Tagesanzeiger: Bernhard Odehnal thematisiert die Radnóti-Statue

Bernhard Odehnal, Autor des „Tagesanzeiger„, Mitverfasser (gemeinsam mit dpa-Korrespondent Gregor Mayer) des Buches „Aufmarsch – die rechte Gefahr aus Osteuropa“ und als heftiger Kritiker der ungarischen Regierung Orbán bekannt, berichtet über die Zerstörung des zu Ehren des Dichters Miklós Radnóti errichteten Denkmals am westlichen Stadrand von Győr vor etwa zwei Wochen (HV berichtete unter Bezugnahme auf Pressemeldungen).

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/europa/Unfall-oder-antisemitischer-Anschlag/story/14037554

Die dpa hatte den Vorfall – die Statue wurde durch eine Kollision mit einem Kfz zerstört – für einen „wohl“ antisemitischen Anschlag erklärt, wohingegen die Behörden Ermittlungen wegen eines Verkehrsunfalls eingeleitet hatten. Spiegel Online übernahm die Meldung und ergänzte sie um eine Bewertung zum anstehenden Holocaust-Gedenkjahr 2014, die letztlich darauf abzielte, diese von der Regierung geplante Maßnahme als unglaubwürdig hinzustellen. Jeder schien aufgrund dieser Berichte sogleich zu wissen, dass es sich um einen antisemitischen Vorfall handeln musste.

Der Unfallfahrer meldete sich einen Tag nach der Kollision bei der Polizei und schilderte die Tat. Er sei in der Dunkelheit, aufgrund fehlender Ortskenntnisse und Nebels mit der Statue kollidiert.

Odehnal vermutet weiterhin andere Hintergründe und stellt die Schilderung des Unfallfahrers in Einzelheiten – nicht ohne Grundlage – in Frage. So ist die Schilderung, dass der Unfallfahrer sich auf dem Weg nach Győr befand (d.h. in österlicher Fahrtrichtung), eher unwahrscheinlich. Die Statue und das Unfallbild deuten auf die entgegengesetzte (westliche) Fahrtrichtung hin. Fehler in der Schilderung des Geständigen machen freilich noch keinen antisemitischen Hintergrund: Da in Ungarn im Bezug auf Alkoholfahrten eine Politik der „zero tolerance“ und eine 0,0 Promille-Grenze herrscht, könnten die Ungereimtheiten etwa damit erklärt werden, dass der Fahrer betrunken unterwegs war (nicht zwingend als seriös anzusehende Quellen im Internet behaupten, der Fahrer sei mehrfach vorbestraft und habe den Mercedes eines in Haft befindlichen Freundes genutzt), bei der Flucht das Fahrzeug stehen ließ und sich 24 Stunden später – dann schon ohne Nachweismöglichkeit von Blutalkohol – der Polizei stellte. Unter Umstände könnte auch eine Rolle gespielt haben, dass die Stelle rund um die Statue ein beliebter Treffpunkt des „ältesten Gewerbes der Welt“ sein soll. Nur die noch zu führenden Ermittlungen können die Einzelumstände erhellen und endgültigen Aufschluss über den Vorfall geben. Jedoch: Ebenso wie Odehnal den „Regierungsnahen“ vorwirft, sich eine Meinung gebildet zu haben, bevor der Vorfall auch nur ansatzweise geklärt war, so müsste sein Vorwurf die dpa treffen. In diese Richtung ist Odehnal keineswegs so angriffslustig – obgleich gerade eine Presseagentur zu besonderer Sorgfalt und Objektivität verpflichtet ist.

Stattdessen greift Odehnal, der unter sicherem Beifall der Antifa auch mal davon schrieb, der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sehe sich als „legitimen Nachfolger des Nazi-Verbündeten Nikolaus von Horthy“ und beim ORF davon sprach, Ungarn sei eine „Quasi-Diktatur mit ganz starkem Antisemitismus und Chauvinismus„, die Budapester Zeitung heftig für deren Kritik an der unsorgfältigen, voreiligen und voreingenommenen Arbeit von dpa und Spiegel Online an. Die BZ wird pauschal als „besonders regierungsnah“ bezeichnet – was wohl für eingeweihte Leser des Tagesanzeigers nichts anderes als ein Code für „unglaubwürdig“ ist. Odehnal:

Für die regierungsnahen Medien war die Angelegenheit damit keineswegs erledigt. Die «Budapester Zeitung» fragte, warum die internationale Presse nun schweige, und sie verlangte eine Entschuldigung für den Verdacht, das Denkmal könne Opfer eines antisemitischen Anschlags gewesen sein. Die besonders regierungsfreundliche deutschsprachige Zeitung unterstellte ausländischen Journalisten, sie hätten einen banalen Discounfall zu einem Skandal aufgebauscht.“

Selbst der Blog Hungarian Voice kommt, obwohl nicht namentlich genannt, in dem nachtarockenden Beitrag Odehnals vor:

Als Kronzeugen zitierte die Zeitung einen Rechtsanwalt, der auf seinem Ungarn-Blog die Regierung Orbán gegen Kritik und Angriffe aus dem In- und Ausland verteidigt.“

Der Nachrichtenwert dieses Satzes dürfte gering sein, es geht wohl eher um die Schubladisierung des „Kronzeugen“. Der beschränkte seine Tätigkeit in diesem Fall allerdings lediglich darauf, anzumerken, dass die dpa und Teile der deutschen Presse vor Abschluss der Ermittlungen, konkret zu einem Zeitpunkt, in dem die Hintergründe des Vorfalls völlig im Unklaren lagen, sich tendenziell auf eine Tat mit antisemitischem Hintergrund festlegten. Der „Kronzeuge“, der diese Zeilen verfasst, ist kein Hellseher, weiß daher auch nicht, was sich künftig im Zuge der Ermittlungen noch herausstellt: Fest steht nur, dass die Meldung der dpa, sich deckend mit der auch von Odehnal mitgetragenen Tendenz, die ungarische Regierung in die Nähe des Antisemitismus und „Quasi-Diktatur“ zu rücken, der Polizei klandestin sogar Vertuschung vorzuwerfen (nichts anderes tut Odehnal jetzt), sich bislang nicht durch Fakten erhärten lassen. Munteres Spekulieren, im Zweifel gegen den Angklagten.

