Zeit: Klaus Harpprecht fordert „Einschreiten der EU“ gegen Ungarn

Der Journalist und Autor Klaus Harpprecht fordert in der Zeit ein Einschreiten gegen Ungarn durch die Europäische Union. Er sieht eine „systematische“ und alltägliche Diskriminierung der Roma-Minderheit. Als Beleg für diese landesweite „Systematik“ führt Harpprecht einen einzigen Ort an: „Erpatek“ (sic!), das eigentlich Érpatak heißt und dessen offen nazistischer Bürgermeister der rechtsradikalen Oppositionspartei Jobbik angehört und durch sein „Érpataker Modell“ landesweit Diskussionen ausgelöst hat: Mihály Zoltán Orosz, der die Welt in „Erbauer und Zerstörer“ teilt, mit Vorliebe in einer angeblichen „traditionellen Landestracht“ herumrennt, die an den bayerischen Wolpertinger erinnert und offene Sympathien für Nazideutschland hegt. 

Ein „Modell“ jedoch, das trotz offensiver Eigenwerbung Orosz‘ für seine Idee aber kein geeigneter Beleg für den Umgang mit der Roma-Minderheit ist – und auch niemals werden wird. Ein wildgewordener Bürgermeister als Grund für die Sanktionierung oder den Ausschluss eines Mitgliedstaats aus der EU? Viel Glück, Herr Harpprecht!

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/ungarn-orban-roma-menschenrechte-europa

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24 Kommentare zu “Zeit: Klaus Harpprecht fordert „Einschreiten der EU“ gegen Ungarn

  1. Herrn Harpprecht dürfte die Geschichte der Roma in den letzten Jahrhunderten in Europa bekannt sein. Genauso wie die jetzige Situation und der Umgang mit diesen Menschen in Ost und West.

    So beklagenswert die Situation in Èrpatak sein mag, für mich ist dieser Artikel keine journalistische Arbeit, sondern eine Scheinheiligkeit.

  2. Ach, der Harpprecht. Ich kenne ihn ein wenig und habe ihn als recht selbstgefällig erlebt. (Ganz nach dem Motto: „Gebildeter! Schon Goethe hat erkannt es: Wer wird das Leben unnütz sich erschweren! Man stell‘ sich auf und sei was imposantes.“)
    Wahrscheinlich hat er seinen „Kommentar“ in zwanzig Minuten zu Papier gebracht – in der festen Überzeugung, damit die Welt zu verändern.

    Lustig finde ich, wie er beiläufig Sachverhalte erwähnt, welche seine Sicht der Dinge relativieren. Er geht nicht weiter auf sie ein, sie dienen einzig dem Zweck, dass er sagen kann, er hätte die Dinge in ihrem Kontext betrachtet und nicht nur einseitiges Ungarn-Bashing betrieben. Irgendwie unredlich.

  3. „Kaum eine Woche vergeht, in der wir nicht durch eine Meldung über neue Diskriminierungen der Roma-Minderheit oder eine Provokation durch den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán aufgeschreckt würden.“

    Gleich der erste Satz ist ein Versuch, den unaufmerksamen Leser zu täuschen. Die Diskriminierung der Roma-Minderheit wird in einem Atemzug mit dem Ministerpräsidenten erwähnt. In Ungarn gibt es sicherlich Fälle der Diskriminierung. Das ist aber nicht auf die Absichten der Regierung zurückzuführen, vielmehr auf das problematische Zusammenleben der Roma-Minderheit mit der sonstigen Bevölkerung. Große Teile der Nicht-Roma-Bevölkerung haben eigene Erfahrungen, wie ihre Rechte (z. B. Recht auf Privateigentum, Recht auf körperliche Unversehrtheit) von Mitgliedern der Roma-Minderheit verletzt wurden. Eine „staatlich verordnete“ Diskriminierung gibt es nicht, im Gegenteil: zum ersten Mal nach der Wende, nach Jahrzehnten des scheinbar unaufhaltsamen Abrutsches der Roma-Minderheit und des ohnmächtigen Zuschauens seitens der Mehrheitsgesellschaft werden endlich Maßnahmen ergriffen, die wenigstens eine wage Hoffnung geben, dass die Lage der Roma-Minderheit sich verbessern könnte.

