Besatzungsdenkmal: Bauarbeiten beginnen

Wie der Spiegel heute unter Bezugnahme auf die dpa berichtet, beginnt – nur zwei Tage nach der Wiederwahl der rechtskonservativen Regierung Orbán – der Bau des umstrittenen Denkmals zur Erinnerung an die deutsche Besatzung Ungarns am 19. März 1944.

Kritiker bemängeln, dass das Denkmal, welches Ungarn als Erzengel Gabriel darstellt, auf den ein deutscher Reichsadler hinabstößt, als Opfer darstelle. Jedoch waren ungarische Behörden nach der Besatzung maßgeblich an der Deportation von mehr als 500.000 ungarischen Juden beteiligt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-in-budapest-beginnt-bau-von-orbans-nazi-besatzungsdenkmal-a-963333.html

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26 Kommentare zu “Besatzungsdenkmal: Bauarbeiten beginnen

    • Mir gefällt die Transparentaufschrift: „Geistige Brunnenvergifter“ am besten. Noch besser wäre aber „Hopfenvergifter“, „Gerüchtemacher“ oder „Kindesmörder“. Wer’s glaubt wird selig Wenn da nur nicht das mit dem Erzengel Gabriel wäre. Wie will denn ein Greifvogel die Lichtgestalt Ungarn überhaupt packen können? Wie der Edel-Piper, der sich jahrelang ins charismatische Nichts gekrallt hat?. Gyurcsány – Verehrer, Bajna-Gläubige her! Ich glaube, der Antichrist errichtet das Denkmal jetzt ganz schnell, damit die Altachtundsechziger und die Lohnschreiber auch in den kommenden vier Jahren was zum grummeln haben. Noch mal vier Jahre Orbán? Ja, da wünscht man sich doch lieber die paar Brunnenvergifter, die Hopfenvergifter und die lieben Motherfucker herbei! Sonst ist ja nichts zu berichten! Gähn, kurz nach Mitternacht, Zeit für die Orbánisten wieder in die Särge zu schlüpfen, die ihnen in vier Jahren gezimmert wurden, von den Brunnen- und Hopfen- und anderen Vergiftern.

  1. Ich glaube, es wäre in diesem ganzen Streit einfach für alle Beteiligten mal wichtig daran zu denken, das es in Bezug auf Geschichte, wie auch auf alles andere, nicht nur Schwarz und Weiß gibt, sondern dazwischen liegt noch eine ganze Palette an Grautönen. Es gibt nicht nur Opfer und Täter, ein Täter kann auch gleichzeitig Opfer sein und umgekehrt. In der skandalheischenden Presse wird so etwas vielleicht nicht gerne akzeptiert, aber so ist es nun mal. Vielleicht ist es so schwer für Viele, dies zu akzeptieren, weil es die Dinge komplizierter macht. Einfach nur Schwarz und Weiß, Gut und Böse zu sehen, vereinfacht die Weltsicht ungemein. Nur leider bekommt man so ein eher verzerrtes Bild der Realität.

    Ich möchte hier den Juden keinesfalls ihren Opferstatus absprechen, ich möchte auch nichts klein reden – was den Juden, auch in Ungarn, angetan wurde, ist grauenhaft und unendlich traurig. Ungarn war an der Seite Deutschlands, ja, aber es wurde auch besetzt am Ende. Dazu kommt, dass die Bevölkerung in Teilen (in wie großen Teilen, weiß ich nicht) gegen die „Zusammenarbeit“ mit Deutschland war.

    Ein paar „hypothetische“ Fragen hätte ich an deutsche Medienvertreter:
    Darf man dem deutschen Widerstand kein Denkmal setzen, nur weil Deutschland in erster Linie Täter war? Was ist mit Sophie Scholl und den anderen?
    Wo ist das prominente Denkmal in Berlin für die über 20 Millionen toten Sowjetsoldaten- und bürger? Warum wird immer nur der 6 Millionen toten Juden bzw. dem Holocaust prominent gedacht?
    Gibt es in Deutschland ein Denkmal, dass den Russen die Befreiung von den Nazis dankt?
    Muss in Budapest das Dankes-Denkmal an die Sowjetsoldaten für die Befreiung von den Nazis auf dem Szabadságtér abgerissen werden, nur weil auf die Nazis eine Sowjetdiktatur folgte?
    Warum steht in Wien ein Dankes-Denkmal an die Sowjetsoldaten für die Befreiung von den Nazis, wo die Österreicher genauso an der Seite Deutschlands waren wie Ungarn?

