Fidesz stoppt Anti-Soros-Kampagne

Die ungarische Regierung hat – offenbar als Reaktion auf den überraschenden Verlust der Nachwahl des Bürgermeisters von Hódmezövásárhely – ihre seit Monaten laufende Kampagne gegen den ungarischstämmigen Investor George Soros gestoppt. Soros wird vorgehalten, über die von ihm unterstützten NGOs Ungarn mit Flüchtlingen überfluten zu wollen.

Die Wahl in Hódmezövásárhely am vergangenen Sonntag galt als Testwahl zu den im April stattfindenden Parlamentswahlen. Der überraschende Ausgang – der von der Opposition unterstütze Kandidat gewann deutlich – hat innerhalb der Regierungspartei zu einer Debatte über die Wirksamkeit der Kampagne gegen Soros, in die sich seit Jahren auch immer wieder antisemitische Töne mischten, geführt.

http://www.handelsblatt.com/politik/international/ungarn-praesident-orban-stoppt-hetzkampagne-gegen-us-milliardaer-/21012340.html

Dämpfer für Fidesz: Regierungspartei verliert OB-Amt in Hochburg Hódmezövásárhely

Bei der heutigen Nachwahl des Bürgermeisters in der als Fidesz-Hochburg geltenden Stadt Hódmezövásárhely hat die Opposition einen klaren Sieg errungen. Der Fidesz-Kandidat Zoltán Hegedüs kam auf gut 41 Prozent der Stimmen, während der unabhängige, von der Linksopposition und der rechtsradikalen Jobbik unterstützten Péter Márki-Zay 57 Prozent erringen konnte. Dies trotz einer in den letzten Tagen bis ins Geschmacklose abgeglittenen Gegenkampagne der Regierungspartei. Die Nachwahl wurde nötig, weil der bisherige Amtsinhaber verstorben war. 2014 konnte Fidesz bei der Bürgermeisterwahl noch über 61 Prozent der Stimmen erringen.

Die Amtszeit Márki-Zays dauert voererst bis zur nächsten regulären Wahl im Jahr 2019. Ob der Neugewählte gegen die Fidesz-Mehrheit im Stadtrat viel ausrichten kann, bleibt abzuwarten.

Knapp zwei Monate vor der Parlamentswahl zeigt sich dennoch Licht am Ende des Tunnels für die Opposition. Dass gerade die Nachwahl in der Heimatstadt von János Lázár, ehrgeiziger Kanzleramtsminister von Premier Viktor Orbán und Dauer-Nachfolgekandidat, verloren geht, hatten wohl wenige Parteifunktionäre erwartet. Lázár hatte das Bürgermeisteramt selbst über viele Jahre bekleidet. Möglicherweise ist das Oppositionsbündnis der linken Kräfte (die Einbindung der rechtsradikalen Jobbik ist noch offen) nun doch in der Lage, unzufriedene Wähler in großer Zahl zu motivieren. Eine hohe Wahlbeteiligung – so wie heute in Hódmezövásárhely – beinhaltet Gefahren für Fidesz: Denn so könnte das Gewicht der eigenen, stets gut mobilisierten Wählerschaft verwässern.

Zur Unzeit für Fidesz kommt ein von der EU-Antibetrugbehörde OLAF präsentiertes Ermittlungsergebnis. Die Behörde hat die EU-Kommission aufgefordert, Ungarn zur Rückzahlung von rund 40 Mio. EUR Subventionen aufzufordern. OLAF sieht erhebliche Verstöße gegen Vergabekriterien. Die Stellungnahme ist deshalb pikant, weil Viktor Orbáns Schwiegersohn, Istán Tiborcz, über seine Ex-Firma Elios an den Verstößen beteiligt gewesen sein soll. Die Vergabe von Aufträgen betraf auch Hódmezövásárhely. An Elios beteiligt war auch der ehemalige Fidesz-Finanzier und heutige Orbán-Erzfeind Lajos Simicska, der zwischenzeitlich die rechtsradikale Oppositionspartei Jobbik unterstützt. Sein Baukonzern Közgép war in früheren Jahren Dauerprofiteur öffentlicher Ausschreibungen, seit dem Bruch mit Orbán ist ein kometenhafter Aufstieg eines anderen Akteurs zu beobachten: Lörinc Mészáros, der Bürgermeister von Orbáns Heimatstadt Felcsút, wurde durch vorwiegend öffentliche Aufträge in wenigen Jahren vom Inhaber einer Installationsfirma zum Forint-Multimilliardär. Er besitzt, nach dem Vorbild Simicskas, Bauunternehmen, Hotels, Zeitungen, den rechtslastigen Fernsehsender EchoTV und weitere Unternehmen. 