    „Zugleich werden auf allen möglichen Plätzen Statuen des „Reichsverwesers“ Admiral Horty errichtet“
    Obwohl ich immer wieder in Ungarn bin, habe ich bis jetzt noch keine einzige Horthy-Statue gesehen. So viele gibt es wohl nicht davon. Und der Name schreibt sich nicht „Horty“ sondern Horthy.

    Klaus Harpprecht nennt Maßnahmen der ungarischen Regierung, wie z. B. das Ladenschlußgesetz für einen „törichten Plan“. Ich halte es für töricht, wenn Familien, in denen Mutter oder Vater im Handel arbeitet nicht wenigstens einen Tag in der Woche hätten, an dem die Familie zusammen sein kann.

    „Ministerpräsident Orbán und seine Kabinettskollegen rühren keinen Finger, um den faschistischen Dorftyrannen Einhalt zu gebieten“
    Ich weiß nicht, ob der Ministerpräsident die Befugnisse hat, einem gewählten Bürgermeister Einhalt zu gebieten. Tatsache ist, dass der Bürgermeister von Érpatak zu den Bürgermeistern in Ungarn gehört, die am häufigsten vor Gericht stehen. Er wird auch von der Regierungsnahen Presse immer wieder scharf angegriffen.

    „Es wäre das berüchtigte Exempel, das statuiert werden muss.“
    Ungarn soll also nicht nur dafür bestraft werden, was Klaus Harpprecht ihm vorwirft. Auch dafür, was er in Rumänien, in Bulgarien auszusetzen hat, soll die EU an Ungarn ein Exempel statuieren. Sogar dafür, wenn Flüchtlinge in Deutschland schlecht behandelt werden. Wenn dass so kommen würde, wäre es das Ende der EU. Herbeigeführt durch ahnungslose Gutmenschen.

  4. hv hat wieder die taste für’s weichspülprogramm gedrückt.

    u daß der name der besagten ortschaft falsch geschrieben wurde, ist ihm sogar auch noch einen satz wert. als wenn es darum gehen würde…

    • Womit Sie Schlange jetzt wieder ins Schwarze gebissen haben! Klar, es geht nicht um Orthographie. Worum es hier eigentlich geht, Giftzahn?

      Ich sag es Dir mit Schiller: »Die Falschheit herrschet, die Hinterlist«

      Apropos weich spülen: Machen Sie den meridol Wirk-Test!
      Wenn sich Ihr Giftzahn lockert, ouro.boros, liebe Frau Wolf!
      http://www.meridol-testwochen.de/wirk-test.html

      • herr herche, sie hätten vllt doch eher etwas mit tieren machen sollen. die biologie scheint ihnen zu liegen.

        aber zumindest haben wir beide hier in diesem blog noch unseren spaß…

        p.s.: tun ihnen eigtl ihre ungarn in ihrer selbstverschuldeten dauermisere (die der ungarn meine ich, nicht ihre.) immer noch leid? so wie nun mal wieder die böse, westl. welt auf sie (auf die ungarn, nicht auf sie.) einstürzt…

        p.p.s.: u mittlerweile fange ich sogar an, sie zu mögen – ich kann ihnen einfach nicht böse sein (wem nun? ihnen, herrn herche).

