Kontrovers

Ein kleiner Auszug der Leserkommentare:

Karl Pfeifer: Ich freue mich natürlich auch über Kritik und ich habe auch gegen ungerechtfertigte Kritik nichts einzuwenden. Ich habe einfach keine Zeit und keine Lust aufzuzeigen, was alles in dieser Kritik an den Haaren herbeigezogen ist. (…)

Magdalena Marsovszky: Bitte herzlich diejenigen von Ihnen, die ernsthaft darüber nachdenken, eine Podiumsdiskussion etwa mit HV, B., K. und D. zu organisieren, genau nachzusehen, um was für einen Blog es sich bei Hungarianvoice handelt. Hier wird gerade HV zum „maßgeblichen deutschen Ungarn-Blogger“ geadelt. Bitte, sehen Sie alle genau nach, ob Sie sich mit diesem Blog identifizieren können. Ich könnte mich z.B. mit HV auf keinen Fall identifizieren.

Unbekannt: Rein vom Gefühl her würde es mich gar nicht wundern, wenn sich eines Tages herausstellte, dass Herr Pfeifer oder Frau Marsovszky auch die Betreiber des Blogs Hungarian Voice sind. Es macht doch Sinn, so einen anonymen Blog zu betreiben., um der „echten Ungarn“ und „Rassisten“ habhaft zu werden.

Heike: Und vielleicht noch was zu den Namen oder persönlichen Angriffen: Letztlich ist dieses ganze Blog-Geschreibsel doch ein Spiel, und bereits mit der Namenswahl tritt man in dieses Spiel ein, spielt, oder auch nicht, mit Bedeutungen. Und darauf, meine ich, kann man auch wieder neue Spiele aufbauen. Oder was z.B. soll die ominöse „Stimme Ungarns“ sein? Doch nicht etwa „Volkes Stimme“? Ich finde den Namen übrigens völlig einfallslos, ironielos und langweilig.

Minusio: Ich kennen keinen anderen Ungarn-Blog in keiner Sprache, in dem sich der Blogschreiber in pedantisch belehrender Art regelmässig Person und Stil der Kommentatoren vornimmt. Für ihn scheint der Blick für das „grosse Ganze“ eine Reihe von Flüchtigkeitsfehlern. Am Schluss wird er der Letzte sein, der das Menetekel nicht sehen wollte. Aber er hat es ja nur gut gemeint.

Marco Schicker, Pester Lloyd: Somit bedient er sich der gleichen manipulativen Techniken wie HV dies ständig tut, allein mit dem Unterschied, dass P. etwas mit Ungarn zu tun hat, der andere nur nostalgische Traumvorstellungen davon, die er aus dem gut gepolsterten Ausland, assistiert von Fürstbischof K. ins Internet dünkelt, an jeder Frechheit der Regierenden noch etwas von Auferstehung erkennen kann, ohne nur die geringste Ahnung vom realen Leben in Ungarn zu haben. Jeder Balaton-Tourist ist mehr Ungar als diese beiden zusammen.

Marco Schicker, Pester Lloyd: Jetzt haben Sie es bald geschafft, es fehlen nur noch ein paar kleine Nebensätze über die Herkunft und die Vorlieben der Autoren bei nächster Gelegenheit und Sie sind schon bei Lázár vorbei und über Bayer direkt beim Neusprech des großen Bruders angekommen. (…) Nun sind Sie wirklich „THE“ Hungarian Voice und Teil der Regierungspresse geworden. Niemand braucht Sie mehr ernst nehmen, was einen Vorteil hat, es werden Sie nur noch Leute lesen, die Ihnen recht geben, ganz so wie Ungarn gerade „funktioniert“. Sie haben dem neuen Mediengesetz sozusagen freiwillig Geist eingehaucht, in dem Sie Ihren eigenen kapitelweise aushauchen.

