Budapester Zeitung: Krisztián Ungvárys Beitrag zur Denkmal-Debatte

Die Budapester Zeitung bringt die deutsche Übersetzung eines in der ungarischen Wochenzeitung HVG erschienenen Artikels des Historikers Krisztián Ungváry zum umstrittenen „Besatzungsdenkmal“ auf dem Budapester Freiheitsplatz.

http://www.budapester.hu/2014/01/30/das-wahre-grauen/

Der Originalbeitrag erschien am 21. Januar 2014 und ist hier abrufbar:

http://tablet.hvg.hu/velemeny/20140121_Az_eleven_borzalom

Advertisements

11 Kommentare zu “Budapester Zeitung: Krisztián Ungvárys Beitrag zur Denkmal-Debatte

  1. Ich habe meine Bemerkungen schon abgegeben und möchte mich
    nicht wiederholen. Der deutsche Text weicht an manchen Stellen vom
    ungarischen ab, aber die wesentliche Bedeutung wird dadurch auch
    nicht anders. Ungváry ist es wichtig zu erwähnen, dass Miklós
    Melocco „regierungsnah“ eingestellt ist. Und was ist er selber? Die
    Objektivität und Referenz pur. Man soll nur seinen Umkreis
    anschauen… Seine Punkte weichen an einigen Stellen von der
    „Wahrheit“ ab. Es wäre eleganter, wenn er als Historiker nicht nur
    Anekdoten als Quellen angeben würde. Womöglich ist Herr Ungváry
    beleidigt, dass er nicht gefragt wurde. Sollte die ungarische
    Regierung sich sich auf Herrn Ungváry und Karsai als Experten
    verlassen? Woher weiß er überhaupt, dass Historiker nicht gefragt
    wurden? Über das Denkmal kann man sich streiten, über Geschmack
    oder Geschmacklosigkeit lässt sich noch besser streiten (es geht
    mich überhaupt nichts an, aber das deutsche Denkmal in Berlin finde
    ich tausendmal geschmackloser), aber wer sich wann beleidigt fühlen
    kann, kann man nicht bestreiten. Angeblich fühlen sich die Opfer
    durch das geplante Denkmal beleidigt. Nein. Es ist ein aktuelles
    politisches Wahlkampfthema. Und es ist sehr-sehr traurig, dass es
    geworden ist. Im Namen der Opfer sollte weder Agnes Vadai, noch
    Gordon Bajnai, noch Krisztián Ungváry, noch Ferenc Gyurcsány und
    etc. sich äußern. Niemand hat sie darum gebeten.

    • @Liliom Es wäre doch schade, wenn sich „weder Agnes Vadai,
      noch Gordon Bajnai, noch Krisztián Ungváry, noch Ferenc Gyurcsány
      etc. im Namen der Opfer mehr äußerten. Es soll ja auch Menschen
      geben, die können das ABC rülpsen. Wenn jemand das ABC rülpst,
      zeigt sich, wessen Geistes Kind der ist. Klar, ich fühle mich auch
      den Opfern der FIDESZ-Demonstration von 2006 eher verbunden als z.B
      einem Ferenc Gyurcsány, der ohne jede Schuld ist. Und überhaupt,
      also wenn ich mich je für oder gegen jemand entscheiden müsste,
      (példának okáért) wenn ich z.B. zwischen dem Unternehmer Frank
      Spinner aus Oberharmersbach oder Ingvar Feodor Kamprad zu wählen
      hätte, dann würde ich doch lieber der Schwarzwaldräucherei aus
      Oberharmersbach mein ganzes Vertrauen schenken. Vor IKEA gruselt es
      mich. Weil IKEA für eine nachhaltige Zukunft einsteht und sich
      positiv auf die Gesellschaft auswirken will und den Menschen einen
      besseren Alltag verspricht. Das ist keine Übertreibung. IKEA hat
      zwar keine Strategie zum Sturz Orbáns, aber dafür eine
      Nachhaltigkeitsstrategie, People & Planet Positive,
      eingeführt und damit Fortschritte gemacht. Die
      Nachhaltigkeitsstrategie von IKEA kann man sich als PDF
      herunterladen. Was mich aber noch mehr gruselt als das Wahlprogramm
      der ungarischen Linken Front mit Gyurcsány etc., das sind
      Putenschnitzel mit Zigeunersauce, Kartoffelpüree und kleinem Salat,
      das IKEA Menü für 5.90 €. Den Zigeunerspeck hat das Schinkenhaus
      Spinner aus dem Schwarzwald aus seinem Angebot gestrichen, ohne im
      Namen der Opfer zu sprechen. Hätte die Metzgerei eine
      Nachhaltigkeitsstrategie, würde sie der Menschheit groß
      versprechen, die Schwarzwurst umzubenennen. Wegen Afrika. Was als
      Fortschritt sozusagen auf Rotwurst und Mesterházy hinausliefe. Ich
      weiß, niemand hat mich darum gebeten, meine Meinung zum Fortschritt
      zu äußern. Aber mal ehrlich, Rotwurst als Nachhaltigkeit, dass wäre
      noch grausamer als IKEAs Menü für 5.90 €. Quelle:
      http://www.spinner-schinken.de/2.html

