Viktor Orbán fordert Einwanderungsstopp

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat sich während seines Aufenthaltes in Paris, wo er dem Schweigemarsch aus Anlass der islamistischen Anschläge auf die Redaktion der Satirezeitschrift Charlie Hebdo, einen jüdischen Supermarkt und einen Polizistenmord mit insgesamt 17 Toten beiwohnte, gegen Einwanderung in die EU – konkret: „Wirtschaftsflüchtlinge“ – ausgesprochen und seinen Willen bekräftigt, „Ungarn als Ungarn“ zu erhalten.

Die Aussagen wurden scharf kritisiert.

http://derstandard.at/2000010293608/Unheilige-Allianz-von-Zeman-und-Orban-gegen-Migranten

http://www.tagesspiegel.de/politik/ministerpraesident-viktor-orban-ungarn-will-kein-multikulti/11215234.html

http://www.deutschlandfunk.de/ungarn-premier-orban-wettert-gegen-einwanderer.795.de.html?dram:article_id=308562

Orbáns Wortwahl, die stark an die PEGIDA-Aufmärsche in Dresden und anderen deutschen Städten erinnert, dürfte mit dem beispiellosen Popularitätsverlust der ungarischen Regierung seit Dezember 2014 zu erklären sein. Offenbar versucht der Regierungschef, aktiv Wähler der rechtsextremen Jobbik anzusprechen, die aktuell wieder zweitstärkste Partei in den Umfragen ist. Zugleich sucht er im Ausland nach politischen Verbündeten.

Der Eindruck von Effekthascherei und dem Versuch kurzfristigen politischen Landgewinns wird bestärkt durch die fehlende Kausalität zwischen den von Orbán genannten „Wirtschaftsflüchtlingen“ und den Attentaten der Islamisten in Frankreich: Alle Täter waren Franzosen.

Nicht ohne Grund nimmt die Presse den von Orbán gespielten Ball auf und hält ihm vor, dass eine große Zahl von Ungarn aktuell ihr wirtschaftliches Glück im Ausland suchen, d.h. – nach seiner Definition – als „Wirtschaftsflüchtlinge“ anzusehen wären. Die Einwanderung nach Ungarn ist zahlenmäßig zu vernachlässigen, sieht man von Personen ab, denen Ungarn Aufenthaltstitel und Staatsbürgerschaft – gegen Erwerb von Staatsanleihen – sogar aktiv anbietet.

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18 Kommentare zu “Viktor Orbán fordert Einwanderungsstopp

  1. Also: Wenn der Tipp für diesen Vorstoß von Árpád Habony kam, sollte man sich schleunigst von ihm trennen. Dieser Auftritt war eine Katastrophe. Bei Fidesz scheint langsam echte Panik zu herrschen…

  2. Sollte Orbán derart unbeholfen und doch dreist bei Jobbik Leute einsammeln wollen, so ist sein langsamer aber steter Niedergang seiner Person wahrscheinlich.
    Ansonsten: Was wir in Europa und der Welt brauchen ist nicht weniger Solidarität, sondern mehr Solidarität.

    Die Lage in den europäischen Staaten ist sehr unterschiedlich – daher auch die unterschiedlichen Beurteileungen der Lage. Es macht also keinen Sinn, gleich draufzuhauen.
    Deutschland benötigt wegen seiner extrem verwöhnten Bürger bei gleichzeitiger rasanter Alterung viel Zuwanderung.Sowas beeinflusst die Menschen sehr in ihren Ansichten, sie machen sich kaum den eigenen egoistische Trieb dahinter bewußt. Kann man beim Thema
    Ärzteklau aus Östeuropa sehr genau bemerken, da dieser in Rumänien schon heute ein riesen Problem darstellt und die Auswanderung noch verstärkt.
    Die Lage in Frankreich ist wiederum eine ganz andere, aber durch die historisch bedingte extreme Segregation von Menschen mit Nord-Afrikanischer Abstammung kaum in den Griff zu bekommen. Wir alle sollten uns hüten, es aus anderen Gründen soweit kommen zu lassen. Die Warner wie Zemann und Orbán haben also nicht nur Unrecht, was allerdings nicht bedeutet, dass man Menschen in Not die Hilfe verwehrt. Darum meine Rote Karte für Orbán, wenn er hier einen anderen Weg in Zukunft beschreiten sollte
    Was Ungarn ansonsten betrifft, so hat dieses Land prozentual mehr Flüchtlinge aufgenommen als viele andere europäische Länder.