Lakos, aus Ungarn: Lieber hungarianvoice! (schon diese Namenswahl ist beleidigend!), ich glaube am derzeitigen Mediengesetz gibt es nichts zu kritisieren, (haben Sie es überhaupt gelesen?), vor allem nicht aus dem Ausland. Nein! Man soll aufhören uns Ratschläge zu erteilen, wie wir in unserem eigenen Land leben sollen. Nicht aus dem Ausland, und nicht von solchen, die „Klugheit“ verteilen wollen. Auch nicht dann, wenn wir in dieser Welt, die EU genannt wird, aber ganz und gar nicht europäisch ist, versuchen, einzelne zu verleumden, zu brechen und zu unterdrücken – hierüber könnte man einen neuen Blog beginnen. Mit Geld werden Sie nicht einen einzigen gerechten Menschen kaufen, nicht nur in Ungarn, sondern auch nicht irgendwo anders….das brauchen wir nicht, und zwar auch dann nicht, wenn Sie sich hinter Ihrer semitischen Gekränktheit verstecken, eine Meinung abbügeln und in Ihrer offensichtlichen semitischen Gekränktheit so tun, als würden Sie den Handschuh nicht aufnehmen, aber schon wieder denken, wie kann ich ihm eine verpassen…Und von welchem arroganten Stil sprechen Sie? Und was soll „wir unterstützen einander mit nicht geringen Geldbeträgen“ heißen? Von was sprechen Sie? Eigentlich habe ich nichts anderes erwartet, weil Sie und diejenigen, die Ihnen ähnlich sind, den Dreck im Ausland und im Inland gleichermaßen aufwirbeln. Wessen Hemd es nicht ist, der soll es sich nicht anziehen!

kukoriczajanos: Wer, wann, wo in Ungarn zum Theaterdirektor ernannt wird, wird nicht in Deutschland entschieden! Kapiert?“ (…) „Ich sehe in dir eine kranke Seele.

Ferenc: Ihre Leier (alles verharmlosen und relativieren, jegliche Zusammenhänge ausblenden) hängt einem mittlerweile aber auch zum Hals raus. Ob sie es wahr haben wollen oder nicht, Sie sind mitunter Ausdruck der geistigen Verflachung, die das Land schon länger erfasst und eine politische Kultur geschaffen hat, die nur durch emotionale Reflexe und analytische Ignoranz geleitet wird.

Karl Pfeifer: Es grenzt an Paranoia, wenn Sie ohne jeglichen Beweis, großen Medien Voreingenommenheit gegen Ungarn vorwerfen.

Magdalena Marsoyszky: Die hier aufgeführten vermeintlichen Argumente sind leider so weit von der Wissenschaft entfernt, dass ich auf sie nicht eingehen mag.

Karl Pfeifer: Sie versuchen hier Eva Balogh als unglaubwürdig hinzustellen. Doch wer Ihren Blog mit dem Hungarian Spectrum vergleicht, der kann einige Unterschiede entdecken, die nicht unbedingt zu Ihren Gunsten sprechen.

Harry M., per E-Mail: „Sehr geehrte HV, da Sie die antisemitischen, chauvinistischen und rassistischen Ausfälle von Orban et al so gerne zu rationalisieren suchen, hier eine neue Aufgabe für Sie aus der – Achtung wegen der antiungarischen Verschwörung – Linken Taz. http://www.taz.de/Budapest-hofiert-Rechtsextreme/!112972/

Marco Schicker, Pester Lloyd: „(…) werter HV, es tut mir leid, aber entblößen Sie sich doch bitte nicht so schamlos in aller Öffentlichkeit. Ich könnte ja Ihre Mandanten übernehmen, so lange Sie eine Fortbildung machen, damit sie´s irgendwann wenigstens auf Schülerzeitungsniveau schaffen, im Moment stecken Sie noch auf dem Level der Kampfgruppen-Betriebszeitung des VEB Erdmöbel fest. Und ja, genau: ICH MUSS ES JA WISSEN. So. Und nun überlassen wir Ihre betreute Kommentarstätte wieder den dissidenten Waschweibern, politisierenden Hausmeistern und Halb- (mittlerweile ja auch schon ein Voll)-Nazis. Schönen Tag noch. M.S.

