Neues Jahr – neue regierungskritische Demonstrationen

Auch zu Beginn des neues Jahres 2015 versammelten sich mehrere tausend regierungskritische Demonstranten in Budapest, um ihren Unmut über die Politik der Regierung Viktor Orbáns zu bekunden. Neben Forderungen wie „Orbán takarodj“ („Orbán verschwinde!“) waren auch kritische Äußerungen gegenüber der politischen Elite in ihrer Gesamtheit zu hören; diese vertrete nicht die Bürgerinteressen, sondern errichte sich ihre eigene Welt.

Regierungspolitiker versuchen zwar, die nunmehr seit Oktober 2014 andauernden Proteste zu bagatellisieren; es herrscht jedoch in Anbetracht dramatischer Umfrageergebnisse spürbare Unruhe innerhalb der Regierungspartei. Zuletzt hatten mehrere „Altgesteine“ das Verhalten einiger Jungpolitiker der ersten Reihe, die auffallend schnell zu Vermögen gekommen sind, kritisiert. Kanzleramtsminister János Lázár – einer der angesprochenen – hatte daraufhin die Kritiker zu diszplinieren versucht.

Tagesschau.de und andere Medien berichten über die Proteste:

http://www.tagesschau.de/ausland/ungarn-protest-101.html

http://www.dw.de/ungarn-protestieren-gegen-demokratieabbau-unter-orban/a-18168472

Die Forderungen der Demonstranten laufen auf die Gründung einer neuen politischen Bewegung abseits der bisherigen politischen Elite hinaus. Allerdings wird die Zukunft zeigen müssen, ob dieses Ziel – das auch Bewegungen wie „Együtt 2014“ verfolgt hatten, erreicht werden kann. Együtt 2014, die einen fulminanten Start hingelegt hatten, sind zwischenzeitlich auf das Niveau einer Kleinpartei geschrumpft. Nicht nur die Regierung wird versuchen, die „Neulinge“ als vom Ausland finanzierte Gruppierungen zu diffamieren, auch die etablierte Linksopposition könnte mit dem Versuch, die Newcomer zu vereinnahmen, Schaden anrichten: Die Frage ist nicht, „ob“ Ungarn eine glaubwürdige Alternative in der Opposition braucht, sondern vielmehr, „wie“ es gelingt, sich gegen die etablierten Vertreter und ihre Seilschaften durchzusetzen.

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4 Kommentare zu “Neues Jahr – neue regierungskritische Demonstrationen

  1. „Die Frage ist nicht, “ob” Ungarn eine glaubwürdige Alternative in der Opposition braucht, sondern vielmehr, “wie” es gelingt, sich gegen die etablierten Vertreter und ihre Seilschaften durchzusetzen.“ Na, wen die Alternative so ausschaut, wie das gestern, was da auf dem Podest herumbrüllte, dann kann ich nur einmal mehr sagen:armes Ungarn. Sie werden die Bürger-interessen vertreten? Das darf man getrost bei Grimms Märchen ablegen.
    aber man darf ruhig gespannt sein, was von dort noch kommt.
    http://www.ekint.org/ekint/ekint.news.page?nodeid=761

  2. „aber man darf ruhig gespannt sein, was von dort noch kommt.“

    so euphorisch kennt „man“ sie ja gar nicht, rudi, wenn sie mit ihrem „man“ sich selbst meinen, trauen sie sich doch mehr, als gespannt zu sein, zu.

    mischen sie sich konstruktiv (von mir aus auch destruktiv – es kommt nur auf’s ziel an) ein, machen sie vorschläge und kritisieren sie an der richtigen stelle.

    und übrigens: es ist nicht „dort“ – es ist hier und jetzt.

    ich persönlich hoffe, dass ungarn seine uralten, schädlichen reflexe irgendwann einmal ablegen wird…(dabei dürfen allerdings auch sie sich angesprochen fühlen. aber erwarten diesbezüglich nicht mehr von mir, prüfen sie einfach fortwährend ihre interpretationsmuster auf welt- u nicht nur auf ungarntauglichkeit)

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