die Jahre 2001, 2007, 2008, 2009.
    1993 hab ich mal mit Absicht weggelassen.
    Ja, wo waren sie denn da unsere Antifaschisten???

    PS.Von mir aus könnte man die Horthy Denkmäler oder was auch immer auf dem Friedhof der Geschichte entsorgen (gemeinsam mit den Erinnerungstafeln, -büsten von Iwan Franko)

      • Im Bericht von Pusztaranger über den Jobbik Aufmarsch aus 2009 fiel mir zweierlei auf:

        1) Der Aufmarsch wird in keiner Weise mit der damaligen Regierung in Verbindung gebracht. Die Polizei wird zwar sanft kritisiert, der heutzutage obligatorische Schwenk zur Regierung blieb damals aus.
        2) Die Fotos von Pusztaranger deuten an, dass die Teilnehmerzahl, und auch der Anteil von Uniformierten an der Kundgebung recht groß war.

        Ich habe gegoogelt, ob ich in der deutschen Mainstream-Presse etwas über den Aufmarsch 2009 finde. Meine suche war erfolglos. Es ist merkwürdig: in der Regierungszeit der Vorgängerregierung wurden Aufmärsche von Extremisten von der ausländischen Presse meistens ignoriert. Heutzutage reichen paar Hundert und es wird berichtet, der Schwenk zur Regierung kommt auch fast immer. Richtig übel wird es, wenn dazu auch noch Fotos oder Videosequenzen aus der Zeit vor 2010 verwendet werden.

  9. halász, vielleicht hängt das damit zusammen, dass in einigen von Fidesz kontrollierten Medien ungehemmte rassistische und antisemitische Hetze stattfindet. Ich habe in meinen kritischen Texten auch die Regierung – wenn ich mich richtig erinnere 2004 – wegen der Toleranz gegenüber diesen Nazi kritisiert.

    • Unser lieber Herr Pfeifer erklärt die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen über Ungarn mit der ungehemmten rassistischen und antisemitischen Hetze, die in einigen, von Fidesz kontrollierten Medien stattfindet.

      Ich frage mich nur, warum die rassistische und antisemitische Hetze, die in einigen, angeblich von Fidesz kontrollierten Medien stattfindet, jedesmal ungehemmt als Wirbelwind durch die deutschsprachigen Medien fegt?

    • Herr Pfeifer, was in den ungarischen Medien stattfindet ist eine andere Geschichte. Hier geht es darum, was in den Medien in Deutschland und Österreich stattfindet. Diese Medien finden die groteske Veranstaltung, auf der eine Horthy Büste, die schon vor Jahren (in der Zeit der Vorgängerregierung) aufgestellt war und praktisch zum zweiten Mal vor hundert meist betagten, teils seltsam kostümierten Teilnehmern auf Privatgrund enthüllt wird, wichtiger, als die martialischen Aufmärsche vor 2010. Diese tragikomische Posse mit dem Horthy Denkmal scheint auch wichtiger zu sein, als die historische Rede von Navracsics, von der ich in den deutschsprachigen Medien noch immer nichts lesen oder hören konnte.

      • Werter halász,

        was meinen Sie? Hätte man von Navracsics‘ Rede dann etwas lesen können, wenn man darin etwas „belastendes“, d.h. kryptofaschistisches, hätte erschnüffeln können. Ich bin mir dessen nämlich sicher.

        Das war offenbar nicht der Fall. Daher auch das beredte Schweigen.

  10. Na, da muss ich doch auch gleich noch eine Frage loswerden.
    Weshalb wird nie auf die Rolle von Baky während der Horthy-Zeit eingegangen?
    Ich glaube doch nicht, dass es etwas damit zu tun hat, daß ihn keiner kennt?