Don Kichote: „Herr P., Ihrer Logik ist unbestechlich, wird HV einmal die Zahlen von kuruc.info erreichen? Das ist das selbe in Grün, es ist flüssiger wie Wasser, es ist überflüssig.“

Marco Schicker, Pester Lloyd: „Sie sind ein Nutznießer des Orbánsystems, ob direkt oder indirekt ist völlig wurscht und Sie sind bei Lichte genauso ein mittelmäßiger Klugscheißer wie Ihre Fans hier.“

25 Kommentare zu “Kontrovers

  1. Liebe Freunde, „Lakos“ meint: „ich glaube am derzeitigen Mediengesetz gibt es nichts zu kritisieren, (haben Sie es überhaupt gelesen?), vor allem nicht aus dem Ausland.“ Dies ist für mich, der ich übrigens die 180 Seiten lange Gesetz gelesen und m. E. sachlich kritisiert habe, ein Paradebeispiel jenes engstirnigen Nationalismus, der die Kritik eines Landes von dem Aufenthalt in diesem abhängig macht. (Interesssant wäre zu wissen, ob „Lakos“ auch ausländische Touristenreisen als Verlust des Rechts zur Kritik begreift.) Hinzu gehört auch die Wiederholung der Behauptung, dass diese Kritik nur durch perfekte Sprachkenntnise legitimiert werden kann. Wäre dies der Fall, dann könnte die ungarische Presse kein kritisches Wort über andere Länder fallen lassen, worum es doch eindeutig schade wäre. „Lakos“´s Überzeugung, laut der „am derzeitigen Mediengesetz nichts zu kritisieren sei“ mag seine Meinung sein, dass wir respektieren müssen, aber er selbst weisst, dass es zahlreiche in Ungarn lebenden Ungarn gibt, die dies doch tun. Muss man etwa diesen, um ihre Kritik zu verhindern, den ungarischen Pass entziehen? Und haben Auslandsungarn, wenn sie manche Massnahmen der Orbán-Regierung ablehnen, generell zu kuschen? Sollte etwa bei uns in der Tat nur eine mögliche Meinung geben? Ich glaube, HV täte es gut von diesem Niveau zu einer sachlichen Diskussion zurückzukehren. Wir haben die Chance den deutschen Freunden zu beweisen, dass unser Land ausser Skandalenpolitik auch zum normalem politischen Diskurs fähig ist.

    • Lieber Herr Dalos,
      die Aufforderung an mich, zu einer sachlichen Diskussion zurück zu kehren, ist in diesem Punkt überflüssig. „Lakos´“ Worte waren ganz allein an mich gerichtet, seine o.g. Beschimpfung galt mir, und wie Sie dem Link entnehmen können, der Sie zu den Kommentaren führt, habe ich entsprechende Antworten darauf gegeben.

      Was die Seite „kontrovers“ belegen soll, ist, dass dieser Blog von weit rechts bis weit links sich keine Freunde macht. Und darauf bin ich in gewisser Weise stolz.

  2. Lieber HV,
    die Aufforderung, man sollte zu einem anderen Niveau zurückkehren ist nicht an Sie persönlich gerichtet. Ich befrüchte nur, dass derartige Töne, wie sie „Lakos“ gebraucht, den heimischen Diskurs in dessen ganzer Roheit auch auf diesem Blog legitimieren werden. Danach kommen gleich die dunklen Anspielungen auf „semitische Gekränktheit“, und die wohlbekannten Verschwörungstheorien, wie sie in dem anonymen Online-Leserbreiefen des Magyar Hírlap, aber leider gelegentlich auch des Népszabadság zu lesen sind. Also bitte die Kritik nicht auf sich nehmen.

    • Ihre Sorge teile ich nicht, Herr Dalos. HV – ein reines Freizeitprojekt – ist ziemlich genau 20 Monate alt und solch schwachsinnige Kommentare stellen die völlige Ausnahme dar. Ich denke, mit solchen Stimmen muss man leben und sie entsprechend kontern. Ernst nehmen kann ich so etwas nicht.

      Allein der Dialog ist es, der uns weiterbringt. Entscheiden Sie, ob das obige Zitat von Magdalena Marsovszky – die alle Welt vor diesem Blog gewarnt hat – für einen solchen eintritt. Oder die Beiträge von Gregor Mayer, der neben seinem Kampf gegen „rechts“ und seinen Facebook-Karikaturen über „Orbánistan“ auch noch als dpa-Korrespondent, und damit jedenfalls nach dem Agentur-Kodex zur Objektivität Verpflichteter, aus Ungarn berichtet. Wie sehr kann man aus seiner Haut, zwischen Agenturarbeit und Antifa-Feldzug in Facebook, via Profil und andere Foren differenzieren? Ihre Meinung dazu interessiert mich aufrichtig. Ich glaube nämlich bis heute, dass es die dpa und damit Gregor Mayer ist, dem Europa die Falschmeldung über das Mediengesetz (Sie erinnern sich? Ich meine das Märchen von bis zu EUR 720.000 Strafe für „unausgewogene Berichterstattung“) zu verdanken haben. Seinerzeit schrieb ich eine Mail an die SZ und telefonierte daraufhin länger mit einem Redakteur, der mich zurückrief. Er sagte mir, es sei eine (falsche) Meldung von dpa gewesen. Touché. Anders als Herr Pfeifer denke ich, dass so etwas nicht mit dem Hinweis auf das angebliche „große böse Ganze“ gerechtfertigt werden kann.