Der Preis, den der Verfasser dieses Blogs dafür zahlt, dass er Fragen stellt, die in der deutschsprachigen Presse sonst eher unbehandelt bleiben (Odehnal muss sich z.B. fragen lassen, warum er nicht über die Rede von Tibor Navracsics berichtet hat, in der dieser als ranghoher Regierungsvertreter – endlich – der langen Forderung nachkam, Ungarn möge sich zur Mitverantwortung am Holocaust bekennen), ist nicht besonders hoch: Lediglich pauschale Unterstellungen der Regierungsnähe und Beschimpfungen seiner Kritiker muss sich der Verfasser mitunter gefallen lassen. Zu den wütenden Beiträgen von links bis linksaußen gesellen sich übrigens auch solche von rechtsextremer Seite. Entscheidend für den Macher dieses Blogs ist jedoch nicht die Gefühlslage der in der Ungarnberichterstattung überproportional und lautstark vertretenen Minderheit bekennender Antifaschisten oder Rechtsradikaler, sondern allein die Leserresonanz. Und die spricht – Hungarian Voice ist seit 2010 zum mit Abstand meistgelesenen Blog zu Ungarn in deutscher Sprache geworden – eine deutliche Sprache. Bereits dieser bescheidene Erfolg scheint zu genügen, um die Wut der bisherigen Monopolhalter in Sachen Ungarn-Berichterstattung auf sich zu lenken; jener Kritiker also, die vorgeben, für Pluralismus und Meinungsfreiheit einzutreten. Dass der Blog auch von jenen gelesen wird, denen er offenkundig ein Dorn im Auge ist, betrachtet der „Kronzeuge“ übrigens als Prädikatsmerkmal besonderer Güte.

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33 Kommentare zu “Tagesanzeiger: Bernhard Odehnal thematisiert die Radnóti-Statue

  1. Mich freut es, dass die hartnäckige und manchmal auch frustrierende Arbeit von HV nun Früchte trägt. HV trägt mit seiner Arbeit wesentlich dazu bei, dass die Meinungsbildung und die Berichterstattung im deutschsprachigen Raum facettenreicher UND gemäßigter erfolgt. (Nichtsdestotrotz rechne ich mit zunehmendem Wahlkampf in Ungarn mit einem erneuten Anstieg der Vernaderung Ungarns. Extremisten wie Odehnal haben ja ein Sendungsbedürfnis und werden daher Alles unternehmen, um für die Linksopposition und gegen die Regierung Partei zu ergreifen. Wen kümmert schon die Wahrheit.) Man kann nur wünschen, dass HVs medialer Einfluss weiterhin zunimmt.

    • „….alles unternehmen, um für die Linksopposition und gegen die Regierung Partei zu ergreifen.“
      Da kann dann aber auch mal zu einem Schuss ins Knie ausarten.
      Ich gebe zu, beim Lesen der Aussage von John Mann über Andor László ein wenig hämisch gegrinst zu haben.Kommt davon, wenn man sich quasi überschlägt bei der Horror-Berichterstattung über Ungarn.

  2. Jetzt weiss ich, wer ich bin!
    Na wie witzig, wie schnell man zum reinen Orbán-Unterstützer und sympathisierenden Blogger wird – und die „Budapester Zeitung“ zum besonders regierungsfreundlichen Medium.
    Wer nicht ganz auf Ihrer Linie liegt, ist ein Fascho, Lügner … Diese Typen von der Presse sind der wahre Sargnagel der Demokratie.

    Der Vorwuf an die westlichen Medien steht, dass sie Hintergründe nicht genug beleuchten, einer vom anderen abschreibt und unfair berichten. Wenn in großer Eile Schlagzeitlen die Runde machen, führt dies nicht selten zu Verlusten auf Seiten der Wahrheit und Fairness. Müsste allen klar sein.

    Warten wir,s ab, was herauskommt.
    Eins ist sicher (in den Augen der Odenahls): Die! Ungarn verstehen nichts von Demokratie (frei nach Ágnes Heller) und die Hetze wird die Dinge schon ans Tageslicht bringen.
    Nur nicht das, was die jüngere ungarische Vergangenheit betrifft.

    Unter MSZP wäre das alles nicht passiert ;): Da wurden keine Denkmäler gemäht, da wurden Roma erschossen.
    Der Wahlkampf ist eröffnet!

  3. Herr Odenahl versteht wohl nicht, dass nicht jeder, der andere Akzente setzt, gleich ein
    gekaufter Rechter ist. Die Meinungsdiktatur bringt mich zum Kotzen.

