SPON: Ein Student berichtet über die Proteste

Spiegel Online hat den ungarischen Studenten Máté Kerényi zu den Protesten gegen die Regierung interviewt:

http://www.spiegel.de/unispiegel/wunderbar/ein-student-ueber-die-proteste-in-ungarn-gegen-orbans-internetsteuer-a-1004959.html

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8 Kommentare zu “SPON: Ein Student berichtet über die Proteste

  1. … der typische populistische Quatsch …

    Es war im Wintersemester 1985/86. Der Parteisekretär sprach mich auf dem Flur an. Ich solle bei Ferenc Gy. doch ein Auge zudrücken. Der Funktionär des Kommunistischen Jugendverbandes würde mein Seminar nicht besuchen. Ich solle ihm die Befreiung von der Klausur und den Schein geben.

    Jana Gioia Baurmann ist Jahrgang 1985 und hat sich schon mit allerlei, auch schon mit dem Capital von Karl Marx befasst. Sie hat an der Deutschen Journalistenschule (DJS) in München die Ausbildung zur Redakteurin gemacht. Ihr Schwerpunkt ist Außenpolitik. Sie kennt sich in der Welt aus. In Ungarn kennt sie sich ganz besonders gut aus.

    Von Máté Kerényi hat Jana Gioia Baurmann erfahren, dass die ungarische Verfassung, die 2012 in Kraft getreten ist, die universitäre Unabhängigkeit der Lehre beschneidet und die neue Verfassung Ungarn so weit entfernt hat, also dass Ungarn heute von der Demokratie weit entfernt ist, jedenfalls von der Demokratie, die sich die Menschen 1989, als es noch die frisierte kommunistische Verfassung gab, nicht gewünscht haben.

    Von wem Máté Kerényi erfahren hat, was sich die Menschen 1989 tatsächlich gewünscht haben und das ihr Wunsch, wenn sich damals überhaupt jemand was wünschte, außer vielleicht, von den Parteifunktionären in Ruhe gelassen zu werden, die von Ungarn damals und heute weit entfernte Demokratie war, die sich Máté Kerényi heute wünscht, wissen wir nicht.

    Máté Kerényi ist 22 Jahre alt.

    1989 war vor 25 Jahren.

    Was sich die Menschen vor 25 Jahren gewünscht haben, nimmt Máté Kerényi aus der Zeitung oder aus dem Internet. Vielleicht hat er es auch von einem in die Jahre gekommenen Funktionär gehört.

    Mich lassen Parteifunktionäre und das Internet, in dem ich viele Untertitel aus Zeitungen finde, inzwischen völlig kalt. Weil ich aus dem Internet weiß, dass die Deutsche Presse Agentur den Handelsblatt-UT Untertitel von heute: „Münchner Flüchtlinge klettern aus Bäumen herab“ nicht gemacht hat. Normalerweise werden UT auch nicht von Autoren schnell hingeschrieben, weiß ich aus dem Internet. Solche Flüchtlingsbilder bedürfen schon gestresster Produktionsredakteure, die z.B. in München eine Ausbildung gemacht und sich zwischen Tür und Angel mit Karl Marx beschäftigt haben, schlussfolgre ich aus dem Internet.

    Ich finde Jana Gioia Baurmann, Jahrgang 1985 toll. Meine jüngste Tochter ist Jahrgang 1982. Ich habe vier Enkel, für Dezember ist das fünfte angesagt. Ich bin mit mir im Reinen. Niemand, keines meiner Kinder und keines meiner Enkel interessiert sich für 1989, für die Zeit vor 1989 schon gar nicht.

    Die ungarische Verfassung diskriminiert heute Obdachlose und Homosexuelle, erfahre ich aus dem Internet. Was mich völlig kalt lässt. Mich interessiert auch nicht, dass Karl Marx säkularisierter Jude war, der Journalisten, die in München eine Redakteursausbildung machen, noch heute Orientierung gibt. Solche orientierten Produktionsredakteure kämpfen zwischen Tür und Angel für die Diktatur der Obdachlosen und Homosexuellen, schlussfolgere ich aus dem Internet. Das hat sich nie jemand gewünscht. Ganz speziell wünsche ich mir auch nicht die deutsche Verfassung und vor allem keine säkularisierten Muslime, weil erstere Waffenexporteure diskriminiert, erfahre ich aus dem Internet und weil Cem Özdemir deutscher Demokrat ist. Er sagt es.