https://www.nzz.ch/international/der-fidesz-verliert-nachwahl-klar-ld.1360507

https://www.welt.de/politik/ausland/article173937726/Ungarn-Stolpert-Viktor-Orban-ueber-eine-Korruptionsaffaere.html

https://index.hu/belfold/2018/02/25/a_baloldal-jobbik_osszefogas_kiutotte_a_fideszt_hodmezovasarhelyi_valasztas_tanulasgai/

„Weihnachts“geschenk für Fidesz: Gergely Karácsony wird gemeinsamer Kandidat von MSZP und DK

Die ungarische Linksopposition hat der regierenden Fidesz-Partei von Premier Viktor Orbán am heutigen Tage ein politisches Weihnachtsgeschenk – in Bezug auf die Parlamentswahl im Frühjahr 2018 – beschert: Gergely Karácsony, Ehemaliger LMP-Abgeordneter und Co-Chef der LMP-Abspaltung „Párbeszéd Magyarországért“ (Dialog für Ungarn), wird gemeinsamer Kandidat der Solzialisten (MSZP) und der Demokratischen Koalition (DK) für das Amt des Premiers.

MSZP und die von Ex-Premier Ferenc Gyurcsány geführte DK wollen sich zudem für alle 106 Direktwahlkreise auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen. Die Listen bleiben aber getrennt. Interessant: Nach einem Bericht des Nachrichtenportals 444.hu wird Karácsony weder als Direktkandidat antreten, noch scheint „seine“ Partei an der Wahl teilnehmen zu wollen. Ob dies allerdings so bleiben wird, ist fraglich.

Die aktuelle Entwicklung zeigt die seit Jahren katastrophale Personalsituation der Linken: Gyurcsány ist, bis auf seine wenigen Förderer und (meist jenseits des 70. Lebensjahres befindlichen) Bewunderer kein tragbarer Kandidat, weil er Stimmen des Mitte-Rechts-Lagers nicht vereinnahmen kann. Die Sozialisten hingegen haben ihren ursprünglichen Hoffnungsträger László Botka, den für MSZP-Maßstäbe sehr beliebten Bürgermeister von Szeged, durch dessen Verzicht auf die Spitzenkandidatur verloren. Also alles wieder zurück auf Los.

Nun scheint Karácsony, der in aktuellen Umfragen immerhin als beliebtester Politiker Ungarns gilt, die „letzte Hoffnung“ zu sein, um eine neuerliche 2/3-Mehrheit des Rechtsbündnisses aus Fidesz und Christdemokraten (KDNP) zu verhindern. Die Chancen stehen allerdings denkbar schlecht: Fidesz steht nach einer aktuellen Republikon-Umfrage in der Wählergunst besser denn je (57%), die Opposition siecht dahin. Weder programmatisch noch personell gibt es mehrheitsfähige Angebote. Nur die mit ihrem Zugang zur schreibenden Zunft gesegneten Orbán-Kritiker im In-und Ausland schreien wie eh und je und werden versuchen, das Ruder herum zu reissen: Im Ergebnis wohl so erfolgreich wie 2010 und 2014…