  4. Hätte dpa getreu der gesichert vorliegenden Fakten über den Fall „Radnóti-Statue“ berichtet und hätte sich die Nachrichtenagentur insbesondere die Vermutung über mögliche Motive der Täter gespart, gäbe es den ganzen Rummel um diesen Diskounfall nicht!… Und würde Bernhard Odehnal einmal unvoreingenommen in einer beliebigen Ausgabe der Budapester Zeitung blättern, würde er selbst darauf kommen, wie daneben seine beleidigenden Worte bezüglich der Regierungsnähe dieser Zeitung sind. Es ist schon bemerkenswert, wie gewisse Journalisten auf der einen Seite unausgewogene und tendenziöse, aber auf ihrer ideologischen Linie liegende Berichte von Kollegen tolerieren, ja sogar verteidigen, und auf der anderen Seite der ausgewogenen und faktentreuen Berichterstattung der Budapester Zeitung, aber auch von Hungarian Voice immer wieder „Regierungsnähe“ anlasten. Aber schon klar: wer beim Blick auf Orbán-Ungarn auch anderes sieht (und darüber schreibt) als nur das, von dem die Mehrzahl der westlichen Zeitungen unermüdlich berichtet oder gar eine so unerhörte Erwartung äußert, dass eine Presseagentur nicht vermuten und spekulieren sollte, sondern lediglich über reine Fakten zu berichten habe, ist selbst dran schuld … 🙂

      • In unserer aktuellen Ausgabe sieht der Politikteil übrigens folgendermaßen aus: Seite 1: kritischer Bericht über eine Maßnahme der Regierung im Rahmen der Senkung der Wohnnebenkosten, die eher in die Kategorie Wahlkampf fällt, Seite 2: Ganzseitiger Bericht über einen vermutlichen Megaskandal beim Finanzamt NAV mit deutlich kritischen Bemerkungen bezüglich der eher abwimmelnden Haltung der Regierung dazu. Seite 3: Halbseitiger Bericht über die „Ungarische Morgenröte“ und ihre jüngsten Aktivitäten, Seite 4: Übernommener Kommentar des eher regierungskritischen Blogs 444.hu. Bitte schön wo ist hier auch nur ein einziger „regierungsnaher“ Artikel? Und die Art der Artikel dieser Ausgabe (deren pdf ich bei Interessebekundung unter verlag@bzt.hu übrigens gerne jedem schicke) ist keinesfalls eine Ausnahme, sondern eher die Regel…

    • Na ja, Herr Mainka, ein guter Journalist sollte schon etwas recherchieren, bevor er etwas schreibt, nicht wahr? Ich lade Sie ein, mit Google Maps nach 47.676956, 17.591337 zu reisen, Street View einzuschalten und in südwestlicher Richtung zu schauen. Ihren Lesern erklären Sie bitte hier an dieser Stelle anschließend, faktentreu den Ablauf des ‚Discounfalles‘.

      • Wrawanek, die Tatsache, dass die Aussagen des Unfallfahrers widersprüchlich sind, bedeutet nicht, dass dadurch die These der antisemitischen Denkmalschändung bestätigt ist. Die Widersprüchlichkeit der Aussagen kann zahlreiche andere Gründe haben. Ich empfehle Ihnen das Foto des Unfallfahrzeuges anzuschauen:
        http://www.kisalfold.hu/kepek/ez_az_auto_gazolta_el_az_abdai_radnoti-szobrot/2035511/
        Ich habe mehrere Unfälle mit dem gleichen Fahrzeugtyp gesehen. Bei einem hatte der Unfallgegner wahrscheinlich einen Totalschaden, sein Auto musste abtransportiert werden, der Mercedes ist mit leichtem Blechschaden weitergefahren. Um einen Mercedes in dem Ausmaß, wie auf dem Foto zu sehen ist zu demolieren, muss man einen sehr heftigen Aufprall haben. Bei so einem Aufprall kann der Fahrer nicht sicher sein, dass er dabei unverletzt bleibt. Ich halte deshalb die These des vorsätzlichen Unfalls für sehr unwahrscheinlich. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass für eine Denkmalschändung ein Mercedes geopfert wird und dabei auch noch die eigene Verletzung in Kauf genommen wird.

      • Gerade sehe ich, dass es sich bei dem Unfallwagen um einen Mercedes Typ E-Klasse, nicht C-Klasse, handelt. Genau gesagt ein „W210“. Ich stimme halász zu, der Aufprall muss erheblich gewesen sein. Eine Ausweichbewegung nach rechts ist m.E. bei diesem Schadensbild plausibel. Ein Frontalaufprall dagegen kaum, weil sonst die Front und die Windschutzscheibe auf der selben Fahrzeugseite beschädigt worden wären. Das Fahrzeug muss bei der Kollision wohl eine Querstellung zur Statue gehabt haben.

        Was die Erreichbarkeit der Statue angeht: Der Wagen muss auf der alten Seitenstraße Richtung Westen unterwegs gewesen sein. Auf der Hauptstraße wohl kaum. So viel dürfte feststehen. Der Rest ist Spekulation. Fehlende Bremsspuren? Blödsinn: bei feuchtem Untergrund sieht man Bremsspuren schwer, insbesondere auf Kopfsteinpflaster…

        Ich finde es beruhigend, dass der Antifa-Ermittler Odehnal vor Ort nichts für die wohl auch von ihm herbeigesehnte These des antisemitischen Anschlags gefunden hat. Das Gerücht freilich hält sich wacker. Weil es nicht anders sein kann, als es sein soll.

      • Frage an Radio Eriwan: Ist es wahr, dass ein 24-jähriger auf der Fahrt nach Györ mit einem schwarzen Mercedes die Radnóti-Statue umgefahren hat?

        Antwort: Im Prinzip ja, aber nur dann, wenn er den Nemzetpowerslide beherrscht hat.

        Spaß beiseite, halász und HV: Es freut einen, dass Sie genau wie Radio Eriwan auch die Unmöglichkeit herausgefunden haben, dass der 24-jährige auf der Fahrt nach Györ (so wenigstens die offizielle Wiedergabe der Aussage) gewesen ist.