    Manchmal habe ich den Eindruck, dass einige in Deutschland nicht damit klar kommen, dass Deutschland der alleinige und Haupt-Verantwortliche war für den 2. Weltkrieg, die Vernichtung der Juden (und Roma, Menschen mit Behinderung, Homosexuellen, Kommunisten usw.) und die um die 80 Millionen Toten.

    Wikipedia:
    „Ihre Gesamtzahl lässt sich nur schätzen. Die Schätzungen, die Verbrechen und Kriegsfolgen einbeziehen, reichen bis zu 80 Millionen Kriegstoten. Für die durch direkte Kriegseinwirkung Getöteten werden meist zwischen 50 und 56 Millionen angegeben.“

    In Budapest gibt es bereits ein sehr schönes Denkmal für die getöteten Juden (zumindest mir gefällt es), die Schuhe am Donauufer. Warum darf es nach Ansicht deutscher Journalisten kein Denkmal zur deutschen Nazi-Besatzung Ungarns geben? Müssen die Ungarn in Sack und Asche laufen, damit sich die Deutschen besser und nicht als die alleinigen Verantwortlichen fühlen?

    Ich habe letztens im Deutschlandradio einen Bericht gehört, in dem es um Ungarn ging. Er wurde auch hier auf Hungarian Voice empfohlen. Ich fand ihn ziemlich gut. Darin hieß es, dass Deutschland aufgrund seiner Kriegsschuld 13% seines ursprünglichen Territoriums verloren hat. Ungarn verlor dagegen 60% seines Territoriums. Frage: Wer war „mehr“ schuld? Wann ist es endlich genug mit dem unsäglichen Rumgehacke auf Ungarn?

    Die Familie meines Vaters musste damals ihre Heimat verlassen und hat alles verloren (sie lebten im heutigen Rumänien, was damals Ungarn war). Ich fordere hier kein Mitleid oder gar Wiedergutmachung, es ist einfach eine Tatsache. Sie waren einfache Bauern, die mit dem Krieg nichts zu tun hatten. Und sie waren auf ihre Weise auch Opfer. Genau wie meine Oma in Frankfurt, die Deutsche ist, und aus dem Sudetenland vertrieben wurde. Die Männer in der Familie würde von tschechischen Kämpfern erschossen. Genau wie meine jüdische Bekannte hier in Ungarn, die Familienangehörige verloren hat. Wer war mehr Opfer? Und: Ist das nicht eine dumme Frage?

    Warum entschuldigen sich die Deutschen für Massaker deutscher Soldaten in Italien, wo Italien doch auch faschistisch und an der Seite Deutschlands war bis 1943? (http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Kriegsverbrechen_in_Italien)
    Darf Italien seiner eigenen Opfer nun auch nicht mehr gedenken, wie Ungarn?

  2. Als deutscher Journalist, der seit über einem Viertel Jahrhundert in Ungarn lebt, habe ich persönlich kein Problem mit einem Denkmal zur Erinnerung an die deutsche Besetzung Ungarns. Bedenklich wird die Sache für mich aber dann, wenn mit einer Gestaltung wie der – wohl noch – aktuellen (also aggressiver deutscher Stuka-Adler versus wehrlosen, ausgelieferten Gabriel) versucht wird, die Geschichte umzuschreiben. Ein derartiges Denkmal könnte vielleicht in Polen stehen oder auch Griechenland, aber doch nicht in Ungarn! Schließlich kamen die Deutschen quasi als Verbündete nach Ungarn, wurden hier überwiegend freundlich aufgenommen und kämpften Seite an Seite mit der Mehrzahl der Honvéds gegen die Sowjets. Siehe dazu auch: http://www.budapester.hu/2014/03/14/kooperative-besetzung/ von Krisztán Ungváry. Bezeichnend auch ein Ausspruch von Generalfeldmarschall Maximilian von Weichs. Als dieser gefragt wurde, wieviel Zeit seine Truppen zur Besetzung Ungarns benötigen würden, lautete seine Antwort „24 Stunden”. Verdutzt bohrte der Fragesteller daraufhin nach, wie lange die Aktion denn im Falle eines Widerstands dauern würde. Weichs lapidare Antwort: „12 Stunden. Denn dann bleiben die Begrüßungsreden aus.“ Also mein Fazit: Ein Besetzungs-Denkmal ja – aber nicht ein solches.

