Schweizer Franken: Bloomberg attestiert der Ungarischen Regierung, das „weltbeste“ Geschäft gemacht zu haben

Die Schweizer Nationalbank (SNB) hat in der vergangenen Woche die Politik der Schwächung der eigenen Landeswährung (CHF) aufgegeben und damit ein Beben am Devisenmarkt ausgelöst.

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Grund des Politikwechsels der SNB sind u.a. die zu erwartenden massiven Eingriffe der Europischen Zentralbank auf dem Anleihemarkt im Rahmen von sog. „Outright Monetary Transactions“. Sie sollen den Markt mit Liquidität fluten und den Konsum ankurbeln, zugleich ist mit steigenden Anleihekursen (d.h. fallenden Zinsen) und einer dauerhaften schwachen Gemeinschaftswährung) zu rechnen. Nach einem Votum des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof im Rahmen eines vom Bundesverfassungsgericht initiierten Vorabentscheidungsverfahrens rechnet der Markt damit, dass Luxemburg (und im Anschluss Karlsruhe) die geplanten Markteingriffe der EZB (im Marktjargon „Dicke Berta“) in Höhe von 60 Mrd. Euro pro Kalendermonat bis September 2016 durchwinken wird. Wie das Bundesverfassungsgericht entscheidet, ist damit allerdings noch nicht absehbar.

Die Entscheidung der SNB führte – innerhalb eines Tages – zu einem Anstieg des Franken gehen über dem Euro um etwa 20%.

Nun hat Bloomberg die ungarische Regierung für ihr „Timing“, zu einer Bereinigung der Franken-Kredite in Ungarn zu gelangen und die Banken in Verantwortung zu nehmen, gelobt. Durch den im Herbst 2014 beschlossenen Zwangsumtausch hat die Regierung Orbán – so Bloomberg – verhindert, dass die Devisenverbindlichkeiten privater Haushalte auf einen Schlag um 700 Mrd. Forint nach oben schnellen.

http://www.bloomberg.com/news/2015-01-16/hungary-s-orban-makes-world-s-best-trade-on-swiss-franc-loans.html

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10 Kommentare zu “Schweizer Franken: Bloomberg attestiert der Ungarischen Regierung, das „weltbeste“ Geschäft gemacht zu haben

  1. Hmm, das ist ’ne Menge Geld. Warum kommentiert das unser Miststück nicht? Hat sie gerade heute was abzufeiern?
    Apropos Feiern ? Soros – „sein Vater riet ihm, Geld als Gepäck anzusehen – je leichter, desto besser“ war letztes Jahr 23 Milliarden schwer.
    Und heute?
    Ich will es gar nicht wissen. Für seine Yoga-Lehrerin wird es reichen.

  2. Bingo, Orbán hat,s mal wieder richtig gemacht.

    Und die EZB ?

    Es wird mir wieder ganz ekelig, bekomme Kotzgefühle, wenn ich sehe, wie mit der aktuellen Entscheidung der EZB dem Internationalen Kapital unter die Arme gegriffen wird. Die Banken freut es, haben doch diese tonnenweise Staatsanleihen in den Kellern. Der Kleine Mensch, der keine Immobilien finanzieren kann oder ein Aktienrisiko nicht eingehen möchte, wird über einen langen Zeitraum fürs Sparen bestraft. Ein Ende ist nicht in Sicht, die Besitzverhältnisse werden zementiert. Nein, die Reichen werden immer reicher. Grüne und SPD haben Verständnis für diesen Schritt signalisiert. Wundert mich gar nicht.

    • Die Umverteilung ist nicht nur von arm –> reich. Denn die Steuerzahler in Ländern mit halbwegs solider Finanzpolitik zahlen die Zeche für jene Staaten, die Geld verbrennen. Und das, obwohl sie die dortigen Entscheidungen nicht beeinflussen konnten.

      Übrigens stehen die nationalen Notenbanken für die Dicke Draghi Berta gerade. So schließt sich der Kreis. Scheiße fällt (mit Verlaub) eben nach unten.

      • Interessant in dem Zusammenhang ist doch die Tatsache, dass die EZB den nationalen Notenbanken gehört. Also in D der Bundesbank. Diese wiederum ist eine juristische Person des öffentlichen Rechts. Eigentümer somit Deutschland.

        In der Satzung jedoch ist eine Haftung von Deutschland für die Bundesbank nicht vorgesehen.

        Logischerweise dürfte dann der deutsche Steuerzahlung nicht für Verluste der Bundesbank aus diesem oder jedem anderen Programm herangezogen werden?

        Was meinen Sie HV?

      • Diese formaljuristische Logik überzeugt mich nicht. Richtig ist, dass die BRD Bundesbankverluste nicht ausgleichen muss. Das ist in normalen Zeiten schön und praktikabel.

        Wenn aber die EZB – und damit mittelbar die Bundesbank – ggf. nicht ausreichend werthaltige Anleihen kauft und auf Verlusten sitzenbleibt, stellt sich doch die Frage, wer der EZB und den nationalen Notenbanken diesen Verlust ausgleicht. Drucken die Notenbanken Geld und steigt die Inflation, zahlen die Steuerzahler. Drucken sie kein Geld, wird irgendjemand zahlen müssen. Es sei denn, man hält die EZB für ein wirtschaftliches perpetuum mobile. Interessant ist also die Frage, ob die Marktlage die Notenbank-Trägerstaaten zur Übernahme zwingt…und was die Staaten tun werden (ohne es juristisch zu „müssen“).

