Unruhen 2006: DK-Politikerin erstattet Anzeige gegen den Nachrichtensender HírTV

DK-Politikerin Ágnes Vadai hat bei der Budapester Staatsanwaltschaft Anzeige gegen den privaten Nachrichtensender HírTV erstattet. Die Staatsanwaltschaft bestätigte den Eingang der Anzeige.

Nach Auffassung der DK bestehe der Verdacht von „Terrorhandlungen“, da der regierungsfreundliche Sender – so die Behauptung der DK – bereits vor dem Ausbruch der Unruhen in Budapest im September 2006 von der (bevorstehenden) Veröffentlichung einer als „Lügenrede“ bekannt gewordenen Rede des damaligen Ministerpräsidenten Ferenc Gyurcsány gewusst haben soll.  Unter Bezugnahme auf die Aussage des ehemaligen MTI-Korrespondenten in Berlin, Péter Zentai, soll bereits einige Tage zuvor „von einem ausländischen Kollegen“ gehört haben, dass „ein ungarischer Nachrichtensender zwei britischen Rundfunkanstalten angeboten habe, die (späteren) Ereignisse zu berichten“. Zentai habe diese Aussagen aber nicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft.

Die These der DK, deren Vorsitzender und damaliger Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány heute ist, läuft darauf hinaus, die teils gewaltsamen Ausschreitungen und Krawalle – auch von Seiten Rechtsradikaler und Hooligans – im Herbst 2006 als „Putschversuch“ der heutigen Regierungsseite darzustellen.

Am 23. Oktober 2006 kam es – insbesondere nach einer Veranstaltung der damaligen Oppositionspartei Fidesz – auch zu gewaltsamen Übergriffen der Polizei gegenüber friedlichen Versammlungsteilnehmern. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Der Zeitpunkt der Strafanzeige dürfte keinesfalls Zufall sein. Zum einen steht am 6. April die Neuwahl des ungarischen Parlaments an (Vadai tritt als Direktkandidatin in dem von der Opposition als bedeutsam erklärten Wahlkreis Esztergom an), zum anderen waren kürzlich (unvollständige) Teile eines Zwischenberichts des Geheimdienstes an die Öffentlichkeit gelangt, aus denen sich ergeben soll, dass die „Lügenrede“ seinerzeit mit dem Wissen und Wollen Gyurcsánys an die Öffentlichkeit gelangte. Gyurcsány bestreitet dies und beharrt auf seiner Version eines Verräters in den eigenen (MSZP)-Reihen.

Am 11. März 2014 verlangte die DK ferner eine Untersuchung des Innenministeriums, um herauszufinden, welche Rolle „Viktor Orbán und seine Parteiführung bei der Vorbereitung der Unruhen gespielt“ habe.

http://mno.hu/videok/94248

http://mno.hu/hirtvarchiv/vadai-terrorcselekmeny-miatt-tett-feljelentest-1213144

http://hvg.hu/itthon/20140226_DK_Vizsgaljak_meg_Orban_felelosseget_a_20

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12 Kommentare zu “Unruhen 2006: DK-Politikerin erstattet Anzeige gegen den Nachrichtensender HírTV