      • Oh Sie Schlange? Sie mögen mich? Sie haben mir damit ja eine böse Suppe eingebrockt! Biologisch fällt mir jetzt nur noch die Begegnung des Hl. Franziskus mit einer alten Schlange ein. Diese forderte den Heiligen auf, auch einmal etwas über die Wölfe zu sagen, und er beginnt seine Ausführungen mit den Worten: »Alles am Wolfe ist ein Rätsel, und alles am Wolfe hat eine Lösung: sie heißt, ihn Verjagen.« Und so weiter und tu es sofort!
        Die »alte Schlange« dankt dem Hl. Franziskus für seine Darlegungen und bestätigt sie ihm mit einer »kleinen Wahrheit«, die im Original diesen Wortlaut hat: »Du gehst zu Wölfen? Vergiss die Peitsche nicht!«

      • Wozu Trianon alles taugt! ?
        „Trianon egy neurózis valójában, mert az ennek kapcsán születő
        “atavisztikus reakcióknak”
        semmi közük ma már a békeszerződés valós tartalmához, mondta Ungváry Krisztián az Ökopolisz Alapítvány a trianoni békediktátum 95. évfordulója alkalmából megtartott rendezvényén. Ilyen atavisztikus reakció a történész szerint a Nyugat- és piacellenség, az antiliberalizmus és az antikapitalizmus, valamint az antiszemitizmus.”
        Aha! Ein Rückfall!

        Die Ablehnung der Westlichen Welt ist eine atavistische Reaktion?

        Die Ablehnung des freien Wettbewerbs, in dem es die Produktiven den Unproduktiven auf Dauer beweisen so richtig beweisen, dass wenig Arbeit wenig und viel Arbeit viel Elend schafft ist eine atavistische Reaktion?

        http://www.griechenland-blog.gr/tag/produktivitaet/

        Die Ablehnung der Heilslehre vom Privateigentum, die jedem soviel Eigentum zur freien Bewirtschaftung gönnt, wie er eben haben will ist eine atavistische Reaktion?

        Die Ablehnung des Kapitalismus, der sich jeden Politiker, jedes Parlament, der sich jede Kirche, jede Partei, jede Wurst kaufen kann, ist eine atavistische Reaktion?

        Die Ablehnung der Inklusion von Menschen, die in direkter Linie von diesen beiden Urahnen abstammen ist eine atavistische Reaktion?

        Wozu Trianon nach 95 Jahren so alles taugt!

      • PS:
        Warum eigentlich Trianon? Und warum nur „atavistische Reaktion“?
        Warum nicht Mohács? Warum nicht atavistische Regression?

        Wo es doch gilt, Ungarn als antiwestlich, antikapitalistisch und antisemitistisch zu diskreditieren!

      • „Als atavistische Regression bezeichnet man in der Tiefenpsychologie (C. G. Jung, S. Freud) die in Traum, Neurose und Psychose auftretenden, an die Mythen und Sagen der Naturvölker erinnernden Vorstellungen.“

        aus: http://universal_lexikon.deacademic.com/28141/Atavismus

        ja, können wir.

        was denken sie, inwieweit eine ausgeprägte paranoia dabei behilflich? u kann man diese eigtl auch politisch beabsichtigen?

      • die sache in mohács ist scheinbar auch noch nicht gegessen:

        hier eine fußnote dazu:

        „5 A beteg magyar értékvilág tézise talán a mohácsi vész utáni önvizsgálattal kezdődik nálunk, és azóta Zrínyi Miklóstól, Széchenyi Istvánon át, Szekfű Gyuláig folyamatos eleme az ország bajai magyarázatának. A nyolcvanas években szemléletes példáit adta az állampolgári értékrend ellentmondásainak Hankiss Elemér: Társadalmi csapdák. Diagnózisok. Magvető Kiadó, Budapest, 1983. Továbbá Hankiss Elemér: Diagnózisok 2. Magvető Kiadó, Budapest, 1986.“

        aus: http://www.komment.hu/tartalom/20130617-tolgyessy-peter-az-orbanrendszer-termeszete-1.html