        Übrigens sprach Bundesbankpräsident Weidmann selbst davon, dass die Steuerzahler die Risiken trügen, wenn die Notenbanken – seinerzeiten ging es um asset backed securities – nicht werthaltige Papiere kauften. Dem schließe ich mich an.

        Was mich umtreibt: Die EZB hat, anders als die FED, kein wirtschaftspolitisches Mandat, sondern nur ein geldpolitisches. Es obliegt ihr also nicht, den Markt mit Geld zu fluten mit dem Ziel, die Wirtschaft anzukurbeln (mal ganz abgesehen von der Frage, warum die EZB denkt, dass der Markt nicht ausreichend liquide ist…).
        Für mich ist befremdlich, welche Kompetenzen sich die EZB hier selbst zuschreibt. Das BVerfG hat im Januar 2014 bereits Vorbehalte angemeldet – und sich ein entsprechendes Votum vorbehalten. Stichwort: Demokratieprinzip und Prinzip der beschränkten Einzelermächtigung. Bin sehr gespannt, was in diesem Verfahren in Karlsruhe herauskommt. Es ist das dogmatisch wichtigste in Bezug auf das Verhältnis EU-Recht / deutsches Recht seit den Lissabon-, Maastricht- und den „Solange-Entscheidungen“.

        Ich war vor 15 Jahren großer Befürworter des Euro und denke, die BRD fährt damit bis heute ganz gut. Schweizer Verhältnisse täten einem Exportland nicht gut. Aber: Heute sehe ich mit Sorge, dass man trotz des „no bailout“-Grundsatzes im EU-Recht die Währungsstabilität als Vorwand nimmt, Geld von soliden finanzierten Mitgliedstaaten nach Griechenland (und letztlich in die Hände sich versekulierender Banken) und anderswohin umzuverteilen. Darüber würde ich, weil es letztlich Finanzpolitik ist (die dem Parlament obliegt), gerne abgestimmt haben.

        Aber was wundert uns eigentlich? Banken wie Goldman Sachs sind die größten Profiteure der OMT. Sie waren die größten Profiteure des ESM. Sie haben Griechen und Co. finanziert, Anleihen gekauft und freuen sich, dass man die aufgelaufenen Verluste und die Ausfallrisiken auf die Allgemeinheit verteilt. Die Gewinne freilich bleiben bei den Goldmännern. So viel hat sich seit dem alten Ägypten also nicht geändert 🙂

        Raten Sie mal, wo Draghi früher gearbeitet hat…

        Und vor dem oben Gesagten ist Orbán der Antidemokrat und Ungarn ein Mafia-Staat? Sie erlauben, dass ich kurz lache…

      • Sehr geehrter HV
        Wenn man all die Fehlentwicklungen in der EU so betrachtet, die leider fast alle von Amerika ausgehend in unsere Welt getragen wurden und werden, dann ist die Situation in Ungarn lediglich widersprüchlich. Was uns amerikanische Ratingsargenturen verkaufen, ist jedoch der Geruch der Lüge, der nach oben steigt, wenn angelsächsische Scheiße nach unten fällt.
        (ohne Verlaub). Schönes Wochenende.

        http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/verschaerft-die-ezb-geldpolitik-die-einkommensschere-13387469.html

  3. @ HV
    „Die SNB, die in den vergangenen Jahren enorme Devisenreserven aufwenden musste, um den Euro gegenüber dem Franken zu schwächen, hatte wohl keine ausreichenden Reserven mehr, um dem zu erwartenden Druck zu widerstehen.“

    Hier schein etwas missverständlich zu sein.

    Die SNB hat durch den dauerenden Ankauf von Euro diesen versucht zu stärken und somit erhebliche Devisenreserven, besonders in Euro, aufgebaut.

    Durch die Freigabe hat die SNB jetzt den Euro geschwächt und sich selber fast 40 Mrd. Verlust in diesen Reserven beschert.

    Für mich ist die Reaktion der SNB nicht nachvollziehbar, funktioniert sie doch ähnlich wie die FED. Sie kann Franken kreieren bis zum Sankt Nimmerleinstag, das bläht zwar die Bilanz auf ist aber nur „Buchgeld“ und tut nicht weh. Kommen die Franken je zurück wird wieder umgebucht.

    Blöd wär nur wenn die Summen mal in echte Scheine ausgegeben werden müssen.

    • Ihre Bemerkung zu Beginn ist völlig richtig. Das habe ich verdreht – war schlichtweg ein Irrtum.

      Nachvollziehbar ist das Tun der SNB aber durchaus. Sie kommt gegen den von der EZB-Aktion zu erwartenden Druck auf den Euro nicht mehr an. Das, was die EZB plant, halte ich übrigens für eklatant europarechtswidrig. Und gegen das Demokratieprinzip verstößt es – im Hinblick auf die Umgehung der Parlamente auch gegen das Demokratieprinzip.

    • Da hat Feco endlich ein passenden Wirkungsbereich für Politiker Clowns gefunden. Deutsche sollten den Beispiel folgen und satt Eiswasser Dusche lieber in den „Tafeln“ Erbsensuppe verteilen, dient eher der Beliebtheit.

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