  2. Es gibt eine unheilvolle Tradition, die ungarische
    Geschichte des 20. Jahrhunderts als Opfergeschichte zu erzählen:
    zerstückelt in Trianon, besetzt von Deutschen und Sowjets und
    anschließend geknechtet von einer Ein-Parteien-Diktatur und am
    Runden Tisch um einen wahren Systemwechsel betrogen. Ich bin gegen
    das Besatzungsdenkmal, weil es diesen windschiefen Opferdiskurs
    bedient, weil es dazu benutzt werden kann, die ungarische
    Mitverantwortung für die eigene Geschichte unter den Teppich zu
    kehren, und weil mir noch niemand überzeugend erläutern konnte, wer
    neben den ungarischen Juden die anderen wirklich unschuldigen Opfer
    von 1944/45 gewesen sein sollen. Vielleicht braucht Ungarn
    stattdessen ein zentrales Mahnmal für die Opfer von Krieg und
    Gewaltherrschaft im Allgemeinen. Dort ließe sich in jährlichen
    Gedenkreden trefflich darüber debattieren, wer alles dazu gehören
    soll, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen
    autoritären und totalitären Regime lagen und inwieweit Ungarn im
    20. Jahrhundert nicht auch immer wieder Opfer seines eigenen
    Versagens bzw. des Versagens seiner Eliten geworden ist. Schwach
    finde ich übrigens die in diesem Zusammenhang wieder aufkommende
    Kritik an dem historischen Sowjetdenkmal auf dem Budapester
    Freiheitsplatz. In Berlin gibt es drei ziemlich monströse
    Sowjetdenkmäler: im Tiergarten, im Treptower Park und in der
    Schönholzer Heide. Niemand fordert ernsthaft deren Schleifung, weil
    sich die Befreier anschließend als Besatzer herausstellten. Dort
    liegen tausende Tote fernab ihrer Heimat begraben. Schon deshalb
    hat sich Deutschland beim Abzug der russischen Truppen vertraglich
    dazu verpflichtet, diese in ihrer Formensprache und Symbolik längst
    überkommenen Gedenkstätten zu schützen und zu erhalten. Auch in
    Bezug auf das vergleichsweise bescheidene Budapester Sowjetdenkmal
    wäre etwas mehr Großmut angebracht.

    • Ich glaube, Sie wissen sehr gut, dass die gegenwärtige Situation in Ungarn kein guter Nährboden für Großmut ist. Das gilt für alle Akteure. Der Wind um die Umgestaltung des Kossuth tér ist ein ganz guter Beweis. Da fehlte jener Großmut auch.

    • Da Sie Trianon nun schon mal als Teil des Opfermythos
      aufwerfen: inwiefern sehen Sie dort Versagen seitens Ungarns? Ist
      ja nicht so als hätte man da eine Wahl gehabt. Ähnliches ließe sich
      sicherlich auch über die sowjetische Besatzung sagen. Zwar gab es
      auch ungarische Kollaborateure, aber die können Sie wohl kaum ganz
      Ungarn in die Schuhe schieben. Ist ja auch nicht so als hätte
      Ungarn nicht versucht sich zu wehren. Was den Systemwechsel angeht,
      der ist ordentlich in die Hose gegangen. Das ist sicherlich zum
      großen Teil eigene Schuld. Es ist aber auch nicht geradeso als
      hätte der Westen sonderlich viel Interesse an einem eigenständigen
      und erfolgreichen Ungarn. Lediglich als billige Arbeiter und
      Mastvieh (zwecks Absatz) kommen wir gerade recht. Dieses Interesse
      dominiert die Politik des Westens Ungarn gegenüber. Gerade deswegen
      ist es dem Westen ein Dorn im Auge wenn in Ungarn eine
      protektionistische Regierung am Drücker ist. Insofern: die Rolle
      des Westens war und ist nicht nur positiv.

      • Aber Palóc! Die Ungarn als Mastvieh? Sie übertreiben. Die
        fetten Kühe sind nur die halbe Wahrheit. Die ganze Wahrheit hörte
        sich am 30. Januar so an: Und nach zwei Jahren hatte der Börsianer
        einen Traum, wie er stünde am Szent Gellért Kai an der Donau und
        sähe aus dem Wasser steigen sieben schöne, fette ungarische Kühe;
        die gingen auf der Weide im Grase. Nach diesen sah er andere sieben
        Kühe aus dem Wasser aufsteigen; die waren häßlich und mager und
        traten neben die Kühe an das Ufer am Wasser. Und die häßlichen und
        mageren fraßen die sieben schönen, fetten Kühe. Da erwachte der
        Börsianer und begann nachzudenken über Ungarn.
        http://www.derboersianer.com/news/unternehmen/artikel/details/nowotny-nachdenken-ber-Ungarn-verbleib-fr-Banken-rational320997.html

    • @Liliom
      Das tun nur die makellos Reinen, mein ungarisches Trauerblümelein!
      Apropos Altersverblödung: (M)eine leichte Form der Altersverblödung liegt durchaus im Bereich einer nicht unwillkommenen körpereigenen Abwehr gegen Informationen. ( Quelle: Süddeutsche Zeitung 1995 )

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s