Spiegel Online: Keno Verseck über das Holocaust-Gedenkjahr 2014

Keno Verseck berichtet über das von der ungarischen Regierung geplante Holocaust-Gedenkjahr 2014:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/holocaust-gedenkjahr-a-933251.html

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4 Kommentare zu “Spiegel Online: Keno Verseck über das Holocaust-Gedenkjahr 2014

  1. „Neue, überraschende Töne in Budapest – immerhin steht die Orbán-Regierung im Ruf, die profaschistische Vergangenheit Ungarns zu verharmlosen, mit Rechtsaußen-Wählern zu liebäugeln und sich nicht klar genug vom Antisemitismus abzugrenzen.“

    Mir gefallen Leute, wie der Rumänien-Experte Keno. Mir fallen bei Keno immer nur Erzählungen wie diese ein:
    „Als Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem überraschenden Ungeziefer verwandelt.“

    Bei Samsa muss ich raten, Keno bestimmt nicht, Kenosamsa wäre wohl eher der gruselig-geniale Wortklang zum legendären Graf Dracula, nein, Gregor, Gregor Samsa, der muss es sein, der aus unruhigen Träumen erwachend, sich zu einem Ungeziefer verwandelt sah, behauptete Kafka.

    Jedenfalls ist die Überraschung immer groß, wenn sich jemand mit unerwarteten Ereignissen konfrontiert sieht, wo doch schon bei allen Deutschen der primende Reiz Orbán Bottom-up die Gedächtnisinhalte „фашист“ aktiviert und umgekehrt Нацистская паразитов die konkrete Vorstellung Orbán, das „Чудовище из Венгрии.“ hervorruft.

    Keno ist überrascht: Die Komik in Gogols Komödie „Der Revisor“ beruht darauf, dass die Täuschung von den Figuren des Stückes nicht erkannt wird, vom Zuschauer aber früh festgestellt wird.

  2. „Neue, überraschende Töne in Budapest – immerhin steht die Orbán-Regierung im Ruf, die profaschistische Vergangenheit Ungarns zu verharmlosen, mit Rechtsaußen-Wählern zu liebäugeln und sich nicht klar genug vom Antisemitismus abzugrenzen. Von diesem Image möchte sie offenbar endlich loskommen.”

    Für die Spiegel-Online Leser sind diese Töne wirklich überraschend. Für mich nicht. Ich habe aber das Glück, nicht auf die Berichterstattung des Spiegels angewiesen zu sein. Ich kenne die Rede von Fidesz-Fraktionschef Antal Rogán, die er auf der Kundgebung am 2. Dezember 2012 hielt:

    Ich kenne die Rede von Vize-Premier und Justizminister Tibor Navracsics mit den Sätzen:
    „Wir wissen, dass wir für den Holocaust verantwortlich sind. Und wir wissen auch, dass ungarische staatliche Einrichtungen mitverantwortlich waren. (…) Denn wir wissen, (…) dass es Ungarn waren, die die Taten begangen. Und Ungarn, die darunter litten. Ungarn haben geschossen, und Ungarn sind gestorben. Und mit dieser Verantwortung müssen wir uns befassen, hier in Ungarn, in ganz Mittelosteuropa.“

    Und ich kenne zahlreiche weitere Äußerungen von Fidesz-Politikern, in denen sie klar Position gegen Antisemitismus beziehen.

    Es ist nicht ohne, wenn sich Verseck auf den schlechten Ruf der Orbán-Regierung bezieht. An diesem schlechten Ruf hat er selber jahrelang fleißig mitgearbeitet.

  3. „Anderseits ist das ‚Haus des Terrors‘ das mit Abstand erfolgreichste ungarische Museum der Gegenwart. Immerhin vier Millionen Besucher, überwiegend Ungarn, kamen bisher.“

    Ich hatte immer den Eindruck, dass vor allem amerikanische und andere ausländische Touristen jüngeren Alters durch das „Haus des Terrors“ laufen, um sich dort ein bisschen zu gruseln und emotionalen Effekten auszusetzen, um dann hinterher sagen zu können: So war der Kommunismus (die Pfeilkreuzlerperiode kommt ja kaum vor in diesem Museum) — brrr.

    Nachdenklich stimmt hingegen, wie leer und verlassen das Budapester Holocaust-Gedenkzentrum meistens ist. Das kann nicht nur an der verkehrstechnisch ungünstigen Lage in Ferencváros liegen. Es wäre zu begrüßen, wenn das geplante Gedenkjahr 2014 an diesem Ungleichgewicht zwischen beiden Museen wenigstens etwas ändern würde.

    Ach, wer es nicht weiß: In Hódmezövásárhely gibts ein Mini-Terrorhaus, das ebenfalls von Schmidt Mária mitgestaltet wurde. Die gleiche Optik wie in der Hauptstadt, aber keine englischen Erläuterungen. Und an der Fassade sitzt ein ironischer silberner Lenin, dessen Beine in der Luft baumeln. Errichtet wurde das Museum mit EU-Fördergeldern. Das sollte man sich mal anschauen: http://www.hodmezovasarhely.hu/hmv_varos_oroksege/telepulesek_ertekei/hodmezovasarhely/_multimedia/emlekpont/hmvhely_emlekpont_video.htm

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