    Hier noch für diejenigen, die Ungarisch können, ein Auszug aus der Regierungsnahen mno, der die Lage der Auswanderung in Ungarn beschreibt.(11.11.14)
    Die Auswanderungswelle aus Ungarn ist danach keineswegs die Höchste, auch nicht in den letzten Jahren, wie von den Medien im Westen gerne suggeriert. Ich glaube nicht, dass die Zahlen falsch sind. Besonders interessant sind die Zahlen für Österreich.

    A kivándorlás következményei:
    ……
    Amikor a magyar kivándorlási hullámról beszélünk, érdemes megnézni a térség, különösen a szomszéd országok helyzetét. Magyarország messze van az élmezőnytől: Albániából majdnem a lakosság fele ment el 1989 óta (egész pontosan negyvennégy százalék), Bulgária 19, Szerbia 18 és Románia 16,6 százalékkal jóval előttünk jár. De még a jóval fejlettebb Ausztriából is többen mentek el, mint tőlünk: a sógorok a lakosság 6,1 százalékát vesztették el ily módon, míg tőlünk a népesség 5,3 százaléka dolgozik és él külföldön. A másik vád sem áll meg, amely szerint nálunk gyorsult az utóbbi években a legjobban a kivándorlás: keleti szomszédunknál 2010 és 2013 között a lakosság 1,7 százaléka vándorolt ki, tőlünk ennek harmada.

  3. Das Hauptproblem ist nicht der sog. Berater Árpád Habony, sondern derjenige, der glaubt sich mit diese populistischen Bemerkungen wichtig machen zu müssen – also der Herr Orbán höchstpersönlich.

    Die französische Zeitung Le Monde fragt daher zu Recht, was Personen wie Viktor Orbán (und andere wie Benjamin Netanyahu, Sergey Lavrov, Ahmet Davutoğlu) auf einer Veranstaltung zu suchen haben, bei der es um die Verteidigung liberaler Werte wie der Pressefreiheit geht!

    http://www.lemonde.fr/societe/article/2015/01/11/a-la-marche-republicaine-des-dirigeants-peu-attaches-a-la-liberte-de-la-presse_4553626_3224.html

    • Orbáns Worte sind falsch, ja geschmacklos.

      Aber seit wann gehört es zu den liberalen Prinzipien, gewählten Volksvertretern das Recht zur Teilnahme an Trauermärschen abzusprechen? Ich dachte, man wollte in Paris zeigen, dass es trotz Meinungsunterschieden einen gemeinsamen Nenner gibt? Weder Netanyahu noch Abbas haben sich über die Teilnahme des jeweils anderen beschwert.

      • Herr Orbán hat sich bereits früher zu diesem Thema geäußert:
        »Der massenhafte Zufluss von Wirtschaftsflüchtlingen sei schlecht, und Europa müsse ihn unterbinden, sagte er vor den versammelten Botschaftern, die Ungarn im Ausland vertreten. Das, so fügte er hinzu, sei ein weiteres Thema, bei dem sich „die Auffassungen der liberalen und der nicht liberalen Staaten unterscheiden“.«

        http://www.welt.de/politik/ausland/article136334016/Seltsame-Gen-Theorien-ueber-Migranten.html

        Als Vetreter eines EU-Mitgliedstaates kann man Herr Orbán natürlich nicht das Recht auf Teilnahme absprechen. Aber deshalb ist man noch lange nicht erwünscht. Und für »Le Monde«, »Libération« und »The Independent« war Herr Orbán bei einem Schweigemarsch unter dem Thema »Für Toleranz und Pressefreiheit« jedenfalls nicht erwünscht!

