DRadio über Populisten, Urbane und den Gegensatz in der ungarischen Presselandschaft

Deutschlandradio brachte heute einen interessanten, fast einstündigen Beitrag über das Thema Pressefreiheit in Ungarn, den Gegensatz zwischen „Urbanen und Populisten“ sowie die traditionelle Spaltung der Medienlandschaft.

http://www.deutschlandfunk.de/pressefreiheit-populisten-und-urbane.922.de.html?dram:article_id=278105

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5 Kommentare zu “DRadio über Populisten, Urbane und den Gegensatz in der ungarischen Presselandschaft

  1. Nach einem vielversprechendem Anfang (am Zeitungskiosk) ist der Bericht dann doch ziemlich einseitig geworden. Trotzdem ist es interessant, informativ, hörenswert.

    “Urbanen und Populisten”
    Der Begriff „népi” vagy „népiesek” scheint einfach unübersetzbar zu sein. „Populisten” als Übersetzung ist zwar genauso falsch wie „völkisch”, ist aber weniger böswillig. Das Vermischen des Populismusbegriffs im Sinne von „népiesek” mit dem heute gängigen Populismusbegriff finde ich irreführend.

    • Ich halte „volkstümlich“ für die beste Übersetzung.

      Der Begriff „völkisch“ bringt eine verkappte Nazi-Konnotation hinein, die der Begriff im ungarischen nicht hat (auch wenn Marsovszky das permanent vor sich hinbetet), und auch „Populisten“ trifft es nicht ganz (dann schon eher „Populäre“). Népi írók waren die volkstümlichen, die populären, Schriftsteller. Es gab unter ihnen zweifellos auch völkisch denkende (m.E. Wass und Nyirö), das kann man aber nicht der ganzen Gruppe in die Schuhe schieben.

      Ihren Einwand zur Sendung teile ich. Der beste Teil ist m.E. die Präsentation des Zeitungsverkäufers. Er stellt die Presselandschaft vollkommen fehlerfrei dar.

      • @halász:

        Ergänzung: Die volkstümliche Bewegung („népi mozgalom“) verstand sich nicht nur als Gegensatz zu den „urbanen“, sondern auch zur damals herrschenden Schicht („úri“). Ja, nicht nur als Gegensatz zum liberalen städtischen Bürgertum, sondern auch zur konservativ-bürgerlichen Schicht der Horthy-Zeit. Die Anhänger und Vertreter der „népi mozgalom“ wollte auf das Leben und das Schicksal armer ländlicher Bevölkerungsschichten aufmerksam machen und verbessern. Wenn man so will, waren sie antifeudal und vertraten durchaus auch sozialdemokratische Ansätze.

        Politisch standen die Anhänger dieser Bewegung der Kleinlandwirtepartei, der Nationalen Bauernpartei, später in Teilen auch den Kommunisten und Pfeilkreuzlern nahe. All das dürfte ein Hinweis dafür sein, dass „népi“ und „völkisch“ nicht deckungsgleich ist. Es handelte sich zudem gerade nicht um eine gut organisierte oder einheitliche Bewegung, anfangs dominierten gar typische „linke“ Ansätze.

        Népi mit völkisch zu übersetzen, ist wissenschaftlich zutiefst unredlich, denn man wirft zwei Dinge unterschiedlicher Bedeutung zusammen. Es lohnt sich eben, wenn man nicht völlig die Geschichte außer Acht lässt.

        Attila József war einer der bedeutendsten Schriftsteller der volkstümlichen Richtung. Und alles andere als ein völkischer Blut- und Boden-Dichter. http://de.wikipedia.org/wiki/Attila_József

    • worum geht’s denn dabei im wesentlichen?

      evtl. nur darum anderen menschen, von denen im vorliegenden fall macht und einkommen abhängen, eine weltsicht zu präsentieren, mit der sie sich in ermangelung eigener fantasie, zu identifizieren bereit sind. allein wirken muss das gerede.

      da ist es doch eigtl müssig über passende begriffe zu plaudern…

  2. „Ich halte “volkstümlich” für die beste Übersetzung.“

    Wikipedia zählt einige Definitionen für den Begriff „volkstümlich“ auf, unter anderen: „auf die bäuerliche Alltagskultur bezogen“. In diesem Sinne stimmt die Übersetzung. Wichtig ist auch, dass der Begriff „népi” mit dem Begriff „urbánus” unzertrennbar verbunden ist. Es war eine kulturelle Emanzipation des ländlichen Ungarns gegenüber der im Kulturbetrieb dominierenden „urbanen“ Kultur.

    In Deutschland, wo die alles dominierende Großstadt so wie in Ungarn nicht existiert, und wo alles, was mit Volkstum zu tun hat mal soweit diskreditiert wurde, dass es heute viele gibt, die den Unterschied zwischen Volksmusik und volkstümliche Musik nicht mehr kennen, ist es nicht einfach, die Problematik „népi”-”urbánus” zu erklären.

    Diese fast unüberwindbare interkulturelle Hürde wird heutzutage von einigen Propagandisten dazu missbraucht, die ungarischen Nationalkonservativen in den deutschen Medien als „völkisch“ denkende abzustempeln.

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