Neuer Medienkrieg? Rücktrittswelle erschüttert die Regierungspresse

Die ungarische Medienlandschaft wurde heute von einem Erdbeben erschüttert. Zeitgleich reichten die Chefs von drei einflussreichen regierungsnahen den Rücktritt ein. Betroffen sind die zum Medienimperium des bislang als „fidesznah“ geltenden ungarischen „Oligarchen“ Lajos Simicska gehörende Tageszeitung Magyar Nemzet, der Radiosender Lánchíd und der private Nachrichtensender HírTV.

Zurückgetreten sind:

Gábor Liszkay, Chefredakteur der Magyar Nemzet, Chef von HírTV
Ottó Gajdics, Chefredakteur des Lánchíd Rádió,
Gábor Élő, Chefredakteur von Magyar Nemzet Online,
Péter Sziszkai, stellvertretender Generaldirektor des Hír TV,
Péter Csermely, stellvertretender Chefredakteur der Magyar Nemzet,
Szabolcs Szerető, stellvertretender Chefredakteur der Magyar Nemzet.

Wie ungarische Medien berichten, soll Simicska von den Rücktritten komplett überrascht worden sein. In einem Interview soll er regelrecht getobt und den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán mit wüsten Beschimpfungen („geci“, in etwa mit „Wichser“ vergleichbar) überzogen haben. Er kündigte an, zur Nemzet zu fahren und alle „rauszuschmeißen“.

Simicskas Verhältnis zum ungarischen Ministerpräsidenten ist seit längerem belastet. Er galt bislang als mächtigster Unterstützer Orbáns in früheren Jahren, zugleich war er für die Parteifinanzen und in der ersten Regierung Orbán für die staatliche Privatisierungsagentur verantwortlich. In der jüngeren Vergangenheit wurden jedoch vermehrt Reibungspunkte deutlich, etwa die offenbar gute Vernetzung von Simicska-Getreuen bis in höhere Ebenen der Finanzbehörden und die offene Drohung Simicskas, bei einer anstehenden Nachwahl zum Parlament selbst antreten und die 2/3-Mehrheit des Fidesz gefährden zu wollen. Auch die Erweiterung des AKW Paks soll Simicska abgelehnt haben.

Zuletzt soll Orbán mit der Ankündigung einer Werbesteuer und der Absicht, regierungsnahen Privatsendern – gemeint waren insbesondere die Simicska-Medien – die finanzielle Unterstützung in Form staatlicher Werbeaufträge zu entziehen, Simicska gegen sich aufgebracht haben.

Die heutige Eskalation, die zu dem seit 20 Jahren größten Medienkrieg in Ungarn führen könnte, dürfte die ungarische Medienlandschaft in der nahen Zukunft nicht nur personell, sondern auch inhaltlich durcheinander wirbeln. Simicska kündigte an, selbst die Leitung des HírTV zu übernehmen. Zudem kündigte er eine „regierungskritische“ Berichterstattung an. Medien gehen davon aus, dass eine von Simicska geplante Neuausrichtung zum Rücktritt der Führungsriege geführt hat.

http://index.hu/belfold/2015/02/06/simicska_lajos_orban_egy_geci/

http://index.hu/kultur/media/2015/02/06/lemondott_a_simicska-medibirodalom_teljes_vezetese/

http://www.origo.hu/itthon/20150206-csata-utan-simicskanak-is-jol-esik-a-pihenes.html

http://index.hu/belfold/2015/02/06/hallgassa_meg_simicskat_ahogy_kormanykritikus_mediat_iger/

http://tablet.mno.hu/belfold/uj-vezetes-a-magyar-nemzetnel-es-az-mno-nal-1271672

http://www.politics.hu/20150206/budapest-business-journal-leaders-of-business-tycoon-simicskas-media-empire-quit-after-threat-of-media-war-against-government/

http://tablet.hvg.hu/itthon/20150206_Igy_juttottunk_el_a_Simicska_a_legokosabb

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3 Kommentare zu “Neuer Medienkrieg? Rücktrittswelle erschüttert die Regierungspresse

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