        Ich bin dem Rat gefolgt und habe mir die von halász genannten Bilder und die im Tagesanzeiger angesehen. Fest steht, dass der Mercedes an einem Unfall beteiligt war und dass die Radnóti-Statue vom Sockel gestoßen wurde. Für den Unfallsachverständigen deuten die Schadensbilder aber auf den schweren Verdacht hin, dass der Autounfall und das Umwerfen der Statue nichts miteinander zu tun haben.

        Das gezeigte Fahrzeug ist im Profil keilförmig, was bei einem Zusammenprall dazu geführt hätte, dass die Statue wesentlich unterhalb ihres Schwerpunktes getroffen worden und damit nach vorne in Richtung des Fahrzeuges gekippt wäre. Dort hätte sie dann eine wesentlich zerstörerischere Wirkung auf die Windschutzscheibe entfaltet, als an dem Auto abzulesen ist. Vor allem wäre der Fahrer durch die auf ihn zu rutschende Statue mindestens lebensgefährlich verletzt, wenn nicht erschlagen worden. Der Schaden der Windschutzscheibe ist typisch für den Aufschlag eines menschlichen Schädels. Es würde sich lohnen, nach einem Zeugen mit einer Schädelverletzung zu suchen, welcher über den Unfall des Mercedes aussagen könnte. Die Statue wurde nach hinten in den Busch geworfen, was nur durch einen Kraftangriff in ihrem Schwerpunkt oder darüber, also vielleicht mit einem LKW zu bewerkstelligen war.

        Dadurch, dass die offiziellen Stellen die Aussage des 24-Jährigen angeblichen Mercedesfahrers unkritisch verlautbarten, setzen sie sich dem Verdacht aus, dass sie an einer Aufklärung des Falles kein Interesse haben.

      • Wrawanek, Sie schreiben, „der Schaden der Windschutzscheibe ist typisch für den Aufschlag eines menschlichen Schädels“.

        Meinen Sie wirklich, dass der Zusammenprall mit einem Menschen solche Schäden an einem Pkw anrichten kann? Fragen Sie Ihren Sachverständigen, er wird Ihnen erklären, dass es unmöglich ist.

        „Die Statue wurde nach hinten in den Busch geworfen, was nur durch einen Kraftangriff in ihrem Schwerpunkt oder darüber, also vielleicht mit einem LKW zu bewerkstelligen war.“

        Die Statue ist relativ klein. Starke Beschädigungen sind nur auf Kniehöhe zu sehen. Spuren eines Zusammenpralls mit einem LKW wären an höherer Stelle.
        http://gyorplusz.hu/cikk/az_evfordulora_uj_radnoti_szobor_keszul.html

        Für die Polizei war es wahrscheinlich einfach, aufgrund von Spuren des Autos am Unfallort und aufgrund von Spuren am Auto festzustellen, das es sich tatsächlich um den Wagen handelt, der mit der Statue kollidiert ist. So hat die Polizei bald nach dem Auffinden des schwarzen Mercedes der Öffentlichkeit mitgeteilt, das es sich hier um den Unfallwagen handelt, der das Denkmal umgefahren hat. Der Unfallfahrer und seine Motive waren zu dieser Zeit noch unbekannt. Denkmalschändungen durch Extremisten von Rechts oder Links sind in Ungarn leider keine Seltenheit. Ich kann einfach nicht nachvollziehen, welche Interesse die Polizei haben könnte, eine Denkmalschändung zu vertuschen. Diesbezügliche Überlegungen gehen für mich in Richtung Verschwörungstheorien. Verschwörungstheorien, die von Leuten in die Welt gesetzt werden, die sich bei diesem Unfall verspekuliert haben und statt ihren Fehler einzusehen lieber eine Schippe drauflegen und auch noch der Polizei vorwerfen, die Sache vertuschen zu wollen.

      • „Meinen Sie wirklich, dass der Zusammenprall mit einem Menschen solche Schäden an einem Pkw anrichten kann?“

        Einfache Antwort, halász: Sehen Sie sich bitte an http://www.merkur-online.de/bilder/2012/02/04/1588532/964339635-unfall-auto-fussgaenger-iGYddHVby09.jpg. So sieht es aus, wenn ein Fußgänger in der Windschutzscheibe fliegt. Der wird unterhalb seines Schwerpunktes getroffen und rutscht über den keilförmigen Vorderwagen in die Windschutzscheibe. Jetzt lade ich Sie ein, weiter zu denken, wie wohl eine Windschutzscheibe aussieht, wenn aus einer ähnlichen Unfallsituation heraus eine lebensgroße steinerne Statue darin landet.

        Hinweis an halász: In der von Ihnen zitierten Quelle wird derselbe unsinnige, weil unmögliche Unfallhergang genannt, der auch in diesem Forum schon als solcher identifiziert wurde.

        @HV: Es gibt in diesem Fall durch die Gesetze der Physik begründete Verdachtsmomente, die eine intensivere Aufklärungsarbeit rechtfertigen, womit nichts über Verschwörungen gesagt wird.

        Ich für mich bleibe dabei, dass der Autounfall und die Radnóti-Statue schon wegen des offenkundig lügenden 24-jährigen angeblichen Mercedesfahrers nichts miteinander zu tun haben und lasse mich überzeugen, wenn eine eingehende Untersuchung des Vorfalles mich widerlegen sollte.

      • wrawanek, ich will sichergehen, dass ich Sie richtig verstehe:

        1. Der Unfall kann Ihres Erachtens nicht von dem Mercedes verursacht worden sein?
        2. Ein LKW wird die Statue umgefahren haben?

        Können wir uns darauf einigen, dass beide Punkte derzeit reinste Spekulation sind? Damit wäre ich schon zufrieden.

