Sorsok Háza: Yad Vashem sagt Zusammenarbeit ab

Die israelische Holocaust-Gedenkzentrum Yad Vashem hat seine Zusammenarbeit mit dem von der ungarischen Regierung geplanten Holocaust-Gedenkzentrum „Haus der Schicksale“ (Sorsok Háza) abgesagt. Die Beendigung der Kooperation wurde damit begründet, dass die offizielle Seite – an der Spitze die Historikerin Mária Schmidt – ihre Pläne ohne Mitwirkung der jüdischen Organisationen in Ungarn verwirklichen wolle.

Das Gedenkzentrum Yad Vashem war im Beraterkreis des Gedenkzentrums vertreten. Zuvor war bereits die Dachvereinigung der jüdischen Organisationen in Ungarn, MAZSIHISZ, aus dem Projekt ausgestiegen. Der deutsche Historiker Michael Wolffsohn, selbst Mitglied im Gremium, hatte MAZSIHISZ daraufhin vorgeworfen, wahlkampfpolitische Motive zu verfolgen.

http://www.deutschlandradiokultur.de/ungarn-yad-vashem-sagt-bei-holocaust-gedenkprojekt-ab.265.de.html?drn:news_id=338057&utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

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15 Kommentare zu “Sorsok Háza: Yad Vashem sagt Zusammenarbeit ab

  1. Ich zähle sicherlich nicht zu denjenigen, die jeden Euro aufrechnen, deswegen finde ich das Holocaust-Gedenkjahr eigentlich auch unterstützenswert egal was es kostet. Dennoch komme ich zu dem Schluss: genau mit solchen Aktionen spielt man Jobbik in die Hände. Viele werden denken: da krempelt der Staat schon die Ärmel hoch und trotzdem springen die jüdischen Partner reihenweise ab. Leute, die Juden eher abgeneigt gegenüberstehen, werden sich in ihren Ansichten nur umso mehr bestätigt sehen. Und in der Tat bleibt ein Geschmäckle: wie ich schon sagte ist es mir um das Geld nicht schade, allerdings fragt man sich dann schon irgendwann, ob man es nicht lieber bleiben lassen sollte wenn das eigene Bemühen auf so wenig Gegenliebe stößt.
    Auch interessant: Frau Schmidt muss sich beleidigen lassen und dann springen auch noch die Partner ab und als Sahnehäubchen bekommt man auch noch vorgeworfen, dass man die Projekte alleine durchzieht – mit wem soll sie denn zusammenarbeiten, wenn keiner mehr will?
    Hat sich eigentlich mal der Herr Köves zu dem ganzen Theater geäußert?

    • 1. Köves hatte sich gemeldet und ebenfalls die fehlende Transparenz und das hohe Tempo kritisiert.

      2. Es ist Wahlkampf. Der Ausstieg der gewiss nicht für ihre Fidesz-Sympathien bekannten MAZSIHISZ-Führung ist m.E. zu einem Großteil damit zu erklären. Warum jetzt plötzlich Yad Vashem aussteigt, weiß ich nicht.

      3. Ich bin gerade an der Baustelle vorbei gefahren. Das Museum wird gebaut. Es sieht aber noch sehr unfertig aus, im Rohbau. Wir werden sehen, was es taugt. Und uns dann qualifiziert äußern können. Ob all das nun MAZSIHISZ gefällt oder nicht.

      • „Köves hatte sich gemeldet und ebenfalls die fehlende Transparenz und das hohe Tempo kritisiert.“
        Das ist sein gutes Recht. Ist er (als Berater etc., d.h. aktiv) beteiligt am Holocaust-Gedenkjahr? Ich kann mir kaum vorstellen, dass er sich daran nicht beteiligen würde. Offensichtlich hat er seine Zusammenarbeit nicht aufekündigt, jedenfalls hätte ich nichts derartiges gehört.

      • So weit ich weiß, hat er bereits am Anfang dankend abgelehnt. Aus o.g. Gründen. Er tritt aber gegen den von MAZSIHISZ propagierten Totalboykott des Gedenkjahres ein. Und widerspricht denen, die behaupten, Juden in Ungarn müssten „Angst“ haben und trauten sich nachts nicht auf die Straße.

  2. Hübsch,
    Herr deutscher Rechtsanwalt, gibt es zur Zeit nicht wichtigere Themen als sich auf bei den jüdischen Organisationen festzubeissen und ihnen Wahlkampfhilfe gegen Orbán vorzuwerfen?
    Haben sie immer noch Zweifel, dass Orbán seinen Krieg gewinnt?
    Es gibt eine nette Übersicht, wie isoliert inzwischen Orbán in Europa ist:
    m.ceip.org/brussels/strategiceurope/index.cfm?fa=55036&lang

    • Meine Staatsangehörigkeit und mein Beruf sind ohne Relevanz, petofi. Ich kritisiere nicht „die“ jüdischen Organisationen, sondern MAZSIHISZ. Die Haltung Köves‘ ist nachvollziehbar. Und ohne die von MAZSIHISZ gelebte Theatralik.

      Welches Thema interessiert Sie denn? Ich hätte da z.B. die Magnetbank im Angebot.

