Besatzungsdenkmal und „Haus der Schicksale“: Konflikt und Annäherung

Der zwischen der ungarischen Regierung und dem Verband jüdischer Glaubensgemeinschaften (MAZSIHISZ) bestehenden Differenzen um das Denkmal zur Erinnerung an die deutsche Besatzung einerseits sowie das Holocaustmuseum „Haus der Schicksale“ andererseits bleiben teilweise ungelöst.

Ministerpräsident Viktor Orbán traf sich am 30. April zu einem mehrstündigen Gespräch u.a. mit dem MAZSIHISZ-Vorsitzenden András Heisler zum umstrittenen Besatzungsdenkmal, das an den deutschen Einmarsch in Ungarm am 19. März 1944 erinnert, an den sich die Deportation und Ermordung von etwa 500.000 Ungarn jüdischen Glaubens anschloss. Kritiker bemängeln, das Denkmal vertusche die Mittäterschaft ungarischer Behörden und von Teilen der Bevölkerung. Orbán und MAZSIHISZ konnten keine inhaltliche Annäherung erzielen. Orbán betonte, er selbst sehe den „Erzengel Gabriel“, der im gerade im Bau befindlichen Ensemble des Denkmals Ungarn verkörpern soll, stehe für ihn stellvertretend für die Opfer, nicht für die Unschuld des Staates. Orbán bezeichnet das Denkmal in seiner Darstellung auch in einem Schreiben am MAZSIHISZ als moralisch einwandfrei. Heisler betonte, man habe nochmals die Kritik formuliert und vertrete eine andere Auffassung.

Besser scheint die Lage im Bezug auf das Museum „Haus der Schicksale“ am Josefstädter Bahnhof zu sein. Hier vertrat Heisler die Ansicht, man gehe davon aus, dass die Geschehnisse 1944-45 wahrheitsgemäß dargestellt würden.

http://www.atv.hu/videok/video-20140430-nemetorszag-felelos-a-magyarok-kollaboraltak-orban-a-naci-emlekmurol

Besatzungsdenkmal: Bauarbeiten beginnen

Wie der Spiegel heute unter Bezugnahme auf die dpa berichtet, beginnt – nur zwei Tage nach der Wiederwahl der rechtskonservativen Regierung Orbán – der Bau des umstrittenen Denkmals zur Erinnerung an die deutsche Besatzung Ungarns am 19. März 1944.

Kritiker bemängeln, dass das Denkmal, welches Ungarn als Erzengel Gabriel darstellt, auf den ein deutscher Reichsadler hinabstößt, als Opfer darstelle. Jedoch waren ungarische Behörden nach der Besatzung maßgeblich an der Deportation von mehr als 500.000 ungarischen Juden beteiligt.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/ungarn-in-budapest-beginnt-bau-von-orbans-nazi-besatzungsdenkmal-a-963333.html

Verband der jüdischen Gemeinden in Ungarn erklärt vorläufigen Boykott des Holocaust-Gedenkjahres

Der Verband der jüdischen Gemeinden Ungarns (MAZSIHISZ) hat auf seiner heutgen Sitzung einen vorläufigen Boykott des von der Regierung ausgerufenen Holocaust-Gedenkjahres beschlossen. Der Verband forderte den Stopp des geplanten und umstrittenen „Besatzungsdenkmals“ auf dem Freiheitsplatz und des „Haus der Schicksale“ am Josefstädter Bahnhof, ferner müsse der Leiter des historischen Veritas-Instituts, Sándor Szakály, wegen seiner Bewertung der Deportationen von mehreren tausend Juden im nach Kamenez-Podolsk im Jahr 1941 (die anschließend von deutschen SS-Angehörigen ermordet wurden) als „fremdenpolizeiliche Aktion“ abberufen werden. Der Vorsitzende András Heisler teilte mit, MAZSIHISZ erwarte Vorschläge der Regierung für das weitere Procedere. Bis dahin werde man den Veranstaltungen fernbleiben.

http://www.atv.hu/videok/video-20140209-a-mazsihisz-bojkottalja-a-holokauszt-emlekevet

Bereits zuvor hatten einzelne jüdische Gemeinden die Kooperation verweigert.

Ministerpräsident Viktor Orbán will in der kommenden Woche am „Runden Tisch“ der jüdischen Gemeinden teilnehmen und auf „offene Fragen“ antworten.

Budapester Zeitung: Krisztián Ungvárys Beitrag zur Denkmal-Debatte

Die Budapester Zeitung bringt die deutsche Übersetzung eines in der ungarischen Wochenzeitung HVG erschienenen Artikels des Historikers Krisztián Ungváry zum umstrittenen „Besatzungsdenkmal“ auf dem Budapester Freiheitsplatz.

http://www.budapester.hu/2014/01/30/das-wahre-grauen/

Der Originalbeitrag erschien am 21. Januar 2014 und ist hier abrufbar:

http://tablet.hvg.hu/velemeny/20140121_Az_eleven_borzalom