        Was Ihr Foto angeht, so erlaube ich mir eine Anmerkung: Auf dem Foto ist der Zustand der Fahrzeugfront nicht sichtbar. Denken Sie, dieser – konstruktionsmäßig teilweise recht „steife“ – Frontbereich (Scheinwerfer, Kotflügel, Stoßfänger usw.) wird beim Aufprall mit einem Fußgänger (der dabei sozusagen „von den Füßen geholt wird“ und die Scheibe fliegt) ebenso beschädigt wie der abgebildete E-Klasse-Mercedes? Ich habe an dieser These, übrigens auch in Anbetracht hin und wieder vor mir liegender Sachverständigengutachten im Zivil- und Strafrecht, erhebliche Zweifel. Für mich spricht da mehr für eine Kollision mit einem schweren Gegenstand.

        Zur Dokumentation hier ein Bild in Odehnals Tagesanzeiger. Ich sehe da keine heftige Verformung der Frontpartie, bei gleichzeitig defekter Windschutzscheibe.

        http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/oberland/Schwerverletzter-nach-Kollision-in-Uster/story/16535011

      • HV, es ist unmöglich, an dieser Stelle das Ergebnis einer eingehenden Untersuchung des Unfalles vorweg zu nehmen. Es gibt unübersehbare Verdachtsmomente, dass der Unfall anders abgelaufen ist, als verlautbart. Und das beginnt damit, wie hier im Forum auch schon gesagt, dass die Einlassung des 24-jährigen angeblichen Fahrers, er sei in Richtung Györ unterwegs gewesen, ganz einfach unwahr ist. Dem muss man doch nachgehen, Herr RA. Behörden, die das nicht tun, setzen sich dem Verdacht aus, Strafvereitelung im Amt zu betreiben.

        Ich bleibe deswegen erstmal dabei, dass der Mercedes und die Statue nichts miteinander zu tun haben. Auch dann, wenn die Verformung der Vorderfront des Mercedes nicht durch einen Fußgänger verursacht sein sollte.

        Ich hatte zu Anfang ganz neutral geschrieben, dass der Schaden in der Windschutzscheibe durch einen menschlichen Schädel verursacht sein könnte und bewusst offen gelassen, von welcher Seite der Schädel in die Scheibe gefallen ist. Das könnte auch von innen der (un- oder schlecht angeschnallte) Beifahrer gewesen sein. Eines der Bilder vom Mercedes ist typisch dafür.

        Vielleicht einigen wir uns als kleinsten gemeinsamen Nenner erstmal darauf, dass der ganze Vorfall genauestens zu untersuchen ist. Dann kommt auch raus, ob wirklich der Mercedes oder ein LKW die Statue umgefahren hat oder ggf. ein für diesen Zweck besser geeignetes Fahrzeug. Wenn die Untersuchung ergibt, dass die Statue von dem Mercedes umgefahren wurde, umso besser. Vorher einen Unfallhergang zu verlautbaren halte ich für wahnsinnig mutig.

        Etwas ist zu unterstreichen: Ich betrachte diese Angelegenheit rein technisch und habe mich bisher jeglicher moralischen/menschlichen/politischen Wertung enthalten und werde auch in Zukunft dabei bleiben.

      • Wrawanek, Sie brauchen mich nicht davon zu überzeugen, dass man der im Bezug auf die Fahrtrichtung fragwürdigen Aussage des Fahrers nachgehen muss. Das versteht sich von selbst, ich habe meine Zweifel an der Version des Fahrers schon geäußert. In Anbetracht des Umstands, dass der Unfall gerade mal ein paar Wochen her ist, halte ich jedoch Aussagen von Strafvereitelung im Amt für reichlich verfrüht. Ich weiß nicht, was gerade passiert. Vielleicht wird ein Schadensgutachten erstellt? Und ich bezweifle, dass Sie mehr vom Sachstand der Ermittlungen wissen, als ich.
        Warten wir also ab.

      • „Jetzt lade ich Sie ein, weiter zu denken, wie wohl eine Windschutzscheibe aussieht, wenn aus einer ähnlichen Unfallsituation heraus eine lebensgroße steinerne Statue darin landet.“

        Wrawanek, ich würde Ihre Einladung gerne folgen, wenn ich aber an bestimmte Gesetze der Physik denke, haben Überlegungen in der von Ihnen vorgeschlagenen Richtung wenig Sinn. Eigentlich stimmt es nicht, dass ein überfahrener Fußgänger in die Windschutzscheibe fliegt. Vielmehr ist es so, dass das Auto durch den Zusammenprall mit dem Fußgänger kaum gebremst wird, so bewegt sich die Windschutzscheibe mit kaum verminderter Geschwindigkeit weiter Richtung Fußgänger, der vorher unterhalb seines Schwerpunktes getroffen wurde und über den keilförmigen Vorderwagen rutscht.
        Die Bremswirkung einer im Boden fest verankerten Granitstatue ist im Gegensatz zu einem Fußgänger enorm. Das Auto kann unter Umständen innerhalb von wenigen Zentimetern zum Stehen gebracht werden. Die Vorwärtsbewegung des Autos und seiner Windschutzscheibe ist gestoppt, „der Flug in die Windschutzscheibe“ bleibt aus.

