Eszter Zalan über die Gründe des Erstarkens von Jobbik

Eszter Zalan, Journalistin der linksliberalen ungarischen Tageszeitung Népszabadság, berichtet im euobserver über die rechtsradikale Partei Jobbik. Zalan macht zum Teil die ungarische Linke für deren Erstarken verantwortlich. Und hat eine prominente Quelle: Die ehemalige MSZP-Parteichefin Ildikó Lendvai.

http://euobserver.com/eu-elections/123641

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4 Kommentare zu “Eszter Zalan über die Gründe des Erstarkens von Jobbik

  1. „Zalan macht zum Teil die ungarische Linke für deren [Jobbiks] Erstarken verantwortlich.“

    Das ist eigentlich kein besonders überraschender Befund. Extremisten fallen nicht vom Himmel, sondern breiten sich da aus, wo die etablierten Parteien versagen. Das kennen wir auch aus anderen Zusammenhängen. Das Erstarken von Jobbik ist nicht einfach nur die Schuld von MSZP oder nur von FIDESZ (obwohl die natürlich routinemäßig auf den jeweils anderen zeigen), sondern das gesamte höchst zerstrittene politische Establishment in Ungarn ist dafür mit verantwortlich. Durchaus neu ist, dass eine führende Sozialistin wie Lendvai für ihre Partei diese Mitverantwortung eingesteht.

    Mal sehen, ob im FIDESZ-Lager irgend jemand zu vergleichbarer Selbstkritik fähig sein wird. Die nächsten Wahlen werden zeigen, ob Orbáns Strategie des „Wind aus den Segeln Nehmens“ erfolgreich ist. Ich habe da so meine Zweifel. Zu bedenken ist ferner: Je stärker FIDESZ den rechten Rand bedient, desto stärker verändert sich die Partei selbst. Die Leute mögen dann keinen Grund mehr haben, ihr Kreuzchen bei Jobbik zu machen. Aber ob es für das Land insgesamt wirklich vorteilhafter ist, wenn dafür die konservative Regierungspartei selbst immer weiter nach rechts rückt?

    Wann wird endlich der Tag kommen, an dem gemäßigte Linke und gemäßigte Rechte in Ungarn erkennen, dass sie den Extremisten gemeinsam entgegen treten müssen, dass in diesem einem Punkt kein Blatt zwischen die demokratischen Parteien passen darf? Oder wenn es schon die etablierten Parteien nicht schaffen, sich zusammen zu raufen: Wo sind die Kirchen, die übrige Zivilgesellschaft, die engagierten Bürger?

    • „Aber ob es für das Land insgesamt wirklich vorteilhafter ist, wenn dafür die konservative Regierungspartei selbst immer weiter nach rechts rückt? “ – Ja, mein Freund (ich bin ja Ungar). Eine eindeutig rechts stehende Führung ist wünschenswert für das Land, damit die Erben der sozialistischen Staatspartei, und ihre selbsternannten „liberalen“ Mitläufer noch lange keine Chance haben, die ungarische Gesellschaft zu lenken. Wenn in vier Jahren die neuen linken Parteien (LMP, Sozialdemokraten) sich erstärken, werden wir mal sehen, ob die ungarische Gesellschaft bereit ist, eine echte linke Linie zu fahren (ich hoffe aber nicht).

      • Herr Jakab, mir ist es grundsätzlich egal, ob ein Land von einer linken oder rechten Regierung geführt wird. Aber zwei Dinge würde ich mir wünschen: a) eine klare Trennlinie zwischen gemäßigten und extremistischen Kräften und b) große Einigkeit in der Ablehnung des Extremismus über die Partei- und Lagergrenzen hinweg. Es ist schlecht um ein Land bestellt, wenn die Gräben in der Mitte der Gesellschaft tiefer sind als die zwischen Zentrum und (rechter) Peripherie.

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