WELT: Boris Kálnoky übt Kritik am geplanten Besatzungsdenkmal

Boris Kálnoky berichtet in der WELT über das geplante Denkmal auf dem Freiheitsplatz, das an die Besatzung Ungarns durch Nazi-Deutschland erinnern soll. Kálnoky übt deutliche Kritik und befürchtet – wie auch andere Beobachter -, das Denkmal könne das soeben beginnende Holocaust-Gedenkjahr konterkarieren.

http://www.welt.de/politik/ausland/article124319998/Ungarn-relativiert-seine-Holocaust-Mitverantwortung.html

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18 Kommentare zu “WELT: Boris Kálnoky übt Kritik am geplanten Besatzungsdenkmal

  1. Mária Schmidt (Interview in der aktuellen Heti Válasz):

    „ Das Ende der ungarischen staatlichen Souveränität kam mit der Besetzung Ungarns durch die Nazis. Dies ist eine historisch verbürgte Tatsache. Handelt es sich bei den „Geschichtsfälschern“ nicht eher um jene Personen, die die verheerenden Auswirkungen dieser Tatsache in Frage stellen?“

    Link:

    http://hetivalasz.hu/itthon/schmidt-maria-a-szabadsag-teri-szoborrol-es-a-sorsok-hazarol-72644/

    Das Zitat auf Ungarisch:

    „A náci megszállás jelenti a kezdetét annak, hogy a magyar szuverenitás megszűnt. Ez történelmi tény. Nem éppen azok a »hamisítók«, akik ennek a ténynek a pusztító hatását kérdőjelezik meg?“

  2. Sehr ausgewogen berichtet Meret Baumann in der NZZ von heute:
    „Mit Janos Ader hat erstmals ein ungarisches Staatsoberhaupt die Verantwortung des Staats für den ungarischen Holocaust anerkannt. Ein geplantes Denkmal stellt das Land hingegen einseitig als Opfer dar.“

    Was bleibt ist ein schaler Beigeschmack. Die Politisierung der Geschichte ist schon an sich fragwürdig. Hier geht es aber nicht um „irgendeine“ Geschichte und längst nicht nur um die „ungarische Geschichte“. Die Endlösung der Judenfrage gegen die Besatzung Ungarns durch die Wehrmacht abzuwägen, gehört sich einfach nicht. Schlimm, dass es überhaupt solcher Fotos braucht, die gequält wartende Frauen und Kinder vor ihrem Tod in Auschwitz zeigen. Was ist schon die sogenannte „Fremdherzigkeit“ im Vergleich zur Kaltherzigkeit, die einige im Umgang mit dieser geschichtlichen Thematik zeigen.

    • Wieder ein großartiger Beitrag von Meret Baumann. Sie geht vor allem, was Ungarns Rolle ab 1940 angeht, auf die Widersprüche in der Politik ein.

      Nur beim Begriff „stalinistisches Kádár-Regime“ würde ich widersprechen. ..

      • Poststalinistisches Kádár-Regime wäre wohl die richtigere Bezeichnung. Schön, dass Sie das geistige Post-Erbe unseres lieben Herrn Karl Pfeifer pflegen, HV: (Kákán is csomót keres.) Dessen Beiträge bei der ollen Kulturkrampfe sind ja unanfechtbar, will heißen, Hochwürden verbittet sich jeglichen Kommentar. Schön, dass Sie, HV, sich noch nicht den Unfehlbaren abgeben.

      • „Wieder ein großartiger Beitrag von Meret Baumann.“

        Finde ich nicht.

        Ein Zitat, was mir nicht zusagt:

        „Ein geplantes Denkmal stellt das Land hingegen einseitig als Opfer dar.“

        Es hieß mehrmals (auch Orbán betonte dies), das Denkmal solle an ALLE Opfer des deutschen Einmarsches vom 19. März 1944 erinnern.

        Also nicht nur an Juden, nicht nur an Ungarn, nicht nur an die nach diesem Datum verschleppten Politiker usw.

        Ist dies so, dann wird mit dem Denkmal auch keine einseitige Opferdarstellung geplant.