      • Zur Wahlniederlage lässt Olga nur ihre Augen vibrieren. Der arme Schiffer lässt sie zur Hochform auflaufen. Aber außer dem Dilatieren ihres Hohlorgans kommt nix mehr von ihr. Es graust einen vor der Pressefreiheit in Ungarn.

      • Kálmán akzeptiert nur eine Position. Die ihre.
        Schiffer wurde eingeladen, um über das Ergebnis der Wahl zu sprechen. Das ganze Gespräch drehte sich um dieses unsägliche Denkmal.
        Schiffer landet ein paar Volltreffer: Nicht nur die Aussage von der Hysterie stimmt. Besonders weh tat Kálmán, als Schiffer betonte, er sei selbst Nachfahre von Holocaust-Überlebenden und trotzdem nicht der Meinung, dass die Hysterie um dieses Denkmal (das er selbst übrigens ablehnt!) einer Versöhnung dienlich sei. Er bemängelte auch, dass die Debatte, wonach die eine Hälfte der Gesellschaft als Faschisten, die andere als Kommunisten bezeichnet würden, weitergehe. Und: Dass das Wahlergebnis zeige, dass die Menschen diese Art der Hysterie nicht goutieren. Das gefiel Olga überhaupt nicht.
        Schiffer betont mindestens 5 mal, dass er das Denkmal ablehne, nur andere Fragen der ungarischen für wichtiger halte. Er kritisiert den „medienpräsenten“ Teil der Opposition für seine Fokussierung auf Nazi-Themen. Das lässt bei Olga Kálmán offenbar den Schalter raushauen…sie geht sogar so weit, Schiffer zu unterstellen, er sei wütend auf die Opposition, vielleicht auch auf sie…ein Tiefpunkt. Was ist das, weibliche Intuition?
        Einem András Schiffer vorzuwerfen, er spreche wie Jobbik, ist schon wirklich frech. Frau Kálmán knabbert offenbar am Wahlergebnis und will eine mögliche Wahrheit nicht hören. Vielleicht hat Schiffer ja ihrem Unterbewussten plausibel gemacht, dass das ganze DK-Pushen auf atv nichts gebracht hat. Und diese Wahrheit tut weh, muss jedenfalls wehtun.

    • Ich zweifle sehr stark daran, dass Herr Ungváry „die Wahrheit“ schreibt und auch dass man von einigen Anekdoten auf das Verhalten eines Landes schliessen kann. Ich kenne „nur“ persönliche Geschichten von meiner christlichen Mutter, die derzeit in Buda, Budapest lebte und in ihrem Bekanntenkreis viele Juden retteten und wirklich keiner mit den Deutschen einverstanden war und von meinem jüdischen Vater, dessen Familie gänzlich deportiert und in Auschwitz bzw. Mauthausen umgebracht wurde. Sie haben das alles ganz anders in Erinnerung. Ich will keine Meinungshoheit, andere mögen andere Geschichten erlebt haben, aber ein wenig differenzierter sollte man schon darüber beurteilen.

  3. Schiffer András (LMP):

    „Die um das zu errichtende Denkmal herum entstandene Hysterie ist vollkommen überdimensioniert. Es gibt tausendmal wichtigere Probleme im heutigen Ungarn.“

    Ganz meine Rede.

    Es grüßt:
    pr

  4. Über die Form des Denkmals lässt sich tatsächlich streiten. Ich hätte auch ein anderes „Motiv“ gewählt als Adler und Erzengel. Ich habe die Entwürfe nicht gesehen, aber ich nehme mal an, dass es leider dem Geschmack Orbáns entsprechen wird – und den darf man ja schon im/am Nationaltheater „bewundern“. Kolossaler Kitsch – aber ist Geschmacksache.

    Das Motiv ist tatsächlich daneben – der Anlass meiner Meinung nach nicht.

    Viele Grüße!