        „In der von Ihnen zitierten Quelle wird derselbe unsinnige, weil unmögliche Unfallhergang genannt, der auch in diesem Forum schon als solcher identifiziert wurde.“

        Die von der Polizei bis jetzt für wahrscheinlich gehaltener Unfallhergang ist weder unsinnig, noch unmöglich. Ich habe nun auch den von Ihnen weiter oben vorgeschlagene Reise per Google Street View zum Tatort unternommen. Die von Ihnen angegebenen Koordinaten ergeben einen Punkt auf der Hauptstraße No 1. Der Unfallwagen ist aber nicht aus der Richtung gekommen, sondern auf der kleinen Seitenstraße „Bécsi út”. Wenn Sie auf Google Maps bei 47.676000, 17.593337 einsteigen und auf Street View schalten, sind Sie auf der Straße, auf der der Unfallwagen Richtung Westen auf die Statue zufuhr. Wenn Sie auf dieser Straße zurück (Richtung Osten) blicken, werden Sie sehen, dass es eine Landstraße durch unbewohntes Gebiet ist. Wenn Sie nach Westen (in Fahrtrichtung des Unfallwagens) blicken, werden Sie feststellen, dass diese Landstraße geradeaus in einer Sackgasse mündet. Am Ende dieser Sackgasse stand die Statue. Die Sackgasse wird von einem Sackgassenschild signalisiert. Autofahrer, die nicht in die Sackgasse wollen, müssen die geradeaus führende Straße durch die letzte Querstraße, nur einige hundert Meter vor der Statue nach rechts verlassen. Es ist durchaus vorstellbar, dass hier jemand im Nebel geradeaus weiterfährt, besonders, wenn er unter Alkoholeinfluss steht.

        „Vielleicht einigen wir uns als kleinsten gemeinsamen Nenner erstmal darauf, dass der ganze Vorfall genauestens zu untersuchen ist. Dann kommt auch raus, ob wirklich der Mercedes oder ein LKW die Statue umgefahren hat oder ggf. ein für diesen Zweck besser geeignetes Fahrzeug.“
        Hier teile ich Ihre Meinung.

      • Ich dachte, das sei Konsens, auch von Seiten Wrawaneks. Die Statue steht in der „alten“ Bécsi út, diese endet (Fahrtrichtung Westen) in einer Sackgasse. Dort stand die Statue, dahinter die Hecke. Die Hauptstraße kann unmittelbar vor dem Unfall nicht befahren worden sein (vor dem Unfall).

        Um die Statue zu zerstören, muss der Wagen aus Osten gekommen und am Ende der Sackgasse in die Statue gerauscht sein. Also sagt der Fahrer hier die Unwahrheit.

        Der Ort soll als Straßenstrich fungiert haben. Vielleicht waren ein paar besoffene Freier unterwegs. Und wer sich ein wenig umsieht, findet charmante Fotos von dem angeblichen Fahrer. Wenn der es war, so ist die These der Nazi-Attacke wohl widerlegt. Die Quelle ist allerdings nicht seriös…

  5. Die Beurteilung des TAZ-Artikels durch HV finde ich volkommen korrekt.

    Ich muss jedoch, wie schon so oft, betonen:

    der ganze Affentanz um die umgefahrene Radnóti-Statue ist nach demselben Schema seit 1987 schon etliche Male in Ungarn durchexerziert worden (1987: Gründung der MDF).

    Ich erinnere mich noch gut an eine Affäre in den 90-er Jahren, als ein Abgeordneter im ungarischen Parlament einen Kollegen als „szemét“ (ca.: Mistkerl) bezeichnet hat.

    Der Bezichtigte gehörte der SZDSZ an.

    In der New York Times erschien am nächsten Tag ein Artikel, in dem man behauptete, das ominöse Schimpfwort wäre „semite“ gewesen … den Rest kann man sich denken.

    Hauptsache, der Vorwurf des Antisemitismus bleibt an Ungarn hängen:

    dies scheint das Ziel einer bestimmten Lobby zu sein, die konkrete politische und wirtschaftliche Ziele vertritt und bei der Durchsetzung dieser Ziele vor keinen Mitteln zurückschreckt, ohne Rücksicht auf Verluste, und der es piepschnurzegal ist, wenn das Ungarnbild in der Welt dabei Schaden nimmt.

    MfG
    P. R.

  6. … hier kommt übrigens das nächste Thema, das von den deutschen Medien in den nächsten paar Tagen dankbar aufgegriffen werden wird:

    „Hanuka-Kerzenhalter beschädigt“

    – kann mir gut vorstellen, dass die Opposition (MSZP & Co.) Aktionen wie diese finanziert und organisiert. Ein wenig investigativer Journalismus könnte hier Licht ins Dunkel bringen.

    Der Link:
    http://www.hirado.hu/Hirek/2013/11/30/19/Megrongaltak_a_Deak_es_a_Nyugati_teri_hanuka_gyertyatartot.aspx

  7. Ach nö, Herr Rieckmann. MSZP & Co. finanzieren und organisieren erst antisemtische Vorfälle und instruieren dann die ausländische Presse, damit die das „wahre Ungarn“ schlecht machen? Haben Sie sich mal überlegt, was Ihre Thesen im Umkehrschluss bedeuten würden? Nach Ihrer Logik müssten FAZ, NZZ und vielleicht sogar Sie selber auf der Gehaltsliste von Fidesz stehen. Ist doch alles Quatsch mit Soße.

    • Es gab hier schon mehrfach Behauptungen, Teile der Presse (oder auch ich) würden auf der Lohnliste von Fidesz stehen. Karl Pfeifer spricht z.B. regelmäßig von „Lohnschreibern“. Ich hoffe, das ist dann genauso absurd? Bislang habe ich bei solchen Bemerkungen nämlich noch keinen Widerspruch Ihrerseits gehört.