Die von der Holocaust-Überlebenden Ágnes Heller als potenzieller Kooperationspartner der Linken ins Spiel gebrachte rechtsradikale Jobbik und ihr Vorsitzender Gábor Vona stehen ihrerseits wegen angeblich illegaler Parteienfinanzierung unter Druck und scheiden wohl als Zünglein an der Waage aus; Jobbik dürfte dem Kandidaten Karácsony zudem die Gefolgschaft verweigern. Alles sieht somit – jedenfalls derzeit – danach aus, als ginge es der Opposition zum dritten Mal in Folge wieder nur darum, den bevorstehenden Wahlverlust zu verwalten, den Schaden zu begrenzen. Nichts eignet sich besser als Indiz hierfür als der Umstand, dass Gyurcsány offenbar nicht Spitzenkandidat werden will. Der Politiker, der fernab des Verdachtes steht, auch nur leiseste Selbstzweifel zu hegen, und sich seit je her als einziger aussichtsreicher Herausforderer Orbáns sieht, weigert sich wohl nur, das Ruder der bereits auf den Eisberg zurauschenden Titanic zu übernehmen. Er übernimmt nur den (sicheren) Listenplatz 1.

Ungewohnte Milde: Keno Verseck bezeichnet Jobbik als „ehemals“ rechtsradikale Partei

In einem Spiegel-Beitrag befasst sich Keno Verseck mit dem Vorschlag der ungarischen Philospohin Ágnes Heller, bei der Wahl im kommenden Jahr solle die Linksopposition erwägen, mit der rechtsradikalen Partei Jobbik zu paktieren.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-wahlkampf-teufelspakt-gegen-viktor-orban-a-1182352.html

Es gehe – so Heller – um die Ablösung des Fidesz, und da scheint jedes Mittel Recht. Verseck scheint sich dem jedenfalls nicht kategorisch zu verschließen, bezeichnet er deoch Jobbik als „ehemals rechtsradikale“ Partei. Ganz so, als ob das jahrelange verbale Weichspülen aus ehemaligen offenen Nazis Demokraten oder jedenfalls tolerable Kooperationspartner gemacht hätte. Wir erinnern uns lebhaft an Aussagen des Jobbik-Abgeordneten Márton Gyöngyösi im Parlament, in denen er forderte, Listen über die im Parlament und in der Regierung tätigen Juden aufzustellen – nur um ein Beispiel zu nennen. Sei es drum: Wenn Orbán abgewählt werden muss, sind auch solche Spielkameraden Recht, nicht wahr?

Der Philosoph Gáspár Miklós Tamás hat berechtigte Bedenken angemeldet. „Um jeden Preis“ gehe nicht.

Noch deutlicher wird der Rabbiner Slomó Köves, was Jobbik betrifft: Köves bezeichnete Grüße von Seiten Jobbiks zum jüdischen Chanukka-Fest als zynisch, weil die Partei jahrelang antisemitische Äußerungen in ihren Rehen geduldet und kein Politiker solche Äußerungen jemals zurückgenommen habe.

Jobbik-Chef Gábor Vona wendet sich per offenem Brief an Viktor Orbán

Nachdem der Ungarische Rechnungshof gegen die rechtsradikale Oppositionspartei eine Geldbuße von 660.000.000 Forint (ca. 2 Mio. Euro) wegen des Vorwurfs unzulässiger Parteienfinanzierung verhängt und die Partei der Gefahr des Bankrotts ausgesetzt hat, hat sich Parteichef Gábor Vona in einem offenen Brief an den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán gewandt.

Der – bislang bei Fragen der Parteienfinanzierung durchwegs zahnlose – Rechnungshof wirft Jobbik vor, in unzulässiger Weise zu vergünstigten Konditionen Plakatwerbung geschaltet zu haben. 

Der Brief im Wortlaut:

Tisztelt Miniszterelnök úr!