    Meine Kinder und Enkel kämpfen für Waffenexporte in Kriegsgebiete. Cem Özdemirs Konzept zur Qualitätssicherung der von Ungarn weit entfernten Demokratie, in der laut Handelsblatt-UT Flüchtlinge aus Bäumen herabklettern, lässt mich völlig kalt. Sein Konzept heißt CAPA. „Corrective And Preventive Action“.
    Näheres kannst Du im IKEA-Katalog oder in der Wikipedia nachlesen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Corrective_And_Preventive_Action

    … der typische populistische Quatsch …

    Ansonsten halte ich es mit Endre Ernő Friedmann. Eine seiner Lebenslügen hieß:
    „Die Wahrheit ist das beste Bild.“
    Die Wahrheit lässt mich völlig kalt, solange Münchener Flüchtlinge aus den Bäumen steigen, wenn Obdachlose und Homosexuelle in Ungarn diskriminiert werden.
    Und über Bilder von Ungarn, das noch weit entfernt von der Demokratie ist, die sich die Menschen 1989 wünschten, sagte CAPA:
    “If your pictures aren’t good enough, you’re not close enough.”

    Studierende der Filmwissenschaften auf Bäumen sind ein schönes Bild für die noch weit entfernte ungarische Demokratie. Für solche Bilder kann ich mich erwärmen.
    Apropos Flüchtlinge, anders als das Handelsblatt titelte SPON heute: Flüchtlinge klettern von Bäumen. Das finde ich bedrohlich für unsere Demokratie.
    taz-online hat die Lösung dafür gefunden: „Streikende Flüchtlinge trinken auch nichts mehr“

    Weiß ich aus dem Internet.

    … der typische populistische Quatsch …

    • Das wichtigste habe ich ja glatt vergessen:
      Das Bild nämlich, das gut genug ist, um an der von Ungarn weit entfernten Demokratie – close enough – dran zu sein.

      Das Bild hier will ich erst gar nicht zeigen. Weil es schon vor dem Hungerstreik am Sendlinger Tor durch die deutsche Pressefreiheit gegangen ist.

      Warum die Menschen, die geträumt haben und dabei Demokratie und Deutschland durcheinanderbrachten, auf die Bäume geklettert sind, worüber SPON berichtete, weiß ich aus dem Internet:
      Die Armen hatten am Sendlinger Tor gegen die Flüchtlingspolitik demonstriert, was nicht so richtig ins Münchner Stadtbild passte, kann man sich leicht vorstellen. „Das Kreisverwaltungsreferat (KVR) ordnete die Räumung an, da Ärzte bei den niedrigen Temperaturen eine Unterkühlung der Menschen befürchteten. Es bestand – so teilte es die Stadt offiziell mit – „Gefahr für Leib und Leben“. In der Folge rückten Hunderte Einsatzkräfte an. Um sich ihrem Zugriff zu entziehen, kletterten mehrere Flüchtlinge auf Bäume.“

      Soviel über weit entfernte Demokratie und Flüchtlingsträume.

    • Ein toller logischer Schluss. Nur hat das mir von Wrawanek unterstellte „seltsame Argument“ keine Schlüssigkeit. Vorzeiten habe ich gelernt: „Ein Argument heißt schlüssig genau dann, wenn es gültig ist und alle seine Prämissen wahr sind.“
      Wirklich seltsam, wie dumm Wrawanek meinen Text über den typisch populistischen Quatsch, wie er tagein, tagaus so produziert wird, als Rechtfertigungsgrund interpretiert.

  2. Ich bin ja so was von gerührt.Tja der Máté beherzigt den Spruch:Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.
    Ungarn, Deine Zukunft liegt bei so viel sozialer Verantwortung in den besten Händen.
    Weiter protestieren lieber Mádé und vorallem darauf achten, dass dass du ein staatlich finanziertes (Master) Studium bekommst!!!
    Aber wie jetzt? die Eltern haben genug Geld um ein Studium im Ausland finanzieren zu können und trotzdem wird dich die Regelung zwangsweise nach dem Studium in Ungarn bleiben zu müssen betreffen? Irgendwie bin ich jetzt aber total verwirrt.Also doch staatlich finanziertes Studium und einem aus der Gruppe der 4 Millionen, die unter der Armutsgrenze leben den Studienplatz wegschnappen? Aber stimmt, die können ja nicht studieren, weil die womöglich aus der Sója Miklos iskola gekommen wären und bei der waren auch ja solche vom sozialen Gewissen geplagten am Werk.
    Na, ich hoffe aus tiefstem Herzen mit dir, das sich die politische Situation in Ungarn verändern wird.

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