      • Sie wissen doch, HV, auf dem einen Auge bin ich blind. Nein, Selbstironie beiseite, ich denke mit Verweisen auf irgendwelche Instruktionen, Lohnschreiberei usw. kann man weder die allgemeine Richtung der deutschen Berichterstattung über Ungarn noch die Kritik daran erklären. Auch kann man nicht alles an der Persönlichkeitsstruktur bestimmter Journalisten festmachen (unabhängige Blogger laufen natürlich außer Konkurrenz). Und ganz wichtig: Völlig aus der Luft lässt sich selten eine Schlagzeile greifen; in der Regel gibt es eine reale Vorgeschichte und einen Kontext. Das Pressebild können Sie nicht von heute auf morgen und in der Regel auch nicht ohne gleichzeitigen politischen Wandel verändern. Ich bin sicher, dass wir im aufziehenden Wahlkampf noch so manchen schrillen Artikel zu lesen bekommen, nicht weil die Presse von der bösen Opposition bezahlt wird, sondern weil die ungarische Politik von sich aus eine Steilvorlage nach der anderen liefern wird und es genügend Journalisten gibt, die diese Pässe weiterkicken werden.

      • Der Ansatz, die Regierung, nicht die Presse sei schuld, ist mir bekannt. Es ist die Odehnal’sche Sichtweise.
        Vielleicht können Sie mir erklären, was – konkret – die Steilvorlage für den Radnóti-Statuen-Bericht gewesen sein kann? Einschließlich des Motivs, das Gedenkjahr 2014 für unglaubwürdig zu erklären. Welche Maßnahme der Regierung gab Anlass dafür?

  8. „MSZP & Co. finanzieren und organisieren erst antisemtische Vorfälle und instruieren dann die ausländische Presse, damit die das “wahre Ungarn” schlecht machen?“

    Das wäre in der Tat ein dicker Skandal, Ungarnfreund, ist aber durchaus nicht ausgeschlossen.

  9. Mal sehen, in welchen Zeitungen ein Artikel gleicher Art erscheint, nach dem das Denkmal von Weöres Sándor beschädigt wurde????
    Ich glaube , die Antwort kann ich mir gleich selber geben, denn diese Tat kann man schlecht politisch ausschlachten.

  10. „Mal sehen, in welchen Zeitungen ein Artikel gleicher Art erscheint, nach dem das Denkmal von Weöres Sándor beschädigt wurde????“

    Eine gute Frage, TR.

    Die Beschädigung der Statue Weöres Sándors lässt sich (da er kein Jude war) nicht mit dem in Ungarn angeblich so furchtbar wütenden Antisemitismus in Zusammenhang bringen: daher ist der Fall für die (meist ungarnfeindliche) deutsche und österreichische Presse wertlos, deren wichtigste Waffe die Antisemitismus-Keule ist.

    Fragen wir doch mal die Schickers, Odehnals, Lendvais und Versecks dieser Welt, ob sie Lust haben, über den Fall zu schreiben.

    Herr Pfeifer verwendete neulich eine wortwörliche Übersetzung aus dem Ungarischen … jetzt fällt sie mir wieder ein: Lohnschreiber (bértollnok)!

    Ist mir nur so eingefallen …

  11. Entschuldigen Sie meine Unkenntnis, ich bin nicht aus der Branche. Ich verstehe nur irgendwas anscheinend nicht. Kann eigentlich ein Journalist alles schreiben, was er so denkt oder gibt es doch noch Redakteure, Chefs von Zeitungen, die das redigieren oder in irgendeine Form in Frage stellen, was ihre Kollegen von sich geben? Ist diese unsägliche Situation oder Hetze, die seit 1990 in der deutschen Presse gegen Ungarn läuft, nur einigen Journalisten zuzuschreiben oder sind tatsächlich die Redakteure, Herausgeber, etc. der deutschen Medien so borniert?

    • @Liliom
      Beides trifft zu. Ich habe zwar keine Ahnung, denn ich verzehre überwiegend die Produkte der Fleischindustrie, und wie man liest, hat die ein ganz spezielles Beschäftigungsmodell zur Benachteiligung von Wanderarbeitern aus europäischen Billiglohnländern entwickelt. Welche Modelle die Medienindustrie zur informationellen und kommunikativen Benachteiligung von Konsumenten in den Beitrittsländer entwickelt hat, weiß ich nur aus Studien, für die ich hier keine Werbung machen möchte.
      Ich erkläre das lieber am Beispiel Schwein.
      Bei der Internationalisierung von Schweineprodukten ohne inhaltliche Überarbeitung erfolgt die Herstellung und Vermarktung jeweils durch Partner im Zielland. Artgerecht gehaltene dänische Schweine – z.B. aus Niedersachsen – kommen hälftig in Ungarn an und gelangen nach ihrer Verarbeitung zu „Salzwurst“ als „termékek“ http://pick.hu/termekek , worunter inzwischen neben verschimmelten Produkten auch Rohwurstarten ohne inhaltliche Anpassung an nationale Besonderheiten im Zielland, also Rohwurstarten ohne Reifebelag fallen, über die Einzelhandelsketten an den Verbraucher. Für ungarische Salzwurst wird der deutsche Markt erst nach inhaltlicher Anpassung an die nationalen Besonderheiten Deutschlands als Zielland erschlossen. Salzwurst aus Ungarn wird in Deutschland heute als „Ungarische Delikatessen Vielfalt“ abgesetzt http://www.pick.de/produkte.html , währen die Schlachthofabfälle in Bad Bentheim mit verdorbenen Geflügelfleisch zu leckeren Produkten für Russland, Rumänien und afrikanische Länder weiterverarbeitet werden und dann als deutsche Qualitätsprodukte in den Zielländern angeboten werden und in der Regel als Aufschnittplatten auf die Frühstückstische gelangen.