Ez a levelem most nem kérés. Felszólítás. Állítsa le a Számvevőszéket! Kösse meg a kutyáit! Rövid leszek, hiszen mindketten tudjuk, mi zajlik itt éppen. Sőt, az emberek is tisztán látják, ahogy a világsajtó is. Négy hónappal a választások előtt Ön az utolsó állva maradt bástyát akarja lerombolni, a legerősebb ellenzéki pártot akarja eltakarítani, hogy a demokráciát leépítve elkezdődhessen a diktatúra. Ide jutott. Nem tud már sportszerűen küzdeni, és nincs már Önben méltóság. Lánglelkű fiatal demokratából egy kiégett, korrupt zsarnokká lett. Tagadni sincs értelme, hogy az ÁSZ ezer sebből vérző, törvénytelen intézkedése az Ön akarata. Egy ilyen példátlanul aljas támadás csak az Ön engedélyével valósulhat meg a mai Magyarországon. De itt most túllépett egy határt. Így jár, akinek már se önkontrollja, se kritikus munkatársai nincsenek. Elveszíti a talajt. Elszabadul. Ön is elszabadult. Üljön le pár percre, gondolja át, mit is tett, aztán sürgősen vonassa vissza az ÁSZ törvénytelen eljárását! Higgye el, jobban jár! Kiismertem Önt, tudom, hogy nem szeret visszavonulni, de most nem maradt más lehetősége. Pénteken a demonstráción látni fogja, hogy a magyaroknak fontos a szabadság. Ön sem veheti el tőlünk. És tudom, hogy most mire gondol. De ne tegye! Ne küldjön provokátorokat a tüntetésünkre! Mindenki békés szándékkal és egy jó cél érdekében lesz ott. Pártok, civilek egyaránt. A jogállam, a szabadság és a demokrácia mellett. Ha bármi történne, mindenki tudja majd, hogy Ön volt a megrendelő. Ne rontson a helyzetén. Kellemetlen lesz visszavonulni, de ezt a csatát elveszítette, lássa be. Állítsa le a Számvevőszéket! Kösse meg a kutyáit!“
Und hier der Versuch einer möglichst sinngemäßen Übersetzung:

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident!

Dieser Brief ist keine Bitte. Er ist eine Aufforderung. Stoppen Sie den Rechnungshof! Nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine! Ich fasse mich kurz, weil wir alle sehr gut wissen, was sich hier gerade abspielt. Auch die Menschen sehen es, ebenso wie die weltweite Presse. Vier Monate vor der Wahl möchten Sie die letzte verbliebene Bastion einnehmen, die stärkste Oppositionspartei vernichten, auf dass die Diktatur ihren Lauf nehme. Das ist aus Ihnen geworden. Sie sind keines fairen sportlichen Wettkampfes mehr fähig, und Sie haben jede Würde verloren. Aus einem flammenden Demokraten wurden Sie zu einem ausgebrannten, korrupten Unterdrücker. Es ist sinnlos zu leugnen, dass die aus tausend Wunden blutende, gesetzwidrige Maßnahme Ihr Wille ist. Ein derart beispielloser, niederträchtiger Angriff kann im heutigen Ungarn nicht ohne Ihre Erlaubnis stattfinden. Nun haben Sie jedoch eine Grenze überschritten. Wie einer, der weder über Selbstkontrolle noch über der Kritik fähige Mitarbeiter verfügt. Sie verlieren die Bodenhaftung. Sind entfesselt. Setzen Sie sich ein paar Minuten hin, denken Sie darüber nach, was Sie taten, und dann sorgen Sie dafür, dass das rechtswidrige Vorgehen des Rechnungshofes gestoppt wird! Glauben Sie mir, das wäre das Beste für Sie! Ich kenne Sie zwar und weiß, dass Sie nicht gerne den Rückzug antreten, aber jetzt bleibt Ihnen keine andere Chance. Auf der Demonstration am Freitag werden Sie sehen, dass den Ungarn ihre Freiheit am Herzen liegt. Auch Sie werden sie ihnen nicht wegnehmen. Und ich weiß, woran Sie jetzt denken. Tun Sie es nicht!  Schicken Sie keine Provokateure auf unsere Demo! Jeder Anwesende wird freidvoll und zu einem guten Zweck dort sein. Parteien und Zivilorganisationen.  Um des Rechtsstaates, der Freiheit und der Demokratie Willen. Was immer passieren wird, jedem wird klar sein, dass Sie dahinterstecken. Verschlechtern Sie Ihre Situation nicht. Der Rückzug wird unangenehm sein, aber diesen Kampf haben Sie verloren, sehen Sie es ein. Stoppen Sie den Rechnungshof! Nehmen Sie Ihre Hunde an die Leine!“

