Ákos vs. Magyar Telekom: Opium fürs Volk

Die politische Debatte im vorweihnachtlichen Ungarn ist seit einigen Tagen um ein Thema reicher: Dem Streit zwischen der Regierung und der Magyar Telekom rund um die Äußerung des beliebten ungarischen Sängers Ákos Kovács zur Rolle der Frau.

Zur Chronologie: Kürzlich vertrat der ungarische Parlamentspräsident László Kövér auf dem Fidesz-Parteitag die Auffassung, Frauen sollten es als „höchste Form der Selbstverwirklichung“ betrachten, Kinder zu bekommen. Die „Genderverrückten“ lehne er ab.

http://444.hu/2015/12/13/kover-nem-akarunk-genderoruletet

Die Äußerung löste erhebliche Kritik und Spott in Teilen der Gesellschaft und Medien aus. Wobei Kövérs Ansichten heute wohl kaum jemanden überraschen dürften.

Wo ein erster Akt, da auch ein zweiter: Am 13.12.2015 sendete der rechtskonservative Privatsender EchoTV, in dessen Sendungen bisweilen auch offen antiziganistische und antisemitische Äußerungen fallen, ein Interview mit Ákos. 

http://www.echotv.hu/video/109378/20151213_ArcKep

Hierbei wurde auf Kövérs Äußerungen Bezug genommen und der Sänger um seine Meinung hierzu gebeten. Ákos vertrat die Ansicht, es sei „nicht die Aufgabe der Frauen, genau so viel Geld zu verdienen wie die Männer“. Auf die Rückfrage des Interviewers, was denn die Aufgabe der Frau sei, Ákos weiter: „Nun, das weibliche Prinzip zu erfüllen, oder? Zu jemandem zu gehören, jemandem ein Kind zu gebären. Mutter zu sein.“

Im Original: 

„Ákos: A nőknek nem az a dolguk, hogy ugyanannyi pénzt keressenek, mint a férfiak – én így érzem.

Riporter: Nem az a dolguk? Mi a dolguk a nőknek?

Á: Hát, mondjuk a női princípiumot beteljesíteni, nem? Hogy mondjuk, valakihez tartozni. Valakinek gyereket szülni. Anyának lenni.

Auch diese Äußerungen – die Frau als Anhängsel des Mannes, die ihm ein Kind gebärt… – riefen die zu erwartende Empörung in Teilen der Öffentlichkeit hervor. Dies veranlasste den Hauptsponsor des Sängers, das Telekommunikationsunternehmen Magyar Telekom, Tochter der Deutschen Telekom, dazu, sämtliche Verträge mit dem als fidesznah geltenden Ákos wegen dessen Ansichten, die mit den Leitlinien und dem Rollenverständnis des Unternehmens nicht in Einklang stünden, zu beenden. 
Bis zu diesem Punkt könnte man meinen, es handle sich um bloße Belege für das überkommene Weltbild zweier Prominenter und einen privaten Vorgang, der das Verhältnis zweier Vertragspartner betrifft. 

Wäre da nicht die ungarische Regierung. Diese empörte sich postwendend über den Eingriff der Telekom in die Meinungsfreiheit, warf dem Unternehmen gar vor, Ákos zu „diskriminieren“ und „auszugrenzen“, und forderte öffentliche Stellen (Ministerien, Kommunen usw.) auf, ihre Verträge mit der Magyar Telekom zu beenden. Fidesz-Politiker Bence Rétvári wurde die zweifelhafte Ehre zu Teil, diese nur noch als Blödsinn zu bezeichnende Auffassung im oppositionsnahen Fernsehsender ATV bei der zu Höchstform auflaufenden Olga Kálmán zu rechtfertigen. Das Produkt kann man – hier ist ausschließlich Rétvári gemeint – nur noch als Politkabarett bezeichnen…

http://www.atv.hu/videok/video-20151218-retvari-a-szerzodesbontasrol-akostol-fuggetlen-a-kormanyzati-lepes

