NZZ: Andreas Oplatka zur Grenzöffnung vor 25 Jahren

Andreas Oplatka erinnert in der Neuen Zürcher Zeitung an die Öffnung des Eisernen Vorhangs durch Ungarn vor 25 Jahren.

http://www.nzz.ch/international/europa/eine-bresche-im-eisernen-vorhang-1.18330432

Oplatka, mittlerweile Dozent an der deutschsprachigen Andrássy Universität in Budapest, ist einer der wenigen echten Kenner der Materie. Er war es, der schon vor Jahren in einem lesenswerten Buch zur Grenzöffnung („Der erste Riss in der Mauer„) mit den Mythen um die Rolle des ungarischen Außenministers Gyula Horn als quasi „alleinigem Grenzöffner“ aufräumte und den dafür in Wirklichkeit Verantwortlichen, Regierungschef Miklós Németh, in den Vordergrund rückte. Németh war es nämlich, der Michail Gorbatschow den Abbau der (völlig maroden) Grenzanlagen bekannt gab, er war es auch, der beschloss, die Grenze durchlässig zu machen.

Horn ist durch das Zerschneiden eines Stücks des Stacheldrahtes vor genau 25 Jahren (27.06.1989) gemeinsam mit dem österreichischen Außenminister Alois Mock dennoch zum „ungarischen Gesicht der Grenzöffnung“ geworden – obwohl er diesen zuvor keineswegs so aktiv gefördert hatte. Wie Oplatka schreibt, war die Aktion eine reine Publictiy-Show für die Presse: Man musste für den Fototermin sogar ein intaktes Stück des Eisernen Vorhangs suchen.

Dass Horns Drahtschere versagte, mag der Ironie des Schicksal und der früheren Rolle des ungarischen Außenministers geschuldet sein…