Spiegel-Beitrag „Archipel Gulasch“ online verfügbar

Walter Mayr über Ungarn, den „Archipel Gulasch“:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79974016.html

Bereits der Hessische Rundfunk hatte Ende 2010 die Idee, das Land in Anlehnung an das bestürzendes Werk von Alexander Solschenizyn zu beschreiben (hier); der HR unternahm aber wenigstens den Versuch, das Land – trotz aller Kritik – dem Leser insgesamt näher zu bringen. Der Idee des „Archipels“ gerecht zu werden, versucht – wenig verwunderlich – dagegen eher der Spiegel-Beitrag: Konsequent beginnt er mit dem Bild zwangsarbeitender Zigeuner.

Als Belege für die zweifelhafte demokratische Denke Viktor Orbáns kommen zu Wort der Politologe László Kéri, dargestellt als intimer Kenner der Psychologie des Ministerpräsidenten (trotzdem vergleicht er ihn mit Premierminister Gyula Gömbös, einem Nazi-Kollaborateur und Begründer mehrerer antisemitischer Geheimbünde) sowie die international angesehene Philospohin Ágnes Heller (eine – so der Spiegel – „Lieblingsschülerin des Philosophen Georg Lukács“).

Der Vergleich mit Gyula Gömbös soll gewiss Assoziationen mit der ungarischen Zwischenkriegszeit wecken – dieses Stilmittels haben sich bereits viele Autoren vorsätzlich bedient bzw. dieses unkritisch übernommen und nehmen dadurch jedenfalls billigend in Kauf, dass die Regierung in die geistige Nähe von Faschisten gerückt wird.