Sozialisten positionieren sich für den Wahlkampf

Die Ungarischen Sozialisten (MSZP), die größte Oppositionspartei im ungarischen Parlament, positioniert sich für den Wahlkampf. Bei der heutigen Präsidiumssitzung wurden folgende Personalentscheidungen getroffen:

Gábor Ferencz, früheres Mitglied der Redaktion der größten ungarischen Tageszeitung Népszabadság, wird Kommunikationschef- Ágnes Kunhalmi wird Sprecherin
László Kovács, früherer Außenminister und EU-Kommissar, sowie Ildikó Lendvai, werden Parteichef Attila Mesterházy als Berater unterstützen. Eine weitere Beraterrolle übernimmt György Földes, der Direktor des Politikhistorischen Instituts.

Zsolt Török, der bisherige Parteisprecher, bleibt ebenfalls im AMt. Er soll wegen der Affäre um das gefälschte „Stimmenkauf“-Video seinen Rücktritt angeboten haben, was das Präsidium jedoch ablehnte. Török hatte mehrfach bestritten, dass die Sozialisten das „inszenierte Video“, welches einen Stimmenkauf durch Fidesz bei der Nachwahl zum Gemeinderat im Ort Baja, an die Wochenzeitung HVG weitergegeben hätten. Mittlerweile steht fest, dass die Macher des Videos dieses in der MSZP-Parteizentrale an Funktionäre übergeben hatten, von dort aus gelangte es dann an die HVG. Der Chefredakteur der Zeitung ist mittlerweile zurückgetreten, die Redaktion hat sich entschuldigt und Fehler eingeräumt.

Die Personalien Kovács, Lendvai und Földes überraschen insoweit, als sie dem von Vielen erhofften Ansatz der Erneuerung der Führungsriege der Partei einen Dämpfer geben. Gerade Lendvai, ehemals als Mitarbeiterin bei der Zensurbehörde im Kádár-System, und Kovács, der ebenfalls seine Karriere noch vor 1989 begann (seit 1968 in der MSZMP, zuletzt Mitglied im ZK), gehören zu den „Urgesteinen“ der Sozialisten und verkörpern eher die personelle Kontinuität zur Vorgängerpartei MSZMP als einen Neuanfang. Allerdings verkörpern sie auch eine Abkehr von den neoliberalen Ansätzen der Partei; die Berufung der beiden dürfte als Zeichen in Richtung der Stammwähler zu deuten sein.

http://index.hu/belfold/2013/11/05/lendvai_ildiko_es_kovacs_laszlo_lesz_mesterhazy_attila_tanacsadoja/

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3 Kommentare zu “Sozialisten positionieren sich für den Wahlkampf

  1. Der Politanalyst und Hochschullehrer Gábor Török hat der Wochenzeitung HVG ein längeres Interview gegeben.

    Der auch gegenüber Fidesz kritische und (wegen der Hasskultur und Hysterie) um die ungarische politische Kultur besorgte Török über die Politik der „Linken“:

    „(…) die Linke hat keine positive Geschichte zu erzählen, hat keine Narrative. Außer, dass „Orbán gehen muss!“, könnte ich keine drei Sätze aufzählen, in denen die MSZP oder Együtt 2014 über sich selbst und über das sprächen, was die Wähler betrifft. Fidesz hat eine eigene Narrative, die zwar aus tausend Wunden blutet, aber es gibt sie, man kann sie wählen: Nationale Zusammenarbeit, Wahkabinenrevolution, Freiheitskampf, Souveränität, Banken, Kommunisten, Brüssel – darüber kann man sprechen, damit kann man sich identifizieren. Aber was ist die heutige Linke? Viktor Orbán, multipliziert mit minus 1.“

    „(…) a baloldalnak ugyanis nincs pozitív története, meséje, narratívája. Azon túl, hogy „menjen Orbán!”, én nem tudnám összefoglalni három mondatban az MSZP, vagy az Együtt önmagáról szóló, de a szavazókat megérintő mondanivalóját. A Fidesznek van ilyenje, ami hiába vérzik ezer sebből logikailag, mégis létezik, választható: nemzeti együttműködés, fülkeforradalom, szabadságharc, szuverenitás, bankok, kommunisták, Brüsszel – ezt el lehet mesélni, ezzel lehet azonosulni. De mi ma a baloldal? Orbán Viktor szorozva mínusz eggyel.“

    Vor dem Hintergrund dieser Einschätzung, die ich zu 100% teile, wundere ich mich nicht, weshalb die sog. Linke dort steht, wo sie steht. Worüber ich mich hingegen schon wundere, ist, dass die ausländische Presse die programmlose Linke dennoch unterstützt, und ihren Lesern vorgaukelt, es handele sich um eine nach greifbaren Inhalten wählbare Alternative. Das ganze Ausmaß der politischen Zwickmühle, in der sich viele ungarische Wähler befinden, bleibt dem Leser hierzulande verborgen. Aus diesem Grund liest man in den Foren deutscher Online-Zeitungen auch so oft über die angeblich so dummen Ungarn, die ja noch immer hinter ihrer Regierung stehen. Ja, aber im derzeitigen Ausmaß wohl am ehesten mangels Alternativen. Und das kann man nun wirklich nicht der Regierung, sondern nur der Opposition anlasten.

    http://hvg.hu/itthon/20131106_Torok_Gabor_Fidesz_MSZP

  2. So eine Dummheit
    „Aus diesem Grund liest man in den Foren deutscher Online-Zeitungen auch so oft über die angeblich so dummen Ungarn, die ja noch immer hinter ihrer Regierung stehen. Ja, aber im derzeitigen Ausmaß wohl am ehesten mangels Alternativen“.
    Genau so ist es, HV ! Sie denken wirklich, die seien dumm, die Ungarn. Dass sie, die Schreiber in deutschen Foren, schlecht informiert sein könnten, fällt denen selber gar nicht ein. Ich habe schon hunderte Male die Lügenrede von Gyurcsány in Balatonöszöd in Gesprächen erwähnt. Betroffenes Schweigen war oft die erste Reaktion – im ahnungslosen Westen.
    Die werden sich wundern, 2014. Und die dummen westlichen Medien haben dem gerissenen Orbán mit ihrer „Information“ für Ahnungslose – für die dummen im Westen also – sogar noch geholfen. Wer daran zweifelt ist dumm.
    Wer sich eben als erfolgreicher Herrenmensch fühlt, wie Deutsche und Österreicher sich eben oft fühlen, bekommt die Lüge nicht mit. Die Alternative zur Lüge wäre erst mal sich zu Informieren. Aber bei solchen Typen wie Lendvai und Konrád braucht man nicht auf Information warten.

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