Wiener Zeitung: Interview mit Ágnes Heller

Die ungarische Philosophin und prominente Regierungskritikerin Ágnes Heller im Interview mit der Wiener Zeitung.

http://www.wienerzeitung.at/nachrichten/europa/europastaaten/602315_Ich-habe-vier-Identitaeten.html

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3 Kommentare zu “Wiener Zeitung: Interview mit Ágnes Heller

  1. Höher hätte Schmölzer die Latte nicht hängen können, jedenfalls nicht, wenn er die ungarische Marxistin Ágnes Heller als Philosophin inszenieren will:

    „Adorno und die Theorie vom autoritären Charakter“. Wumm!

    Schmölzer, Michael, ein Österreicher mit Telefonnummer +43 1 20699-621, ein Journalist mit nur einem Gesicht http://www.wienerzeitung.at/_em_daten/_cache/image/wzo/0xUmFuZG9tSVYwMTIzNDU2NzC9Ub7MvX5ceOwgpXKrjWmtwNRIbIyaez0xR1RcD9VZA/+WMcuBtbPiEenmIq+OL5yywYe4w4wAVLcVvsD7DRw=.jpg

    Sie hat davon gleich vier. Die Philosophengattin hat vier Identitäten, jedenfalls behauptet sie das in ihrem Interview für die Wiener Zeitung, in dem es ihr um Orbán geht. Ihre vier Identitäten weisen, wie ein gleichschenkliges Kreuz mit vier rechtwinklig geknickten Armen, immer in die gleiche Richtung.

    Sie verwechselt Adornos intrapsychischen Ansatz zur Erklärung von Persönlichkeiten mit dem Hitlerbart, den sie Orbán aufmalt. Sie lässt Adornos Theorie von der – mit der Faschismus-Skala erfassbaren – Autoritären Persönlichkeit mit Fromms Konzept des Autoritären Charakters verschmelzen. Ihre vier Schenkel spreizen sich in Richtung Faschismus.
    Dabei war es doch Adorno, der in seinem Vortrag „Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit“ [1959] vor den Selbstverschleierungen der VergangenheitsaufarbeiterInnen warnte, indem er sagte: „Ich betrachte das Nachleben des Nationalsozialismus in der Demokratie als potentiell bedrohlicher denn das Nachleben faschistischer Tendenzen gegen die Demokratie.“
    Ich meine, sie schreien heute von Bajnai bis Heller: Haltet Horthy für einen Faschisten! Haltet Orbán!“ und tragen doch selbst alle nur Hitlerbart. Sie nennen sich Demokraten und haben Maßstäbe. Sie müssen sich an denen zuerst selbst messen lassen: :
    • Konventionalismus. Starre Bindung an konventionelle Werte des Mittelstands
    (Die Linke will längst auch Partei des Mittelstands sein! http://www.linksfraktion.de/reden/linke-auch-partei-mittelstandes/ )
    • Autoritäre Unterwürfigkeit. Unkritische Unterwerfung unter idealisierte Autoritäten der Eigengruppe.
    • Autoritäre Aggression. Tendenz, nach Menschen Ausschau zu halten, die konventionelle Werte missachten, um sie verurteilen, ablehnen und bestrafen zu können.
    • Anti-Intrazeption. Abwehr des Subjektiven, des Phantasievollen, Sensiblen.
    • Aberglaube und Stereotypie. Glaube an die mystische Bestimmung des eigenen Schicksals, die Disposition in rigiden Kategorien zu denken.
    • Machtdenken und „Kraftmeierei“. Denken in Dimensionen wie Herrschaft – Unterwerfung, stark – schwach, Führer – Gefolgschaft; Identifizierung mit Machtgestalten; Überbetonung der konventionalisierten Attribute des Ich; übertriebene Zurschaustellung von Stärke und Robustheit.
    • Destruktivität und Zynismus. Allgemeine Feindseligkeit, Diffamierung des Menschlichen.
    • Projektivität. Disposition, an wüste und gefährliche Vorgänge in der Welt zu glauben; die Projektion unbewusster Triebimpulse auf die Außenwelt.
    • Sexualität. Übertriebene Beschäftigung mit sexuellen „Vorgängen“.
    Schmölzer hätte seine Latte nicht höher hängen können: Heller! Und Charakter! Und „Eskalation der Zentralisierung der Macht“ der Hitlerbärte . Und Wummm!

  2. „Orbán sagt, er verteidige alle Minderheiten, so auch die Juden. Das heißt für die Juden: Wir sind nicht Ungarn.“

    In diesen zwei Sätzen teilt Frau Heller dem Leser folgendes mit: Orbán hält die ungarischen Juden für keine Ungarn. Man braucht schon eine riesige Portion bösen Willen, die Aussage von Orbán an den Haaren herbeigezogen auf dieser Weise zu interpretieren.

    Andererseits gibt es sowohl von Orbán, als auch von anderen prominenten Nationalkonservativen zahlreiche Aussagen, aus denen eindeutig hervorgeht, was selbstverständlich ist: ungarische Juden sind Ungarn und werden von Orbán und von anderen Nationalkonservativen selbstverständlich auch für Ungarn gehalten. Und das gilt nicht nur für Juden, die in Ungarn leben. In der Auffassung der Nationalkonservativen gehören Juden mit ungarischen Wurzeln, die in Israel in den USA oder anderswo auf der Welt leben genauso zu den Auslandsungarn, wie andere nicht jüdische im Ausland lebende Ungarn.

    Frau Heller muss das wissen. Trotzdem ignoriert sie die eindeutigen Aussagen um irgendwo irgendwas hineinzuinterpretieren, was nicht gesagt, aber auch nicht gemeint ist. Sie muss wissen, dass es falsch ist, trotzdem verbreitet sie ihre eigene Falschinterpretation.

    • @ halász:

      Ich verstehe diese Aussage Hellers auch nicht. Dass die ungarischen Juden eine Minderheit im Land darstellen, dürfte im Hinblick auf reinste mathematische Erwägungen zutreffen. Heller spricht auch nicht von „ethnischer Minderheit“ bzw. „Nationalität“ (nemzetiség). Würde sich Heller daran stören, dass die ungarischen Juden zu einer der anerkannten ethnischen Minderheiten gemacht würden (was sie nicht sind), so könnte man über ihre Kritik noch diskutieren. So aber bleibt das, was Heller sagt, ein Produkt ihrer Auslegung bzw. Phantasie – ein weiterer der zahllosen Fehltritte einer Philosophin, die sich zur Expertin in politischen Fragen aufschwingt und dabei doch wie alle normalen Menschen mal irren kann.

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