      Bei Lakos´ Anmerkung weiß ich es, dass er keinen Dialog will. Aber Vögel wie Lakos nimmt auch keiner ernst. Die Brunnenvergifter auf der anderen Seite des politischen Spektrums schreiben jedoch mitunter für namhafte Blätter. Diese Ehre bleibt den Lakos´ dieser Welt, zum Glück, verwehrt.

  3. Lieber HV, Gregor Meyers von Ihnen zitierte Stelle kenne ich nicht – bitte um die Quelle -, an der Tatsache, dass er in der Facebook-Bewegung mitmacht, finde an und für sich nicht verwerflich, seine Texte zu den ungarischen Radikalen sind journalistisch gut recherchiert. Was Magdaléna Marsovszky anbelangt, sie ist eine der seriösesten Forscher des Rassismus in Ungarn. Ihre Vorbehalte gegenüber dem HV würde ich nicht ausserhalb des Zusammenhangs der Tatasache sehen, dass Sie István Lovas´s Injurien gegen sie kritiklos übernahmen. Ich finde aber auch nicht, dass hier die Frage der „Identifizierung“ gestellt werden sollte. Ich kann mich nicht mit einem Blog mit Dutzenden Anonymen identifizieren, auch wenn ich das Recht der Anonymität niemandem aberkannen möchte. Ich mag Auseinandersetzungen mit offenem Visier. HV betrachte ich als ein Ort, an dem man sinvoll diskutieren und die Kunst ausprobieren kann aus Feinden Gegner zu werden (also umgekehrt, wie das leider bei uns üblich ist). Sie sprechen von „Brunnenvergiftern der anderen Seite“, als wäre jede noch so primitive und reisserische Aussage der westlichen Medien auch annähernd so aggressiv wie eine einzige Nummer des Magyar Hírlap. Ich vertrete nach wie vor die Meinung, während ich schade finde, dass die Kritik an unserer Regierung auch das Land in Mitleidenschaft zieht, dass Orbán und seine Mitstreiter durchaus das Landesimage bessern könnten mit einer toleranterer, vernünftiger Politik.

    • Lieber Herr Dalos,
      ich zitierte nichts von Gregor Mayer, ich empfehle hier einfach einen Blick in seine Facebook-Community. Sie sehen es möglicher Weise anders, aber dieser Feldzug will meines Erachtens nicht mit der für Agenturen zwingend notwendigen Objektivität zusammenpassen. Wir müssen ja nicht einer Meinung sein.
      Was Magyar Hírlap betrifft: Ich finde die Texte von Zsolt Bayer und vielen anderen verachtenswert. Ich würde aber nicht versuchen, den Tonfall und die selektive Berichterstattung in den westlichen Medien damit rechtfertigen oder relativieren zu wollen, dass es die Hírlap gibt. Wir sind uns einig, dass es in Ungarn Publikationen gibt, die im „Westen“ niemals im sog. Mainstream erscheinen könnten. Das rechtfertigt aber nicht das, was seit Jahr und Tag dann passiert, wenn Konservative an der Regierung sind (oder auf dem Weg dorthin). Ich erwarte z.B. von deutschen Medien, wenn sie über Ungarn berichten, die gleiche Art von kritischer Distanz und Objektivität wie bei Berichten über andere Länder. Das, was über Ungarn geschrieben wird, erlaubt sich KEIN deutscher Journalist im Bezug auf Polen, Frankreich oder meinetwegen Spanien. Ich meine den herablassenden Tonfall, gerade so, als wäre Ungarn ein „demokratisches Kleinkind“ und Deutschland dazu berufen, diesem Land Nachhilfe zu erteilen. Und was die ewigen Nazivergleiche und Ungarns Betitelung als „Führerstaat“ angeht, so bezeichnete Andreas Oplatka diese Unart in der NZZ als „Auslagerung lästiger Reminiszenzen nach Ostmitteleuropa“ . Besser kann man es nicht ausdrücken. Die Briten erlauben sich so einen Tonfall nicht, offenbar haben sie es im Hinblick auf ihre eigene Geschichte nicht nötig.