        PR

      • Bei einer Gesamtschau geht Meret Baumann auf die kontroversen Punkte ein. Und das Denkmal kann man diskutieren. Nur bitte nicht mit dem Argument, es habe keine Besatzung gegeben.

  3. Der Engel ist ja bildersprachlich das Opfer, und der
    erklärende offizielle Text dazu sagt, dass der Engel Ungarn
    darstellt. Dies ist keine Interpretationsfrage oder eine der
    Widmung. Ungarn wird einseitig als Opfer dargestellt,
    Punkt.

    • Es besteht ein Widerspruch zwischen der Symbolik und den
      bekannt gewordenen Aussagen zur Funktion des Denkmals. Klarheit
      bringt hoffentlich der 19. März 2014, an dem das Denkmal enthüllt
      werden soll. Gute Nacht, P. Rieckmann

    • Soll der Engel den ungarischen Staat oder die ungarische
      Nation darstellen? Ich denke, da gibt es nämlich einen inhaltlichen
      Unterschied. Wenn er den Staat darstellt, dann hätten Sie
      vollkommen recht mit Ihrer Meinung, denn der hat sich am Holocaust
      beteiligt. Wobei sich auch dieser Staat so erst „dank“
      Nazideutschland entiwckeln konnte. Stellt der Engel aber die Nation
      dar, dann verhält sich das ein wenig anders. Die Nation steht über
      dem jeweils aktuellen Staat und würde auch die ungarischen Juden
      einschließen. In diesem Fall würde man sich sogar mit den
      ungarischen Juden solidarisieren indem man deren Leid auch als
      eigenes Leid, also nationales Leid, betrachtet, also teilt. Die
      Mitschuld am Holocaust trägt dabei aber nicht die Nation, denn das
      wäre eine Kollektivschuld, sondern der damalige Staat
      beziehungsweise dessen Administration (das heißt va. Individuen).
      In diesem leidet sich lediglich eine Verantwortung, aber eben keine
      Mitschuld, der Nation als Ganzes ab, nämlich die Verantwortung
      solche Katastrophen in Zukunft zu vermeiden bzw. zu verhindern und
      dazu an die Opfer zu erinnern. Davon unabhängig halte ich die
      Bildsprache für missglückt, eben weil sie so missverständlich ist.
      Grundsätzlich bin ich aber für ein solches Denkmal solange es
      inhaltlich ausgereift und durchdacht, sowie unmissverständlich ist.
      Es ist mal wieder dem Übereifer (angesichts des Holocaustjahres)
      der Fidesz geschuldet (die dann in eine gewisse Schlampigkeit und
      Unausgegorenheit mündet), dass diese Angelegenheit derart aus dem
      Ruder läuft. Eine bösartige Absicht kann ich aber nicht
      erkennen.

    • Herr Kálnoky hat es auf den Punkt gebracht. Der Engel ist das Problem. Einem Denkmal ohne Figuren eventuell mit anderen, zum Anlass passenden Figuren könnte man nichts entgegensetzen. Egal, ob Staat oder Nation. Der Engel ist ein Symbol der Unschuld. Weder Staat, noch Nation waren vor der Besatzung unschuldig. Die Symbolik der Engel suggeriert kollektive Unschuld, was in diesem
      Zusammenhang ganauso daneben ist, wie Kollektivschuld.

  4. *Es ist mal wieder dem Übereifer (angesichts des
    Holocaustjahres) der Fidesz geschuldet (die dann in eine gewisse
    Schlampigkeit und Unausgegorenheit mündet), dass diese
    Angelegenheit derart aus dem Ruder läuft.* Kann ich nur
    beipflichten.Man tritt durch Übereifer von einem Fettnäpfchen ins
    andere.Außerdem gibt man so immer wieder tolle Steilvorlagen, um
    das Augenmerk auf Ungarn zu richten und lenkt so von allen anderen
    Widerlichkeiten ab, die noch in der Welt passieren. Vergeblich
    sucht man in der deutschsprachigen Presse z.B. danach
    http://www.israelnationalnews.com/News/News.aspx/176876#.Uu4enGdFDmu
    Ich hoffe doch, dass diese Quelle vertrauenswürdig ist?

