SZ: Catrin Kahlweit über den Fall Origo.hu

In der heutigen Ausgabe der Süddeutschen Zeitung erschien ein Beitrag von Catrin Kahlweit über die Affäre um den Weggang des Origo-Chefredakteurs Gergö Sáling:

http://www.sueddeutsche.de/medien/pressefreiheit-in-ungarn-was-nicht-passt-wird-passend-gemacht-1.1998904

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10 Kommentare zu “SZ: Catrin Kahlweit über den Fall Origo.hu

  1. Hungarian Voice (Dr. P.) kommentiert so wenig in letzter Zeit. Ist das als vornehme Zurückhaltung oder letztlich doch als Zweifel an der gedeihlichen Zukunft Orbánistans zu werten? Dass es mit Orbán nicht gutgehen würde, war mir schon im Jahre 2000 klar. Genau wusste ich es 2006 (falls er wieder an die Macht käme).

    • Klar, dass es mit Orbán nicht „gutgehen“ würde, Das hat sich Minusio schon im Jahre 2000 gewünscht. Doch obwohl die organisierte Pressefreiheit das Enfant Terrible auf die Agenda gesetzt hat, haben die vergangenen vierzehn Jahre nicht gereicht, um ihn zu erledigen. גַּבְרִיאֵל. Seine Kraft ist Gott, könnte man fast meinen. Denn selbst die furchtbarste Waffe, die seine Feinde gegen ihn zum Einsatz bringen, das Richten auf Leumund, hat ihn nicht zu Fall gebracht. Ihr Folterwerkzeug wirft nur ein besonderes Schlaglicht auf die Virtuosen des politischen Rufmordes.
      Peer Steinbrück hat jüngst in einer Buchbesprechung die Frage aufgeworfen, ob der Zweck einer kritischen und aufklärenden Berichterstattung die Mittel rechtfertige, nämlich rücksichtslos die Würde einer Person des öffentlichen Lebens zu beschädigen? „Wenn die Politik und ihre Protagonisten zu Recht der Kontrolle durch eine freie Presse unterliegen und jedwede Kontrolle über die Presse außer Frage steht, wie ist es dann um die Selbstkontrolle der Medien bestellt?“ Und Steinbrück zitiert Christian Wulffs Behauptung: >> Mächtige Medien vertreten längst den Anspruch, Politik nicht nur zu begleiten und zu kommentieren, sondern selbst Politik zu gestalten und zu bestimmen<<.

      Klar, wenn Minusio in den Äther hinausgeht, tönt Dalos aus dem Deutschlandfunk und Pfeifer ist auch nicht mehr weit: Tinki Winki, ihr lieben Teletubbies, euer Endsieg ist noch weit. http://cl.jroo.me/z3/c/u/H/d/a.aaa-Tinki-Winki.jpg

      Nur, die drei verlorenen Wahlen in Folge sollten doch besser jedem von euch die Schamröte ins Gesicht treiben. Aber ihr schürzt nur verächtlich eure Botox-Lippen, hängt Lázár einen Spesenskandal an und wühlt euch in die Kiesgrube der Familie Orbán ein.

      Ungarn braucht eine freie Presse und eine echte Opposition. Warum könnt ihr nur Arglist und missbraucht die Medien. Ich bin gespannt, wie ihr die Demokratie in Ungarn zu Fall bringt. Den Beweis eures Hochmuts habt ihr jedenfalls längst geliefert.

    • statt kommentierung würde es ich parteipolitische unterstützung aufgrund von vorliebe für klerikal-konservativismus und feudal-aristokratische strukturen nennen, was der gute mann – nicht ohne unterstützung (s. kálnoky) – hier zu betreiben versucht.

      • Oh mein Gott, „klerikal-konservativismus“ und „feudal-aristokratisch“, hat die Gift-Klampfe keinen Arzt, der ihr was gegen Flatulenz verschreiben könnte?

  2. In Ungarn sei wieder der letzte freie Sender, diesmal RTL, attakiert, so jedenfalls die
    Behauptung der Presse in Deutschland !?

    Zwei Sender in regierungskritischer Bestform:

    http://www.klubradio.hu
    atv.hu

    wer Ungarisch kann, versteht, dass es diverse Sender in Ungarn gibt, deren
    Existens beweist, dass es Medienvielfalt und Kontroversen in Ungarn gibt, wie sie
    selbst in Deutschland selten sind.
    Und der ungarische Blätterwald ist nach wie vor farbig, fast unübersichtlich.

    Klubradio wurde angeblich schon vor 4 Jahren abgeschafft. Wie kann also etwas heute abgeschafft werden, dass es seit 4 Jahren nicht mehr gibt.
    Auch die Medien in D sind Meister darin: Was nicht passt, wird passend gemacht.
    Man könnte ein Buch darüber schreiben. In Bezug auf ein realistisches Bild Ungarns
    könnte man dies ganz bestimmt.

    Trotzdem: auch die Arroganz hält die Regierung von Orbán fest im Griff. Hardliner Lázár sollte verschwinden. Von primitiven Karrieretypen wimmelt es in Europa.