      • “ … was denken sie, inwieweit eine ausgeprägte paranoia dabei behilflich?“
        Wobei? Und was meinen Sie eigentlich mit „Paranoia“? Das dauernde System von Wahnvorstellen, das sich schleichend über die Jahre, Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte fortentwickelt hat und sich bei den Orbánfressern als ausgeprägter Leidensdruck manifestiert? Als Quietschen und Quaken!
        Die Verrücktheit attestiere ich ihnen gern!
        Im Übrigen haben die Ungarn meinen vollen Respekt. Auch wenn ich Kampagnen, wie die letzte, die als nationale Konsultation getarnt, Ungarn mit blauen Plakaten heimsuchen, für schrecklich halte. Zur besseren Volksaufklärung könnte ich mir eher Losungen wie diese vorstellen:
        Alföldi und Törőcsik – Analverkehr hält jung und schick!
        Oder:
        NATIONAL aber VERSAUT – UNGARN WOLL auf SCHWEIN
        Oder:
        Nazional und IS, doch nix normal! Cool ist schwul!

        Wenn die ungarische Regierung ihre Nation doch endlich mal in existenziellen Fragen konsultieren würde, zur Homo-Ehe oder zum Adoptionsrecht für Gleichgeschlechtliche, um nur zwei Beispiele dafür zu nennen, was der westlichen Zivilisation unter den Nägeln brennt, dann käme doch niemand mehr auf die Idee, Orbán und die Ungarn für verrückt zu erklären, wie Väterlein, Papa Franz, Bischof von Rom, Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und Souverän des Vatikanstaats oder Frau Kramp-Karrenbauer, „die laut der Tageszeitung „Die Welt“ mit ihren Äußerungen zur Homo-Ehe „in den Bannstrahl links-ökologischer Diskurspolizisten geraten ist“.
        So sehr ich mich für jedwede Form von Paranoia begeistern kann, Frau Wolf, in Sachen Ungarn hilft Ihnen der Leidensdruck Ihrer Paranoia auch nicht mehr! Das macht mich sehr traurig.

      • „Ez egy nyitott és barátságos ország!“
        Genau!
        Tanz den Pfau raus!
        Heuer im Februar hat es der radschlagende Ungváry (Rudolf) mit seinem schlechten Deutsch sogar bis ins Deutschlandradio Kultur geschafft: „Viktor Orbans „Pfauentanz“ zwischen EU und Russland hieß zum wiederholten Mal seine alte Nummer: „Orbáns Pfauentanz!
        So schlimm steht es um Orbáns radschlagende Ziervögel, dass sie es nicht mehr lassen können. Sie halten ihn für einen Pfau. Sie haben schon lange nicht mehr alle ganz beisammen. In Religion und Mythologie verkörpert der Pfau von jeher Schönheit, Reichtum, Liebe, Leidenschaft und Unsterblichkeit! Armer Orbán! Der Politiker lässt er sich von der Arroganz und Eitelkeit seiner radschlagenden Gegner umtanzen.
        Frau Wolf , Sie haben Recht: Ungarn ist ein freundliches, weltoffenes Land! Ein Land, das einen sehr toleranten Regierungschef hat.
        Ungarn? Thank you very much indeed! Kein schöner Land in dieser Zeit.
        Mrs. Wolf, let it go and tell your brain: Shut the fuck up!

  5. Einschreiten der EU:

    Die Europäische Union hat die von den USA verhängten Einreiseverbote für Ildikó Vida und weitere ungarische Politiker und Behördenvertreter als „völlig unbegründet und ungerechtfertigt“ kritisiert. Außer der Liste mit den Namen habe Washington „keinerlei andere Information über die rechtliche Grundlage, die Kriterien und den Prozess dieser Entscheidung“ übermittelt, erklärte der außenpolitische Dienst der EU. Die Maßnahme sei umso kritikwürdiger, als „jegliche weitere Klärung und Transparenz“ fehle.

    Der Originaltext Spiegel Online – SPON, 30.05.2015:
    http://www.spiegel.de/politik/ausland/einreiseverbote-fuer-russland-eu-kritisiert-schwarze-liste-a-1036380.html

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