  5. Orbáns Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als
    alle Wiener Bosheit, sollte man meinen, wenn man Ungvárys
    Gastkommentar liest, den DiePresse heute veröffentlicht hat. Mich
    wundert es nicht. Ich wehre mich auch nicht dagegen. Mit seiner
    2012 erschienenen Bilanz der Horthy-Ära hat er mich erreicht.
    Nicht, dass er mein Ungarn-Bild umgekrempelt hätte. Nein, aber was
    Marsovszky mit ihrem völkischen Gedudel und Pfeifer mit seiner
    antiungarischen Rabulistik nicht vermochten, das hat Ungváry
    geschafft. Klar, er ist Brillenträger, hat vermutlich
    Gleitsichtgläser mit unterschiedlichen Brechwerten zur Fern- und
    Nahkorrektur. Aber sein Historiker Rückfahrradar ist
    madeinmadjarország. (Nur zum Vergleich, IKEA hat zur
    Welterleuchtung von oben ’ne Lampe aus ungarischer Produktion im
    Katalog, die kostet – ohne Birne – 1,79 € ) Ungváry ist
    unschlagbar, billig ist sein 20. Jahrhundert jedenfalls nicht,
    jedenfalls aus historischer Sicht, weil er es abwertet. Als wären
    wir heute viel klüger, viel besser und viel menschlicher. Ungvárys
    Dummheit ist eben ein gefährlicherer Feind des Guten als DiePresse
    und alle Wiener Bosheit. Quelle:
    http://www.ikea.com/de/de/catalog/products/00055691/

  6. >>… nincs értelme „a zsigeri gyűlölködésből fakadó felháborodásnak”, mert az primitívvé teszi a vitákat. <<
    Da sind Boross wohl die gewichtigen Argumente ausgegangen. Und jetzt will er, Boross Péter, "dem Schmerz" aller Opfer ein Denkmal setzen.
    Passend dazu möchte Ungarnfreund das sowjetische Ehrenmal auf dem Freiheitsplatz noch etwas größer haben. Man möge bitte die Leidensgeschichte des ungarischen Volkes als seine verdiente Heilsgeschichte interpretieren.
    Boross und Ungarnfreund haben Ungvárys "Bilanz" immer noch nicht gelesen und reden trotzdem mit. Aber die Verantwortung für die Judenvernichtung am Transportmittel Viehwaggon festzumachen ist genauso bizarr, wie das Weihrauchfässchen und Bimmelglöckchen zur unheilvollen Tradition zu schwenken. Mir fehlen nur noch die Konsekrationsworte zur ungarischen Geschichte, wie sie Ungarnfreund wohl gern hätte.
    Als ich gestern die Schwarzwaldräucherei Spinner und Ingvar Kamprad als Argumente in die Diskussion über das geplante Besatzungsdenkmal einbrachte, dachte ich, nicht einmal mein Namensvetter Péter Esterházy kann frivoler. Und jetzt Ungarnfreund! Der spricht die Ungarn, die im 2. Weltkrieg ihr Leben verloren haben, alle für schuldig. Waren die wirklich selber Schuld an ihrem Tod? Nur weil sie keine Juden waren? Nur weil sie nicht in Auschwitz ermordet wurden? Nein, Ungarnfreund und Boross sind einfach unerträglich.
    Aber selbst wenn es zwischen Ungarnfreund und Boross keinen kleinsten gemeinsamen Nenner gäbe, es gibt Bilder von den Viehwaggons.

    Den Schuldspruch überlassen wir besser dem sozialen Konstrukt Gott, gel Ungarnfreund? Auch wenn dem das großkotzige Berliner Flair fehlt.
    Oder in Anlehnung an Karl Lueger: Wer ein Opfer ist, bestimmt Ungarnfreund noch längst nicht.
    Boross hingegen empfehle ich Kalmopyrin. Da ist Acetylsalicylsäure drin. Das ist gut gegen seinen Schmerz und erspart Ungarn das unsäglich primitive Bronzedenkmal.

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