Zum Hintergrund:

http://index.hu/belfold/2017/12/06/331_millios_tiltott_partfinanszirozassal_vadolja_a_jobbikot_a_szamvevoszek/

http://index.hu/belfold/2017/12/08/asz_jobbik_tiltott_allami_tamogatas_transparency_fidesz/

https://merce.hu/2017/12/12/lehet-e-egyutt-tuntetni-a-demokraciaert-egy-korrupt-fasiszta-parttal/

Ágnes Heller plädiert für Kooperation der Linken mit Jobbik

Die ungarische Philosophin und Holocaust-Überlebende Ágnes Heller plädiert für die Parlamentswahlen 2018 für eine Kooperation der ungarischen Linksparteien mit der rechtsradikalen Jobbik. Sollten die Oppositionsparteien zu keiner Zusammenarbeit kommen, würde Fidesz die Wahl gewinnen: Dies wäre – so Heller – „eine Tragödie“. Es komme in der jetzigen Situation nur darauf an, Fidesz abzulösen.

Die Bemerkung ist insoweit überraschend, als Heller und andere ungarische Intellektuelle seit vielen Jahren der Regierungspartei vorwerfen, Jobbik und damit die Rechtsradikalen salonfähig gemacht zu haben. Es war, auch schon vor 2010, „das“ Argument gegen Fidesz, der man fortlaufend den Flirt mit Nazigedankengut nachsagte. Dass nun gerade Heller, die vor allem im Ausland als moralische Instanz gegen Fidesz gern zitiert wird, die Kooperation mit jenen Rechtsradikalen ins Spiel bringt, zeigt vielerlei: Zum einen das Ausmaß der Verzweiflung in der ungarischen Linksopposition, zum anderen aber auch, dass Heller bei der Bewertung möglicher Kooperationen offenbar sehr großzügig ist, solange sie nur dem Zweck dienen, die zweifellos übermächtige Fidesz-Regierung zu bekämpfen. 

Derweil wird die seit Jahren in einer Art verbalem Feinwaschgang befindliche Jobbik – wohl primär aus politischen Motiven heraus – behördlich unter Druck gesetzt. Gegen die Partei wurde jüngst ein Bußgeld in EUR-Millionenhöhe verhängt, weil sie zu vergünstigten Bedingungen auf Plakatwänden des ehemaligen Fidesz-Sponsors Lajos Simicska geworben haben soll. Simicska, der sich mit Fidesz überworfen hat, bekennt sich offen als Unterstützer von Jobbik und dessen Vorsitzenden Gábor Vona, seine Medien (Tv-Sender, Radio, Zeitungen) berichten seit Jahren wohlwollend über die Partei. Dass Fidesz über viele Jahre dieselben Vorzüge genießen durfte, spielt augenscheinlich keine Rolle.

https://24.hu/kozelet/2017/11/29/heller-agnes-orbannal-most-a-jobbik-is-jobb/

https://www.nzz.ch/international/harter-schlag-gegen-jobbik-in-ungarn-ld.1338437

EU-Kommission: Klage gegen Ungarn, Tschechien und Polen vor dem EuGH wegen Flüchtlingsquote

Aus der heutigen Pressemitteilung der EU-Kommission:

„Die Europäische Kommission hat heute beschlossen, gegen die Tschechische Republik, Ungarn und Polen Klage am Gerichtshof der Union einzulegen, weil diese Länder ihren rechtlichen Verpflichtungen im Bereich der Umverteilung nicht nachkommen.

Am 15. Juni 2017 hatte die Kommission Vertragsverletzungsverfahren gegen die Tschechische Republik, Ungarn und Polen eingeleitet. Da die Antworten der drei Mitgliedstaaten nach Ansicht der Kommission nicht zufriedenstellend ausfielen, leitete die Kommission daraufhin die nächste Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens ein und übermittelte am 26. Juli 2017 mit Gründen versehene Stellungnahmen.