      So ungefähr muss auch die Medienindustrie funktionieren. Ich habe keine Ahnung Verkaufen lässt sich ja alles. Journalisten schreiben halt, was sie denken. Und wenn das billig genug ist, sorgen die Redakteure und die „Chefs von Zeitungen’ für den Rest. Die unsägliche Situation am 24. Oktober beim Frühstück in Szigliget, als Panni eine Aufschnittplatte – mit Produkten der B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG – auf den Frühstückstisch gestellt und mir die frische Ausgabe des Veszprémer Naplós – ein Produkt der Pannon „Pannon Lapok Társasága“, einem Unternehmen der „Funke Mediengruppe“ mit Firmensitz in Essen – daneben gelegt hatte, worauf sich mir plötzlich der Hals zuschnürte, verlangt nach Problemlösung aus systemischer Sicht. Ich habe in Szigliget keinen Bissen runter gekriegt. Im Veszprémer Napló stand keine einzige Zeile über den Auftritt der Gyurcsány-Truppe, die am Dreiundzwanzigsten die linke Gedenkfeier an der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest gestört hatte, kein Wort über die Massenkundgebung auf dem Heldenplatz. Über vier Seiten Todesanzeigen und – wenn ich mich richtig erinnere, der einzige Hoffnungsschimmer – der Bericht über den Parteikongress der Demokratischen Koalition in Budapest http://veol.hu/hirek/a-dk-felkeszul-a-valasztasra-1575298 , Gyurcsány, die letzte Hoffnung aus der Zeitung. Ansonsten «Aufmarsch – die Aufschnitt Gefahr für Osteuropa», von der die Fleisch- und Medienindustrie ganz besonders stark betroffen sind, da Aufschnitt wie Informationsprodukte den Kern ihrer Wertschöpfung ausmachen.
      Beides trifft zu.

    • Unkenntnis ist keine Schuld.

      Ich habe mich da vielleicht etwas undeutlich ausgedrückt, als ich schrieb: „Journalisten schreiben halt, was sie denken.“ Richtig muss es natürlich heißen, Journalisten denken sich irgendwas aus, was sie aufschreiben, um es zu verkaufen.

      Meine Erkenntnis verdanke ich Bernhard Odehnal, korrekt gesagt, seinem Artikel vom 17. Oktober 2012, in dem sich der Unheilsprophet, der Koautor des Aufmarschs – die rechte Gefahr aus Osteuropa – der Krise in Osteuropa widmete: „Der rote Stern wurde zur Kirsche“. Scharfsinnig trifft Odehnal darin die Feststellung:

      „In der Krise feiern kommunistische Parteien und Konzepte eine unerwartete Renaissance.“

      Fragen Sie mich nicht, wie er darauf gekommen ist, ich habe den Artikel nicht gelesen, zumindest nicht in seiner Gänze, ich kann die Frage nicht beantworten. Ich weiß nur, dass Odehnal 2010 in der Vorweihnachtszeit etwas bekommen hat, etwas genommen haben muss, denn seit dem 20. Dezember 2010 ist er auf dem Orbán-Trip. (Keno Verseck sprang erst Ostern nach Gyöngyöspatak auf den Zug auf.)

      Er erlebt es mit Sitz in Wien als Orbánskill, schreibt es als Korrespondent des Zürcher «Tagesanzeiger» auf, wie das hier, den Text über die Kirsche und die Renaissance kommunistischer Parteien und Konzepte. Über das erneute Aufleben des Kommunismus in Ungarn steht in seinem Text Folgendes:

      „Raffiniert verkleidet tritt auch der Kommunismus in Ungarn auf. Die Regierung von Viktor Orban würde natürlich jeden Verdacht kommunistischer Tendenzen empört von sich weisen. Orban definiert sich als letzter Kämpfer gegen die Linken in Europa und als Sieger über die letzten Reste des realen Sozialismus in Ungarn. Aber seine Politik ist weder liberal noch konservativ: Sie zielt darauf ab, Ungarn zurück in den Kalten Krieg zu führen. So wie einst unter dem roten Generalsekretär Janos Kadar werden die Medien zentralisiert und staatlich kontrolliert. Ganz nach realsozialistischem Vorbild werden Agrarland und Konzerne verstaatlicht. Private ausländische Unternehmen werden von der Bürokratie schikaniert. Ganz fremd ist den Politikern der Regierungspartei Fidesz das alte Regime ja auch nicht. Einige waren schon damals aktiv, als Informanten für die ungarische Stasi.“

      Ich lass das so stehen, wie Odehnal es geschrieben hat. Ich bin für Fairness. Wie gesagt, ich lese seine Texte nie zur Gänze. Ich lese immer nur Überschrift und ‚inventio’. Ich lese nie über das erste Produktionsstadium eines Textes hinaus. Höchstens noch den letzten Satz, wenn am Anfang keine Erfindung ist.

      Hoppla, der letzte Satz Odehnals lautet: „Dieses Phänomen haben die Philosophen der Neuen Frankfurter Schule folgendermassen auf den Punkt gebracht: «Die schärfsten Kritiker der Elche / waren früher selber welche.»“

      Ich deute Odehnals letzte Worte mal so: Er reist auf einem sinkenden Schiff. Sein Schiff heißt Titanic. Pardon, Odehnal, die Titanic ging aus der „Neuen Frankfurter Schule“ hervor, alles nur Satire.

      Odehnals Zitat stammt von Fritz Weigle, dem deutscher Lyriker, Grafiker, Karikaturisten und Satiriker F. W. Bernstein. Odehnal erfindet und schreibt Falsches.

  12. Pingback: Radnóti-Statue: Unfallfahrer verwarnt, 3 Monate Fahrverbot verhängt | Hungarian Voice - Ungarn News

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