Anmerkung von Boris Kálnoky zur Vorstellung des DGAP-Berichts

Liebe HV-Leser,

Ich schreibe diese Zeilen in Siebenbürgen, kurz vor der Preisverleihung meines jährlichen Begabten-Wettbewerbs für Szekler Schüler.

Ich möchte kurz ein paar Beobachtungen festhalten zur Vorstellung des DGAP-Berichts über die deutsche Ungarn-Berichterstattung. Ich hatte dort die Ehre und das Vergnügen, Mit Herrn von Dohnányi über das Thema zu diskutieren. In Ungarn hat die Studie übrigens eine fast zu feurige Reaktion der Medien ausgelöst, in Deutschland so gut wie gar keine, abgesehen vom IV dass nicht ich sondern Kollegin Silke Mülherr mit Herrn v. Dohnányi führte. Das es in Deutschland keine Reaktion gab liegt sicher auch daran dass die DGAP ganz bewusst den Text der Studie wirklich nur zwei Menschen vorab zukommen ließ: Frau Mülherr und mir. Entsprechend waren so weit ich sehen konnte keine deutschen Journalisten bei der Vorstellung zugegen.

Herr von Dohnányi äußerte einige wichtige Gedanken in dieser Diskussion, vor allem macht er sich Sorgen über die Art und Weise, wie die moderne Medientechnologie zum Brandbeschleuniger für unbegründete Vorverurteilungen und Rufmord in der Öffentlichkeit wird. Er erwähnte die Causa des ehemaligen Bundespräsidenten Wulff, der in der von den elektronischen Medien beschleunigten öffentlichen Meinung hingerichtet wurde und zurücktreten musste, vor dem ordentlichen Gericht aber freigesprochen wurde.

Ähnlich funktioniert das mit der Ungarn-Berichterstattung und wird verstärkt durch, wie Herr von Dohnányi meinte, einen bedauernswerten Konformitätsdruck im Denken der Deutschen. Ein Konformitätszwang der, so fürchtet er, auch in den Köpfen deutscher Journalisten vorherrscht. Ich pflichte dieser Beobachtung bei. 

Und drittens beklagte er, dass weder die Medien noch die Deutschen andere Länder – vor allem ihre Andersartigkeit! – kennen zu lernen und zu verstehen versuchen, also zu akzeptieren. Es interessiert nur, ob sie auch konform genug sind.

Bei der DGAP hoffte man, eine Diskussion auszulösen und fürchtete zugleich, instrumentalisiert zu werden. Bisher ist nur letzteres eingetreten – bei den konservativen ungarischen Medien. Hoffen wir, dass die Diskussion über die eigentliche Sache, und zwar in Deutschland, irgendwann auch noch kommt.

Boris Kálnoky