Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik veröffentlicht Studie zur Presseberichterstattung über Ungarn 2010-2014

Eine Arbeitsgruppe der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. (DGAP), unter der Leitung von Klaus von Dohnanyi, Ágnes Gelencsér, Dániel Hegedüs und Gereon Schuch, haben die Presseberichterstattung über Ungarn, insbesondere auch deutschsprachigen Medien, gesammelt, um danach Experten (Rechtswissenschaftler, Politologen u.a.) um ihre Sichtweise zu bitten. Das Ziel: Herauszufinden, ob die Kritik in der konkret geäußerten, zum Teil heftigen Form der Realität entspricht.

Das Ergebnis kann aufmerksame Leser dieses Blogs kaum verwundern: Nach Meinung der Experten ist einiges der Kritik gerechtfertigt, vieles aber auch verkürzt, einseitig, verzerrend, überzogen und schlecht recherchiert dargestellt. Das Fazit im Wortlaut:

„In zahlreichen Treffen und unter Einbeziehung ungarischer wie deutscher externer Experten hat die Arbeits- gruppe die Entwicklungen in Ungarn und den diesbezüglichen Diskurs in den deutschen wie internationalen Medien intensiv diskutiert. Dabei wurden auch unterschiedliche Sichtweisen und Bewertungen deutlich.
Doch kommt die Arbeitsgruppe auf der Grundlage der Expertenbefragungen in der Gesamtsicht zu der Einschätzung, dass Ungarn auch heute ein freiheitlicher und demokratischer Rechtsstaat ist, in dem weder die Presse zensiert wird noch die Regierung Orbán den Antisemitismus fördert; gerade zu dessen Bekämpfung hat sie einige wichtige Schritte getan. Auch die institutionelle Unabhängigkeit der Gerichte ist gegeben.
Allerdings verführt die starke parteipolitische Stellung Orbáns zu einer oft parteipolitisch geprägten Personalpolitik, die den jeweiligen Institutionen nicht gut tun kann und welche auch zu einer Verarmung der für jede Demokratie notwendigen Vielfalt führen könnte.
Die zahlreichen Gespräche der Arbeitsgruppe haben deutlich gezeigt, dass einige der heute die Medien beherrschenden Vorwürfe gegen die Regierung Orbán zutreffen, viele aber übertrieben oder auch sachlich falsch sind. Kein Land, keine Regierung ist ohne Fehl. Dennoch kann kein Dialog der Völker in Europa fruchtbar sein, wenn dieser auf Vorurteilen und Vorverurteilungen gründet. Kritik sollte und muss geübt werden, sofern sie auf sachlichen und belegbaren Argumenten beruht. Doch muss dies für alle EU-Staaten gleichermaßen gelten, und die Kritik darf ohne schwerwiegende Gründe nicht als Verurteilung vorgebracht oder verstanden werden, sondern als Prozess der Weiterentwicklung europäischer Demokratie.“

Die DGAP-Arbeitsgruppe empfiehlt u.a., außer den in Deutschland bekannten deutschsprachigen Ungarn hinaus Experten zur Situation zu hören und besser zu recherchieren. 

Der vollständige Bericht: https://dgap.org/de/article/getFullPDF/26830 (deutsch)

Englische Version: https://dgap.org/de/article/getFullPDF/26856

Parallel zum Erscheinen des Berichts veröffentlicht die WELT ein Interview von Silke Mülherr mit Klaus von Dohnanyi:

http://www.welt.de/politik/ausland/article142320319/Viktor-Orban-liebt-die-Provokation.html

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10 Kommentare zu “Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik veröffentlicht Studie zur Presseberichterstattung über Ungarn 2010-2014

  1. „Alle Ungarn teilen eine Erfahrung: Sie mussten sich über Jahrhunderte gegen Türken, Habsburger, Deutsche und Sowjets wehren. Das ist auch eine Erklärung dafür, warum Ungarn auf Einmischungen von außen, zum Beispiel aus Brüssel, so empfindlich reagieren.“
    So ist das also, Frau Minusio-ouro.boros-kultur.krampf-Wolf. Die Ungarn sind ein Volk, ein Land, das sich seit tausend Jahren gegenüber Stärkeren behauptet hat. Von wegen Paranoia, wenn bei wechselnden atmosphärischen Einflüssen am Rumpf die Narben schmerzen. Wenn von Westen her ein Tiefausläufer nach dem anderen über Ungarn zieht, sind die Schmerzen nur Zeichen der ungarischen Wetterfühligkeit. Mir fällt da der Mihály ein, damals mein Nachbar, als wir im Sommer 1984 vor der brütenden Hitze in der Stadt auf den Ödhof in Szatymaz geflohen waren. Auf seinem Land stand inmitten der mit Früchten beladenen Pfirsichbäume ein überdachter Glockenstuhl. Und jedesmal, wenn am endlosen Himmel ein Unwetter aufzog, läutete er gegen den drohenden Hagel die Sturmglocke.

    Ja, alle Ungarn teilen die Erfahrung:

    Ez világ, mint egy kert;
    Kit kőeső elvert,
    Napról napra veszten vész,
    Vagy mint senyvedt zsindel,
    Kit ó házról széllyel
    Té-tova hány nagy szélvész,
    Ő mint romlandó ház,
    Elveszendő szállás,
    Jóktúl üresült rekesz.

    Mindenütt való hel
    Rakva sok veszéllyel,
    Nyugta nincs embereknek,
    Kit-kit bánat sebhít,
    Bút öröm nem enyhít,
    Vége nincs keservének,
    Árad sok veszéllyek,
    Sér mind szívek, fejek,
    S halál vége ezeknek.

