ATV: Pressegespräch zwischen András Stumpf und András Kósa

Allen Lesern, die die ungarische Sprache verstehen, sei dieses interessante Gespräch zwischen András Kósa (HVG) und András Stumpf (Heti Válasz) empfohlen. Das Thema: „Haben wir der EU nachgegeben?“ .

http://atv.hu/videotar/20120124_engedtunk_az_unionak

Neben den Gesprächen der ungarischen Regierung mit der EU wird auch die Pro-Regierungs-Demo vom vergangenen Wochenende angesprochen.

András Stumpf von Heti Válasz hält Spiegel-Reporter den Spiegel vor

Vielen Dank an Christian Boulanger, der mir diesen Link zu einem Bericht der „Budapestpost“ gesendet hat:

http://budapost.eu/2011/12/hungarian-journalist-complains-about-german-press-bias/#.Ttifl4VBmkA.email

András Stumpf, Journalist bei der regierungsnahen Wochenzeitung Heti Válasz, traf sich vor kurzem mit einem Spiegel-Reporter (meine Vermutung: Ralf Leonhard oder Keno Verseck, beide auch TAZ), der ihn zum Thema „Diktatr in Ungarn“, Medienzensur und ähnliches interviewen wollte. Es war bestimmt ein interessantes Treffen.

Stumpfs Bericht über das Treffen möchte ich nachfolgend übersetzt den Lesern des Blogs zur Verfügung stellen:

Nazigefahr hier und dort

Ein deutscher Kollege vom Spiegel ruft mich an. Er sei für ein paar Tage hier, in der Dörner-Sache. Ich wolle mich bestimmt nicht mit ihm zusammensetzen, oder? Klar will ich.

Bis wir uns abends treffen, hat sich das Thema bereits erweitert: Das langsam, aber mit Gewissheit in die Diktatur rutschende Ungarn. Der Kollege ist davon überzeugt, dass Dörner, Kerényi, die Statuen-Angelegenheiten – alles auf Ideen von Viktor Orbán basiert, nun ist der Kulturbetrieb an der Reihe, zuvor war da schon die Verfassung, die Medien wurden zum Schweigen gebracht, es herrscht Zensur…

Wie genau? – frage ich dazwischen. Keine Antwort. Ich frage nochmals, weil es mich wirklich interessiert: Wie genau kann man mit dem Mediengesetz zensieren? Große, deutsche Stille in der ungarischen Nacht. Dabei müsste man nur kontern, dass die öffentlichen Medien nicht unabhängig seien, und wenn Péter Szijjártó ein Sendungsformat haben wollte, dann könnte er das auch durchsetzen – das muss ich, wenn auch mit Bedauern, zugeben.

Das Wissen fehlt, die Meinung ist dafür umso entschiedener. Über Fidesz, die mit Jobbik liebäugelt, auch über die Gefahr von rechtsaußen.  Ich frage meinen Kollegen: In seinem Land wurden grade drei Neonazis dingfest gemacht, die über zehn Jahre hinweg systematisch Einwanderer töten konnten. Vor wenigen Tagen sprach ich mit dem Chef der deutschen Human Rights Watch, und der reihte nur so die Fälle jüngster Neonazigwalt aneinander, vor der die deutsche Polizei die Augen verschlossen hatte. Ich hätte also gut und gerne schreiben können, dass „schon wieder der Faschismus in dem Land tobt, das der Welt bereits Adolf Hitler beschert hat“. Und das unter Bezugnahme auf Tatsachen.

Der Kollege ist verblüfft, er verbittet sich das, denn „das wäre nicht wahr“. Stimmt, wäre es in der Tat nicht. Aber ich würde solch einen Blödsinn auch nicht über ein ganzes Land schreiben. Ob er verstanden hat, worauf ich hinauswill, weiß ich nicht. Ich warte mal den Artikel im Spiegel ab.

Ich warte den Spiegel-Artikel ebenfalls ab. Und werde dann darüber berichten. Ich bin, ebenso wie Stumpf, nicht sehr optimistisch…

Heti Válasz: András Stumpf über „Rassistische Windmühlen“

Der Journalist András Stumpf berichtet über das Global Media Forum in Bonn.

Schwerer Angriff aus dem Ausland: Orbáns Getreue auf der schwarzen Liste

Windmühlen des Rassismus

„Probleme bei den Menschenrechten betreffen uns alle unmittelbar“ – so begann der Zeremonienmeister des Global Media Forum in Bonn vergangene Woche seine Einleitung.

Ich wiederum saß im Saal herum, und konnte es kaum erwarten, bis er aufzählt, was ihm – insbesondere in Bezug auf Ungarn – alles Sorge bereitet, Mediengesetz, Autokratie usw.

Und lange musste ich nicht warten. Als er Dunja Mijatovic vorstellte und zu einem der ersten Diskussionsvorträge bat, merkte der Zeremonienmeister zur Person der OSZE-Beauftragten für Pressefreiheit nur so viel an, dass sie bis zum vergangenen Jahr eher unbekannt gewesen sei, aber ihr Name in der Causa Mediengesetz jedermann bekannt geworden sei – sie sei es gewesen, die Druck auf Budapest ausgeübt habe. Nun, ich spitzte meinen Bleistift, jetzt würden wir es wohl abbekommen, aber falsch gedacht. Mijatovic hielt eine sehr korrekte Rede darüber, dass man auch in der westlichen Welt einiges für die Verwirklichung der Pressefreiheit tun müsse, hingegen erwähnte sie den Namen Ungarns, des Landes, welches ihr zu Bekanntheit verholfen hatte, mit keinem Wort.

Die Debatte um das Mediengesetz ging allerdings nicht spurlos vorbei. Ich geriet hierdurch in den Kaffeepausen zwischen den Foren in richtig lustige Situationen. Es war zum Beispiel ein unvergleichliches Gefühl, als mich afghanische und pakistanische Kollegen nach meiner Freiheit bei der Berichterstattung fragten. Sie konnte ich noch beruhigen, ich weihte sie in das große ungarische Geheimnis ein. Darauf hatte ich bei Dr. Hans Hesselmann hingegen keine Lust mehr. Der Herr trat als Redner in einem Workshop zum Thema Antisemitismus und Rassismus auf – er ist Vorsitzender der Koalition europäischer Stadte gegen Rassismus (eines eingetragenen Vereins) –  und begründete die wachsende Notwendigkeit des internationalen Kampfes mit einer Landkarte: „Rechtsradikale, populistische Parteien in Europa“. Und Ja! Bei Ungarn: Fidesz – Bund Junger Demokraten. Mehr nicht. Wer oder was die Quelle für die Landkarte war, diese Frage konnte ich leider nicht stellen, dabei mache ich mir ernsthafte Sorgen. Wenn es auch andernorts so leicht ist, den Feind auszumachen, wird der tugendhafte antirassistische Kampf wohl nie zu Ende gehen. Denn im Kampf gegen Windmühlen wird es schwer, Ergebnisse zu präsentieren.“

http://hetivalasz.hu/jegyzet/rasszista-szelmalmok-39036/