    Klubradio hat auch (fast) keiner gekannt 😉

    • Woher hätte Horthy damals auch wissen können, dass uns die Einschätzung Bakys heute als „politisch nicht korrekt“ erscheinen muss, weil Faschisten ja längst nicht mehr mit Kommunisten verglichen werden dürfen. Vor allem, seitdem wir wissen, dass sich die deutschen Sozialdemokraten demnächst mit der aus der Zwangsvereinigung von 1946 hervorgegangenen SED-Nachfolgepartei verbünden werden und Gysi, der nie mit der Stasi zusammengearbeitet hat, Westerwelle beerben will, um als deutscher Außenminister im Sinne des von Leonid Breschnew Anfang der 1980er Jahre geprägten Terminus „Gemeinsames Haus“ Europa Putin in die Hand zu spielen.

      Wer weiß, vielleicht hat Veesenmayer, der in einem Telegramm an Ribbentrop über ein Gespräch mit Horthy berichtete, das am 4. Juli 1944 stattgefunden haben soll, sich das alles ja nur aus den Fingern gesogen. Nach Gründen für die Verbreitung falscher oder irreführender Informationen über Horthy musste er ja nicht lange suchen. Es dürfte Veesenmayer nämlich schon damals klar gewesen sein, was seit Karl Pfeifer unumstößlich gilt, nämlich dass „in einigen von Fidesz kontrollierten Medien ungehemmte rassistische und antisemitische Hetze stattfindet“.

      Veesenmayers zeichnet in seinem Telegramm an Ribbentrop ein völlig falsches Bild von Horthy und ist somit ist ein Schulbeispiel der Desinformation: (Oder etwa nicht?)

      Veesenmayer kabelte an Ribbentrop:
      „Am schärfsten kritisierte er (Horthy) die Staatssekretäre Baky und Endre, wobei er letzteren als nicht normal bezeichnete und vertraulich erwähnte, daß zwei seiner Onkeln im Irrenhaus gestorben seien. Baky sei nur politische Windfahne, der heute zu uns und morgen auch zu den Bolschewisten halten würde.

      Zur Judenfrage erwähnte er, daß er täglich von allen Seiten aus dem In- und Auslande mit Telegrammen bombardiert würde, so vom Vatikan, vom König von Schweden, von der Schweiz, vom Roten Kreuz, und dergleichen mehr. Er sei kein Freund der Juden, trete aber aus politischen Gründen für die christlichen Juden ein, ferner für die Beibehaltung der jüdischen Ärzte sowie die Belassung der jüdischen Arbeitskompanien in Ungarn, insbesondere soweit diese für kriegswichtige Arbeiten eingesetzt sind. Schließlich verpönte er das Thema, erging sich in allgemeinen Ausführungen und historischen Erinnerungen, aus denen er den Beweis liefern wollte, daß Ungarn der einzig echte Bundesgenosse des Reichs sei.“

      Veesenmayer soll daraufhin zu Horthy gesagt haben:

      „… Dasselbe gelte für die Judenfrage, die zwar von Ungarn durchgeführt, aber praktisch ohne unsere Hilfsstellung nie gelöst werden könnte. Schon jetzt erkenne die ungarische Bevölkerung in zunehmendem Maße, welche ungeheuren Gefahren und welche Belastungen das Judentum für Ungarn bedeuteten. Auch verbinde sich mit seinem Namen (Horthys) insbesondere aus der Zeit nach dem Weltkrieg die Vorstellung eines Kämpfers gegen das Judentum und den Bolschewismus und wir täten deshalb nichts anderes als diese seine frühere Einstellung verwirklichen zu helfen.“

      (Telegramm von Veesenmayer an Ribbentrop vom 6.7.1944, in: Braham „Destruction“, Doc. 186)

  11. Ist eigentlich etwas bekannt , dass man 2006 von „sozialistischer“ Seite gegen den Film von
    Koltay Gabor „Horthy a kormányzo“ protestiert hat???
    Sicher sah man 2006 darin kein Problem, denn damals musste man ja die Demokratie noch nicht retten!!!

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