  1. Bekanntlich hatte sich Gyurcsány ja 2006 – kurz vor Ausbruch der Krawalle in Budapest – mit dem Lupenreinen auf der Halbinsel Krim getroffen. Wie dick solche Häute sind, darüber berichtete seinerzeit Tina Hildebrandt im Wochenblatt „Die Zeit“: „Natürlich, es könnte alles auch schlimmer sein“, soll Gyurcsány kurze Zeit später dem Stolpe-Zögling Matthias Platzeck in Budapest gesagt haben.
    Wie schlimm, das wissen wir inzwischen. Wieviel Tote wurden eigentlich auf dem Majdan Nesaleschnosti in Kiew gezählt?
    Eigentlich möchte noch etwas anderes los werden. Ich fand an Henning Mankell sympathisch, dass er schon als kleiner Junge Schriftsteller werden wollte, das auch geworden ist, aber nicht nur spannende Romane schrieb, sondern sich auch aktiv z.B. gegen den Vietnamkrieg und gegen das Apartheidsregime in Südafrika einsetzte. Ich fand das gut und finde es auch heute noch gut, wenn Schriftsteller und Boxer Politik machen. Konrád wurde gerade erst für seinen Kampf gegen Ungarn, den er seit dem Untergang seiner korrupten linksliberalen Partei in den deutschen Medien führt, geehrt. Ich finde es gut, wenn Menschen Farbe zeigen und man weiß, woran man bei ihnen ist. Schattenboxer und Politiker, die sich an Drehbücher halten, die Putins Handschrift tragen, mag ich gar nicht. „Lügen haben kurze Beine, sagt der Volksmund. Doch manchmal staune ich, wie lange sich Gyurcsánys Lügen auf den Beinen halten können. Wer waren die Scharfschützen auf dem Majdan? Wer hat die Scharfschützen beauftragt? Der russische Geheimdienst spielt in der Ukraine eine dubiose Rolle, sagt der ukrainische Schriftsteller Mykola Rjabtschuk. „Es gibt Hinweise darauf, dass er die ukrainischen Institutionen infiltriert hat“, las ich am 21. Februar in der Frankfurter Allgemeinen. Putin liest diese Zeitung sicherlich nicht. Dafür hat er auch keine Zeit. Das Krim-Parlament hat gerade seine Unabhängigkeit von der Ukraine erklärt. Was gibt es da alles zu tun! Vom packenden Drehbuch bis zur perfekten Inszenierung, Putin hat großes geleistet. Nur eins ärgert mich: Für Ungarn fallen immer nur Operetten ab. Ich weiß nicht, wie Du darüber denkst, Ágnes Vadai spielt in der für Gyurcsány geschriebenen kleinen Oper ja nur eine kleine Rolle. Und der Sieg des oppositionellen Bündnisses (ellenzéki összefosás) steht in weiter Ferne. Sicher ist momentan nur soviel, Henning Mankell wird vom Krebs besiegt, Ágnes Vadai hält sich an das Operettenlibretto und Gyurcsány geht mit seinem Satz: „Natürlich, es könnte alles auch schlimmer sein“ in die Geschichte ein.

    Nur, was wird jetzt aus Putin? Ist seine Haut wirklich so dick, wie Gyurcsánys?

      • Herches Beiträge sind doch literarische Schmankerln (-s Plural) ich genieße sie. Krampflösend. Danke und weiter so!

      • Wirklich Göttlich! Kultur.krampf „rekuriert“. Na, in diesem Fall wünsche ich gute Besserung und hoffe, dass Sie Ihre hier offen ausgelebten gesundheitlichen Probleme bald in den Griff kriegen. Auf dass wir das Elend Ihrer Wortmeldungen nicht mehr zu lange ertragen müssen.

      • aber hv, heute mal gereizt? nicht so verkrampft kontrolliert, um den eindruck der nüchternen reflektion bemüht, wie sonst? diesmal glasklar reaktionär?
        es liegt doch an ihnen.
        entweder sie geben das elend frei oder nicht. so gesehen, jammern sie nur über ihre eigene entschlussschwäche.

  2. „…Die These der DK, deren Vorsitzender und damaliger Ministerpräsident Ferenc Gyurcsány heute ist, läuft darauf hinaus, die teils gewaltsamen Ausschreitungen und Krawalle – auch von Seiten Rechtsradikaler und Hooligans – im Herbst 2006 als ”Putschversuch” der heutigen Regierungsseite darzustellen.“
    HV, wenn es stimmen sollte, was Sie sagen, müsste die DK auch die Demonstrationen in der Ukraine als Putschversuch der EU bezeichnen. Tun sie aber nicht! Wirklich unfassbar diese DK. Ich kann kaum fassen, dass Gyurcsány nicht hinter Gittern sitzt. Seit 1954 hat niemand diesem Land so geschadet wie dieses lächerliche Ekel.

    • „Seit 1954 hat niemand diesem Land so geschadet wie dieses lächerliche Ekel.“

      ist das eine these zu propagandazwecken oder zur eigenen frustrationsbewältigung?

      • werte Herr/Fr. krampf, Ich überlasse den Paradigmenwechsel vom mechanistisch linearen ins weiß nicht welche vielleicht ins Moderne, der Evolution. Mit 68 Jahren und 4 Enkeln darf ich das.
        Das „Deterministische rekurieren“ müsste ich mir noch ergooglen (bin aber sehr beeindruckt). Da ich aber die nächste Woche meines Sohnes PKW mechanistisch kurieren muss und anschließend nach Ungarn fahre um an Orbans Friedensmarsch bzw. an den Wahlen teil zu nehmen, werde ich zum googlen weniger kommen.

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