    Felbomlott békesség,
    Ki miatt sok épség
    Álgyúk súllyával romol,
    Nagy, roppant seregek
    Egymással ütköznek,
    Hol sok ember s vér omol,
    Vitézül nyert szépség
    S karddal lelt nyereség
    Vitézek közt eloszol.

    Táborban hideg szél
    Az nap melegével
    Hol hidegít s hol hevít,
    Éhséggel szomjúság
    S nagy nyughatatlanság
    Mindentől kedvetlenít,
    Mégis az vitézség
    Az harcra buzdul s ég,
    Ha kit az tisztesség szít.

    Katonaszerszámban,
    Jó lovaknak hátán
    Vitéz iffjak forgódnak,
    Az jó hírért, névért
    És az tisztességért
    Jó kedvvel vagdalkoznak,
    Arra, ami nehéz,
    S az szép böcsület néz,
    Szívek szakadva futnak.

    Nem gondol halállal,
    Sebbel, fájdalommal,
    Mikor vív ellenséggel,
    Bátran vagdalkozik,
    Vitézül forgódik,
    Piros vérrel ugyan él,
    Ha mit kardjával nyér,
    S haza haszonnal tér,
    Iszik nagy szeretettel.

    Asztalnál vitézek
    Víg örömmel esznek,
    S nagy szeretettel laknak,
    Köszönt pohár mellett
    Sok jó szerencséket
    Ők egymásnak kívánnak,
    Jó kedvet mutatván
    S kedvesen lakozván
    Egymást ajándékozzák.

    Vérrel felkölt napra,
    Hadakozó óra
    Sokaknak vesztére tér,
    Akármelly jó hópénz,
    Kit az hadban felvéssz,
    Mind megérdemletted bér,
    Sőt az halálos zsold,
    Mint rosszul szántott hold,
    Ha sok is, keveset ér.

    Eloszlott sok rendek,
    Mindenféle népek
    Most más kardban állanak,
    Elváltozott idők,
    Háborgó esztendők
    Különbségeket hoznak,
    Kinek bút, kárt, gondot,
    Kinek viszont hasznot,
    Szerencsés napot adnak.

    Okosson kell azért
    Ez rossz időbe ért
    Állapatunkot élni,
    Szívünknek keservét,
    Kit nap ránk heven vét,
    Hogy le tudjuk metélni,
    Az az jó kormányos,
    Ki, ha az víz habos,
    Nem tudja tengert félni.

    Mint habzó tengerben,
    Mi is ez életben
    Evezőnket forgassuk,
    Kínnal mi lelkünket,
    Sok gonddal fejünket
    Igen ne nyomorgassuk,
    Isten sok jókot ád,
    Csak szelinknek zúgtát
    Csendesz szívvel hallgassuk.

    Danke Klaus von Dohnanyi

  2. Danke für den Bericht, HV.

    Das Dohnányi-IV war von Silke Mülherr, nicht von mir. Das Pestisrácok-IV mit mir enthält kaum einen Satz den ich so gesagt hätte, insbesondere habe ich nicht gesagt dass die Studie Ungarn in keinem Bereich kritisiert. Vielmehr sagte ich (wie HV oben korrekt anführt) dass die Studie manches an der Ungarn-Kritik durchaus berechtigt findet.

  3. Die Diskussion wird in eine sackgasse geleitet durch Beitraege, wie das lange Gedicht bei Peter Herche. Es ist sehr schwierig, in einer sachlichen Form die unsachliche, emotional geladene Kritik an Ungarn zu beantworten. Hier würde sich lohnen für die politisch und national interessierte, im positiven Sinne europaeische Intelligenz eine langfristig konstruktive „tatsachenbasierte“ (ich leihe den Begriff aus der psychiatrischen Forschung, in der immer mehr eine „evidence-based“ position sich durchsetzt, gegenüber den fantasien der Hirnforscher und andere Ideologen) Diskussion auf die Beine zu bringen, in der Probleme offen, aber sachlich angesprochen werden können und dürfen.
    Lieber Boris Kalnoky, ich schaetze Ihre Arbeit sehr, und sehe, wie sehr Sie sich bemühen müssen, um auf ideologische empfindlichkeiten Rücksicht zu nehmen.
    Ich würde in erster Linie auf die Menschenrechte (auch auf das recht auf entwicklung) Rücksicht nehmen.
    Gute gedanken und gute Intuition wünsche ich zur versuchten Lösung der lange aktuellen Probleme
    Dipl Psych Bela Preszly

  4. Vom Österreichishen Presserat wurde der Umgang mit dem Foto von einer syrischen Familie in den Gleisen am Bahnhof von Bicske kritisiert.

    http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-09/ungarn-gefluechtete/bitblt-820×461-a3e51d71c8dda868e84c15b7e77b675bec3f935b/wide

    „Der Senat vertritt die Ansicht, dass den Lesern durch die Bilder ein falsches Bild der Situation vermittelt wurde und zu Unrecht der Eindruck entstand, dass es sich hier um einen Fall von Polizeigewalt handelt.
    Werden – wie hier – Bilder aus dem Kontext gerissen, besteht die Gefahr, dass die Leser eine fundamental falsche Vorstellung von der Sachlage bekommen. Stellt sich im Nachhinein heraus, dass sich ein Geschehen anders zugetragen hat, als ursprünglich berichtet, oder sind Bilder in einem falschen Kontext veröffentlicht worden, ist es nach Ansicht des Senats wichtig, dass dies im Zuge eines Folgeberichts klargestellt wird.“

    http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20151120_OTS0027/presserat-fluechtlingsbilder-im-richtigen-kontext-veroeffentlichen

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