    PS.: Und danke für die Info zu den Sowjet-Denkmälern in Berlin – hätte man sich auch denken können 🙂

  5. Ich hielte es für zeitgemäß, wenn das für die politischen Grabenkämpfe unabdingbare Besatzungsdenkmal in Form einer Videoskulptur errichtet würde. Dem Erzengel Horthy bliebe so der Taubenschiß erspart, den er, in Bronze gegossen, für alle Ewigkeit ertragen müsste. Im Falle eines Regimewechsels müsste man die Bronze auch nicht einschmelzen und ein neues Denkmal gießen, sondern nur nur einen Datenträger für das Update des kollektiven Gedächnisses einlegen. Oder man speichert von Anfang an verschiedene Besatzungsdenkmäler ab und ändert die Verfassung dahingehend, dass für weitere Varianten der Geschichtsverfälschung zumindest eine Zweidrittelmehrheit bei der Abstimmung im ung. Parlament erforderlich sei. Zukünftig müsste man auf atv nur noch darüber streiten, welches kollektive Gedächtnis an welchem Wochentag auf dem Freiheitsplatz gezeigt werden darf, z.B. könnte man die kollektive Erinnerung von Olga Kálmán und Karl Pfeifer, die ja regelmäßig den Talmud auf ihrem Nachtschränkchen mit dem Staubwedel bearbeiten lassen, am Samstag laufen lassen. Orbáns guten Geschmack könnte dann am Sonntag zur Schau gestellt werden. Vorab hier schon mal die christliche Variante der ungarischen Besatzungvideoskulptur:

  6. Wenn ich in Ungarn eins gelernt habe, dann dass es sich um ein Land der Denkmäler handelt. Es mag nur mein subjektiver Eindruck sein, aber die Dichte an Statuen, Tafeln und dergleichen in Budapest erscheint mir als außerordentlich hoch. Über Geschmack lässt sich dabei vielfach streiten. Was wirklich gar nicht geht und was mich wirklich stört, ist nicht nur die antiquierte Ästhektik dieses Besatzungsdenkmals, sondern auch die Art und Weise mit der das Projektsprojekt jetzt durchgepeitscht wird.

    In Deutschland wäre es absolut unvorstellbar, ein solches Vorhaben gegen den Protest des Zentralrats der Juden durchzuziehen. Da muss man sich eben hinsetzen und miteinander verhandeln – auch wenn es Jahre dauert. Mit satter Mehrheit beschließen und dann einfach machen, ohne Rücksicht auf die Empfindungen einer wichtigen Minderheit – das ist einer demokratischen Gesellschaft schlicht unwürdig. Schlimmer: Es hinterlässt bei den Unterlegenen ein Gefühl der Entmündigung, der Ohnmacht und Verbitterung. Warum nur lassen es die Verantwortlichen so weit kommen?

  7. Krisztián Ungváry erklärte jetzt gegenüber der ARD: „Dieses Denkmal ist ein Persilscheinverteilungsautomat für die ungarische Nation, wo jeder sich seine Unschuld holen kann.“ Eine ziemlich starke Ansage.

    Quelle: http://www.tagesschau.de/videoblog/in_wien_faengt_der_balkan_an/ungarn-monument100.html

    In diesem^^ Videoblog kommt außerdem eine ungarische Jüdin zu Wort, die den Pfeilkreuzler-Terror nur deshalb überlebte, weil sie als Kleinkind in einem Wäschesack versteckt wurde, als die Mörder kamen. Ich kann gut verstehen, dass diese Dame die Vorstellung einfach nicht ertragen kann, dass hier die gesamte ungarische Nation in einen Topf geworfen und als Kollektiv zum Opfer erklärt werden soll. Das Denkmal lässt einfach zu viele Interpretationen zu.

    Interessant finde ich auch Ungvárys Kritik daran, dass mit dem „Deutschland“ versinnbildlichenden Adler, der sich auf den für „Ungarn“ stehenden Erzengel stürzt, ein nationales Symbol der Deutschen und nicht speziell der Nazis Verwendung fand. Man kann sich in der Tat darüber wundern, dass gerade in einem Land wie Ungarn, wo man so viel Wert auf die eigenen nationalen Symbole legt, so gedankenlos mit dem Wappentier eines anderen Staates, das dieser bis heute offiziell verwendet, umgegangen wird.

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