Ganz gleich, welches Weltbild man zu Karrierefrauen, dem hohen Ziel der Selbstverwirklichung, der lächerlich niedrigen Frauenquote im ungarischen Parlament und dem Fehlen von Frauen in der Orbán-Regierung vertreten mag. Ganz egal, was man von gender mainstreaming halten möge, ob man einen Zusammenhang zwischen immer älteren Müttern und dem Rückgang der ungarischen Bevölkerung erkennt oder diesen negiert. Ob man denkt, Frauen sollten sich, wenn sie die Möglichkeit haben, die Erziehung ihrer Kinder in den Vordergrund stellen. Ob man das Rollenverständnis von Schlagersängern nun für prägend oder bedeutungslos halten mag: Es ist, ohne wenn und aber, das gute Recht eines jeden Unternehmens, Verträge mit jenen Werbeträgern zu beenden, weil deren Weltbild nicht mit dem des Unternehmens in Einklang steht. Der Werbeträger steht in gewisser Weise für das Unternehmen, und man darf frei entscheiden, wen man für sich sprechen lassen will. Die Vertragsbeendigung geht, wie Olga Kálmán mehrfach betonte, die Regierung also rein gar nichts an. Si tacuisses,…

Es hat bestenfalls Unterhaltungswert, wenn ein Träger öffentlicher Gewalt einem den Grundrechten gar nicht unmittelbar unterworfenen Rechtsträger vorwirft, die Meinungsfreiheit zu verletzen…und im selben Moment die Meinungs- und Entscheidungsfreiheit der Verantwortlichen bei der Magyar Telekom in Abrede stellt. Für einen Staat gelten – das lernt man im Grundstudium – eben andere Maßstäbe bei der Grundrechtsbindung als für Privatakteure.

Die Telekom wird es überleben. Ungarn hingegen hat Investoren hingegen abermals verstört. 

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4 Kommentare zu “Ákos vs. Magyar Telekom: Opium fürs Volk

  1. Der Weg zur echten Demokratie ist eben ein steiniger, langer und manchmal auch amüsanter.
    Den Zustand der reifen und gefestigten Demokratie haben aber auch westliche EU-Staaten nie erreicht, denn jeder definiert Demokratie etwas anders. Die Orbán-Regierung hat mal wieder überreagiert. In der Sache aber kann sie sich sicher sein. Alle Gesellschaften außer Frankreich haben ein riesiges Problem, welches 100% – Ergebnis der modernen, west-europäischen Lebensweise ist. Liberal geht heute vor sozial.
    Und sozial ist keine natürliche Gesellschaft, die aus Greisen und Migranten besteht. Erfolgreich schon gar nicht.

    • „Und sozial ist keine natürliche Gesellschaft, die aus Greisen und Migranten besteht. Erfolgreich schon gar nicht.“

      Auchgewacht! Jetzt sollten sie nur anfangen nachzudenken 😉

  2. Armer Ákos, das hat er nun davon. Ich sag ja immer schon, Bildung ist Gift für das Volk.
    Kein Ungar mit mittlerer Volksbildung würde heutzutage versuchen, die Lebenswirklichkeit, dass Kloputzen in den meisten Familien Frauensache ist, mit dem „weiblichen Prinzip“ zu erklären versuchen wenn ihn seine Lehrerin, mondjuk Kati néni, in der Mittelschule seit gut 150 Jahren nicht mit der „Tragödie des Menschen“ traktiert hätte. Bis zur Reifeprüfung.

    Eine Kostprobe gefällig?

    Tessék!

