Staatliche Auftragsvergaben nach politischem Gusto – ein nie endendes Problem?

Das investigative Portal átlátszó.hu veröffentlicht heute ein Interview mit dem Wirtschaftswissenschaftler István János Tóth zur Frage der politischen Einflüsse auf staatliche Auftragsvergaben. Aktuell ist das Beispiel Közgép, ein der Regierungspartei Fidesz nahestehender Baukonzern, in aller Munde.

Tóth kritisiert zunächst, dass die Daten der zuständigen Behörde für eine Analyse der Auftragsvergaben letztlich nicht geeignet seien, was den Anspruch der Bürger, zu erfahren, was mit dem Geld des Steuerzahlers und der Europäischen Union passiere, vereitele. Die Ergebnisse, etwa im Bezug auf Közgép, seien daher nicht einheitlich.

Das umfangreiche Interview ist hier in ungarischer Sprache verfügbar:

http://atlatszo.hu/2014/01/24/hasznalhatatlan-adatbazis-rejti-a-politikavezerelt-kozbeszerzeseket/

Interessantes Detail der Untersuchung: Tóth hat die Entwicklung der im Jahr 2009 – also vor dem Regierungswechsel – 30 größten Gewinner von staatlichen Aufträgen untersucht und festgestellt, dass hier ein Einbruch von 20% bis in das Jahr 2011 zu verzeichnen ist; was die Vermutung, die Vergabe sei maßgeblich von politischen Präferenzen mitbestimmt, gewiss nährt. Bestätigt wird das Ergebnis durch folgende Tatsache: Die dreißig größten Profiteure von staatlichen Aufträgen im Jahr 2011 legten im Zeitraum 2009 bis 2011 in etwa in gleichem Umfang zu.

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Die Annahme, die Frage, wer an staatliche Aufträge gelangt, hänge davon ab, zu welchem politischen Lager er gehört, scheint somit begründet. Viel neues bringt diese Erkenntnis allerdings nicht. Es ist eine bedauernswerte und seit der Wende (natürlich auch davor) unverändert zur politischen Landschaft Ungarns gehörende Tatsache. In Anbetracht der politischen Landschaft und der Lagerbildung in Ungarn dürfte ein Ende dieser Praxis kaum absehbar sein. Mit oder ohne Regierungswechsel.

 

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Ein Kommentar zu “Staatliche Auftragsvergaben nach politischem Gusto – ein nie endendes Problem?

  1. “Tudnunk kell dolgokról. Nem lehet az oroszokkal olyan megállapodást kötni, olyan szerződést aláírni, amelyet tíz évre titkosítanak, hogy mi ne tudhassuk meg, hogy pontosan honnan, kik, hogyan befolyásolják az életünket, és pontosan milyen gazdasági számítások alapján várhatjuk Magyarország felemelkedését vagy éppen meggyengülését.

    Ez a mi életünk, ez nem a kormány a kormány biznisze. Ez a mi életünk. És aki elveszi a választott képviselőktől a valóságos helyzet megismerésének jogát, 48 órával az aláírás előtt jelenti be, hogy egyáltalán valami készülődik, az valójában puccsot hajt végre a magyar alkotmányos rend, a magyar népképviselők és az egész magyar néppel szemben.”

    http://2007-2010.orbanviktor.hu/beszedek_list.php?item=38

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