      Michael Frank schrieb z.B. kurz nach der Wahl: „Die Ungarn halten sich in Sachen Kultur und Lebenskraft gerne für ziemlich einmalig“ .

      Was soll so ein Unsinn? Ich kann mir so etwas nur mit tiefer Abneigung erklären. Und zwar nicht einer bestimmten politischen Richtung, sondern auch – im Hinblick auf die Verallgemeinerung – den Menschen im Land gegenüber. Und so etwas finde ich bitter. Wenn diese Beiträge dann in der ungarischen Zeitungslandschaft Widerhall finden, so wundere ich mich nicht darüber, dass – ebenso verallgemeinernd wie Frank u.a. das tun – jede Art von Kritik abgebügelt wird, sei sie nun berechtigt oder nicht. Ein wahrer Teufelskreis.

      Nur weil Frank und andere sich gewählter ausdrücken als manch einer auf der rechten Seite, ist und bleibt er der treueste Wahlkämpfer auf Seiten der (atomisierten) ungarischen Linken. Neben Gregor Mayer und (neu dazugekommen) Ralf Leonhard von der TAZ. Die Verwunderung über diesen Tonfall sinkt etwas, wenn man sich einmal ATV ùjságíró klub oder die Artikel von György Bolgár in der Népszava oder der 168óra durchgelesen hat. Man ist halt einer Meinung.

      Auch die Linke und die liberale Seite in Ungarn muss ihre Mitverantwortung an der tiefen gesellschaftlichen Spaltung erkennen. Daran sind nicht nur Figuren wie Gyurcsány und sein Dunstkreis schuld (z.B. Csaba Molnár, der Népszabadság gegenüber sagte, im Wahlkampf könne es schon vorkommen, dass man Fidesz als faschistisch bezeichne), sondern auch das linksliberale „Pressechor“; das ist zumeist frei von jeglicher Selbstkritik.

      Gerade weil die Spaltung so tief ist, freue ich mich über Ihre Teilnahme hier. Ich sehe sie als Beweis dafür, dass man sich unterhalten kann. Wenn man nur will.

      • Ich glaube nicht, dass Polen so viel besser wegkommt als wir. Wie die deutschen Medien über ein anderes Land berichtet, hängt davon ab, in welcher Windrichtung (von Deutschland aus gesehen) es liegt: der Westen kommt noch ganz gut weg, der Osten wird gern als rückständig (bes. im Sinne der gesellschaftlichen Entwicklung) dargestellt. Die einzige Ausnahme ist, wenn jenes Land eine linke od. besser noch linksliberale Regierung hat.
        So viel ich weis, haben auch die Griechen die deutsche Berichterstattung jetzt satt. Und ich kann es ihnen nicht verdenken. Selbst im Alltag habe ich eine den Griechen gegenüber herablassende Haltung wahrgenommen und das erscheint mir eine logische Konsequenz. Verstehen Sie mich nicht falsch: Griechenland ist tatsächlich selbst Schuld an seiner Situation, das dürfte aber in erster Linie an der dürftigen Regierung liegen, denn an den Bürgern. Wie so oft in dieser Zeit müssen die Bürger dort den Mist einer sozialistischen Regierung ausbaden. Gleichzeitig betreiben die deutschen Medien auch noch Rufmord an ihnen…

      • Im Falle Polens fehlt ein wenig das ultimative Feindbild (Im Falle Ungarns ist das fraglos Orbán / Fidesz). Kazcynski wird gerne thematisiert, aber weniger garstig, das ist wohl wahr. Nichts desto trotz werden polnische Medien (d.h. Kaczynsky nahe) gerne als rassistisch dargstellt. Aufgrund der Erfahrungen mit Ungarn, bin ich aber sehr unschlüssig, ob das so zutreffend ist. Ironischerweise gab es vor gar nicht so langer Zeit mal ein Titelbild des Spiegels oder des Sterns oder des Focus auf dem eine Griechische Statue (und es war nicht irgendeine, obwohl ich mich mit griechischer Kultur weniger auskenne) verunstaltet wurde – nicht mehr weit weg von dem was die deutsche Presse selbst gern anprangert.