    Szerb Antal: Ádám és Éva nagy harca a történelmen keresztül a szellem és az élet örök ellentéte. A nietzschei kifejezéssel élve, Ádám az apollói, Éva a dionüszoszi princípium. Ádám a világos, építő öntudat, amely magas célokra tör, és ha célját nem tudja elérni, összeomlik. Éva a homályos, ősi ösztön, a természet szava az emberben, amely semmi mást nem akar, mint élni, és dacol a szellem minden erejével. Logika szerint, szellem szerint, Apolló szerint nincsen megoldás, csak a megsemmisülésben – de az ösztön szerint, a lélek szerint, Dionüszösz szerint “az élet él és élni akar”. Éva győzelme végülis Isten akaratát teljesíti be, csírát ad az új életnek, ezáltal meghiúsítja Ádám öngyilkossági szándékát. Nem Éva maga a szintézis, hiszen ő kívüláll az eszmék harcán, nem olyan öntudatosan gondolkodó, mint Ádám, Lucifer, vagy akár Isten, de éppen ezért Isten kegyeltje. Bűnei nem a saját bűnei, hanem a kor bűnei, s hogy ő a nő misztikumánál fogva fölötte áll az eszmék harcának, az már a londoni színben megmutatkozik, ahol átlépi a haláltánc–szakadékot. A szintézis végülis az Isten, aki csak a mű végén jelenik meg ismét, s kimondja a végső konklúziót. “Mondottam ember, küzdj és bízva bízzál!”

    Quelle: http://erettsegisegedlet.blogspot.de/2009/04/madach-imre-az-ember-tragediaja.html

    Armer Ákos!

    Wem in unserem, von Siegmar Roths und Claudia Gaucks quasireligiöser Mutterliebe für barfüßige Kinder aus dem Morgenland dominierten Einwanderungsland Deutschland, käme heutzutage in einer Diskussion über die Vereinbarkeit von Beruf und gleichgeschlechtlicher Frau noch die Gretchentragödie in den Sinn?

    Während weltweit schon 60 Millionen Flüchtlinge darauf warten, von Anne Will mit Kopftuch dazu eingeladen zu werden, das Deutschsein von Zafer Şenocak für den Sauerkrautmichel, der vom Humanistischen Verband Deutschlands gerade zum Ben, Luis oder Paul geweiht wird, neu zu definieren, schmoren die Ungarn schon längst im Kessel ihrer Unzulänglichkeit, wie die hairy Teufelchen in Dantes Komödie, die der Deutschlandfunk ohne trendy Intimfrisur, nur als göttliches Feature aufgepeppt, in unsere von Merkels Rhetorik alternativlos verstrahlten Seelen sendet.

    Go feminin Ungarn.

    http://www.gofeminin.de/leidenschaft/intimfrisuren-d40353.html

    Verzichte auf Madáchs Frauenbild und deinen szaloncukor, oh Madjar. Schablonen von Bikinelle als Baumschnuck sind in Deutschland zum Preis von je circa 15 Euro zu haben und können zum Beispiel über das Internet bestellt werden.
    Putz deine Nordmanntanne mit Europas Schablonen, noch ehe Faymann Abdallah seine Sanktionen über dein Land verhängt.

    Tessék?

    Frag die Oma nach der klitoralen Wahrheit! Wie sie die Vulva gegen Opa einsetzt? Und warum es bei Joachim Gauck immer daneben geht, selbst wenn er die Brille aufhat.

    http://www.emma.de/artikel/sexualitaet-die-vulva-attacke-264030

  3. Auszug aus ein Orban inerviev!

    – Nem gondolja, hogy az a kormányzati lépés, hogy Ákos miatt felmondtak egyes szerződéseket a Telekommal, indokolatlan és gyerekes reakció volt?
    – Megfontoltam, hogy mi a helyes reakció, és gondolkodtam azon is, hogy amit végül tettünk, nem tűnik-e majd eltúlzottnak. De engem nem az bosszantott, hogy egy Ákos nevű énekest megtámadtak, mert van, aki kedveli a személyét vagy a zenéjét, és van, aki nem. Ez magánügy. Hanem az, hogy velünk, magyarokkal megtörténhet-e, hogy itt, a mi országunkban a véleményünkért megbüntet minket egy gazdag és erős valaki, aki külföldi, nem itt él, itt csak működteti a vállalkozását. Ha úgy gondoljuk, hogy ez nem történhet meg, márpedig a kormány így gondolta, akkor azt világosan és határozottan jeleznünk kellett.

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