      • Wenn ich mir was wünschen dürfte: die Causa Simon sowie Welsz wäre faszinierend und wäre sicherlich auch relevant genug. Aber die MagNet Bank nehme ich auch.

      • Ah… Ich hörte nur mit halbem Ohr von der Geschichte mit dem Pass, dem angeblichen Mesterházy-Safe, den übergebenen Dokumenten und den merkwürdigen Todesumständen. Und den in Österreich gebunkerten Simon-MSZP-Millionen natürlich. Na dann schießen Sie mal los!

      • Offenbar sprechen Sie kein ungarisch, der Fall wäre Ihnen sonst nicht entgangen. Ich versuche mal, Licht ins Dunkel zu bringen.

        Also off topic:

        Der ehemalige MSZP-Parlamentarier Gábor Simon hatte unter Vorlage eines gefälschten Passes der Republik Guinea-Bissau bei der MagNet Bank, Filiale Budapest Andrássy út, ein Konto eröffnet und dort 75 Mio. Forint unbekannter Herkunft deponiert (weitere 750.000 EUR waren zuvor bei einer Bank in Österreich entdeckt worden).

        Ferner war der mit einem Rolls Royce Phantom (BEAST 1) durch Budapest prollende, stets falsch parkende und in einen Immobilienskandal in Terézváros verwickelte dortige MSZP-Vizebürgermeister György Fürst (aka „George First Curtis“) Inhaber eines Kontos – auch er legte einen Reisepass von Guinea-Bissau vor. Zwei MSZP-ler, zweimal Pässe aus einer in Trümmern liegenden afrikanischen Republik? Wahrscheinlich Zufall.

        Insgesamt neun solcher Konten soll es am Andrássy út geben. Eines davon auf den Namen des jüngst verstorbenen Tamás Welsz. Der war laut Népszabadság Staatsbürger von Ungarn, Uruguay und Guinea-Bissau, für letztgenannten Staat soll er Pässe gehandelt haben.

        Warum der MagNet Bank nicht auffiel, dass die Bevölkerung von Guinea-Bissau plötzlich so hellhäutig und mit so hohen Geldbeträgen daherkommt, erklärte der Bankdirektor so (das ist kein Scherz!): „Man könne unmöglich 386 Parlamentarier kennen“ 🙂

        Und die Bank sagte auch, dass man jetzt strenger kontrollieren werde, von diesem Netz aber wohl auch der eine oder andere redliche Student aus Schwarzafrika erfasst würde. Peinlicher, ja: rassistischer, geht es nicht. Wenn man bei dreckigen Geschäften erwischt wird, bringt man plötzlich die redlichen Studenten aus Schwarzafrika ins Spiel. Die müssten jetzt wegen des Erfordernisses seriösen Finanzgebarens leiden. Vorher interessieren die nicht die Bohne!

        http://index.hu/belfold/2014/03/19/kilenc_afrikai_szamlat_talaltak_simon_bankjaban/

        Zwischenzeitlich fand man – so Népszabadság – Konten von Simon, einem studierten Pädagogen (nicht etwa Börsenprofi), auch bei Salzburger und Zürcher Banken. Die Euromillion ist längst überschritten, wenn ich noch mitkomme. Und mein Eindruck, dass es sich um Parteigelder handeln könnte, wird immer stärker. Simon war Vize, und dass die MSZP aus der Wendezeit Geld gerettet hat, kann ja durchaus sein. Und so schnell, wie die Partei den Fall für abgeschlossen erklärte…es passt einfach nicht.

        http://nol.hu/belfold/ujabb-simon-milliokra-bukkantak-1453379

        Man darf gespannt sein, was sich noch alles ergibt. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Palette noch bunter wird. Das hoffen sicher vor allem MSZP-ler: Die sind im Moment nämlich noch die Pioniere bei schwarzafrikanischen Konten.

        Die Ungarische Nationalbank hat mittlerweile eine Prüfung bei der MagNet Bank veranlasst.

        http://vs.hu/simon-welsz-ugy-jegybank-celkeresztjeben-magnet-bank-0327

  3. Das tut weh. Die MagnetBank ist für mich ein Lichtblick in Ungarn. Sie bringt Menschen zusammen, die ihr Leben selber gestalten wollen aus umfassender Sicht. Ich denke, da ist viel guter Wille, vielleicht aber auch Naivität im Spiel. Dass die MagnetBank den alternativen Banken im Westen sogar noch etwas voraus hat, was dort übernommen werden sollte, möchte ich besonders erwähnen. Es ist dies, dass die Kunden einen Teil des Gewinnes verteilen können an gemeinnützige Institutionen, jeder einfach seinen Teil, gemessen am Umsatz. So ähnlich wie die 1%-Regelung bei den Staatssteuern, was auch westwärts esportwürdig wäre. (Es dürfte sogar jedes Jahr ein Prozent hinzukommen für kulturelle Zwecke. Entsprechend könnten die Staatsausgaben für Kultur gesenkt werden bis eines Tages die Bürger selbst die Kulturgelder verteilen.)
    Also: ich hoffe, es war Naivität. Aus den Äusserungen des Bankdirektors würde ich nicht auf Rassismus schliessen. Ich würde sagen: Ein im Stress misslungener Rechtfertigungsversuch.

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