Obwohl der Gerichtshof der Europäischen Union in seinem Urteil vom 6. September die Gültigkeit der Umverteilungsregelung bestätigt hat, verstoßen die Tschechische Republik, Ungarn und Polen weiterhin gegen ihre rechtlichen Verpflichtungen. Ihre Antworten auf die Stellungnahmen wurden erneut als nicht zufriedenstellend befunden, und es gibt keine Hinweise darauf, dass die drei Länder ihren Beitrag zur Durchführung des Umverteilungsbeschlusses leisten werden. Aus diesem Grund hat die Kommission beschlossen, die nächste Stufe des Vertragsverletzungsverfahrens einleiten und die drei Mitgliedstaaten vor dem Gerichtshof der EU zu verklagen.

Nach den Ratsbeschlüssen sind die Mitgliedstaaten verpflichtet, alle drei Monate verfügbare Plätze zuzusagen, um eine zügige und geordnete Umverteilung zu gewährleisten. Während alle anderen Mitgliedstaaten in den vergangenen Monaten Umverteilungen durchgeführt oder Zusagen geleistet haben, ist Ungarn seit Beginn der Umverteilungsregelung in keiner Form tätig geworden, und Polen hat seit Dezember 2015 Umverteilungen weder vorgenommen noch zugesagt. Die Tschechische Republik hat seit August 2016 keine Umverteilungen mehr durchgeführt und seit über einem Jahr keine Zusagen mehr gemacht.

Hintergrund

In zwei Ratsbeschlüssen vom September 2015 über eine befristete Notverteilungsregelung (Beschluss (EU) 2015/1523 des Rates und Beschluss (EU) 2015/1601 des Rates) verpflichteten sich die Mitgliedstaaten, Personen, die internationalen Schutz benötigen, aus Italien und Griechenland innerhalb der EU umzuverteilen.

Die Kommission legt seitdem regelmäßig Berichte zu Umverteilung und Neuansiedlung vor, die Aufschluss über die Fortschritte bei der Umsetzung der beiden Ratsbeschlüsse geben und die sie dazu nutzt, zu den notwendigen Maßnahmen aufzufordern. Seit November 2017 ist der Bericht über die Umverteilungs- und Neuansiedlungsregelungen Bestandteil eines konsolidierten Berichts über die Fortschritte, die im Rahmen der Europäischen Migrationsagenda erzielt werden. Zwar wurden bislang über 32 000 Personen umverteilt, doch in Griechenland und Italien gibt es immer noch in Betracht kommende Asylbewerber, die vorrangig umverteilt werden sollten.“

Umfrage: Wer ist am ausländerfeindlichsten? Und wem gegenüber?

Heute bin ich auf eine – im Ergebnis furchteinflößende – Umfrage gestoßen. Ein Meinungsforschungsinstitut befasst sich in einer aktuellen Erhebung mit der Frage, unter welchen Parteianhängern die Ausländerfeindlichkeit bzw. der Rassismus am größten ist. Doch nicht nur das: Auch die Frage, wem gegenüber Vorbehalte bestehen, wurde gestellt. Das Ergebnis:

Gestellt wurde folgende Frage: „Wen würden Sie als Ihren Nachbarn dulden?“

Die Antworten fallen höchst unterschiedlich, aber im Grundsatz gleichermaßen bedrückend aus. Im Einzelnen:

1. Fidesz 

Die Anhänger der Regierungspartei würden am ehesten eine Familie mit vier Kindern (87% Akzeptanz) oder Einwanderer aus Siebenbürgen (80%) dulden. Einen Rocksänger immerhin zu 59%. Nur knapp mehr als die Hälfte würde sich mit einem jüdischen Nachbarn wohl fühlen (53%) – was nichts anderes bedeutet, als dass knapp die Hälfte der befragten Fidesz-Wähler sich als offen antisemitisch zu erkennen gaben. Noch geringer ist die Akzeptanz gegenüber Amerikanern (43%), Studenten aus Afrika (42%), Chinesen (40%), Homosexuellen (35%), Zigeunern (31%), Syrern mit christlichem Glauben (30%) und Arabern (ganze 10%, was die geringste Akzeptanz unter allen Befragten darstellt).