  4. 1) Nur als Nebensatz, jetzt wo ich die Kommentare so aufgereiht sehe, und Herr Dalos zu Recht jene kritisiert, die kritische Stimmen niederschmettern, wenn sie nicht aus der „Heimat“ stammen:

    Sehe ich es falsch, oder argumentiert Herr Schicker von links genau so wie „Lakos“ von rechts? „Ausländer“ bitte Klappe halten, wer nicht in Ungarn lebt, hat kein Recht zu sprechen. (Es sei denn, er sagt, was genehm ist).

    2) Herr Dalos, ich lasse mich gerne von der Seriosität Fr. Marsovszkys überzeugen, ich empfehle aber, ihre Thesen jenen von György Schöpflin in „a modern nemzet“ gegenüber zu stellen und dann zu sehen, was ausgewogener ist.

    Bei Frau Marsovszky ist bürgerliches, „patriotisches“ Gedankengut immer gleich „völkisch“, ich habe den Verdacht, dass sie die Seite, auf der „bürgerlich“ steht, aus ihrem Wörterbuch herausgerissen hat. Fr. Marsovszky bringt die bürgerliche Weltsicht m.E. verzerrend in Faschismusverdacht, mit dem Taschenspielertrick, das Wörtchen „kulturell“ vor „Faschismus“ zu stellen. Honni soit qui mal y pense!. Gy. Schöpflin arbeitet fein heraus, dass sowohl der staatsbürgerlich-bürgerliche wie auch der „ethnische“ „Nationalismus“ zu den Wurzeln der Demokratie zählen und weder bald verschwinden werden, noch notwendigerweise schädlich sind. Und dass säkular-universalistische Geister wie Fr.Marsovszky das nicht ohne weiteres verdauen können.

  5. Lieber HV, ich verstehe nicht, wie Sie Zsolt Bayer und György Bolgár – ich weiss nicht, ob der Ausdruck do deutsch stimmt – an einem Tag erwähnen. Bayer ist ein hasserfüllter Exliberaler, ungefähr wie Krisztina Morvai in der Politik und produziert ausschliesslich Tiraden, die sogar unter seinem eigenen Niveau stehen. György Bolgár hingegen führt bei 168 óra eine ständige Sparte unter dem Titel „Richtigstellung“, in der er Vertreter der Regierungsseite gewissenhaft zitiert und versucht ihre Aesserungen zu wiederlegen. Er tut dies leicht poentiert, ironisch, aber ohne ein einziges verztendes Wort zu benützen. In demselben Blatt gibt es die Leitartikel von Tamás Mészáros – hart regierungskritisch, aber absolut fein, sie könnte in jeder grossen bürgerlichen Zeitung des goldenen Westens gedruckt werden. Auf der konservativen Seite würde ich ähnliches gerne begrüssen. Ich nehme an, Ihre Vorwürfe auf den zitierten Satz von Michael Frank, mögen sogar stimmen, aber es sind Sache, die man beim besten Willen nicht verteidigen kann – so auch die Affäre um das Neue Theater. Das ganze Verfahren ist auch an sich skandalös: Trotz mehrheitlichen Fachmeinung der Jury wird hier eine Bewerbung (von György Dörner) angenommen, die keinen Finanzplan beinhaltet und eine politische und moralische Leiche (István Csurka) aus dem Grabe getragen. Wohlgemerkt ich habe nichts dagegen, dass Csurkás teilweise wirklich gute Stücke, für die er Literaturpreise von den Kommunisten erhielt, wieder gespielt werden. Aber ihn in die Kulturpolitik reinzulassen, bedeutet eine Geste, die jeden erhlichen Menschen und nicht nur die von Ihnen etwas verkürzt als „Antifa“ bezeichneten Typen empören kann. Wäre ich jemand von der Regierung, der hier Wort hat, würde ich selbst öffentlich gegen die Entscheidung protestieren, die übrigens nicht die Regierung, sondern der Bürgermeister von Budapest getroffen hat. Warum versucht nicht die Partei Fidesz mit einer derartigen symbolischen Geste die bösen westlichen Medienleute in Verlegenheit zu bringen?
    Das ist ein altes Problem. Während des Ungarnschwerpunkts auf der Frankfurter Buchmesse 1999 griff Csurka, damals noch potenter Parlamentarier, das Projekt als „Verjudung“ der ungarischen Literatur an.Ich habe als Kurator des Projektes, also eigentlich ein Manager des Fidesz-Kulturministerium öffentlich aufgefordert, sich von ihm und seiner Partei in dieser Frage zu distanzieren. (Boris Kálnoky erinnert sich sicher daran, er hat damals Csurka verurteilt.) Nun tat die Regierung nichts dergleichen. Zu der Zeit konnte man noch diese „Neutralität“ auch so verstehen, dass sie den Wind aus dem Segel der Rechtsradikalen nehmen wollten. Aber heute?

    • Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Herr Dalos. Ein Zsolt Bayer ist eine ganz eigene Kategorie. Gleichwohl hat sich Bolgár schon oft genug zu hanebüchenen Aussagen verstiegen. So hat er zum Beispiel im Rahmen der Diskussion um das diskriminierende slowakische Sprachengesetz ausgeführt, auch Ungarn habe so ein Gesetz schon gehabt – das uralte „lex Apponyi“. Warum ist Bolgár nicht in der Lage, einmal Partei für sein Land zu ergreifen und das, was in der Slowakei passierte, zu kritisieren? Wenn er wirklich für europäische Werte eintritt und gegen Diskriminierung kämpft, sollte er – als Ungar – das auch i Zeiten tun, wenn die ungarische Minderheit in der Slowakei in ihren Rechten verletzt wird. Was hält ihn davon ab? Sachbezogene Gründe sehe ich nicht, vielmehr die Zwangsneurose, allem, was die Konservative sagt, zu widersprechen.

      Und man müsste zudem einmal mitzählen, wie oft János Dési auf ATV den Begriff „vezér“ (Führer) für Orbán verwendet.

      Ich drücke mich einmal so aus: Das, was ich für inakzeptabel erachte, beginnt nicht bei Zsolt Bayer. Ich halte ihn übrigens für publizistisch eher unbedeutend, die Einzigen, die ihn groß machen, sind seine Gegner. Weder Magyar Hírlap noch EchoTV (aus dem HírTV ist er rausgeflogen) sind Massenprodukte. Zum Glück.

  6. Im PL Artikel:
    http://pesterlloyd.net/html/1225faschismus.html

    Frage eines Lesers:
    „Ich würde gerne wissen, ob die Artikel des Pester Lloyd in ungarischer Sprache verfügbar sind.“

    Antwort der Redaktion:
    „Nein, das sind sie nicht, mit unseren derzeitigen Ressourcen ist das noch nicht möglich. Neben jedem Artikel gibt es aber einen Button von Google Translate, der maschinelle Rohübersetzungen in diverse Sprachen der Region, auch Ungarisch, ermöglicht, die zumindest einen Einblick ins Thema ermöglichen. MfG, red.“

    Ich appelliere an Herrn Pfeiffer:
    Unterstützen Sie ganz ohne Eigennutz den Pester Lloyd, indem Sie seine Artikel und Leserzuschriften ins ungarische übersetzen.
    Die Ungarn werden es Ihnen danken.
    Falls Ihre Zeit nicht ausreicht, sie kennen sicher ungarische Muttersprachler, die Ihnen helfen.

  7. Wie schade , daß Nyirő József sich nicht mit “ rechtlichen Schritten“ zur Wehr setzen kann gegen niederträchtigen Behauptungen .

  8. Man merkt, dass der Wahl“kampf“ in D und Ö vorbei ist und man sich schnell wieder den wahren Feinden zuwenden muss….also welches Land bietet sich dazu nun mal an?
    Richtig! UNGARN.
    Was bin ich froh, dass es Ungarn gibt!! Wäre ja auch irgendwie unpassend, wenn ich jetzt fragen würde :Hoppla, was ist denn in der Ex-Monarchie-Hälfte los?
    Nationalistisch?Ausländerfeindlich?
    Ach wo,von den 20,5 % muss ich irgendwie geträumt haben und das die SPÖ will mit der FPÖ im Parlament kooperieren will , wohl auch!!
    Was wird nur Oki-Talk dazu sagen?

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