    • „Wie kann also etwas heute abgeschafft werden, dass es seit 4 Jahren nicht mehr gibt.“

      Auch Cathrin Kahlweit deutet an, dass die Pressefreiheit in Ungarn mit dem Mediengesetz vor 4 Jahren wohl doch nicht abgeschafft wurde. Der Leser erfährt, dass ungarische Medien durch das Mediengesetz von 2010 nicht unter Druck gesetzt fühlen da „das gefürchtete Gesetz seltsam zahnlos geblieben ist“. Wenn der Leser noch nicht vergessen hat, was er vor 3 Jahren aus dem Anlass des Mediengesetzes über Ungarn gelesen hat wird er staunen. Damals waren Vergleiche zwischen Ungarn und dem 3. Reich im Umlauf, die Abschaffung der Pressefreiheit wurde als Tatsache angesehen, Rufe nach der Bestrafung des Landes wurden laut, eine Journalistin des ZDF hat eine Nachrichtensendung mit dem Satz „Ich habe eine gute Nachricht: Ungarn ist fast pleite“ anmoderiert…

  3. Als erstes möchte ich klarstellen, dass ich es falsch finde, wenn Politiker sich in die redaktionellen Angelegenheiten von Medien einmischen. Im Fall Lázár-origo.hu ist das mit großer Wahrscheinlichkeit der Fall. Kritische Berichte über das Thema sind hier angebracht, solche Vorgänge dürfen nicht von der Öffentlichkeit unbemerkt bleiben, das ist ein Skandal.

    Wie aber dieser Skandal in der deutschsprachigen Presse behandelt wird, ist – von einigen Ausnahmen abgesehen – auch kritikwürdig. Seit Jahren befindet sich ein großer Teil der deutschsprachigen Presse gegenüber Orbán und seiner nationalkonservativen Regierungsmehrheit in einer Stimmung, die mich an Steinigungen aus historischen Filmen erinnert. Diese Steinigungsstimmung trübt aber die Sicht, Kleinigkeiten, die aber wichtig wären, werden gar nicht mehr wahrgenommen.

    Im Fall Lázár-origo.hu gibt es auch einen kleinen feinen Unterschied zwischen vielen Berichten in der deutschen Presse und der Wirklichkeit in Ungarn. Der Chefredakteur von origo.hu wurde nicht gekündigt, wie die meisten deutschen Leser – auch die Leser der SZ – vermuten würden. Die Trennung erfolgte im „gegenseitigen Einvernehmen“. Aus der Sicht des Chefredakteurs ist es eher unwichtig, er hatte wahrscheinlich keine andere Wahl. Aus der Sicht des deutschsprachigen Zeitungslesers macht das aber einen großen Unterschied. Ist Ungarn ein Land, in dem ein Anruf eines Politikers genügt, um einen Chefredakteur zu kündigen? Oder ist hier etwas passiert, was zwar skandalös, aber vielleicht auch in Deutschland nicht ganz unvorstellbar ist? Stellen wir uns vor: ein Journalist einer deutschen Zeitung greift Themen auf, durch die dem Eigentümer der Zeitung wirtschaftlicher Schaden droht. Im fall origo.hu kommt noch dazu, dass der Eigentümer gar kein Medienunternehmen ist, sondern ein Riese in einer anderen Branche. Origo.hu ist nur eine wirtschaftlich unbedeutende Tochter. Ich kann mir vorstellen, dass in einer ähnlichen Konstellation auch Journalisten in Deutschland keinen einfachen Stand haben. Und solche Situationen werden auch in Deutschland gewöhnlich durch Trennung „im gegenseitigen Einvernehmen“ gelöst.

    • Kam es zwischen Sáling und seinem Arbeitgeber zu einem Aufhebungsvertrag mit Abfindungsregelung? Wenn ja, dann reduziert sich Sálings Problem auf eine Frage des Anstands, nämlich der fiebernden „Weltöffentlichkeit“ endlich die Höhe des ihm als Abfindung ausgezahlten Geldbetrages bekannt zu geben.

      • Apropos Opfertum, als wir in der Christenlehre den Opfertod Jesu durchnahmen, hab‘ ich mich als Siebenjähriger echt gefragt, warum der Hohepriester Kaiphas Jesus die dumme Frage stellte: „Bist du nun der Christus, bist du Gottes Sohn?“, wo er doch Jesus von Nazaret hieß und in der Schule kein Griechisch hatte. Und als wir Judas lernten, dachte ich mir so nebenbei, hätten sie dem Jesus die Knete mit der Auflage gegeben, das Geld unter den Armen zu verteilen und sich dann aus Jerusalem zu verpissen, wäre das für die Beteiligten, die Nachgeborenen und den Lauf der Weltgeschichte wohl die elegantere Lösung gewesen.
        Dachte ich damals, weil ich noch nichts von der Gefahr wußte, in der die Meinungs- und Pressefreiheit in Ungarn gerät, wenn Politiker sich nicht von Chefredakteuren fertig machen lassen wollen.

    • „Als erstes möchte ich klarstellen, dass ich es falsch finde, wenn Politiker sich in die redaktionellen Angelegenheiten von Medien einmischen. Im Fall Lázár-origo.hu ist das mit großer Wahrscheinlichkeit der Fall. Kritische Berichte über das Thema sind hier angebracht, solche Vorgänge dürfen nicht von der Öffentlichkeit unbemerkt bleiben, das ist ein Skandal“
      Soweit bin ich mit Ihnen einer Meinung:nur wo bleiben bei origo.hu (von Kahlweit und Co will ich das mal nicht erwarten) -man gibt ja vor kritisch zu sein, die Berichte bei origo z.B. über Ferrike und sein gemauschel in Bulgarien?

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