2. Sozialisten

Bei den Sozialisten ist die Akzeptanz gegenüber Großfamilien und siebenbürgischen Einwanderern geringer als bei Fidesz (70 bzw. 73%), auch die Akzeptanz gegenüber Rockmusikern ist geringer (53), dafür würden Juden (ebenfalls nur 60%), Homosexuelle und afrikanische Studenten eher geduldet; etwa die Hälfte ist auch hier ablehnend. Araber würden von nur 26% der MSZP-Wähler geduldet. 

3. Jobbik

Die Wähler der rechtsradikalen Jobbik mögen Großfamilien (92%), Siebenbürger (81%) und Rockmusiker (70%, wahrscheinlich denkt man an Kárpátia…), Amis gehen gerade noch durch (58), wohingegen Juden mit 51% nur von der Hälfte akzeptiert würden. Zigeuner werden abgelehnt (22%, schlechtester Wert), Homosexuelle stehen besser da als bei Fidesz-Wählern (41), ebenso die – noch immer überwiegend negierten – Araber (18).

4. Demokratische Koalition 

Und die Wähler der „politisch korrekten“ DK? Als Jude hat man auch dort keinen echten Stein im Brett, die Akzeptanz liegt mit 53% nur zwei Punkte über der bei Fidesz. Nur 47% würden afrikanische Studenten dulden – und damit weniger als die Jobbik-Anhänger! Etwas besser stehen Araber und Zigeuner da. Und: Chinesen sollen nach DK-Lesart beliebtere Nachbarn sein als Amerikaner – vielleicht hatte man Trump vor sich.

Prost Mahlzeit…

Volksabstimmung: Das amtliche Endergebnis

Die Wahlbeteiligung beim Referendum zur Flüchtlingsquote lag, dem amtlichen Endergebnis zufolge, bei 40,41% und damit deutlich unterhalb des Mindesterfordernisses von 50%.  Innerhalb dieses somit  „ungültigen“ (eredménytelen) Urnengangs lag die Quote der „Nein“-Stimmen, d.h. der Regierungslinie, bei 98,33%. Die Befürworter einer EU-weiten Verteilung von Flüchtlingen erschienen somit praktisch gar nicht zur Abstimmung.

Referendum zur Flüchtlingsquote: Erste Ergebnisse

Wie bereits im Vorbericht angenommen, erreichte die heutige Volksabstimmung in Ungarn kein gültiges Ergebnis. An Stelle der erforderlichen 50%-igen Wahlbeteiligung erschienen nur 43,90% der Wahlbürger an den Urnen.

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Die Beteiligung in den beiden westungarischen Komitaten (Verwaltungsbezirken) Vas und Györ-Moson-Sopron waren mit 52,04% bzw. 51,11% am höchsten. Am niedrigsten lag sie in Budapest (39,43%) und im südungarischen Komitat Baranya (40,74%).

Sieht man sich die inhaltliche Richtung an, ist das Ergebnis ein klares – wenn auch ungültiges – Votum gegen die Flüchtlingsquote. Aktuell wird mit einem Anteil von rund 98% „Nein“-Stimmen erwartet. Die Gegner der Quote, die parteiübergreifend in der Minderheit sind, waren somit nur in homöopathischer Dosis bei der Wahl vertreten.

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Die Regierung vertritt daher trotz ihrer Bemühungen, wegen der sonst fehlenden formalen Legitimationsiwkrung zu einer hohen Wahlbeteiligung zu gelangen, die Position, einen Sieg errungen zu haben. Ministerpräsident Viktor Orbán sprach umgehend davon, auch „diese Waffe sei stark genug für Brüssel„. Zudem soll eine Aufnahme des Verbots der zwingenden Flüchtlingsquote in das ungarische Grundgesetz erfolgen.

Bemerkenswertes Detail: Die Satirepartei „Partei des zweischwänzingen Hundes“ (kétfarkú kutya párt), die zur Abgabe ungültiger Stimmen aufgerufen hatte, dürfte einen Erfolg erzielt haben. An Stelle von rund 1% ungültiger Stimmen bei Volksabstimmungen lag die Quote diesmal bei über 6%…