Ózd: Linke Wähler verhelfen Jobbik-Kandidat zu Mehrheit von 64,4%

Die rechtsradikale Partei Jobbik ist der große Gewinner der wiederholten Bürgermeisterwahl in der ehemaligen sozialistischen Schwerindustriestadt Ózd. Ihr Kandidat Dávid Janiczak verfehlte mit 64,4% der abgegebenen Stimmen nur knapp die 2/3-Mehrheit.

Die am 12. Oktober 2014 abgehaltene Bürgermeisterwahl wurde von der zuständigen Wahlkommission auf Beschwerde von Fidesz wegen Unregelmäßigkeiten annuliert. Der Jobbik-Kandidat hatte damals 38,57% der Stimmen erhalten (4.214), Fidesz lag mit 37,96% auf Platz 2 (4.148), das Linksbündnis (MSZP-DK) kam auf 20,48%.

Bemerkenswert ist, dass der sprunghafte Zuwachs bei Jobbik (10.299 Stimmen, + 6.085) eine massenhafte Abwanderung linker Wähler zu den Rechtsradikalen und eine zusätzliche Mobilisierung vormaliger Nichtwähler greifbar macht. Gleichzeitig mit dem Anstieg von Jobbik fiel das Ergebnis des MSZP-DK-Bündnisses auf 3,25% (520 Stimmen) – am 12. Oktober hatte das Linksbündnis noch über 2.100 Stimmen erhalten. Zwar fiel auch Fidesz um 6,2 Prozentpunkte, legte aber in der Gesamtstimmenzahl zu, während sie sich bei den Linksparteien trotz höherer Wahlbeteiligung auf etwa 1/4 reduzierte.

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Am 12. Oktober wurden knapp 11.000 Stimmen abgegeben, am gestrigen Sonntag waren es über 16.000 (ein Anstieg um rund 45%).

Das Ergebnis belegt nicht nur die Plausibilität der These, wonach Jobbik-Wahlerfolge (bereits 2010) auch mit starker Unterstützung des linken Lagers erklärt werden können, sondern zeigt, dass die Abneigung gegenüber der Regierungspartei mitunter so groß ist, dass die „nachstliegende“ Wahlalternative zu MSZP und DK („demokratische Opposition“) das rechtsradikale Lager zu sein scheint. Vorschläge, die MSZP könnte – um Jobbik einzubremsen – zu Gunsten Fidesz zurücktreten, wurden zwar diskutiert, aber dann wieder verworfen. Ob auch der Gedanke eine Rolle gespielt hat, aus der Negativwirkung eines Jobbik-Wahlerfolgs besseres politisches Kapital erzielen zu können, ist nicht messbar, aber in Anbetracht früherer Äußerungen aus der MSZP, der politische Gegner sei Fidesz, nicht Jobbik, auch nicht ausgeschlossen.

http://index.hu/belfold/2014/11/10/az_mszp-sek_annyira_gyulolik_a_fideszt_hogy_a_jobbikra_szavaznak/h

http://www.origo.hu/itthon/20141106-adolf-hitlert-is-bevetettek-ozdon.html

http://444.hu/2014/10/22/uj-valasztas-lesz-ozdon/

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7 Kommentare zu “Ózd: Linke Wähler verhelfen Jobbik-Kandidat zu Mehrheit von 64,4%

  1. Wir können uns sicher sein: einzelne westliche Medien werden diese Nachricht aufgreifen, den Zusammenhang mit MSZP und den MSZP-Wählern jedoch negieren, da Fidesz ja in deren Versträndnis Jobbik stärkt, sogar als zukünftigen Fidesz-Koalitionspartner betrachtet. Aber was sollte man schon erwarten von gekauften Journalisten mit selektiver Wahrnehmung und fehlenden Ungarischkenntnissen.

      • Haben Sie da tatsächlich noch leiseste Erwartungen? Dem derStandard und PL sind (bisher) das Ózder Wahlverhalten der (Roma)Bevölkerung keine Meldung bzw. Update wert. „So isses eben“ mit Nicht- und Des-Information! Dem (Kultur)Kampf gegen die Vereinigten Staaten von Putistan und Orbánistan und für die „eigenen“ politischen und wirtschaftlichen Ziele wird Qualitätsjournalismus, sprich (Wahl)Analysen, Recherchen und neutrale, abgewogene Berichte, untergeordnet.

  2. Marsovszkiy und die Nebenmonde in der deutschen Pressefreiheit können und werden Ózd erklären, weil Sie die Kunst beherrschen, aus den von ihnen ausgewählten, bzw. zugelassenen Informationen mutmaßende Aussagen über Ungarn zu treffen.
    Wer sich noch über die Verpartnerung von Unrechtsstaatsnachfolgeparteibreisozialisten und Jobbikisten wundern kann, hat sich wahrscheinlich noch nie die Frage gestellt, welche Krankheitsbilder die Funktionäre der deutschen Pressefreiheit mit dem Ressort Ungarnberichterstattung außer „Cognitive disortion“ noch alles aufweisen.

  3. Pingback: Rechtsradikale gewinnen Direktmandat – was sind die Gründe? | Hungarian Voice - Ungarn News

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