    • Das Haupthindernis zu Kolonisierung Ungarns ist zur Zeit Orban und sein Mediengesetz. Kennwort Pressefreiheit.
      Die Frage ist, geht es dabei um die freie Berichterstattung, oder um die freie Käuflichkeit der Presse. Behinderung der Beichterstattung konnte ich im Laufe mein immerhin 5 monatigen Aufenthalt jährlich in Ungarn nicht feststellen.
      Freie Käuflichkeit der Presse möchte man schon verhindern um keine Deutsche Verhältnisse zu bekommen. Siehe dazu;
      „Ulfkote: Gekaufte Journalisten“ Empfehlenswert!
      Im Maiscberger-s Disco-Runde am Di. oder Mi. hat auch Alfred Grosser beigewohnt. Er hat zwar zur Diskusion nicht viel gescheites beigetragen aber einen Seitenhieb auf Orban konnte er sich nicht verkneifen. „Pressefreiheit“ das scheint wie ein
      Inter-etnische Meinungsvorgabe in liberale Kreisen zu funktionieren, obwohl das Gesetz in Brüssel verhandelt wurde.

  4. also jpf. man kann fast geschlossen dasselbe über alle anwesenden politiker sagen. deutsche liefern waffen, franzosen führen krieg in afrika, italiener lassen flüchtlinge ertrinken bla bla. noch dazu war das foto eine inszenierte farce in ner abgeschlossenen gasse.
    also panik ist denke ich was anderes. egal wie sehr orban abstürzt, er wird trotzdem stimmenstärkste partei bleiben. das schlimmere ist nicht orban sondern dass es weder rechts noch links nachwuchspolitiker gibt, die was drauf hätten

    • Geschmacklos. Stimmt. Vollkommen.

      Es stimmt aber so einiges nicht: Die Worte von de Maizaire und einiger anderer:

      „Der Terror hat nichts mit dem Islam zu tun“

      Wer einen solchen Stuß verbreitet, kann doch kein Ministerium führen! Der liefert den
      Pegidaisten nur Alnlass zur Wut und Argumente und liegt auch noch voll daneben.
      Als hätten sich Medien und Wissenschaft nicht ausgiebig mit dem Thema befasst.
      Terror ist eine Randerscheinung des Islams, findet aber seine Wurzeln auch in der Mitte der
      islamischen Glaubensgemeinschaft – und in einigen Suren des Koran, der tausende
      Fassetten hat, friedliebende wie gewaltvolle.

      Dass Politiker die Hosen voll und in der Birne nur Matsche haben, kann man oft beobachten.
      Moslems sagen selber: Wir brauchen eine liberalen Wandel, Aufklärung.
      Und wenn man unbedingt will: Selbst Massenmörder Breivik hat irgendwie was mit dem
      Christentum zu tun. Die Hexenverbrennung so oder so.

      Wer wie de Maizaire redet, kann bald zum ZDF gehen. Die haben auch simple Losungen.

  5. Die Nachricht gerade im ARD/ZDZ moma:

    – Die Zahl der „illegalen“ Einwanderung ist rasant gestiegen in 2014.( ich glaube 140 %) –

    Die EU reageagiert schon seit Monaten mit einer neuen Strategie im Mittelmeer darauf.
    moma ohne Weiteren Kommentar zur Nachricht.

    Ist Orbán einfach nur ehrlich ?? Die anderen Europäer einfach nur scheinheilig ?
    Hat Orbán nicht in erster Linie von Wirtschaftsflüchlingen geredet ?

  6. Mindestens in Bezug auf „Kredite in ausländischer Währung“, auf die „Einwanderung“ und auf Russland hat Viktor Urban recht. Könnte es sein, dass nicht er sondern „Spitzenpolitiker“ wie Merkel und Hollande total unfähig sind? Ich bin Schweizer, und jedes Mal wenn deutsche oder französische „Prominente“ am Fernsehen sprechen, so suche ich mir sofort ein anderes Programm. Ich zahle doch keine Fernsehgebühren, um mir so einen Mist anzuhören!

  7. In 2012 haben 2157 Flüchtlinge (meisst Wirtschaftsflüchtlinge) die Einwanderung nach Ungarn beauftragt.
    In 2013 18.900. In 2014 42.777. In 2015 bis jetzt schon über 3000!!!
    Die Tendenzen sind in Deutschland, Frankreich Italien usw. gleich.

    Noch Fragen?
    Sie kennen sicherlich auch Sissa ibn Dahir-s Weizenkornlegende!!!
    Man sollte in Europa endlich die Augen öffnen und anfangen zu DENKEN!

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